E-Book, Deutsch, 268 Seiten
Schüller Der große Geldschwund
2. Auflage 2022
ISBN: 978-3-7557-2861-0
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Ständig müssen wir zahlen. Wie Sie die Kontrolle über Ihre Finanzen und mehr Geld für sich behalten
E-Book, Deutsch, 268 Seiten
ISBN: 978-3-7557-2861-0
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Thorsten Schüller, geboren 1964, ist ausgebildeter Wirtschafts- und Finanzjournalist und arbeitet für Tageszeitungen sowie Wirtschafts- und Fachmagazine. Darüber hinaus ist er als Pressesprecher von Biotech- und Pharmaunternehmen tätig.
Autoren/Hrsg.
Weitere Infos & Material
Und wieviel bleibt Ihnen so?
Es ist ja nicht so, dass Piet Baumann nichts verdienen würde. Als Bauingenieur in Hamburg bekommt er monatlich 4.638 Euro brutto. Das ist für sich betrachtet eine durchaus stattliche Summe.
Auch bei der Freiburgerin Anna Goika steht oben auf dem Gehaltszettel eine ansehnliche Zahl: 3.139 Euro, so hoch ist ihr Bruttogehalt als Erzieherin in einem städtischen Kindergarten.
Und doch sind Piet und Anna jedes Mal erstaunt, dass ihnen am Monatsende fast nichts von ihrem Geld übrigbleibt. Dabei leben sie nicht einmal in Saus und Braus. Sie gehen nur selten in Restaurants, sie leisten sich keine teuren Konzertbesuche, ihre Urlaube führen sie pauschal nach Mallorca oder an die türkische Mittelmeerküste, und bei Ausgaben des täglichen Lebens fragen sie sich vorher, ob sie wirklich nötig sind oder die Dinge woanders womöglich billiger zu bekommen sind.
Piet und Anna arbeiten jeweils Vollzeit, aber ihre Gehaltszettel gaukeln ihnen einen Reichtum vor, der so nicht existiert. Denn von ihrem Brutto fließen Steuern sowie Sozialabgaben zur Renten- und Krankenversicherung ab.
Piet ist verheiratet und hat zwei kleine Kinder. Seine Frau kümmert sich zuhause um die beiden Mädchen. Für die erhält das Paar zwar Kindergeld vom Staat, andererseits übersteigen die Kosten für Kita, Kleidung und Essen diesen Betrag deutlich. Piet muss die monatliche Miete für eine Vierzimmerwohnung am Rande von Köln bezahlen, er finanziert ein mehrere Jahre altes Auto und leistet sich und seiner Familie Versicherungen wie Haftpflicht, Hausrat und Auslandskrankenschutz. Die Lebensmitteleinkäufe schlagen sich deutlich im monatlichen Budget nieder, gelegentlich gönnen sie sich einen Kurzurlaub in einem Appartement – mit dem Ergebnis, dass am Ende fast nichts von dem schönen Bruttogehalt übrigbleibt.
Ähnlich sieht es bei Anna aus. Da sie nicht verheiratet ist, zahlt sie prozentual höhere Sozialabgaben als Piet. Ihre Zweizimmer-Wohnung in München verschlingt bereits 1200 Euro. Sie kauft Ihre Lebensmittel im Bioladen, gönnt sich gelegentlich ein neues Kleidungsstück und geht hin und wieder mit ihren Freundinnen aus. Dafür verzichtet sie auf ein eigenes Auto, setzt auf öffentliche Verkehrsmittel oder leiht sich mal ein Fahrzeug aus. Am Monatsende bleibt ihr, wie Piet, fast nichts.
