E-Book, Deutsch, Band 1, 374 Seiten
Reihe: Split
Schön Split
1. Auflage 2022
ISBN: 978-3-347-68561-1
Verlag: tredition GmbH
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Im Bann der Seelen
E-Book, Deutsch, Band 1, 374 Seiten
Reihe: Split
ISBN: 978-3-347-68561-1
Verlag: tredition GmbH
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Elisa Schön wurde 2005 geboren und lebt mit ihrer Familie in Niedersachsen. Schon im Alter von acht Jahren schrieb sie mit Begeisterung einzelne Geschichten. Das führte sie fort, und so wurden aus den Drei-Seiten-Geschichten von damals immer längere, ausführlichere und geplantere Geschichten, in denen teilweise komplett neue Welten entstanden. In der Grundschule schrieb sie eine Geschichtenreihe, die aus insgesamt vier einzelnen Geschichten bestand. Ab der fünften Klasse trat sie in die AG "Kreatives Schreiben" ein, in der Geschichten komplett ohne Bedingungen geschrieben und freiwillig auch vorgelesen werden. Diese AG begleitete sie durchgehend. "Paula und die Pferde - Schicksalhafte Wendung" wurde am 24.7.2019 als ihr Debütroman veröffentlicht, womit sich ihr Traum vom Bücherschreiben verwirklicht hat. "Paula und die Pferde - Geheimnisvolle Mission" folgt nun, im August 2021, als dritter und abschließender Teil der Reihe. Dennoch steht bereits fest, dass die Trilogie nicht das einzige Werk bleiben wird, denn Elisa träumt von einer Zukunft als Autorin und arbeitet bereits an einem brandneuen Projekt, welches ebenfalls Fantasy angehört, jedoch eine völlig neue Geschichte wird.
Autoren/Hrsg.
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Kapitel 1
Nichts als durchdringende Dunkelheit umfing mich. Dunkelheit, gepaart mit meinem schnellen Herzschlag, meinem unregelmäßigen Atem und einem unangenehmen Druck an meinem Rücken. Blinzelnd schlug ich die Augen auf, um herauszufinden, wo ich war. Scheinbar lag ich auf dem Boden, denn vor mir – oder besser gesagt über mir – ragten hohe Tannen dem Nachthimmel entgegen, der von regenschweren, grauschwarzen Wolken überdeckt war. Einige Sekunden verharrte ich regungslos in meiner liegenden Position und starrte einfach nur nach oben, während ich die kühle Nachtluft in meine Lungen sog. Ich fühlte mich, als hätte ich gerade einen Marathon hinter mir. Doch der Druck in meinem Rücken brachte mich schließlich dazu, meine liegende Position aufzugeben und mich mühsam aufzurappeln. Dabei griffen meine Hände auf feuchtes Moos – offenbar hatte es geregnet. Sobald mein Rücken den Boden verließ, verschwand glücklicherweise der unangenehme Druck, den, wie ich nach einem Blick hinter mich feststellte, eine aus dem Boden ragende Wurzel verursacht hatte. Scheinbar hatte nicht nur der Boden Regenwasser abbekommen, sondern ich mindestens genau so viel, denn mein dünnes Sweatshirt klebte an meiner Haut und meine Hose war einige Blautöne dunkler als sie eigentlich war. Wie in Trance sah ich mich um, während mein Gehirn endlich realisierte, dass ich mich in einer wirklich merkwürdigen Situation befand und allerhand Fragen auf mich einprasselten. Wie kam ich hierher? Warum hatte ich auf dem Boden gelegen? Und wo war „hier“ überhaupt? Ich befand mich scheinbar tief in einem Wald, denn außer einiger Tannen, Laubbäume, Büsche und Wurzeln sah ich weit und breit nichts. Ich lauschte. Eine leichte Brise brachte die Pflanzen zum Rascheln und irgendwo über mir erklang der Ruf einer Eule in der Nacht. Vermutlich sollte ich in Anbetracht meiner Situation Angst haben, aber mein Kopf war