E-Book, Deutsch, 538 Seiten
Scholz Lanzarote
1. Auflage 2025
ISBN: 978-3-7693-9123-7
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Auf den Spuren einer Vulkaninsel
E-Book, Deutsch, 538 Seiten
ISBN: 978-3-7693-9123-7
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Dr. Lothar Scholz, Jahrgang 1949, pensionierter Schulamtsdirektor (Lehrerfortbildung), zahlreiche Veröffentlichungen über Didaktik und Methodik der Politischen Bildung, Autor von Büchern über Lanzarote: "Unterwegs auf Lanzarote", "Lanzarote - Lava, Licht und Farben" sowie ein Bildband "Lanzarote - Bilder einer einzigartigen Insel". Begeisterter Fotograf. Er kennt Lanzarote seit 35 Jahren, hat viele Vulkane bestiegen und unzählige Wanderungen gemacht.
Autoren/Hrsg.
Weitere Infos & Material
II. Barrancos, Calderas, Vulkangipfel
5. Rincones ocultos - Steinige Stellen
Die Cueva de los Pilares alias ‚Kathedrale von Mala‘
Zwei Ziele streben wir auf dem Rundweg, der nicht mehr als drei-Stunden in Anspruch nehmen sollte und etwa 11 Kilometer lang ist, an: die sogenannte ‚Kathedrale von Mala‘ sowie der Staudamm Presa di Mala.
„Ok, pack mers.“
Ich blicke aufmunternd zu Michael.
„Auf geht’s!“, antwortet er.
Über eine weißgestrichene Brücke mit verrostetem Geländer gelangen wir auf die andere Straßenseite der LZ 1 und steigen auf einem gut sichtbaren Pfad bergan. Ich setze die Wanderstöcke sehr bewusst ein, um die Knie zu entlasten. Wir kommen sehr gut voran.
Wir gehen auf eine kleine Höhle zu, die ich natürlich genauer inspizieren muss. Auf den Steinen sitzend und weit zurückgelehnt, gelingen mir einige schöne, landschaftsrahmende Aufnahmen. Es geht in Serpentinen weiter bergauf bis zu einer Steinmauer, vor der wir nach rechts abbiegen und einer Piste folgen. In den Blick kommen die Vulkane des Nordens von Lanzarote sowie der mit 671 Meter höchste Punkt der Insel, der ‚Peñas del Chache‘, mit seiner weithin sichtbaren Radarkugel.
Wir orientieren uns an einer einsam stehenden Palme auf dem gegenüberliegenden Kamm, auf die wir zulaufen. An einer markanten, zerfallenen Hausruine aus dunkelbraunen Steinen endet die Piste und wir gehen nach rechts leicht abwärts.
Von der Höhle oder ‚Kathedrale‘ oder wie immer man es nennen mag, ist bislang überhaupt nichts zu sehen. Auch von einem Weg oder einer Piste kann jetzt keine Rede sein. Ein schmaler, teilweise von Gras und Pflanzen überwucherter Pfad führt hinunter und zum ersten Mal frage ich mich ernsthaft, ob wir hier richtig sind. Vor uns liegen verrostete Tonnen und einige Haufen von Lavagranulat. Das könnten Anzeichen dafür sein, dass in der Nähe Picon abgebaut worden ist, die Höhle, genauer gesagt die Mine, also auch nicht weit ist.
Und dem ist so. Wir rutschen an weiteren Piconhaufen vorbei einen kleinen Abhang hinunter und stehen vor einem hohen, aber schmalen Eingang.
Vorsichtig und mit einer Portion Ehrfurcht gehen wir hinein und kommen aus dem Staunen nicht mehr heraus.
„Schau dir das mal an!“, sagt Michael. „Das ist ja großartig!“
„Wow!“
Ich bin sprachlos. Das hat ja wirklich kathedrale Dimensionen. Etwa 15 Meter hoch sind die Basaltsäulen, die wie Pfeiler in einer Kathedrale stehen. Sie ist an mehreren Stellen nach oben offen. Durch diese Öffnungen fällt Licht in die Höhle ein, das imposante Lichtmuster in den Innenräumen zaubert. Verschiedene Räume, einige tieferliegend, gliedern die ‚Cueva de los Pilares‘, wie sie wohl richtigerweise heißt, und gestalten sie zu einem Ensemble, das durchaus die Assoziation ‚Kathedrale‘ rechtfertigt.
Ich habe so etwas noch nicht gesehen.
Picon, auch Rofe genannt, wurde hier im letzten Jahrhundert in dieser Mine abgebaut und ausgeschürft.39
„Weshalb sind einige dieser Säulen stehen geblieben oder stehen gelassen worden?“
„Vielleicht weil hier der Picon, oder die Rofe, zu fest und hart zusammengebacken war und es schwieriger war, sie auszukratzen.“
„Vielleicht waren es auch statische Gründe, weshalb die Bergarbeiter ganz bewußt manche Säulen stehen ließen, weniger optische Gründen, oder? Wer weiß?“
„Es soll noch mehrere Höhlen in unmittelbarer Umgebung geben“, sage ich zu Michael. „‚Cuevas de la Arena‘ nennt sich dieses Gebiet.
