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Ihr Team von Sack Fachmedien
E-Book, Deutsch, Band 95, 160 Seiten
Reihe: Perry Rhodan Neo
Schorm Perry Rhodan Neo 95: Im Fluss der Flammen
1. Auflage 2015
ISBN: 978-3-8453-4795-0
Verlag: Perry Rhodan digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Staffel: Kampfzone Erde 11 von 12
E-Book, Deutsch, Band 95, 160 Seiten
Reihe: Perry Rhodan Neo
ISBN: 978-3-8453-4795-0
Verlag: Perry Rhodan digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Im Juni 2036 stößt der Astronaut Perry Rhodan auf dem Mond auf ein havariertes Raumschiff der Arkoniden. Damit verändert er die Weltgeschichte. Die Terranische Union wird gegründet, sie beendet die Spaltung in Nationen. Ferne Welten rücken in greifbare Nähe. Eine Ära des Friedens und Wohlstands scheint bevorzustehen. Doch dann bringt das Große Imperium das irdische Sonnensystem unter seine Kontrolle. Die Erde wird zu einem Protektorat Arkons. Die Terranische Union beugt sich zum Schein den neuen Herrschern, während der Widerstand wächst. Aber Chetzkel, der Oberbefehlshaber der Protektoratsflotte, findet heraus, wo sich die Terranische Flotte verbirgt. Der Reekha bricht mit einer Streitmacht von der Erde auf: New Earth soll untergehen - als Warnung an die Menschheit!
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2.
Tiefenrausch
Die Dunkelheit war blau. Sie war überall.
Drei Blasen aus hellerem Aquamarin schwammen darin. Julian Tifflor befand sich in einer davon. Er beobachtete Orome Tschato und Mildred Orsons, die sich im Schein der schwachen, batteriebetriebenen Lampen bewegten. Die Brauchwasserpipelines an Bord des Schlachtschiffes AGEDEN bildeten ein Labyrinth, das einige merkwürdige Eigenheiten aufwies. Die großen Kavernen im äußeren Schalenbereich des Schiffes bunkerten riesige Mengen an Frischwasser, die für den Betrieb einer derart gewaltigen Flug- und Kampfmaschine erforderlich waren. Sie zogen sich wie eine eigene Kugelschale durch den äußeren Bereich, in dem sich die Hangars, Schutzschirmgeneratoren und andere technische Systeme konzentrierten.
Das ist mal was anderes!, dachte Julian Tifflor. Vor über einem Jahr bin ich mit Mildred durch die Wüste gefahren; mit einem Motorrad, Richtung Terrania. Das hier ist ebenfalls eine Wüste ... irgendwie! Die Presse hätte ihren Spaß an diesem Trip: Sohn des weltberühmten Anwalts William Tifflor geht baden. Oder unter!
Er gab den anderen beiden ein Zeichen. Sie hatten sich von den Außenkavernen hierher vorgearbeitet, bis an den Rand der Antriebssektion. In der mittleren Kugelschale waren die Sprungtriebwerke der AGEDEN installiert. Es war ein gefährlicher Bereich, sie mussten ihren Vorstoß unterbrechen. Sie hatten sich über die Wasserversorgung in Baikonur an Bord geschlichen.
Fünf Teams aus jeweils drei Personen bewegten sich im Wasserkreislauf des Schlachtschiffes. Der Einsatz der Sauerstoff spendenden Respirozyten war in Baikonur unter Realitätsbedingungen getestet worden. Nachdem die übrigen Versuche positiv verlaufen waren, hatte Pounder grünes Licht für diese Aktion gegeben.
Chetzkel, oberster militärischer Befehlshaber des arkonidischen Protektorats, das über die Erde herrschte, schickte sich an, die geflohene Terranische Flotte zu vernichten. Und nach der Flotte, daran bestand kein Zweifel, würde er sich der Erde und der Menschheit widmen.
Sie mussten handeln. Ganz gleich, wie hoch das Risiko sein mochte.
Ihr Plan: die Infiltration von Chetzkels Flaggschiff. Ihr Ziel: die AGEDEN und ihren Kommandierenden zu stoppen.
