Skiáthos / Stadt (Chóra)
Ein Augenschmaus: Weiße Häuser mit roten Dächern ziehen sich eng aneinandergereiht die grünen Hänge hinauf. Riesige Betonklötze sind hier nicht zu sehen. Unten am Meer erstreckt sich eine lange Uferpromenade, in ihrer Mitte liegt die kleine Halbinsel Boúrtzi. Skiáthos/Stadt ist bekannt für sein Nachtleben im griechischen Ferienmonat August.
Blick über die grünen Hügel auf Skiáthos/Stadt und die gesamte Bucht
Die neue Stadt Skiáthos wurde nach dem Ende der türkischen Besatzung 1829 einfach auf den spärlichen Resten der antiken Siedlung errichtet. Skiáthos hat seinen Namen seit über 2000 Jahren erhalten können. Heute lebt fast die gesamte Inselbevölkerung in der Stadt.
Die belebte und während der Sommersaison zur Fußgängerzone erklärte Odós Papadiamántis ist die Hauptgasse. Sie beginnt direkt gegenüber dem Fähranleger und trennt die beiden sanften Hügel, an denen die Stadt sich malerisch hinaufzieht. In der Hauptgasse Papadiamántis ist heute kaum ein Haus mehr bewohnt. Hier ist alles auf die Bedürfnisse der Urlauber zugeschnitten. Souvenirläden mit allerlei Kitsch reihen sich zwischen Bars, Terrassencafés, Tavernen, Kafenía und Souvláki-Buden ein.
Zwischen den beiden markanten Hafenbecken liegt die unter Naturschutz gestellte Halbinsel Boúrtzi. Hier finden im Hochsommer kulturelle Veranstaltungen statt. Der alte Hafen westlich der Boúrtzi ist heute v. a. den Ausflugsbooten und Kaíkis der Fischer vorbehalten. In der Mitte des Kais erhebt sich ein Denkmal für die Gefallenen eines im Zweiten Weltkrieg gesunkenen U-Boots, drum herum sitzen jeden Tag die Fischer und flicken ihre Netze. An der Néa Paralía, so nennt man die Uferfront östlich der Schiffsanlegestelle, ankern die Touristenyachten und Segelschiffe. Weiter östlich an der Buchtstraße Odós Paraliakós (abends Fußgängerzone) in Richtung Ammoudiá wurden in den letzten Jahren einige Tavernen und Bars eröffnet, d. h., die Stadt wächst Richtung Osten weiter und der Tourismus verlagert sich teils aus dem Zentrum heraus. Im Sommer ist hier am Abend eine belebte Ausgehmeile mit schicken Open-Air-Clubs, tagsüber sind hier aber nur wenige der Tavernen geöffnet. Noch ein paar hundert Meter weiter befindet sich eine alte Werft. Früher wurden hier Ozeandampfer gebaut, heute hämmern nur noch ein paar Männer an Ausflugskaíkis und kleinen Lastkähnen herum. Im Juli und August gibt es unregelmäßig kulturelle Veranstaltungen im Theater Boúrtzi auf der gleichnamigen Halbinsel zwischen den beiden Häfen. Organisiert werden sie von der Stadt und sie sind kostenlos zugänglich. Die Palette reicht von traditioneller Inselmusik mit Tanz in historischen Kostümen bis zu antiken Theaterstücken (in griechischer Sprache). Platz ist für rund 400 Personen, oft herrscht erheblicher Andrang.
Wer mit dem Schiff auf die Insel kommt, landet direkt vor dem Zentrum der Stadt Skiáthos an. Trotz der heute üblichen Reservierung über Internet kommen noch immer Zimmeranbieter zur Fähre, um ihre Übernachtungsquartiere den wenigen Gästen anzupreisen, die nicht vorgebucht haben. Nebenan stehen Taxis sowie die Busse der großen Hotels bereit, um die Gäste zu transportieren. Autos fahren in einer langen Schlange aus dem Bauch des Schiffs. Manchmal ist der Menschenauflauf beträchtlich und die Szenerie wirkt ziemlich chaotisch. Der Spuk ist aber auch schnell wieder vorbei. Keine zehn Minuten nachdem das Schiff den Hafen verlassen hat, kehrt wieder Ruhe im Hafen ein. Skiáthos’ Nachtleben ist laut, locker und beschwingt. Es wird ausgelassen gefeiert, v. a. im griechischen Hauptreisemonat August, wenn die Nachtclubs fest in der Hand von Studierenden aus Thessaloníki sind. Zentren des Nachtlebens sind die Odós Polytechníou („Bar-Street“) und die Odós Paraliakós in Richtung Ammoudiá. Langeweile kennt man nicht und die Nacht endet erst, wenn die Straßenbeleuchtung wieder ausgeschaltet wird. Mitte August ist der Höhepunkt des Rummels und auch des Preisniveaus erreicht.
