Schorm | Perry Rhodan Neo 194: Abgründe der Zeit | E-Book | www.sack.de
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E-Book, Deutsch, Band 194, 160 Seiten

Reihe: Perry Rhodan Neo

Schorm Perry Rhodan Neo 194: Abgründe der Zeit


1. Auflage 2019
ISBN: 978-3-8453-4894-0
Verlag: Perry Rhodan digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

E-Book, Deutsch, Band 194, 160 Seiten

Reihe: Perry Rhodan Neo

ISBN: 978-3-8453-4894-0
Verlag: Perry Rhodan digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Im Jahr 2036 entdeckt der Astronaut Perry Rhodan auf dem Mond ein außerirdisches Raumschiff. Damit öffnet er den Weg zu den Sternen - der Menschheit werden kosmische Wunder offenbart, sie gerät aber auch häufig in höchste Gefahr. 2058 sind die Menschen nach schwerer Zeit mit dem Wiederaufbau ihrer Heimat beschäftigt, wobei sie immer mehr zu einer Gemeinschaft zusammenfinden. Nur vereint können sie den Bedrohungen aus den Tiefen des Alls trotzen. Nachdem Rhodan einen Angriff der sogenannten Bestien abgewehrt hat, haben diese sich zurückgezogen. Noch hat ihr Befehlshaber ANDROS nicht aufgegeben. Er will im Solsystem einen Durchgang in eine Fremddimension schaffen. Um dies ein für alle Mal zu verhindern, begibt sich Perry Rhodan auf eine gefahrvolle Reise. Währenddessen setzen seine Gefährten daheim alles auf eine Karte: Die Hyperwelle soll ANDROS zurückschlagen. Ein Scheitern hätte katastrophale Folgen für alle Menschen - das enthüllt der Blick in die ABGRÜNDE DER ZEIT ...

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2.

MAGELLAN

Crosscheck

»Man sollte doch wirklich denken, jemand wie ich hätte sich mittlerweile daran gewöhnt!«, murmelte Seth Curtis.

Der Techniker drehte sich einmal um die eigene Achse, was in der Schwerelosigkeit mit einer ganz eigenen Problematik verbunden war. Curtis war ein kleiner Mann, wie ihm der freundschaftliche Spott seiner Kollegen immer wieder bewusst machte. Schütteres Haar und eine nach allgemeiner Ansicht misslungene Barttracht waren weitere Gründe für Hänseleien. Curtis war aber dickfellig, was solche Scherze anging. Er selbst war ebenfalls nicht aufs Maul gefallen und ihm war klar: Wer austeilen wollte, musste auch einstecken können.

Gerade in diesem Augenblick jedoch verfluchte er das fransige Gewächs um Wangen und Kinn. Es juckte unerträglich, und er war nicht in der Lage, sich zu kratzen. Das Jucken war ein Nebeneffekt der anzuginternen Klimatisierung, auf die seine Haut reagierte. Ein Mittel dagegen hatte er bislang nicht gefunden, ein Besuch in der Medosektion der MAGELLAN war ebenfalls keine Hilfe gewesen. Dass er die sonderbare Sud einmal völlig ratlos hatte sehen dürfen, war den Besuch aber wert gewesen.

»Kàc! Thalla is cagnaich bruis ... aaaargh!«, fluchte er und versuchte den Kopf so zu drehen, dass er die Helminstallationen erreichte. Die kleinste Berührung wäre eine Wohltat gewesen. Leider hatte er die Impulserhaltung vergessen, die sich in der Schwerelosigkeit sofort bemerkbar machte.

Er drehte sich erneut – allerdings in die falsche Richtung.

»Da soll man nicht wahnsinnig werden!«, schimpfte er. »Thighearna!«

Andere Gründe, sich aufzuregen, hatte er nicht. Seine Inspektionstour, zu der ihn Rufus Darnell höchstpersönlich eingeteilt hatte, verlief derart reibungslos, dass Curtis sich beinahe langweilte. Der Chefingenieur des Expeditionsraumers hatte die Rolle des verstorbenen Tim Schablonski übernommen und füllte sie aus, ohne dass jemand diesen vergessen hätte. Schablonski war eine Legende geworden – etwas, was er gewiss nie gewollt hätte. Curtis hatte bereits die ersten Gerüchte und Gespenstergeschichten gehört, wonach sich der Geist des Toten in den technischen Innereien der MAGELLAN eingenistet habe und sie beschützte.

