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E-Book

E-Book, Deutsch, Band 22, 327 Seiten

Reihe: Windrose

Schreiber Unter den Wilden

Entdeckungen und Abenteuer
1. Auflage 2024
ISBN: 978-3-7565-8202-0
Verlag: neobooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Entdeckungen und Abenteuer

E-Book, Deutsch, Band 22, 327 Seiten

Reihe: Windrose

ISBN: 978-3-7565-8202-0
Verlag: neobooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Die Ausgaben der e-book-Reihe WINDROSE, sind Neuveröffentlichungen alter Texte. Sie wieder dem heutigen Leser zugänglich zu machen ist eine Herzensangelegenheit. Die Vergangenheit sollte auch mit Texten aus der Vergangenheit erfahrbar werden. Ziel ist es, die Vergangenheit lebendig zu halten und das Verständnis der damaligen Zeit kundzutun. Neben den damaligen Beschreibungen gilt es auch, die alte Schriftsprache zu dokumentieren. Aus diesem Grund werden sich alte Texte, ob für die Reihe WINDROSE oder die Reihe HISTORISCHES DEUTSCHLAND, ungewöhnlich lesen lassen.

Erik Schreiber lernte diverse Berufe und arbeitet zurzeit als Dispatcher und Verleger. Nebenbei Autor von über 10 Romanen und 200 Kurzgeschichten (alle veröffentlicht, einige mit Preisen ausgezeichnet). Seit 2010 Verleger vom Saphir im Stahl Verlag, Arcanum Fantasy Verlag und Scratch Verlag kamen am 1.1.2017 dazu.
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Die Entdeckung und Eroberung von Tahiti
Von Kapitän Samuel Wallis

Am 18. Juni 1767, etwa 2 Uhr nachmittags, — wir waren kaum eine halbe Stunde lang unter Segel — entdeckten wir ein sehr hohes Land im Westsüdwesten. Da das Wetter trübe war und wir zugleich heftige Windstöße auszustehen hatten, ließ ich den „Delphin“ beilegen und gedachte, die Nacht über, oder wenigstens bis der Nebel sich zerteilen würde, zu treiben. Um 2 Uhr des Morgens wurde es ganz klar, und wir gingen daher wieder unter Segel. Bei Tagesanbruch sahen wir das Land in einer Entfernung von ungefähr fünf Seemeilen weit vor uns und steuerten gerade darauf hin; als wir uns um 8 Uhr ihm näherten, mußten wir des einsetzenden Nebels wegen wieder beilegen. Endlich zerteilte er sich wieder, und wir wunderten uns nicht wenig, als wir uns von einigen hundert Kanus umringt sahen, die sich uns unbemerkt genähert hatten. Sie waren von verschiedener Größe und faßten bald mehr, bald weniger Leute, eines bis zu zehn Mann. Auf allen mochten meiner Schätzung nach nicht weniger als 800 Mann beisammen sein.

Nachdem sie sich dem Schiffe bis auf einen Pistolenschuß genähert hatten, hielten sie stille, betrachteten und bestaunten uns und besprachen sich untereinander. Mittlerweile zeigten wir ihnen allerlei Spielsachen und luden sie ein, an Bord zu kommen. Es währte nicht lange, so vereinigten sie sich und hielten eine Art Versammlung, um unter sich eins zu werden, was zu tun sei; endlich ruderten sie um unser Schiff herum und machten uns Freundschaftskundgebungen. Einer von ihnen hielt den Zweig einer Banane empor und beehrte uns mit einer Anrede, die ungefähr eine viertel Stunde dauerte, und bei deren Schluß er den Zweig ins Meer warf. Wir fuhren noch immer fort, sie einzuladen, zu uns an Bord zu kommen.

Endlich ließ sich ein ansehnlicher, starker, munterer junger Mann dazu bewegen. Er kam an der Besanleiter am Hinterdeck herauf und sprang von der hohen Bordwand auf das über dem Verdeck ausgespannte Segeltuch herab. Wir winkten ihm, daß er auf das Verdeck herabkommen möchte, und reichten ihm einige Kleinigkeiten hinauf. Er sah vergnügt aus, wollte aber nichts annehmen, bis einige von seinen Landsleuten, die sich ganz nahe an das Schiff gewagt hatten, nach dem Herleiern vieler Worte etliche Bananenzweige uns an Bord zuwarfen. Als er dies sah, nahm er unsere Geschenke an, und gleich nachher kamen einige andere dieser Eingeborenen, der eine von hier, der andere von dort her ins Schiff; denn keiner von ihnen wußte den rechten Zugang.