Tifflor war mit Mildred Orsons und Orome Tschato unterwegs. Sie hatten ihr Ziel beinahe erreicht. Allen Gruppen war es gelungen, die Infiltration ungefähr auf der Ebene der Hauptzentrale zu beenden. Der exakte Weg hatte sich der Planung entzogen. Die Verteilung der aufgenommenen Brauchwassermenge wurde schiffsintern gesteuert. Die Gruppen waren getrennt worden, doch damit hatten alle gerechnet.
Die Druckverhältnisse waren in diesem Bereich akzeptabel. Eine Reihe von Schotten reduzierte die Höhe der Wassersäule auf maximal hundert Meter. Die Gravitation wirkte im Inneren der arkonidischen Schiffe zum unteren Pol hin, nicht etwa zur Hauptzentrale. Durch die Abtrennung der weiter oben liegenden Kavernenpipelines war ein größerer Druckausgleich nicht nötig. Zum Glück, wie Tifflor wusste. Der Durchmesser eines arkonidischen Schlachtschiffes vom Typ der AGEDEN betrug rund 800 Meter. Eine Wassersäule von bloß 400 Metern, dem Radius des Schiffes, hätte bereits dem irdischen Mesopelagial entsprochen: keine Tiefe, die ein Taucher ohne Weiteres ertrug.
Die Respirozyten, synthetische, Sauerstoff tragende Nanokonstrukte von erschreckender Wirksamkeit, ermöglichten ihnen, ohne aktive Sauerstoffaufnahme auszukommen. Eine Lösung des Druckproblems waren die künstlichen Blutzellen dagegen nicht. So beeindruckend diese Nanotechnologie war, sie hatte die Qualität eines Prototyps. Die Nebenwirkungen waren weiße Flecken auf der Landkarte ihrer Planung. Komplikationen waren nicht nur denkbar; sie waren wahrscheinlich. Nicht einmal die Experten hatten sich festlegen wollen.
Tschatos beeindruckende Gestalt schob sich an Tifflor heran. Der Mann aus Windhuk, der sich als Jugendlicher aus dem Waisenhaus gestohlen und sich nach Berlin durchgeschlagen hatte, bewegte sich auch unter Wasser wie eine Raubkatze. Je näher er kam, desto mehr Farben kehrten zurück – allerdings sehr blass. Das Wasser absorbierte die roten Wellenlängen sehr schnell. Blau war der dominierende Eindruck.
Er sieht angespannt aus ..., dachte Tifflor besorgt.
Er selbst fühlte sich unwohl, seit man ihm die Respirozyten injiziert hatte. Es war eine psychologische Frage. Etwas war verschwunden; ein Vorgang, der so ursprünglich, so grundsätzlich war, dass das Fehlen jeden Menschen verunsichern musste.
Atmen heißt Leben. Ich atme nicht. Bin ich also tot?
Es waren bizarre Gedanken, die ihrer Situation entsprachen. Tifflor fühlte den Drang zu lachen, war aber unfähig, ihm nachzugeben. Ein sonderbares Gefühl, denn zusammen mit den Respirozyten war ihnen ein neuartiges Partialsedativum verabreicht worden, das die vegetativen Vorgänge dämpfte, welche die Atmung steuerten. Das sympathische Nervensystem und Teile des Hypothalamus steuerten all das. Der Atemreflex war jedoch nicht erwünscht.
Damit fielen einige andere körperliche Abläufe ebenfalls aus, die beinahe genauso existenziell waren: Keiner von ihnen war in der Lage zu lachen – zumindest solange nicht, wie die neuronale Hemmung aktiv war. Das war anders als beim ersten Versuch in Baikonur, aber die Mediziner hatten die Ausschaltung des Atemreflexes für sinnvoll gehalten. Was an vegetativen Vorgängen nach wie vor ablief, war die Entsorgung des weiterhin in den Körperzellen entstehenden Kohlendioxids. Es musste ausgestoßen werden. Tifflor fragte sich, welche Auswirkungen oder Spätfolgen dieses Experiment wohl haben würde. Positive Antworten wollten ihm keine einfallen. Eine derart tief greifende Manipulation war nicht beschränkbar; sie musste Reaktionen im Organismus nach sich ziehen.
Tschato signalisierte ihm, dass sie sich der Reusenschleuse näherten. Hier mussten sie warten.
Der Sprung der AGEDEN stand unmittelbar bevor. Während der Transition durften sie sich keinesfalls im Bereich der Hyperfelder befinden, die das Schlachtschiff aus dem vierdimensionalen Kontinuum rissen.
