E-Book, Deutsch, Band 70, 160 Seiten
Reihe: Perry Rhodan Neo
Schorm Perry Rhodan Neo 70: Revolte der Naats
1. Auflage 2014
ISBN: 978-3-8453-3849-1
Verlag: Perry Rhodan digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Staffel: Epetran 10 von 12
E-Book, Deutsch, Band 70, 160 Seiten
Reihe: Perry Rhodan Neo
ISBN: 978-3-8453-3849-1
Verlag: Perry Rhodan digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Als der Astronaut Perry Rhodan im Juni 2036 zum Mond aufbricht, ahnt er nicht, dass sein Flug die Geschicke der Menschheit in neue Bahnen lenken wird. Rhodan stößt auf ein Raumschiff der technisch weit überlegenen Arkoniden. Es gelingt ihm, die Freundschaft der Gestrandeten zu gewinnen - und schließlich die Menschheit in einem einzigen, freiheitlichen Staat zu einen: der Terranischen Union. Perry Rhodan hat das Tor zu den Sternen geöffnet. Doch die neuen Möglichkeiten bergen neue Gefahren: Als er erfährt, dass die Position der Erde im Epetran-Archiv auf Arkon gespeichert ist, bricht er unverzüglich auf. Er muss die Koordinaten löschen, bevor sie in die falschen Hände geraten und die Macht des Großen Imperiums die Erde zerschmettert. Atlan da Gonozal, der Rhodan nach Arkon begleitet hat, treibt derweil seine eigenen Pläne voran. Der unsterbliche Arkonide will den Regenten stürzen, der zu Unrecht die Macht über das Imperium an sich gerissen hat. Sein Aufstand beginnt auf Naat, der Welt der dreiäugigen Riesen ...
Autoren/Hrsg.
Weitere Infos & Material
Teil I
Die Ruhe vor dem Sturm
»Keine Festung ist so stark, dass der Geist sie nicht einnehmen kann.«
aus: Hadhiin, »Fraktale Stärke«
1.
32. Prago des Eyilon, 19.009 da Ark / 8. August 2037
Terra Standard
Am Teffron-See
Direkt am Kratersee stand ein einsamer Naat.
Nicht zu übersehen! Nicht mal für dich! Der Extrasinn gab sich kratzbürstig.
Der Gleiter näherte sich dem Ort des Duells. Mein naatischer Pilot drehte eine kleine Runde, als wolle er sich versichern, dass diese riesige Wassermenge kein Traum war. Das war sie natürlich nicht. Der See war ein Geschenk da Teffrons an die Naats. Ein Geschenk, das einen ganz gewaltigen Haken aufwies. Dieser Haken hatte die Gestalt einer Wachstation, die man im See positioniert hatte. Die offizielle Begründung dafür war der Schutz der neuen Trinkwasserreserve. Inoffiziell diente die mit zwei großen Gifttanks ausgestattete Station nur einem einzigen Zweck: die Riesen unter Druck zu setzen.
Nicht weit entfernt von meinem Ziel arbeitete eine kleine Gruppe Naats im Uferbereich des Sees. Ein Technikertrupp aus Naator, der eine Sandleitung sichern sollte. Einer der Abbrüche hatte das gewaltige Metallrohr freigelegt. Ständig rutschte die Erde nach. Ein Kettenfahrzeug schob sich darunter. Eine Drohne, die dazu diente, die Rohrleitung provisorisch abzustützen. Alles lief ab wie geplant.
Bei dem einsamen Naat handelte es sich um Novaal, der mich erwartete. Allerdings nicht als Einzigen. Der Pilot landete etwa fünfhundert Meter von der Stelle entfernt, die sich Novaal für das anstehende Spektakel ausgesucht hatte.
Eine gute Wahl!
Ich gab meinem Extrasinn recht. An dieser Stelle bildete der ansonsten recht steile Kraterrand eine Art Hochebene.
Ein klassischer Präsentierteller, schoss es mir durch den Kopf. Ich trug keinen kompletten Kampfanzug, lediglich die zivile Version davon. Beim Na'Groom waren offensive Waffen nicht gestattet. Mühsam stapfte ich zur Ebene hinauf.
Novaal senkte grüßend den Kopf. Er führte ein Gespräch. Wahrscheinlich mit dem Chef der Überwachungsstation, die unsere Annäherung registriert hatte. Kurz darauf war ich nahe genug heran, um etwas verstehen zu können.
