E-Book, Deutsch, Band 49, 350 Seiten
Reihe: Dorian Hunter
Schuder / Vandis / Montillon Dorian Hunter 49 - Das Bildnis des Teufels
1. Auflage 2014
ISBN: 978-3-95572-049-0
Verlag: Zaubermond Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
E-Book, Deutsch, Band 49, 350 Seiten
Reihe: Dorian Hunter
ISBN: 978-3-95572-049-0
Verlag: Zaubermond Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Isbrants Versuch, den Bildzauber aufzuheben, ist fehlgeschlagen - das Porträt, das Grégoire de Malnati vor dreihundert Jahren anfertigte, bedroht weiterhin die Existenz des Oberhaupts der Schwarzen Familie. Isbrant unterliegt dem unheilvollen magischen Einfluss, der von dem Bildnis des Teufels ausgeht und der seine großen Pläne zu gefährden droht. Der dämonische Zwerg von Hartmannsberg nutzt diese Schwäche, um Isbrants abermals zu attackieren. Aber welche Ziele verfolgen er und sein Schutzpatron Zakum wirklich? Die Antwort findet Dorian Hunter abermals in den Erinnerungen an sein achtes Leben ... Der 49. Band der legendären Serie um den 'Dämonenkiller' Dorian Hunter. - 'Okkultismus, Historie und B-Movie-Charme - ?Dorian Hunter? und sein Spin-Off ?Das Haus Zamis? vermischen all das so schamlos ambitioniert wie kein anderer Vertreter deutschsprachiger pulp fiction.' Kai Meyer enthält die Romane: 208: 'Der Tod aus dem Meer' 209: 'Tödliche Schatten' 210: 'Das Bildnis des Dämons'
Autoren/Hrsg.
Weitere Infos & Material
Der Tod aus dem Meer
von Ralf Schuder
1. Kapitel
Einige der vorbeihuschenden Schatten wirkten wie bizarre Pflanzen, andere wie längst ausgestorbene Tiere oder dämonische Gestalten.
Es war kurz vor Mitternacht. Elaine Lowell stand auf der höchsten Stelle eines Hügels, blickte durch den Sucher ihres elektronischen Nachtsichtgerätes und hielt Ausschau nach der kleinen Holzhütte, die sich irgendwo dort unten am Ufer des Loch Sinclair befand.
Ein Käuzchen sandte seinen Ruf in die Dunkelheit hinaus, kurz darauf ertönten geräuschvolle Flügelschläge.
»Was ist, Elaine?«, fragte Don Chapman, als wieder Stille eintrat. »Kannst du irgendetwas erkennen?«
Sie bedeutete ihm mit der freien Hand, ruhig zu sein.
Don gab ein ungeduldiges Seufzen von sich, schwieg aber.
Elaine suchte weiter. Endlich verschwanden die seltsamen, vom Restlichtverstärker in einem hässlichen Grün dargestellten Schatten. Sie sah die Umrisse der halb verfallenen Hütte. Ein Fenster tauchte im Sucher auf, und sie konnte in das Innere der Hütte blicken. Es war nichts weiter zu erkennen als ein Tisch, auf dem eine brennende Kerze stand. Der Lichtschein wurde auf dem Display als gleißend heller Punkt dargestellt.
Geblendet nahm die junge Secret-Service-Agentin das Nachtsichtgerät beiseite. Sie rieb sich mit der Linken über den schmalen Nasenrücken. Helle Lichtflecken tanzten vor ihren Augen.
»Von der jungen Frau ist nichts zu sehen. Ich bin mir aber sicher, dass die Dämonen sie im Haus zurückgelassen haben«, sagte sie schließlich.
»Dann sollten wir nicht länger zögern und sie befreien«, erwiderte Don.
»Ich weiß nicht. Ich habe das Gefühl, dass man uns in eine Falle locken will.« Elaine war noch nicht allzu lange für das Dämonenkiller-Team tätig, und ihre Erfahrungen mit den Schwarzblütigen hielten sich in Grenzen, dennoch spürte sie, dass hier irgendetwas nicht stimmte.
Die Agentin und der Puppenmann waren von Dorian Hunter nach Schottland geschickt worden, um Schloss Sinclair zu beobachten, das von dem dämonischen Zwerg von Hartmannsberg und Zakum, dem dunklen Archivar, in Besitz genommen worden war.
