E-Book, Deutsch, 288 Seiten
Reihe: Allgemeine Reihe
Schröder Böses Karma
1. Auflage 2024
ISBN: 978-3-95719-311-7
Verlag: Blitz Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Ein Mystery-Thriller aus dem Sauerland
E-Book, Deutsch, 288 Seiten
Reihe: Allgemeine Reihe
ISBN: 978-3-95719-311-7
Verlag: Blitz Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Angelika Schröder, geboren in Westfalen, hat im Siegerland studiert und arbeitet heute an einer Grundschule im Sauerland - nach einigen Zwischenaufenthalten an so exotischen Orten wie Delhi, Kathmandu, Cuzco, München und Hagen.
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„Der Staatsanwalt und auch der Bürgermeister haben schon wieder angerufen und Druck gemacht“, schimpfte Wallmeyer, als sich am Nachmittag alle wieder in Tannberg trafen. „Die beiden haben gedroht und geschleimt. Wir erhalten alles, was wir an zusätzlichem Equipment brauchen, aber der Mörder soll heute noch gefasst werden.“
„Wirklich alles, was wir brauchen?“, fragte der Dienststellenleiter, der mit einem Blatt Papier in der Hand hereingekommen war und offensichtlich Wallmeyers letzte Worte gehört hatte. „Gut, dann werde ich hoffentlich endlich die neuen Computer bekommen, die ich schon seit Jahren dringend benötige. Besser, ich schicke den Antrag heute noch ab, bevor Sie die Morde aufklären.“
„Wenn das kein Motiv ist“, murmelte Paul leise. Sein Nachbar bemühte sich erfolglos, ein amüsiertes Kichern in einen Hustenanfall zu verwandeln.
Wallmeyer warf den beiden einen strengen Blick zu und meinte dann zu Born: „Nun, das freut mich zwar ungemein für Sie, aber letztlich werden es nicht Computer sein, die diesen Fall lösen, sondern solide Polizeiarbeit. Also, was haben wir bis jetzt?“
Stollberg und Lühring berichteten von ihren Ermittlungen.
„Zwei Streifenbeamte, die das Foto im Reisebüro herumgezeigt haben, bestätigen Kevins Aussage, dass Saskia Mölders nach Australien wollte“, fügte Born ergänzend hinzu. „Ich habe die Kollegen am Frankfurter Flughafen bereits gebeten, nach ihrem Auto Ausschau zu halten. Eben kam dieses Fax. Ihr Auto steht in deren Tiefgarage.“
„Also hat der Mörder den Wagen nach der Tat nach Frankfurt gefahren, um den Anschein zu erwecken, sie sei tatsächlich abgeflogen.“
„Dann müsste sie allerdings auf einer der Passagierlisten stehen, was jedoch nicht der Fall ist. Auch danach habe ich mich bereits erkundigt. Entweder wusste der Täter das nicht, oder es war ihm egal. Ich vermute Letzteres. Normalerweise hätten wir die Leiche nicht so schnell gefunden. Die eigentliche Jagdsaison beginnt erst im Herbst, und weder Waldarbeiter noch Spaziergänger krauchen freiwillig durch so dichtes Unterholz. Bis ein nicht abgeholtes Auto in der Flughafengarage auffällt, dürfte es ebenfalls ziemlich lange dauern. Folglich konnte der Scheißkerl sich sicher fühlen“, meinte Born nachdenklich.
„Hätte er nicht auch den alten Franz umgebracht“, warf Lühring ein.
Einen Moment herrschte Schweigen.
„Der Umstand“, sagte Wallmeyer, „dass sich Saskia Mölders bei all ihren Verwandten und Freunden abgemeldet hat und somit auf längere Zeit niemand ein Lebenszeichen von ihr erwartete, hat dem Täter in die Hände gespielt. Aber handelt es sich tatsächlich nur um einen Zufall, oder hat der Mörder Bescheid gewusst und entsprechend kaltblütig geplant?“
„Haben wir etwas Neues über Kim erfahren?“, fragte Gereon.