»Ich bin der bestellte Gruuson für diesen Na'Groom! Ich übermittle Ihnen die offizielle Genehmigung dieses Duells durch die zuständige Behörde in Naatral.« Seine Stimme klang ein wenig gereizt. Wahrscheinlich hatte der arkonidische Kommandant sich standesgemäß aufgespielt.
Über uns war ein leises Pfeifen zu hören, das sich von dem des Windes unterschied. Ich legte den Kopf in den Nacken. Ein zweiter Gleiter senkte sich aus dem staubgeschwängerten Himmel. Brendan Caine.
Der Terraner stieg aus und kam langsam auf uns zu. Eine unscheinbare, etwas nach vorn gebeugte Gestalt; nicht gerade beeindruckend. Der schüttere Haarkranz rundete das Bild ab. Dessen ungeachtet zeigten die Züge seines Gesichts, dass Brendan Caine kein leichtes Leben gehabt hatte. Seine Ausrüstung entsprach der meinen.
Novaal hatte uns mit den Abläufen des Na'Groom vertraut gemacht, bei dem es sich um einen rituellen Zweikampf handelte. Meist zur Klärung irgendeiner Rangfolge. Seit Sergh da Teffron als Triumphator aus der Großen Grube von Lusook zurückgekehrt war, galt es bei den auf Naat lebenden Arkoniden als schicker Trend, sich solchen naatischen Ritualen zu unterziehen. Natürlich nur solchen, die nicht allzu gefährlich waren. Der Na'Groom war mittlerweile sehr beliebt.
Na'Groom heißt »Kämpfchen« ... damit kann man nicht viel falsch machen! Die mentale Stimme des Extrasinns klang verächtlich. Ich teilte diese Einschätzung.
Wir durften uns vor Beginn des Duells, das mit den Fäusten ausgetragen wurde, nicht zu nahe kommen. Ich beobachtete, wie Caine aus dem Augenwinkel einen Blick auf den See warf. Die Station war von unserer Position aus recht gut zu erkennen. Eine Halbkugel aus Arkonstahl, die mit einem Gravitationsanker am Seegrund fixiert war. In der Äquatorialebene zog sich eine Reihe kleinerer Plattformen um die Halbkugel. Was unter dem Seespiegel lag, war nicht zu erkennen.
Genau aus diesem Grund würde Nagruul, einer der Naats, die sich momentan um die Sandleitung kümmerten, während unseres Kampfes zwei Messdrohnen aussetzen. Unsere Aufgabe war, die Besatzung von den wirklich wichtigen Vorgängen abzulenken. Ich hoffte, dass das kein Problem sein würde: Die Beobachtung einer arkonidischen Prügelei war allemal interessanter, als Naats bei einer Reparatur zuzusehen.
Im Normalfall wäre niemand auf diese Idee gekommen. Naats waren nichts, womit sich ein Arkonide, der etwas auf sich hielt, beschäftigte. Nicht, wenn es nicht unbedingt nötig war. Zeitverschwendung! Doch der Dienst in dieser Station war mit Sicherheit an Langeweile kaum zu überbieten. Die Überwachung der Umgebung des Sees war alles andere als aufregend. Fiktivspiele waren mit Sicherheit tabu. Also würden sie alles willkommen heißen, was Erlösung von dieser Öde versprach. Das konnte sogar unser Reparaturtrupp sein.
Wir mussten verhindern, dass sich die Aufmerksamkeit auf den Bautrupp richtete. Wir waren auf diese Ausspähaktion angewiesen. Die Station war neu und die entsprechenden Unterlagen waren nicht freigegeben. Ein Eindringen in die Datenbanken verbot sich von selbst. Der kleinste Hinweis konnte alle unsere Bemühungen zunichtemachen.
Leider war die Gefahr, die durch die Station entstanden war, nicht ignorierbar. Es war kaum zu glauben: Eine simple Wachstation in einem See war zurzeit unser größtes Problem.
Novaal beendete sein offizielles Gespräch. Er senkte den Kopf. Das war die Aufforderung, die Ausgangsstellung einzunehmen. Der schwarzhäutige Riese murmelte eine rituelle Formel. Ansonsten hielt sich der Anteil ritueller oder zeremonieller Elemente in erfreulichen Grenzen. Naats machten auch bei solchen Gelegenheiten kein großes Aufhebens.