Die beiden Schwarzblütigen führten irgendetwas im Schilde, und Elaine und Don sollten herausfinden, was sie vorhatten. Zwei Tage lang war es totenstill in dem alten Gemäuer gewesen. Beinahe schien es, als hätten sich die Dämonen längst aus dem Staub gemacht.
Doch heute, mit Beginn der Abenddämmerung, hatte sich dies grundlegend geändert. Laute Stimmen, vermischt mit dissonanter Musik, waren zu hören gewesen, und hinter den Fensteröffnungen, die an Schießscharten erinnerten, waren Fackeln entzündet worden.
Der Lärm hatte bis Mitternacht gedauert, dann war es plötzlich still geworden. Elaine hatte aus ihrem Versteck heraus beobachten können, wie das Schlosstor – das wie das gefräßige Maul eines Fabelwesens wirkte – hochgezogen wurde. Eine Prozession aus grotesken Gestalten betrat daraufhin die Schlossbrücke. Der Mond war immer wieder von schnell vorbeiziehenden Wolken verdeckt worden, dennoch war eindeutig zu erkennen gewesen, dass es sich bei diesen Kreaturen um Dämonen und ihre Helfershelfer handelte.
Und zu ihrem Erschrecken hatte Elaine erkannt, dass diese Teufel eine splitternackte junge Frau mit sich zerrten. Das Mädchen hatte sich verzweifelt gewehrt, gegen die übernatürlichen Kräfte ihrer Peiniger aber nichts auszurichten vermocht.
Elaine hatte, hinter Bäumen und Büschen Deckung suchend, die Dämonen verfolgt. Don Chapman war nicht von ihrer Seite gewichen.
Die Nachtgestalten waren wild gestikulierend und laut grölend am Ufer des Loch Sinclair entlanggegangen. Die bedauernswerte Frau hatte ihren Widerstand aufgegeben und es willenlos geschehen lassen, dass zwei der Gestalten sie in die Hütte brachten.
Elaine trug eine mit Pyrophorgeschossen geladene Handfeuerwaffe sowie mehrere Dämonenbanner bei sich. Auch Don Chapman war bestens vorbereitet. Dennoch wäre es einem Selbstmord gleichgekommen, eine so große Ansammlung von dämonischen Kreaturen anzugreifen.
So hatten sich Elaine und der Puppenmann auf den Hügel begeben, um die Vorgänge weiter zu beobachten. Sie hoffte darauf, dass sich vielleicht doch noch eine Gelegenheit zum Eingreifen bot.
Dann hatte es eine Wendung gegeben, die Elaine überrascht hatte. Die beiden Gestalten – ihrer Meinung nach ein Werwolf und ein Vampir – waren nach einigen Minuten ohne die junge Frau aus der Hütte getreten, um sich zu den anderen Nachtgestalten zu gesellen.
Die dämonische Prozession hatte sich langsam und schweigend in Richtung Schloss Sinclair begeben.
Das war bereits einige Minuten her, aber Elaine war noch immer unschlüssig.
Warum hatte man die junge Frau allein in der Hütte zurückgelassen? War sie ermordet worden? Aber warum hier und nicht im Schloss?
Oder lebte das Mädchen noch? Wollte man sie erst später opfern?
»Selbst wenn es eine Falle ist«, sagte Don, »können wir die Frau nicht ihrem Schicksal überlassen. Wir müssen sie da rausholen!«
Elaine nickte stumm. Sie musste zugeben, dass der Puppenmann recht hatte. Im Kampf gegen die Dämonen gab es keine Sicherheit, sie mussten dieses Risiko eingehen.
Sie steckte das Nachtsichtgerät in ihren Rucksack, hängte sich ihn um und überzeugte sich davon, dass ihre Pyrophorpistole griffbereit war.
»Gut, befreien wir sie!«, sagte sie entschlossen.
»So gefällst du mir schon viel besser«, sagte Don, und noch bevor Elaine irgendetwas erwidern konnte, lief er den Abhang hinab der Hütte entgegen.
Don führte eine winzige Stabtaschenlampe mit sich, die er nun eingeschaltet hatte. Trotz seiner Körpergröße kam er auf diesem Gelände schneller voran als seine Begleiterin. Wie ein Wiesel hüpfte er über Äste, Steine und andere Hindernisse, und wegen seines geringen Körpergewichts versanken seine Schuhe nicht so tief im feuchten, laubbedeckten Boden.