„Aha, Frau Abalone ist jetzt schon Kim.“ Wallmeyer konnte sich ein anzügliches Grinsen nicht ganz verbeißen. „Diese junge Dame verbirgt ein interessantes Vorleben. Bis vor neun Jahren hieß sie noch Bäcker, Margret Bäcker. Sie wurde damals wegen Diebstahls angezeigt. Und nun ratet mal, von wem …“ Abwartend warf er einen fragenden Blick in die Runde. „Urs von Holmstedt. Die ganze Familie wohnte damals im Nassauer Hof in Wiesbaden, wo Margret Bäcker als Zimmermädchen arbeitete. Sie hat das Flugticket und den Reisepass der Tochter aus Holmstedts Suite geklaut. Zufällig kenne ich einen Kollegen von dort, der sich an den Fall erinnert. Natürlich wurden die gestohlenen Sachen bei dem Zimmermädchen gefunden, die Diebin verhaftet und für einige Wochen eingesperrt. Doch obwohl die Sache eindeutig war, hat Holmstedt später nicht nur seine Anzeige zurückgezogen, sondern auch noch dafür gesorgt, dass das Mädchen seinen Job im Hotel zurückerhielt.“
„Weiß man warum?“
„Nicht wirklich, nein. Zumindest kann sich mein Kollege nicht daran erinnern, und er hat den Fall damals bearbeitet. Kurze Zeit später hat Margret Bäcker dann einen Antrag auf Namensänderung gestellt.“
„Ich vermute mal, auch dafür gab es keine Begründung?“
„Richtig. Normalerweise geht das nicht so problemlos, jedenfalls nicht, wenn keine Scheidung, Adoption oder Ähnliches dahintersteckt. Außerdem ist eine Namensänderung mit ziemlich hohen Kosten verbunden, zu hoch jedenfalls für den Verdienst eines Zimmermädchens. Ich vermute, irgendjemand hat ihr geholfen … jemand mit genügend Geld und Einfluss.“
„Doch nicht etwa wieder Urs von Holmstedt?“, fragte Born.
„Jetzt arbeitet Kim Abalone hier im Hubertushof“, fuhr Wallmeyer fort, ohne die Frage zu beantworten. „Und die Familie von Holmstedt ist auch hier. Ich frage mich, welche Beziehungen bestehen da? Gereon, ich möchte, dass du sie heute Abend herbringst. Ich werde sie zunächst als Zeugin vernehmen, nicht als Verdächtige. Aber hier im Büro.“
Stollberg nickte, doch ihm war deutlich anzumerken, dass ihm der Auftrag ganz und gar nicht gefiel.
„Weiter. Kommen wir nun zu dem Bankier selbst. Wir wissen, dass es eine Verbindung zu Grevenstein gab, auch wenn ich der Überzeugung bin, dass uns gewisse Einzelheiten im Moment noch fehlen. Wie steht es mit Saskia Mölders? Kannten die beiden sich möglicherweise auch? Tanja, du klemmst dich bitte dahinter. Habt ihr inzwischen das Motiv für Isabels Selbstmord herausgefunden?“
Wolff schüttelte den Kopf. „Ich habe mehrfach mit den Eltern, mit dem Mädchen und auch mit der behandelnden Therapeutin gesprochen. Nichts. Isabel von Holmstedt behauptet nach wie vor, sie wisse nicht, warum sie es getan hat. Plötzlich sei dieser Drang dagewesen, und sie habe es einfach tun müssen. Ich finde es sinnlos, weiterhin Zeit und Energie auf diesen Fall zu vergeuden.“
Wallmeyer schüttelte energisch den Kopf. „Ganz und gar nicht. Ich sehe nur einen einzigen Grund, warum das Mädchen mauert: Das Motiv liegt in der Familie, die Kleine hat Angst. Gleichgültig, was da passiert ist, wir müssen ihr helfen. Solange Holmstedts Tochter das Gefühl hat, allein zu stehen, wird sie nicht aussagen. Also werden wir jemanden in Isabels Schule schicken, der sich bei ihren Freunden und Lehrern umhört. Wenn wir sie mit unserem Wissen konfrontieren und sie merkt, dass sie uns vertrauen kann, wird sie reden, und wir können den Dreckskerl verhaften.“