wie leergefegt und es gelang mir kaum, irgendwelche Erinnerungen, wie ich hierhin kam, wach zu rufen. Da ich allerdings aufgrund der kühlen Temperatur und meiner dünnen und vor allem nassen Kleidung langsam begann, zu frösteln, war es wohl meine oberste Priorität, hier erstmal wegzukommen. Langsam stand ich auf, wobei das herbstliche Laub unter mir raschelte, und suchte in stehender Position nochmals nach irgendeinem Merkmal, was mir einen dringend benötigten Denkanstoß geben würde, um mich zu orientieren. Doch offensichtlich war ich noch nie in diesem Waldstück gewesen, denn ich fand rein gar nichts Vertrautes. Auch sah es nicht so aus, als hätte ich irgendetwas Hilfreiches wie ein Handy oder einen Kompass dabei – genauer gesagt schien ich gar nichts dabei zu haben. Da mir nichts großartig übrigblieb, wenn mein Kopf schon nicht mitspielte und ich auch sonst auf keinerlei Hilfe zählen konnte, setzte ich mich zögerlich in Bewegung und stakste wie ein unsicheres Reh durch den Wald. Früher oder später musste ich auf einen Weg oder zumindest den Waldrand stoßen, und dann würde ich schon zurück nach Hause finden. Während ich so durch die Gegend irrte und wachsam die Augen und Ohren offenhielt, wurde ich irgendwann von dem Gefühl ergriffen, beobachtet zu werden. Unsicher drehte ich mich um die eigene Achse, doch egal, wie oft ich den Vorgang wiederholte, ich konnte nirgends jemanden entdecken. Vermutlich war es bloß irgendein scheues Waldtier oder meine etwas verspätete Nervosität setzte nun doch ein. Unwillkürlich beschleunigte ich meine Schritte, bis ich tatsächlich endlich auf einen Weg stieß. Beinahe hätte ich ihn übersehen, denn es handelte sich nur um eine kleine, unscheinbare Spur, kaum mehr als ein Trampelpfad. Nur wegen der kleinen Buschreihe, die mir den Weg versperrte und mich gen Boden blicken ließ, hatte ich ihn unter mir wahrgenommen. Auch wenn es nur ein kleiner Anhaltspunkt war, stieß ich einen zutiefst erleichterten Seufzer aus und folgte ihm. Er war schließlich mein einziger möglicher Ausweg aus dieser bizarren Lage. Sowohl mein Gefühl der Hilfslosigkeit, als auch der Eindruck, beobachtet zu werden, ließen endlich nach, je mehr ich dem Pfad folgte, bis ich schließlich auf einen offiziell aussehenden Waldweg stieß. Ich ließ meinen Blick schweifen und erblickte in der Ferne im Schatten der Büsche einen Wegweiser. Bingo! Schnellen Schrittes näherte ich mich dem hölzernen Pfahl, bis ich lesen konnte, was auf dessen pfeilförmigen Schildern stand. Als ich dem Namen der Kleinstadt „Welfort“, in der ich wohnte, erblickte, jubelte ich leise, trotz dass die Entfernungsangabe direkt daneben fünf Kilometer anzeigte. Immerhin hatte ich nun einen Weg, dem ich folgen konnte und sicher wusste, dass ich ankommen würde, auch wenn ich mir wesentlich besseres vorstellen konnte als einen unfreiwilligen, nächtlichen Spaziergang mit durchnässter Kleidung und keinem blassen Schimmer, wie ich überhaupt hierhergekommen war. Um keine Zeit zu verlieren, setzte ich meinen Weg nach Hause fort und grübelte währenddessen über die Umstände nach. Was hatte dazu geführt, dass ich über fünf Kilometer weit von Zuhause entfernt im einem mir unbekannten Waldstück gelegen hatte? Wie lange hatte ich da überhaupt gelegen? Als würde es meine Erinnerungen zurückholen, biss ich mir auf die Unterlippe und strengte konzentriert mein Gedächtnis an. Aber ich schien weder über das Wissen zu verfügen, wie ich in diese Situation geraten war, noch überhaupt etwas aus meiner