Wir standen uns in einer Entfernung von etwa fünf Metern gegenüber. Der Einsatz von Waffen war verboten. Dasselbe galt für spezielle Techniken wie qualifiziertes Dagor, die einem darin ausgebildeten Kämpfer eine grundsätzliche Überlegenheit sicherten. Obwohl ich ein guter Dagorista war, durfte ich weder Kanth-Yrrh noch Siima-Ley anwenden. Die erste hätte mir genau den Vorteil verschafft, den der Na'Groom verbot. Siima-Ley hingegen war Stabsoffizieren vorbehalten. Das war ich in meiner gefälschten Identität nicht.
Wir galten als Vertreter des mittleren Managements der Firma Tormenech, die zur Klärung eines hierarchischen Problems ein Kämpfchen beantragt hatten. Caine hatten wir als Halbarkoniden ausgegeben. Unsere Legende war gut abgesichert, der Antrag offiziell gestellt und abgezeichnet worden. Novaal hatte an den entsprechenden Stellen eine zusätzliche erotische Verwicklung angedeutet.
Also würden wir der gelangweilten Besatzung am Ufer des Teffron-Sees ein Schauspiel bieten. Beeindruckend darüber hinaus: Tief im Westen reckte sich eine dunkle, beinahe schwarze Wand in den tiefblauen Abendhimmel. Zwar weit entfernt, aber einschüchternd. Bisweilen erhellten Blitze die anthrazitfarbene Monstrosität zu einem körnigen Violett. Weit darüber stand der Mond Peshteer und riss an Naats Atmosphäre. Das war der Grund für die Stürme, die sogar den auf Naat üblichen Rahmen sprengten. Dahinter zog irgendwo Naator seine Bahn. Schon jetzt war die Annäherung der Monde so groß, dass sich die Intensität der Stürme im Atmosphärenrüssel deutlich steigerte. Darauf spekulierten wir. Unser Na'Groom war erst der Anfang. Die Naturgewalten Naats würden die Bühne sein, auf der das gesamte Unternehmen ablaufen sollte.
Als wolle der Wind meine Worte unterstreichen, blies mir eine Böe das Haar ins Gesicht. Ich hatte auf eine Aktivierung des Kapuzenhelms verzichtet. Nach all den Jahren war mir der Kontakt zur Natur auf Naat wichtig, wahrscheinlich nur aus Nostalgie. Es war für mich ein besonderes Erlebnis, wieder hier zu sein, nach über zehntausend Jahren. Alles war so, wie ich es kannte. Die trockene Luft, der staubige Geruch, der Duft nach frisch geplatzten Wüstensporen, das Gefühl des Sandes unter den Füßen. Dennoch gab es einen Unterschied. Durch das Stimulans, das mein Haar hatte nachwachsen lassen, juckte meine Kopfhaut bisweilen. Das störte die sanfte Melancholie ganz erheblich.
Novaals Stimme klang auf: »Auf mein Zeichen beginnt der Na'Groom. Alle Kraftverstärker werden jetzt desaktiviert. Nur die Belastungen durch die Gravitation werden kompensiert. Für die Dauer des Duells wird der Membranfilter ausgeschaltet. Ich weise die beiden Kombattanten auf die Gefährdung durch die Staubbelastung hin. Schläge auf die Energiezelle sind untersagt. Sie werden mit sofortiger Disqualifikation bestraft. Der Na'Groom wird eine Handlang dauern!«
Damit waren die offiziell üblichen drei Runden gemeint, die durch das Zählen mit drei Fingern entstanden waren.
Ich hoffe, du kannst bis drei zählen .... kam der boshafte Kommentar des Extrasinns.
Novaal hob die rechte Hand über den Kopf, alle drei Finger ausgestreckt. Traditionsgemäß ließ er sich mit der Eröffnung sehr viel Zeit. Genug, um den Gegnern Gelegenheit für einen letzten verbalen Schlagabtausch zu geben. Für ein paar geschmackvolle Beleidigungen. Ein paar wüste Beschimpfungen. In unserem Falle war dies reichlich sinnlos.
Ich schielte ein letztes Mal hinüber zum Seeufer, wo die Naats die Leitung abstützten. Sie hatten das Metall auf Mikrofrakturen...