Gehören Sie auch zu den Millionen von Menschen, die morgens aus dem Haus gehen, tagsüber hart arbeiten und abends ermüdet wieder in ihrer Wohnung ankommen? Sie verbringen mehr Zeit im Job als zuhause oder mit ihren Familien oder Partnern und wundern sich am Freitagabend, dass schon wieder eine Woche verflogen ist. Sie bringen sich und ihre Arbeitskraft ein, Sie leben nicht auf großem Fuß, sondern kalkulieren ihr Budget, schränken sich beim Konsum ein und widerstehen vielen Verlockungen des Alltags. Und doch haben Sie am Monatsende den Eindruck, dass sie sich mal wieder wie ein Hamster im Rad gedreht haben, letztlich aber kaum Krümel übriggeblieben sind. Sie werkeln, um den Alltag zu meistern, aber es gelingt Ihnen nicht, Rücklagen zu bilden oder gar Reichtümer anzuhäufen – Geld, von dem man sich ein besonderes Stück gönnt, einen Tisch, ein Kleid, ein Wellness-Wochenende. Oder dass man auf die Seite legt, um sich später etwas Großes davon zu leisten – eine Wohnung, eine ausgedehnte Reise oder einfach nur die Freiheit, eine Zeitlang aus diesem Hamsterrad der täglichen Arbeit ausbrechen zu können.
Das gelingt nur Wenigen.
Es gibt Menschen, die sagen, Geld sei Ihnen nicht wichtig. Das ist eine bemerkenswerte Einstellung, denn sie zeugt davon, dass diese Frauen und Männer eine klare Vorstellung davon haben, was für sie im Leben Bedeutung hat. Diese Einstellung hat etwas sehr Gesundes. Wozu ein zweites Auto? Muss ich wirklich zum Urlauben auf die Kanaren fliegen, nachdem ich vor vier Monaten erst auf Madeira war? Macht mich das zwölfte Paar Schuhe glücklicher als das elfte?
Eine solche Einstellung lässt sich aber nur umsetzen, wenn die persönlichen Grundbedürfnisse gedeckt sind – Essen, Trinken, Wohnung, Kleidung. Doch diese Bedürfnisse müssen erst einmal abgedeckt sein. Dafür brauchen wir Geld. Gleichzeitig leben wir in einer Gesellschaft der ständigen Versuchung, des konsummäßigen Überflusses. Überall locken tolle Dinge, die uns zum Kauf angeboten werden – im Schaufenster, in den Magazinen, im Internet nur einen Klick entfernt. Dem zu widerstehen fällt nicht leicht. Selbst die Tasse Kaffee, die wir am Nachmittag auf dem Marktplatz entspannt zu uns nehmen, kostet 3,20 Euro. Auch dieses Geld muss man übrighaben.
Wir verdienen Geld, um es auszugeben. Das ist ein normaler Vorgang. Das Geld, das wir uns erarbeiten, ermöglicht es, die Grundbedürfnisse zu decken, uns abzusichern, unser Leben zu gestalten und uns gelegentlich etwas zu gönnen. Geld ist ein tolle Erfindung, denn würden wir noch heute in Tauschwirtschaft leben und müssten, sagen wir, unseren Architekturentwurf oder den von uns gefliesten Boden gegen Brot, Käse und Marmelade eintauschen, wäre das Leben ziemlich kompliziert. Dann ständen wir dauernd vor Fragen wie: Wie viel Brot sind drei Quadratmeter Fliesenboden wert? Oder: Wie viel Käse bekomme ich für die Programmierung einer Webseite? Und wie bezahle ich die Bahn, wenn ich mit dem Zug von Rendsburg nach Rostock fahren möchte? Das Unternehmen dürfte kaum an der Powerpoint-Präsentation interessiert sein, die ich gerade zum Thema „Steigerung der Durchflussmengen“ erstellt habe.