Curtis warf einen Blick in die Tiefen des HAFENS, des gewaltigen Hangars, der den Äquatorbereich der MAGELLAN beherrschte. Mit einer Höhe von etwa 500 Metern war er eine Kathedrale der Technik und ein Triumph terranischen Erfindergeistes. Kein Arkonide, kein Liduuri hatte an diesem Konzept und seiner Umsetzung Anteil gehabt. Der HAFEN war durch und durch ... menschlich. Das war einer der Gründe, warum sich Curtis gern dort aufhielt.

Er hatte seine Inspektion beinahe beendet. Er schwebte an einer Traube senkrecht stehender Space-Disks vorbei. Sie kamen direkt aus der benachbarten WERFT und wurden nach der Generalüberholung in ihre Parknischen verfrachtet. Arbeitsroboter umschwärmten die Raumboote.

Rote, blinkende Lichter signalisierten einen Gefahrenbereich. Curtis wurde automatisch abgebremst. Die Signale der Leitstelle hatten im HAFEN absolute Priorität. Den riesigen, sich langsam drehenden Kontrollturm hatte Curtis im Rücken.

Er nutzte die Zwangspause, um den Bericht für die überprüften Sektionen sechs, sieben und acht abzuschließen und abzusenden. Die Bestätigung der Leitstelle kam sofort.

Curtis grinste, als er einen Fünferpulk Dragonflys vorbeihuschen sah.

Gleich ... gleich ..., dachte er, als die Piloten abrupt unterschiedlichste Korrekturtriebwerke zündeten. Die Formation löste sich für einige Sekunden auf, bis die zentrale Überwachung die Kontrolle übernommen und die Kursabweichungen ausgeglichen hatte. Hafenhopsen war ein beliebtes Spiel gerade der Dragonflypiloten. Der Gegenschub war viel zu klein, um wirkliche Unordnung anzurichten, und alle wussten das. Es war eher ein stiller Protest, mit dem die Flieger ihre Unabhängigkeit und vor allem ihren Widerwillen gegen eine Fernsteuerung bekundeten.

Männerspielchen ..., dachte Curtis. Allerdings wusste er, dass die Pilotinnen genau dasselbe Spiel trieben. Gleichberechtigung ist ..., wenn alle denselben Scheiß machen können!

Das Signal wechselte von Rot auf Grün.

»Gut so, ich will nach Hause«, murmelte Curtis. Damit war seine Kabinenflucht gemeint. Die Unterbringung an Bord der MAGELLAN war extrem großzügig. Der Kugelriese hatte einen Volumeninhalt von 7,2 Milliarden Kubikmetern. Eine unfassbar große Zahl. Und obwohl ein Großteil davon für Technik und Antrieb gebraucht wurde, war für alle etwa 8000 Besatzungsmitglieder mehr als genug Platz vorhanden. Zumal viele davon in ihren Beibooten, den Schweren Kreuzern und Korvetten untergebracht waren.

Seine eigene Unterkunft lag direkt beim Atrium. Der einzige Punkt, der Curtis störte, war, dass man diesen Gemeinschaftsbereich als Tropicarium gestaltet hatte – wohl in der Annahme, jeder Mensch müsse Südseeambiente mögen. Curtis indes liebte die Berge und war damit der Gegenbeweis. Er vermisste die herbe Schönheit des schottischen Hochlands.

Wenn das kein Luxusproblem ist, dachte er selbstironisch. Dass man sich über Inselflair beschweren möchte ... Seth, dir geht's zu gut.

»Freie Anomalie im Energienetz registriert!«, meldete die Mikropositronik seiner Sensorausstattung, die um einiges präziser arbeitete als die Standardexemplare. Immerhin musste er auch kleinste Fehler aufspüren können.

»Eine was bitte?«

»Eine freie Anomalie im Energienetz«, wiederholte die Positronik mit der ihr eigenen Beharrlichkeit.

Curtis sah die Messwerte. Einordnen konnte er sie nicht. Die Herkunft einer solchen Fluktuation war ihm schleierhaft, zumal der Energieverbrauch für alle regulären Systeme keinen Schwund aufwies.

»Bin ich verrückt? Wo kommt das her?«, fragte er. Er stoppte eine weitere nervtötende Nicht-Antwort der Positronik mit einem energischen Blinzeln.