Vergangenheit zu wissen, wie ich erschrocken feststellte, als meine Gedanken abschweiften. Wobei, das stimmte nicht ganz. Ich wusste immerhin, wer ich war – Rachel Borg, die bei ihrer Oma in Welfort lebte, dieses Jahr siebzehn wurde, Einzelkind und beste Freundin von Merle Sievitz war – aber alles andere schien völlig aus meinem Kopf gelöscht zu sein. Was war überhaupt mit meinen Eltern? Dunkel erinnerte ich mich, dass ich sie längere Zeit nicht gesehen hatte, doch die Umstände waren mir unklar. Aufgewühlt widmete ich mich wieder meiner jetzigen Lage. Alles andere hatte Zeit und würde sich im Zweifel sogar von selbst erklären, sobald ich Zuhause war. Was hatte ich getan? Welches Datum war überhaupt heute? Vielleicht hatte ich ja auf irgendeiner Party zu viel getrunken und war kopflos irgendwo hingerannt. Oder jemand hatte mir etwas in mein Getränk gemischt, falls meine Idee mit der Party denn überhaupt korrekt war. Den ganzen Weg lang kam ich zu keinem wirklich vernünftigen Ergebnis, und als wäre meine Lage nicht schon miserabel genug, fing es, während ich am Rand einer Landstraße entlangtrottete, an deren Ende sich endlich meine kleine Stadt befand, auch noch zu regnen an. Der Himmel öffnete seine Pforten und ließ es wie aus Eimern schütten, sodass ich einen Fluch ausstieß und meine Schritte noch mehr beschleunigte. Meine Kleidung war doch ohnehin schon pitschnass, vermutlich durch einen Regenschauer zuvor, und dennoch schien das dem Schicksal nicht zu genügen. Trotz meines schnellen Gehens war ich, als ich nach insgesamt sicherlich zwei Stunden endlich am Haus meiner Oma ankam, pitschnass, durchgefroren und müde. Ich öffnete das schwarze, eiserne Gartentor und schlurfte den gepflasterten Weg entlang zu der steinernen Treppe, die zu der glücklicherweise überdachten Haustür führte. Im Fenster links daneben, das Fenster zur Küche, brannte noch Licht, sodass meine Oma scheinbar noch wach war. Wenigstens blieb es mir somit erspart, sie wach zu klingeln, denn ohne Schlüssel kam ich nicht ins Haus. Erschöpft klingelte ich und wartete, bis hinter der verzierten, dunkelbraunen Tür Schritte erklangen und sie sich öffnete. Meine Oma erschien im Türrahmen und starrte mich entsetzt an. Oma Lieselotte trug bereits eine Schlafmaske, die sie allerdings hochgezogen hatte und somit über den lockigen, grauen Haaren trug, die ein wenig aussahen wie ein Schafspelz. Ihre braunen Augen, die von goldenen Sprenkeln verziert waren, bohrten sich durch ihre goldene Brille hindurch in meine, nachdem sie mich kurz abgescannt hatte. Der rosa Schlafmantel, der sich an ihre rundliche Figur schmiegte, deutete darauf hin, dass sie bereits im Bett gelegen hatte oder kurz davor war, zu schlafen, was in mir wieder die Frage weckte, wie spät es überhaupt war. Scheinbar erwartete sie, dass ich etwas sagte, um mich zu erklären. Doch da ich selbst keinen blassen Schimmer hatte, was hier los war, bemühte ich mich um einen entschuldigenden Blick und piepste kleinlaut: „Hi.“
„Wo um alles in der Welt warst du?“, herrschte sie mich umgehend an, ohne die Begrüßung zu erwidern.
„Ich…“, setzte ich an und bemerkte, wie rau meine Stimme klang.
Mulmig zumute brach ich ab, ratlos, was ich sagen sollte, und sah Oma Lieselotte stumm an.
Das schien sie als Anreiz zu nehmen, weiter zu schimpfen: „Was fällt dir eigentlich ein, einfach abzuhauen, bei so einem Wetter, und erst tief nachts wiederzukommen? Bist du noch ganz bei Trost? Hast du überhaupt den Hauch einer Ahnung, wie spät es...




