E-Book, Deutsch, Band 339, 160 Seiten
Reihe: Perry Rhodan Neo
Schorm Perry Rhodan Neo 339: Die Stille kommt
1. Auflage 2024
ISBN: 978-3-8453-5539-9
Verlag: Perry Rhodan digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Staffel: Primat
E-Book, Deutsch, Band 339, 160 Seiten
Reihe: Perry Rhodan Neo
ISBN: 978-3-8453-5539-9
Verlag: Perry Rhodan digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Im Jahr 2116: Nachdem die Menschen auf der Erde und den Kolonialwelten zahlreiche Schwierigkeiten überwunden haben, hoffen sie auf eine friedliche Zukunft. Doch dann taucht ein mysteriöser Junge mit blauen Haaren auf, der Laumae heißt und in dem sich eine Macht namens Primat verbirgt. Er kann Materie und Energie mit der Kraft seiner Träume zu tödlichen Waffen formen. Das Ziel seiner mörderischen Angriffe ist Perry Rhodan. Der Versuch, Laumae auf dem Erdmond zu ergreifen, scheitert. Stattdessen kapert er ein Raumschiff und nimmt Kurs auf die Erde. Nach einem verheerenden Kampf in der Tiefsee erhebt sich ein neuer Kontinent aus dem Meer - eine Landfläche, von der niemand weiß, welchem Zweck sie dienen soll. Perry Rhodan und seine Begleiter ahnen, dass sie auf eine letzte Konfrontation mit Primat zusteuern. Und sie ahnen darüber hinaus, dass an ihrem Ende DIE STILLE KOMMT ...
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3.
Perry Rhodan: Der neue Kontinent
Die Welt verkehrte sich ins Gegenteil. Für einige Sekunden kam es Perry Rhodan vor, als befände er sich in einem alten Fotonegativ. Aus Schwarz wurde Weiß und umgekehrt, dasselbe galt für die Farben. Alles wechselte kurz in die Komplementärfarbe.
Es war unheimlich. Und bedrohlich.
Als sich seine Sicht wieder normalisierte, atmete er erleichtert auf.
»Was um Himmels willen war denn das?« Reginald Bulls Stimme vibrierte leicht. Rhodan kannte seinen Freund. Bull hatte sich in aller Regel gut im Griff, solche Angst zeigte er selten.
Die Space-Disk war auf Fluchtkurs gegangen, nachdem Primat sein Ziel erreicht hatte. Die Verschmelzung mit der Stele würde Folgen haben, dessen war sich Rhodan sicher. Primat würde zu einer noch größeren Gefahr als zuvor werden.
Als der Antrieb zu stottern begann, ahnte er, dass es nicht bei einem optischen Phänomen bleiben würde. Etwas traf das Raumboot, vielleicht ein Impuls, vielleicht eine Schockwelle. Schon häufig hatten Vorgänge, die mit Catron oder dessen Ableger Primat zu tun hatten, höherdimensionale Folgen gehabt.
Übergangslos roch es verbrannt. Funken stoben durch die Polkanzel der Space-Disk, und einige Geräte schmolzen durch. Stickstoff zischte und löschte erste Brandherde. Die Sicherheitsroutinen funktionierten also zumindest einigermaßen.
Es stank, bis die Belüftungsanlage den Qualm endlich abgesaugt hatte. Eine Art metallischer Hauch blieb und machte den Hals rau.
Melli Swarowski, die Pilotin, fluchte, dann explodierte vor ihr ein Poly-D-Wandler und schleuderte die sommersprossige, rothaarige Frau aus dem Sessel. Verkrümmt lag sie auf dem Boden.
Gucky maß sofort ihren Puls und schüttelte mit verkniffener Miene den Kopf. »Sie ist tot.«
Der Ilt warf Bull einen prüfenden Blick zu. Swarowskis optische Ähnlichkeit zu dessen Töchtern Laura und Sophie war recht groß. Es musste Bull schwer treffen.
Auch Rhodan hatte sofort reagiert und den Pilotensitz eingenommen, während Thora Rhodan da Zoltral manuell einige Prallfelder aktivierte. Manche Systeme funktionierten, andere nicht.
»War das eine Schockwelle wegen der Verschmelzung von Laumae mit der Stele?«, fragte Bull. »Die Hypertaster haben nichts aufgezeichnet, bevor sie durchgebrannt sind.«
Die Space-Disk ruckelte. Die Antigravaggregate zeigten Ausfälle, dann brachen sie völlig zusammen. Die Space-Disk begann zu fallen.