Einer von den Insulanern, die eben an Bord gekommen waren, stand auf der linken Seite des Verdecks nahe am Gange, als es einer von unsern Ziegen plötzlich einfiel, ihn von hinten mit ihren Hörnern gegen die Hüften zu stoßen. Er erschrak über diesen Stoß, wandte sich eilfertig um und sah die Ziege auf ihren Hinterfüßen aufgerichtet und in Bereitschaft stehen, ihm noch eins zu versetzen. Der Anblick dieses Tieres, das von allen, die er je gesehen, ganz verschieden sein mochte, jagte ihm einen solchen Schreck ein, daß er augenblicklich über Bord sprang, und alle seine Landsleute, die diesen Vorgang mitangesehen hatten, folgten ihm mit größter Eile nach. Doch währte es nicht lange, so erholten sie sich wieder von ihrer Bestürzung und kehrten an Bord zurück.

Nachdem ich sie ein wenig an den Anblick unsrer Ziegen und Schafe gewöhnt hatte, zeigte ich ihnen unsre Schweine und unser Federvieh. Sie deuteten mir durch Zeichen an, daß sie solche Tiere wie diese selbst hätten. Ich teilte hierauf Nägel und Kleinigkeiten unter sie aus und gab ihnen durch Zeichen zu verstehen, sie möchten gehen und uns einige von ihren Schweinen samt etwas Federvieh und Früchten an Bord bringen; es schien aber, als ob sie meine Aufforderung nicht verstehen könnten. Sie lauerten dagegen fleißig auf jede Gelegenheit, irgend etwas zu stehlen, was ihnen eben in die Hand kam. Wir ertappten sie aber gewöhnlich über der Tat. Endlich kam einer von den Schiffsunteroffizieren, der von ungefähr einen neubetreßten Hut auf dem Kopfe hatte, an die Stelle, wo sie standen, und fing an, sich mit einem von ihnen durch Zeichen zu verständigen. Während er sich also unterhielt, kam ein Eingeborener, riß ihm von hinten her plötzlich den Hut vom Kopfe, sprang damit über das Heckbord in die See und schwamm davon.

Weil wir nun an der Stelle, wo wir eben lagen, keinen rechten Ankergrund hatten, steuerten wir längs der Küste hin und schickten zu gleicher Zeit die Boote aus, näher an die Küste heranzufühlen. Die Insulaner versuchten es, in ihren Kanus dem Schiffe zu folgen; da sie aber keine Segel aufzuspannen hatten, blieben sie weit zurück und ruderten daher bald wieder nach der Küste zu.

Das Land bietet den anmutigsten und romantischsten Anblick, der sich erdenken läßt. Gegen die See hin ist es flach und mit Fruchtbäumen von allerlei Arten, insbesondere mit Kokospalmen bewachsen; dazwischen liegen die Häuser der Eingeborenen, die bloß aus einem Dache auf Pfählen bestehen und von weitem einer langen Scheune nicht unähnlich sind. Innerhalb des Eilandes und ungefähr drei Kilometer weit von der See hört das flache Land auf und grenzt an hohe Berge, die mit Gehölz bewachsen sind, und von deren obersten, sehr steilen Gipfeln große Wasserfälle sich mit lautem Getöse ins Meer herabstürzen. Hier sahen wir keine Sandbänke, dagegen war die Insel mit einer Reihe von Felsen umgeben, zwischen denen jedoch oft die Einfahrt möglich ist.