Mildred Orsons schüttelte die Hand. Sie wies nach vorn. Dort erkannte Tifflor im tiefen Blau das feine Gitter der Reusenschleuse. Solche Schleusen gab es etliche. Sie dienten dazu, größere Objekte zurückzuhalten, die eventuell in die Kavernenleitungen gerieten. Nicht immer war das Schiff in der Lage, in einem offiziellen Depot der Flotte Wasser zu bunkern. Häufig genug geschah das auf irgendeiner fremden Welt. Was dort an lebenden und toten Dingen im Wasser herumschwamm, stellte sich Tifflor nur ungern vor. Zumindest damit mussten sie bei dieser Expedition nicht rechnen.
An den Wänden der Kavernenleitungen zogen sich finnenartige Konstruktionen entlang. Sie erinnerten Julian Tifflor ein wenig an die spiralförmigen Züge im Lauf einer Projektilwaffe. Den Konstruktionsunterlagen zufolge handelte es sich um Heizelemente.
Den Sinn dieser Einrichtung verstand er nicht.
Mildred klinkte ein Kommunikationskabel ein. Sie hatten alles vermeiden wollen, was von der arkonidischen Energieortung erfasst werden konnte. Funk- oder lasergestützte Kommunikation fiel damit aus. Eine Kabelverbindung mochte steinzeitlich anmuten, sie war in jedem Falle sicher.
Die dunkle Schwimmhaube und die Schutzbrille des Spezialanzuges verwandelte ihr hübsches, schmales Gesicht in etwas Fischähnliches. Es lag nicht frei, sondern das Kopfteil der Chloroprenanzüge war mit einer Scheibe versehen, die der eines Raumanzuges ähnelte. Der Körper war vollständig isoliert, verlor weniger Wärme, und die Artikulation beim Sprechen war problemlos möglich. Das Sprechen selbst funktionierte, weil das Kohlendioxid ausgestoßen werden musste. Tifflor dachte voller Grauen daran, dass anderenfalls auch die Fähigkeit zu sprechen verschwunden wäre.
Gleich darauf hörte er ihre Stimme. »Ist das nötig? Wir wissen doch, dass die Wasserversorgung nicht überwacht wird, was das angeht.« Sie schüttelte den Kopf.
Die Diskussion allerdings war nicht neu. Sie diente nicht der Problemlösung, denn alle kannten die Gründe für die rustikale, ja spartanische Ausrüstung. Es war eine Möglichkeit, sich abzulenken.
Das Meckern über die Ausrüstung gehört immer dazu, dachte Tifflor amüsiert. Er spielte mit. »Es ist nötig. Natürlich überwachen die Arkoniden die Kavernenleitungen nicht flächendeckend, aber ihre Energieortung ist ziemlich potent. Ein Pieps zu viel, und sie schauen genauer nach. Das können wir nicht riskieren. Ich weiß, wie umständlich das ist.«
Tschato hatte sich ebenfalls eingeklinkt. Seine Stimme klang belegt, aber das mochte an der Kabelverbindung liegen.
»Ich habe schon bei unseren kleinen Batterielampen Bauchschmerzen! Trotzdem: Wir müssen was sehen. Hört ihr das?«
Tifflor lauschte, Mildred Orsons ebenfalls. Das Wasser leitete den tiefen, vibrierenden Ton ausgezeichnet. Angenehmer wurde er dadurch nicht.
»Sie fahren das Sprungtriebwerk hoch«, sagte Tifflor. »Wir können jetzt nicht weiter, obwohl wir schlecht in der Zeit liegen! Wir müssen warten, bis das Schiff rematerialisiert ist.«
»Macht nichts!« Mildred Orsons winkte ab. »Noch sind wir im Zeitfenster. Knapp, aber es ist akzeptabel. Wir sind sehr weit draußen gelandet. Die letzte Trennschleuse hat uns aufgehalten. Crocker wird toben, aber wir wussten, dass wir mit solchen Überraschungen konfrontiert werden würden. Wir haben die Pläne anderer Schiffe, aber die AGEDEN ist eine eigene Baureihe. Das wird den anderen nicht besser gegangen sein. Aber die sind solche Aktionen gewohnt und dafür ausgebildet. Vorsicht jetzt! Es geht...