Was auch immer diese Anomalie war, egal woher sie kam: In der hochsensiblen und vielfach vernetzten Umgebung des HAFENS konnte sie schnell zu einer Katastrophe führen. Ein falsches Signal, eine zu früh freigeschaltete Flugweiche – und Beiboote würden kollidieren; mit allen Sekundärschäden, die man sich nur vorstellen konnte.

»Sicherungsmodus!«, befahl Curtis also.

Die Information ging sofort an die zentrale Leitstelle und alle ihre Subsysteme. Die Toleranzen würden automatisch nach unten korrigiert werden. Erlaubt waren nun ausschließlich die vorgegebenen Sollwerte; ohne Abweichung. Dann kontaktierte er Rufus Darnell. Der Chefingenieur wurde selbstverständlich auch von der Bordpositronik über solche Vorkommnisse unterrichtet, aber Curtis wusste, dass Darnell eine persönliche Kommunikation bevorzugte.

»Curtis, TCS 01-28, an Darnell«, sagte er. »Sir, Sie sollten diese Anomalie separat prüfen lassen. Ich folge der Signatur.«

»Darnell hier«, klang die Stimme des Chefingenieurs in Curtis' Akustikfeldern auf. »Bleiben Sie am Ball, Curtis. Eine Erklärung haben Sie nicht?«

»Nein, Chef«, antwortete Curtis. »Ich habe die Energiespitze eben erst angemessen und die Standardursachen ausgeschlossen. Ich sehe zu, dass ich etwas rausfinde!«

»Darnell Ende!«

Curtis zuckte unbehaglich mit den Schultern. »Ja. Ich hoffe, dass ich nicht auch bald am Ende bin. So was hatte ich wirklich noch nie ...«

Er aktivierte ein Spürprogramm, beendete kurz die letzte ausstehende Kontrollsequenz seiner Inspektionstour und übermittelte seine Freigabe ans Kontrollzentrum. Dann folgte er den Ergebnissen, die ihm das Spürprogramm lieferte. Bald darauf erreichte er die Randbereiche des HAFENS. Er fand das Signal, aber keine Ursache dafür.

»Ein freies Energiepotenzial ...«, murmelte er. »Ich hoffe, ich muss das niemandem erklären.«

Curtis verließ den HAFEN im oberen Bereich, als auch die Signatur das tat. Das Überwachungssystem desaktivierte automatisch die Schutzfunktionen seiner Montur, die im Innern des Giganthangars erforderlich waren. Curtis landete sanft auf dem Boden, der leichte Prallschirm baute sich ab. Dann erreichte er die mit Atmosphäre und Gravitation versehenen Bereiche. Das schwere Schleusenschott zum HAFEN schloss sich hinter ihm, sein Helm faltete sich einen Augenblick später zusammen. Er setzte sich in Bewegung.

Bald darauf näherte er sich den Depots, deren Lagergüter die obere Hälfte der MAGELLAN versorgten. Er horchte auf, als er schweren Atem zu hören glaubte.

»Hallo?«, rief er. Gleichzeitig aktivierte er die automatische Rufanfrage seiner Kommunikation. Eine Reaktion erhielt er nicht – weder auf die eine noch auf die andere Art.

Ich fange schon an, Gespenster zu sehen!, rügte er sich. Bald sehe ich Tim Schablonski durch die Wände diffundieren, weil ihn ein Klopfgeräusch stört!

»Aufenthaltsanfrage an die Zentralpositronik!«, befahl er. »Wenn sich jemand offiziell in meiner Nähe rumtreibt, will ich das wissen.«

Die Antwort des Rechners kam postwendend: »Keine Anwesenheit, keine entsprechende Auftrags- oder Befehlslage. In Sektion fünf ist niemand.«

»Bis auf mich«, kommentierte Curtis knurrig. »Na klasse! Ich sehe wirklich Gespenster.« Er aktivierte seinen Anzug und betrat den Bereich, wo seine Instrumente die Energiesignatur lokalisiert hatten.

In diesem Augenblick traf ihn etwas, hämmerte mit unglaublicher Wucht gegen ihn. Curtis schrie laut auf. Schmerz zuckte durch seine Beine. Er flog durch die Luft und prallte mit einem üblen Geräusch gegen einen Wandler der...



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