Es war noch immer dicht bewölkt und damit stockdunkel, sodass auch Elaine ihre Taschenlampe einschaltete. Die junge Frau hatte Mühe, dem Puppenmann zu folgen. Nur ab und zu tauchte der quirlige Don im Lichtkegel ihrer Taschenlampe auf.
Erst, als sie sich der Hütte näherten, verlangsamte er das Tempo. Er wartete, bis Elaine zu ihm gestoßen war, und bedeutete ihr, stehen zu bleiben. Die Geheimagentin hielt für einen Augenblick inne und lauschte. Bis auf das Rauschen der Bäume und Büsche, die vom Wind bewegt wurden, war nichts zu hören. Die Tiere in der Umgebung schienen verstummt zu sein, was Elaine mit Sorge erfüllte. Tiere besaßen ein untrügliches Gespür, einen sechsten Sinn, der sie vor unsichtbaren Gefahren warnte.
Sie ging weiter auf die Hütte zu, die schattenhaft zwischen kahlen Bäumen und Büschen stand. Die Agentin richtete den Strahl der Taschenlampe nach vorn und konnte die windschiefe Baracke besser sehen. Sie war schlampig zusammengenagelt, und die Bretter waren morsch und wurmstichig. Hinter dem Fenster war noch immer der flackernde Kerzenschein zu erkennen.
Elaine war bemüht, sich der Hütte möglichst lautlos zu nähern, doch dann trat sie auf einen Ast. Das verräterische Knackgeräusch schien die Totenstille zu zerreißen. Sie hielt einen Moment inne, doch zu ihrer Erleichterung rührte sich nichts. Vorsichtig schlich sie weiter.
Sie musste zugeben, dass Don sich wesentlich geschickter anstellte. Er wich jedem Hindernis aus und schlich mit katzenhafter Geschmeidigkeit über den Untergrund.
Elaine schaltete ihre Lampe aus. Auch Don löschte das Licht. Es war nicht auszuschließen, dass sich ein Schwarzblütiger in der Baracke aufhielt, um das unglückliche Opfer zu bewachen.
Die Agentin näherte sich dem Fenster und warf einen vorsichtigen Blick durch die Scheibe.
»Was ist?«, fragte Don.
»Niemand zu sehen.«
»Das kann nicht sein. Die Dämonen haben die Frau zurückgelassen – sie muss sich noch in der Hütte befinden.«
Bevor Elaine etwas erwidern konnte, raste Don an ihr vorbei. Er lief zur Stirnseite der Baracke, wollte offenbar durch die Eingangstür stürmen.
Seufzend folgte sie ihm. Tatsächlich sah sie ihn Sekunden später an der Tür herumhantieren. Er griff mit seinen kleinen Händen in den Spalt zwischen Tür und Rahmen. Er versuchte mit aller Kraft, in die Hütte einzudringen.
»Geh aus dem Weg, Don!«
Sie drückte die rostige Klinke nach unten. Die Tür war verriegelt. Elaine warf sich mit der Schulter gegen das Holz und musste überrascht feststellen, dass die so marode wirkende Tür nicht nachgab.
Sie nahm ihren Rucksack ab, öffnete ihn und hielt wenige Sekunden später ein Bund mit Spezialschlüsseln in der Hand. Einen der Dietriche steckte sie in das verrostete Schloss der Barackentür. Er passte nicht. Sie musste vier weitere Dietriche probieren, bevor das Türschloss zurückschnappte.
Sie zögerte einen Augenblick, dann drückte sie die Klinke nieder und gab der Tür einen Stoß, woraufhin sie unter lautem Knarren aufschwang; das hässliche Geräusch ähnelte dem Knurren eines Raubtiers und hallte unheimlich durch die Nacht.
Elaine leuchtete in die Hütte hinein. Noch immer rechnete sie mit einem Angriff, doch nichts geschah.
Der vor ihr liegende Raum sah aus wie eine verwahrloste Rumpelkammer. Die Kerze auf dem Tisch war vom Luftzug der aufgestoßenen Tür gelöscht worden. Im Taschenlampenlicht sah sie drei Stühle, deren Lehnen und Beine mit seltsamen Schnitzmustern versehen waren, sowie eine...