»Wo sind die anderen?«, fragte Thora. Gemeint waren zum einen das Rettungstauchboot, mit dem die Überlebenden der JACQUES PICCARD entkommen waren, aber auch die anderen Seeschiffe, die sich in der Nähe aufhielten.
»Das nenne ich Pech«, sagte Bull knurrig, bevor er aufschrie. Ein Lichtbogen hatte sein linkes Handgelenk getroffen. Die Verbrennung schien nicht schwer zu sein, aber schmerzhaft. Bull fluchte leise und verzog das Gesicht.
»Ich kann die Maschine nicht halten«, rief Rhodan. »Wir stürzen ab. Gucky, bring ihn raus! Sofort!«
Der Ilt hatte bereits Reginald Bulls Hand ergriffen und teleportierte.
»Siehst du das?«, fragte Thora. Sie flüsterte nur, und das aus gutem Grund. Die Bilder, die ihnen die Holoprogramme noch liefern konnten, waren atemberaubend ... und furchtbar.
Während die Space-Disk nach unten stürzte, kochte das Meer. Wilde Strudel und Wirbel tobten. So hatte sich Rhodan in seiner Kindheit die Ungeheuer Skylla und Charybdis aus der Odyssee von Homer vorgestellt.
»... die fürchterlich bellende Skylla ...«, sagte er leise.
Die tobenden Wassermassen näherten sich. Rhodan gelang es, den Absturz zu verlangsamen, aber die Korrekturtriebwerke hatten ihre Leistungsgrenze längst erreicht. Er glaubte, die Luftmassen hören zu können, die am Rumpf entlangheulten.
»Wo bleibt der Kleine?«, fragte Thora. Scheinbar war sie ruhig, genau wie Rhodan seine Frau kannte. Beherrscht. Aber das änderte nichts daran, dass der Aufprall sie wahrscheinlich töten würde ...
Aus dem brodelnden Wasser schob sich etwas nach oben, an die Oberfläche.
»Eine Insel?«, entfuhr es Thora.
Rhodan biss sich auf die Unterlippe. »Nein, was da emporsteigt, ist sehr viel größer! Das ist ein neuer Kontinent.«
»Was?«
Schwarz wie frisch abgekühlte Lava verdrängte die kontinentale Masse den Meeresspiegel.
Ein neues Atlantis, dachte Rhodan spontan. Es steigt aus der Tiefe empor ans Licht. Verdammt, hat Primat das angerichtet? Jetzt löst er schon tektonische Vorgänge aus? Das ist furchterregend.
Er hatte sich über diese Region des Indischen Ozeans eingehend informiert, seit man die zweite Catron-Stele am Meeresgrund gefunden hatte. Sie war älter als der gigantische Monolith, der seinerzeit in Terrania entstanden war. Das Kerguelenplateau galt bei den Geologen als entstehender Mikrokontinent, wobei Rhodan der Begriff »Mikro« untertrieben vorkam. Die Landmasse war gewaltig – deutlich größer als etwa eine vulkanisch entstehende Insel wie Surtsey oder andere.
Das Wasser des Ozeans floss ab, verursachte fraglos ungeheure Flutwellen im Umkreis. Die Schiffe und U-Boote würden weit in den Indischen Ozean abgetrieben werden. Sofern sie nicht auf dem neuen Land strandeten. Nach der Katastrophe auf der Rig hoffte Rhodan, Stina Beotius, Lukas Jonas und all die anderen würden dieses Chaos heil überstehen.
Nachdem die Stele kurz zuvor noch passiv gewesen war, hatte sich das nun geändert. Der Schockwellenimpuls, der die Space-Disk getroffen hatte, erschwerte auch die Kommunikation. Viele Notrufe erreichten das Raumboot, waren aber kaum zu verstehen.
Der neue Boden dampfte, obwohl er nicht heiß war. Unter der abstürzenden Space-Disk lag eine anthrazitfarbene Einöde. Größere Erhebungen schien es nicht zu geben, aber Rhodan wusste, dass er sich auf die Ortungsergebnisse nicht verlassen konnte.
»Nichts zu machen«, hörte er Thora.