„Jan, das kannst du nicht tun!“, fuhr Wolff auf. „Für so einen Verdacht gibt es keinerlei Anhaltspunkte. Du weißt, wie empfindsam die Menschen gerade in Bezug auf Missbrauch reagieren und wie schnell die Medien sich auf dieses Thema stürzen. Da gibt es keine Recherche mehr, bloß reißerische Behauptungen. Das Fragezeichen dahinter bemerkt niemand mehr. Ist dir klar, dass du damit die Familie zerstörst? Du ruinierst nicht nur den guten Ruf, sondern das ganze Leben dieses Mannes.“
„Sonst bist du doch immer so darauf bedacht, dass Kinder geschützt werden müssen. Und in diesem Fall willst du kneifen? Hat Holmstedt dich so beeindruckt?“
Die Polizistin stand auf. „Jan, wir müssen reden.“ Dann ging sie zur Tür und wies Wallmeyer mit dem Kopf, ihr zu folgen.
Mit sichtlichem Widerwillen erhob sich Wallmeyer, folgte seiner Kollegin und schloss die Tür hinter sich. Die Zurückgebliebenen schauten sich betreten an.
„Na, so was“, sagte Paul und warf eine Tüte Gummibärchen auf den Tisch.
„Was zum Teufel ist los mit dir, Jan? Du bist ja geradezu besessen von Holmstedt. Isabel wollte sich umbringen, und so schlimm das auch ist … es ist ihr Problem. Wir haben weder die Zeit, uns darum zu kümmern, noch geht uns der Fall etwas an. Wahrscheinlich handelt es sich um Liebeskummer, und sie schämt sich, das zuzugeben. Das ist bei jungen Mädchen häufig der Fall. Muss ich dir etwas über mangelnde Frustrationstoleranzen erzählen? Es ist Sache der Psychologen, Isabel wieder aufzubauen. Außerdem: Was du als Verbindung zwischen Grevenstein und Holmstedt bezeichnest, ist Vergangenheit und abgeschlossen. Vorbei! Das Darlehen wurde zurückgezahlt, und weiter war nichts und ist nichts. Also hör endlich auf, Holmstedt hinterherzuschnüffeln! Das bindet Zeit und Energie und bringt nichts.“
„Ach, dir ist es also plötzlich völlig egal, wenn ein junges Mädchen so gequält wird, dass es keinen anderen Ausweg mehr sieht, als sich selbst umzubringen?“
„Dreh mir nicht das Wort im Mund um. Natürlich ist es mir nicht egal, aber wir sind keine Sozialarbeiter. Wir haben zwei Morde aufzuklären, vergiss das nicht!“
„Oh nein, wie könnte ich das. Und auch darin ist Holmstedt verwickelt. Oder findest du es nicht seltsam, dass der alte Mann genau an der Stelle umgebracht wurde, an der Isabel Selbstmord begehen wollte? Beide Orte liegen nicht weit auseinander, im gleichen Tal.“
„Was soll das denn wieder? Nun sei mal vernünftig. Erst behauptest du, jemand aus der Familie habe der Kleinen etwas angetan, und jetzt glaubst du, dass Grevenstein der Schuldige ist und ihr Vater sie rächen wollte. Oder was sonst hast du mit deiner Andeutung gemeint? Jan, wohin verirrst du dich? Das sind doch aus der Luft gegriffene Phantastereien. Wir müssen uns an Tatsachen halten, an objektive Tatsachen, und die lassen keinerlei Zusammenhang zwischen den beiden Fällen erkennen. Außerdem gibt es mit der Leiche von Saskia Mölders einen weiteren Fall, das kannst du doch nicht vergessen haben, oder? Wir sollten noch einmal alle...