Um 3 Uhr befanden wir uns einem großen Meerbusen gegenüber, und da wir deshalb Ankergrund vermuteten, legten wir bei. Die Boote wurden auch gleich zur Prüfung abgeschickt. Während ihrer Beschäftigung sah ich, wie eine große Anzahl von Kanus sich um sie her versammelte. Ich befürchtete, daß die Insulaner willens sein möchten, unsere Leute anzugreifen. Da ich nun gern allem Unheil vorbeugen wollte, so gab ich den Booten ein Zeichen, an Bord zurückzukommen, und feuerte, um den Eingeborenen ein wenig Ehrfurcht einzuflößen, zu gleicher Zeit eine neunpfündige Kugel über ihre Köpfe hinweg. Das Boot ruderte nun dem Schiffe zu. Der Donner des Neunpfünders hatte zwar die Insulaner erschreckt, doch ließen sie sich dadurch nicht abhalten, unseren Booten nachzurudern, und als sie diese nach dem Schiff zurückkehren sahen, suchten sie, einem von ihnen den Weg abzuschneiden. Da aber dieses Boot schneller segeln konnte, als die Kanus ruderten, ließ es die es umschwärmenden Eingeborenen bald hinter sich zurück. Inzwischen lauerten ihm verschiedene andere, die mit Insulanern gefüllt waren, unterwegs auf und warfen mit Steinen nach der Mannschaft, wodurch auch wirklich einige Bootsleute verwundet wurden. Der Offizier im Boot feuerte hierauf eine mit Schrot geladene Flinte auf den Mann, der den ersten Stein geworfen hatte, und verwundete ihn an der Schulter. Sobald die übrigen Kanuinsassen die Verwundung ihres Kameraden sahen, sprangen sie ins Meer, und die anderen Eingeborenen ruderten äußerst bestürzt und erschrocken hinweg. Nachdem unsere Boote wieder am Schiffe beigelegt hatten, ließ ich sie an Bord nehmen, und gerade wollten wir wieder weitersegeln, als wir ein großes Kanu uns nachsetzen sahen.

Da ich vermutete, daß sich in ihm vielleicht irgendeiner von den Anführern dieser Leute oder sonst jemand befinden könnte, der abgeschickt wäre, um mir eine Botschaft vom Oberhaupte zu bringen, hielt ich für gut, es zu erwarten. Es segelte sehr schnell und war bald an dem Schiffe, wir konnten aber unter allen Insassen keinen unterscheiden, der etwas mehr als der andere vorgestellt hätte. Jedoch stand endlich einer von ihnen auf, hielt eine Anrede, die ungefähr 5 Minuten dauerte, und warf alsdann einen Bananenzweig an Bord. Dies hielten wir für ein Friedenszeichen und erwiderten es, indem wir einen von den Zweigen, die von den vorigen Insulanern im Schiff zurückgelassen waren, dem Redner über Bord reichten. Mit diesem und einigen Kleinigkeiten, die wir ihm nachher schenkten, schien er sehr vergnügt zu sein und ruderte bald darauf mit seinem Kanu wieder weg.

Die Offiziere, die mit den Booten ausgeschickt worden waren, berichteten mir, daß sie hart an der Klippenreihe gelotet und hier ebenso tiefes Wasser wie an den andern Inseln gefunden hätten. Da ich aber auf der Seite der Insel war, die gegen den Wind hin lag, so konnte ich mit einiger Wahrscheinlichkeit erwarten, daß ich Ankergrund finden würde, wenn ich unter dem Winde hinsegelte. Ich steuerte also in dieser Richtung, fand aber, daß am südlichen Ende eine Menge Klippen sehr weit in See hinausliefen; ich faßte also den Wind näher und fuhr die ganze Nacht über fort, gegen den Wind zu steuern, um auf solche Weise längs der Ostseite der Insel hinlaufen zu können.

Um 5 Uhr morgens gingen wir wieder unter Segel. Eine merkwürdige Spitze, die einem Zuckerhute ähnlich sah, lag in Nordnordosten. Wir waren in dieser Lage ungefähr zwei Seemeilen weit vom Lande; dieses hatte hier ein sehr anmutiges Äußere und war mit Häusern der Eingeborenen weithin besät. Nahe an der Küste sahen wir verschiedene große Kanus unter Segel, sie steuerten aber nicht auf uns zu. Um Mittag waren wir zwei bis drei Kilometer von der Insel entfernt. Wir setzten unsern Lauf immer längs der Küste fort, bald kamen wir ihr auf eine halbe Seemeile nahe, bald hielten wir uns vier bis fünf Meilen von ihr entfernt, nirgends aber hatten wir bisher Ankergrund gefunden. Um 6 Uhr abends befanden wir uns einem schönen Flusse gegenüber, und da die Küste hier ein besseres Aussehen hatte, als an irgendeiner andern Stelle, beschloß ich, die ganze Nacht hindurch auf und ab zu steuern und am Morgen zu versuchen, Grund zu finden. Sobald es finster war, sahen wir sehr viele Lichter längs der ganzen Küste.

Bei Tagesanbruch schickten...



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