Wenn wir unsere Arbeitsleistung einbringen, erhalten wir dafür Geld. Wenn wir dieses Geld wieder ausgeben, erhalten wir dafür einen Gegenwert. Das ist gut. Nur: Stimmen die Relationen? Ist das, was Sie für Ihre Leistung erhalten, auch gerecht und ausreichend? Und ist das, was man Ihnen auf der anderen Seite wieder nimmt, angemessen? Ist es angemessen, dass Sie mit jedem Liter Benzin, den Sie tanken, 65 Cent Energiesteuer sowie zuzüglich 19 Prozent Mehrwertsteuer bezahlen? Ist es angemessen, dass Sie die Monatskarte für den öffentlichen Personennahverkehr 125 Euro kostet und Sie dafür in der Rushhour die Deomarke Ihres Nachbarn erschnüffeln dürfen oder des Öfteren 20 Minuten am Bahnsteig herumstehen, weil die S-Bahn mal wieder Verspätung hat?
Gut, beklagen wir uns nicht. Wir verfügen über funktionierende Krankenhäuser und eine halbwegs funktionierende Infrastruktur. Wir leben in Frieden, leiden keinen Hunger, müssen nicht obdachlos auf der Straße leben. In der Regel gelingt es uns, mit unserem Einkommen unsere wesentlichen Bedürfnisse zu decken. Manchmal bleibt sogar etwas übrig, und wir können uns ein gewisses Etwas leisten. Eine Skiwoche in den Dolomiten oder ein paar Wellnesstage an der Ostsee.
Doch meistens ist es mühsam. Wir müssen kalkulieren, rechnen, uns zurückhalten. Denn immer sind wir am Zahlen. Beinahe täglich, mal kleine, mal größere Summen. Wir zahlen Einkommensteuer, Mehrwertsteuer und Ertragsteuern. Die Post will 80 Cent für den Brief, der Makler zwei oder drei Monatsmieten für die Vermittlung einer Wohnung. Anwälte und Gerichte schreiben bei der Scheidung dicke Rechnungen, und die GEZ fordert quartalsweise Geld von uns, auch wenn wir das öffentlich-rechtliche Fernsehprogramm ziemlich öde finden. Die Rentenversicherung bucht monatlich ab, die Autoversicherung einmal jährlich. Ausländische Autobahnbetreiber kassieren pro Kilometer, Steuerberater schreiben Rechnungen mit dreioder vierstelligen Summen, Handwerker addieren die Arbeitszeit zum Material und Anlageberater preisen uns Fonds, Aktien und Unternehmensbeteiligungen an, mit denen wir am Ende oft mehr verlieren als gewinnen.
Gleichzeitig suggeriert uns die Werbung, was alles möglich ist. Eine neues Kleid, eine tolle Handtasche, ein hübsches Paar Schuhe. Lebensmittel sollen bio und lokal sein, die Neubauwohnung gibt es für 440.000 Euro, das Auto für 32.000 Euro. Der Kurztrip nach Barcelona, die Schiffsreise durch die Karibik, die Wanderwoche in den Pyrenäen, das Dreigängemenü im Edelrestaurant – ständig hält man uns lecker aussehende Knochen vor den Mund, doch sie haben ihren Preis. Der Kassensturz zeigt dagegen: Längst nicht alles ist möglich. Wir müssen uns zurückhalten.
Werfen wir also einen ehrlichen Blick auf unsere Finanzanlage. Ziehen wir Bilanz und rechnen aus, was uns am Monatsende wirklich bleibt. Und stellen wir uns die Frage, wer alles Geld von uns will: Unternehmen, Bekannte und immer wieder der Staat. Fragen wir uns auch, ob diese Zahlungen in ihrer Höhe gerechtfertigt sind. Erst wenn wir wissen, wie viel wir einnehmen, wie viel wir ausgeben und was uns am Ende bleibt, können wir darangehen, unser persönliches Finanzsystem zu optimieren. Dazu gehört vor allem die Frage, ob wir Leistungen, die uns immer und überall angetragen werden, wirklich brauchen? Können wir darauf verzichten, gibt es möglicherweise Alternativen?
Machen wir uns frei, soweit es geht: Von all den sogenannten oder selbst ernannten Experten, von den Versprechungen der Marketingindustrie, vielleicht sogar in einem gewissen Maße von den...