Plötzlich erschien Gucky wieder. Der Ilt konnte kaum aufrecht stehen, klammerte sich sofort an eine Positronikkonsole. Er atmete schwer.
»Ich schaffe es nicht!«, sagte er mit gepresster Stimme. »Da ist ein Widerstand, gegen den ich kaum ankomme. So als wolltest du unter Wasser anfangen zu sprinten ...«
Ohnehin zu spät!, schoss es Rhodan durch den Kopf.
Erneut versuchte er, die Korrekturtriebwerke einzusetzen, aber nur drei davon reagierten. Auf den letzten Metern verlor die Space-Disk noch etwas an Fahrt, dann schlug sie auf.
Es krachte. Metall- und Keramikteile flogen umher, Konsolen und Verschalungen zerbrachen. Ohne die Prallfelder hätten die scharfkantigen Scherben und Bruchstücke alle Insassen zerfetzt. Die Polkuppel knackte. Wahrscheinlich bildeten sich Mikrorisse, obwohl das Panzerglassit zu den robustesten Materialien überhaupt gehörte, vergleichbar mit einem transparenten Metall.
Kurz bevor er das Bewusstsein verlor, registrierte Rhodan, dass die schützenden Prallfelder ihn und Thora zumindest leidlich abschirmten. Gucky tat dasselbe mit seinen telekinetischen Fähigkeiten.
Als Rhodan die Augen wieder aufschlug, lag das gesamte Innere der Kanzel in Trümmern.
Thora regte sich ebenfalls, dasselbe galt für Gucky, der bereits dabei war, telekinetisch den Weg zur Wendeltreppe freizuräumen, die aus der Steuerkanzel in die zwei unteren Decks führte. Man sah ihm die Anstrengung an. Was auch immer es genau war, das ihn behinderte, es schwächte ihn weitaus mehr, als er zugeben wollte. Rhodan kannte den Mausbiber lange genug.
»Kein Wort!«, sagte der Ilt nur. »Nichts wie raus hier.«
Dampf und Qualm füllten die Kanzel immer mehr. Rhodan hustete. Es roch nach Hydraulikflüssigkeit.
Schließlich war der Weg frei, und sie hasteten die Stufen hinab auf die Schleuse im Unterdeck zu.
Die Automatik war beschädigt, also versuchte Rhodan, das Innenschott mit dem manuellen Notmechanismus zu öffnen. Ein unangenehmes Scharren war zu hören, sonst tat sich nichts.
»Kannst du uns nach draußen bringen?«, fragte Thora. Ihr weißes, langes Haar war auf der linken Seite geschwärzt, ein Hämatom prangte an der Schläfe.
»Ich versuche, zuerst die Blockade zu beseitigen«, sagte er. »Telekinese benötigt deutlich weniger Kraft als Teleportation. Besonders, wenn ich zwei Passagiere mitnehmen muss. Bei zwei Sprüngen würde das noch knapper werden.«
Während der Mausbiber sich konzentrierte, dachte Rhodan: Er muss sehr unsicher sein, wenn er dermaßen vernünftig argumentiert. Bei ihm ist das kein gutes Zeichen.
Der Ilt pfiff laut und schräg. »Das habe ich gehört! Unsicher. Pah!«
Ein lautes, metallisches Knacken ertönte, dann schob Gucky die Sperre zur Seite. »Ich musste zwei Führungsbolzen abbrechen«, sagte er, dann deutete er auf das Außenschott. »Kann mir mal jemand verraten, warum sich das innere Schott verkeilt hat, das äußere aber funktioniert? Puh, was stinkt denn da so bestialisch?«
»Das sollte uns gleichgültig sein.« Thora betätigte den Öffnungssensor.
Ganz unbeschädigt war die Mechanik nicht, das penetrante Scharren war der beste Beweis. Das Schott blieb etwa auf der Hälfte der Breite hängen. Dennoch war die Öffnung groß genug.
»Also raus, bevor uns hier etwas um die Ohren fliegt«, sagte Gucky.
Sie verließen die Space-Disk. Bereits der erste Blick von außen verriet den Totalschaden. Das Raumboot würde nie wieder fliegen.
Es ist ein Wunder, dass wir noch am Leben sind, dachte Rhodan. Unsere Pilotin hatte nicht so viel Glück.
Dicker Qualm drang aus einem gezackten Riss. Wahrscheinlich hatte der Aufprall etliche...