Sehenswertes
Lohnenswert ist ein Spaziergang durch die zahllosen verwinkelten und herausgeputzten Gassen auf den beiden Hügeln der Stadt und oberhalb des alten Hafens. Verlaufen hat sich wahrscheinlich noch niemand, aber man tut sich zunächst schwer mit der Orientierung in dem Gässchen-Labyrinth. Einen Besuch wert sind besonders das Papadiamántis-Haus, das Folkloremuseum, das Schifffahrtsmuseum, die Halbinsel Boúrtzi und einige Kirchen.
Papadiamántis-Museum (Mouseío Alexándrou Papadiamánti): Aléxandros Papadiamántis gilt als berühmtester Sohn der Insel. Von dem Literaten, der am 4. März 1851 hier geboren wurde und 1911 starb, stammen über 200 Kurzgeschichten, die fast immer mit der Insel Skiáthos zu tun haben. Zu seinen berühmtesten Arbeiten zählt die Geschichte „Die Mörderin“ von 1903. Papadiamántis beschreibt darin eine Frau, die ihr Leben als Sklavendasein empfindet und aus diesem Grund zur Serienmörderin von Mädchen wird. Papadiamántis’ Geschichten aus dem Realismus des 19. Jh. werden oft verglichen mit den berühmten Werken von Henry James, Guy de Maupassant, Luigi Pirandello und Anton Tschechow. Das Museum befindet sich im Elternhaus des Dichters, in dem er auch, nach Aufenthalten in Athen, die letzten Jahren seines Lebens verbrachte. Es besteht aus drei winzigen Räumen und ist zudem nur spärlich eingerichtet. Ein Kamin, ein paar Stühle, Papadiamántis’ Schreibtisch und eine Vitrine mit persönlichen Gegenständen, viel mehr gibt es nicht zu sehen.
Das Haus gehört seit 1954 der Gemeinde Skiáthos, wurde 1965 zum historischen Denkmal erklärt und 1990 behutsam renoviert. Es ist ein einfaches Stadthaus aus Steinmauern mit einem Holzdach, welches mit Ziegeln im byzantinischen Stil gedeckt ist. Das Untergeschoss mit einer Säule in der Mitte, die das Obergeschoss stützt, ist nicht zugänglich. Ins Obergeschoss führt eine hölzerne Außentreppe. Dort befinden sich die drei Räume des Museums.
Für Interessierte liegt eine kleine Mappe mit ein paar Informationen in griechischer und englischer Sprache aus. Dazu bescheidene Leseproben. Etliche Bücher des Künstlers kann man im Museumsshop erwerben, die meisten jedoch nur in englischer Sprache. In Deutsch wird „Die Mörderin“ und „Die heilige Nacht auf dem Berg“ verkauft.
? Tägl. 8.30-14.30 Uhr und 16.30-20.30 Uhr. Eintritt 2 €. Odós Papadiamántis 12, Tel. 24270-23843. Volkskunde-Museum (Skiathítiko Spíti): Das Museum wurde von privat in einem historischen Stadthaus liebevoll und sehr eindrücklich eingerichtet. Das zweistöckige Haus entstand um 1910, errichtet mit dicken Steinmauern und einem Dach aus Tonziegeln im byzantinischen Stil. Mit viel griechischer Gastfreundlichkeit und Enthusiasmus gewähren die Nachkommen der Familie - Bábis und Dína - Einblick in ihr historisches, sehr gepflegtes Haus. Eine Reise in eine andere Zeit. Im Erdgeschoss befindet sich das Wohnzimmer, in dem u. a. traditionelle Trachten, handgewebte Teppiche, Stickereien und Seidenstoffe von der Insel zu sehen sind. Über eine Holztreppe gelangt man ins Obergeschoss. Hier steht der Webstuhl der Familie und es werden Fotos aus Skiáthos und vom dem in die USA ausgewanderten Familienzweig präsentiert, die zum Teil 150 Jahre alt sind. Auch die „Brautkiste“ ist noch erhalten, in der einst die Mitgift lag.
Im Hof des Hauses stehen einige große Krüge, in denen früher Olivenöl gelagert wurde, sowie der Mühlstein einer Olivenpresse und weitere Gerätschaften aus der traditionellen Landwirtschaft.
Das Museum ist im Kulturzentrum der Gemeinde Skiáthos auf der Halbinsel Boúrtzi untergebracht. Früher befand sich die Grundschule in diesem Gebäude. Die 2015 eröffnete Ausstellung besteht aus zwei Sektionen.
Die erste Sektion umfasst den großen Eingangsraum mit Schiffsmodellen, Werkzeugen für den Schiffsbau, zahlreichen Schiffsbauteilen und sogar noch zwei Kanonen. Die zweite Sektion hat die kommerzielle Schifffahrt in Griechenland seit 1950 zum Thema. Nach dem Krieg wurden viele Schiffe aus den USA gekauft. Daher stammt ein großer Teil der Exponate ursprünglich aus den USA. Zu sehen sind u. a. Kapitänspatente, Uniformen, Sextanten und Kompasse, Schiffsglocken und Schiffshörner, Positionslampen, Teile von Motoren und eines Torpedos sowie Schiffsmodelle, auch von der...