Aber die ‚Cueva de los Pilares‘ ist die größte von allen.“
Ich lasse die Atmosphäre auf mich wirken und inspiziere alle Ecken der ‚Kathedrale‘. Dem Fotografen bietet die Säulenhalle reizvolle Perspektiven. Meine Fotokamera ist voll im Einsatz.
Wir treten nach eingehender Besichtigung aus der Höhle wieder heraus und machen eine ausgiebige Rast. Ein kleiner Gecko lugt vorsichtig aus dem Gebüsch heraus. Ich schütte ihm ein wenig Wasser in eine kleine Mulde.
Wir schultern nach kurzer Pause wieder die Rucksäcke und machen uns auf den Weg Richtung Staumauer, der Presa di Mala. Zunächst geht es auf einem schmalen Pfad ein Stück schräg hinauf, dann fast weglos hinunter zu einem Anwesen, schließlich an einem Wasserkanal entlang nach unten zu einer breiten Piste. Sie führt uns zu der Staumauer, die sehr deutlich von der LZ 1 zu sehen ist.
Presa di Mala
Gut lesbar prangen von der Staumauer die Wörter: AMA RIE VIVE neben einem überdimensionierten roten Herz. Das Bauwerk ist zwar keine ‚Höhle‘, aber nicht minder sehenswert. Außerdem liegt es auf dem Rückweg der Rundtour.
Der Staudamm, in den letzten Jahren des Franco-Regimes in fast zwei Jahrzehnten für über 60 Millionen Peseten (inflationsbereinigt etwa 4 Millionen Euro heute) gebaut, wurde nie eingeweiht und in Betrieb genommen, weil er nicht dicht war. Das Wasser lief aus wie aus einer Badewanne, aus der der Stöpsel gezogen wurde.40 Seit den 70er Jahren rotten und verrosten die Anlagen vor sich hin, ein Industriedenkmal vom Feinsten.
Liebe, lache, lebe! Das weithin sichtbare Motto, kunstvoll an die Staumauer gemalt, verleiht dem heruntergekommenen Bauwerk einen fröhlichen, heiteren Ton. Ansonsten ist es ein nicht ganz ungefährliches Unterfangen, sowohl über die Staumauer zu gehen als auch das Innere des Staudamms zu erforschen. Schwindelfrei sollte man schon sein, denn die Geländer sind durchgerostet und ein falscher Schritt könnte ein Sturz in die Tiefe bedeuten.
Alle 10 Jahre werden wohl Renovierungsarbeiten vom Inselwasserrat durchgeführt. Ein Abriss kommt aber nicht in Frage, da der Damm nach wie vor die wichtige Funktion ausübt, ein unkontrolliertes Überlaufen oder Abfließen des Wassers bei starken Regenfällen zu verhindern.41
„Das ist ja wohl nicht ganz ungefährl ich“, kommentiert Michael den Zustand der Anlage. „Wenn du hier einen Schritt zu weit gehst…“, er deutet auf die freien Enden des verrosteten Geländers.
„Es soll jetzt im Frühjahr 2024 mit Reparationen begonnen und Vorkehrungen getroffen werden, die der Sicherheit der Besucher dienen. Vor allem sollen die Umzäunungen und der Zugang zur Galerie sicherer gemacht werden, um Unfälle oder Abstürze zu vermeiden und Warnschilder sollen erneuert werden. 155.000 Euro sind hierfür vorgesehen. Ende 2024 sollen die Arbeiten abgeschlossen sein.“42
„Hoffentlich darf man dann noch in die Anlage“, bemerkt Michael.
„Ich würde das bezweifeln. Man wird sie dicht machen, zumindest unten in der Galerie.“
„Warten wir es ab.“
Ich will das rote Herz aus der Perspektive von oben fotografieren. Deshalb lege ich mich auf die Staumauer.
Als ich mich wieder aufrappele, grinst Michael mich an.
„Fotografieren ist ja für dich eine anstrengende Disziplin. Und auf dein Knie nimmst du auch keine Rücksicht, oder?“
„Das Knie spüre ich wohl, es hat sich schon zu Wort gemeldet. Aber, wer weiß, wie lange wir hier nach den Reparaturarbeiten noch solche Aufnahmen machen können. Und im übrigen: ich gebe dir völlig recht: Fotografieren ist mit Bewegung verbunden. Wenn du besondere Aufnahmen machen willst, musst du öfters Standpunkt und Perspektive verändern, dich also auch mal auf den Bauch oder den Rücken legen oder in die Knie gehen, auch wenn es weh tut.“
Wir steigen hinunter in die Galerie, die ebenfalls schöne Motive bietet und die ohne eine gewisse Flexibilität des Knochengerüstes nur schwer einzufangen sind.
Klettern auf Lanzarote
„Dort unterhalb der Staumauer gibt es links und rechts einige anspruchsvolle Kletterrouten. Zwei Touren führen sogar die Staumauer herauf. Sie werden toprope gesichert, also von...




