Schütze | Valérie | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 256 Seiten

Schütze Valérie

Die Meisterdiebin von Paris | Geschichte über Magie und Freundschaft für Kinder ab 10 Jahren
21001. Auflage 2021
ISBN: 978-3-522-65461-6
Verlag: Planet!
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Die Meisterdiebin von Paris | Geschichte über Magie und Freundschaft für Kinder ab 10 Jahren

E-Book, Deutsch, 256 Seiten

ISBN: 978-3-522-65461-6
Verlag: Planet!
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Eine kleine Meisterdiebin mit großem Gerechtigkeitssinn!   Eine Stadt, in der es nur so glitzert und funkelt, die unzählige magische Winkel und verborgene Ecken hat: Paris! Und über den Dächern, dort, wo die Schornsteine emporragen, lebt Valérie. Sie ist, wie ihr Vater, eine Meisterdiebin. Allerdings bestiehlt Valérie die Diebe selbst. Als eines Tages bei einem Einbruch ihres Vaters Gustave alles schief geht, was nur schief gehen kann, geraten die beiden ins Visier der gefährlichen Spione eines alten Feindes. Auf der Flucht trifft Valérie Matteo  - ebenso gut im Anschleichen und Stehlen wie sie selbst. Nur gemeinsam werden sie es schaffen, sich und Gustave zu retten.   Magisch, phantastisch, geheimnisvoll - eine Geschichte für Kinder ab 10 Jahren

Andrea Schütze hat in ihrer Kindheit so ziemlich alle Hobbys ausprobiert, die man sich nur vorstellen kann. Irgendwann ist sie beim Lesen geblieben und schreibt deshalb auch so gerne selber Bücher. Sie hat einen Gesellenbrief als Damenschneiderin, ein Diplom als Psychologin, aber kein Seepferdchenabzeichen. Mit ihren Töchtern lebt sie in einem rosaroten Haus mitten im Schwarzwald. In der Nähe gibt es eine Stelle, an der man gleichzeitig in Deutschland, Frankreich und der Schweiz stehen kann - vorausgesetzt natürlich man hat drei Beine.
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Unter dem Eiffelturm ist heute besonders viel los.

Endlich hat der Frühling auch in Paris Einzug gehalten und in der Luft liegt eine prickelnde, lebensfrohe Stimmung.

Touristen aus aller Welt bevölkern erwartungsvoll den Platz unter den gigantischen Eisenstreben des mächtigsten Wahrzeichens von Paris.

Ein Pierrot, mit einer riesigen Traube bunter Ballons in der Hand, kommt mit dem Verkaufen fast nicht hinterher. Jedes Kind und fast genauso viele verliebte Pärchen möchten einen erstehen – es gibt Kätzchen, Meerjungfrauen, Micky-Mäuse, Einhörner oder Herzen – und mit dem blauen Himmel und dem Eiffelturm im Hintergrund, werden all die unzähligen Selfies, die heute geknipst werden, gleich noch mal schöner.

Auch der Verkauf in den Souvenirshops brummt: Eiffeltürme in allen Größen und Preisklassen, abgedruckt auf Sonnenbrillen, Bechern, Taschen und Postkarten. Reisegruppen aus Asien werden von eifrigen Fremdenführern zu den Ticketständen geleitet, Rucksackreisende dösen mit dem Gesicht in der Sonne an ihr Gepäck gelehnt, Kunststudenten üben mit Blöcken auf den Knien das perspektivische Zeichnen, Kinder flitzen umher und eine Violinistin rührt mit ihren Melodien die Herzen.

Es gibt eine »Lebende Statue« zu bewundern, die selbst dann wie in Stein gemeißelt und unbeweglich bleibt, als ein Hund sein Bein hebt und erst im letzten Moment von seinem Besitzer weggezogen werden kann.

Die Menschen vertreiben sich die Wartezeit vor den Aufzügen mit ihren Handys, reden oder lesen in Reiseführern und Stadtplänen. Eltern versuchen, ihre Kinder im Getümmel im Blick zu behalten, Schülergruppen lachen, Pärchen küssen sich. Es werden Hunderte Fotos gemacht und der ein oder andere steht mit in den Nacken gelegtem Kopf da und lässt die Wucht des gigantischen, stählernen Turmes auf sich wirken.

Jeder ist mit etwas anderem beschäftigt.

Nur nicht mit einem.

Dem Gedanken daran, gerade bestohlen zu werden.

All die abgelenkten, faszinierten und neugierigen Menschen auf dem Platz unter dem Eiffelturm denken an alles andere – nur nicht an Juliette, Mihail und Vincent.

Valérie schon.

»Ich sehe euch, Herrschaften«, wispert sie. »Alle drei. Was gar nicht so einfach ist, denn Juliette streift gerade an den Wartenden vor dem Damen-WC vorbei, während Mihail eine Gruppe japanischer Touristen ins Auge gefasst hat.« Also muss Valérie sich entscheiden und konzentriert sich auf Vincent. Er ist der Geschickteste der drei Taschendiebe, weil seine Taktik so ausgeklügelt ist. Während Juliette und Mihail ihre Opfer ausspähen und anschließend umkreisen, immer näher kommen und irgendwann anrempeln oder streifen, um sie zu bestehlen, ist Vincent schon längst fertig und hat reichlich Beute gemacht.

»Aber nicht, wenn ich dich dabei erwische«, murmelt Valérie und tritt hinter dem Rücken eines ziemlich korpulenten Mannes hervor, der ihr schon eine ganze Weile sicheren Spähschutz gegeben hat, ohne etwas von seiner wichtigen Aufgabe mitzubekommen. Und selbst wenn er sie bemerkt hätte, er hätte sich bestimmt nicht gewundert, denn Valérie sieht völlig unverdächtig aus, überhaupt nicht so, wie man sich gemeinhin eine Meisterdiebin vorstellt, obwohl sie genau das ist.

Das Mädchen mit der Schiebermütze aus Cord, der braunen Lockenmähne, dem langen geblümten Sommerkleid, den knöchelhohen Sneakers und der uralten, sattelförmigen Umhängetasche aus Leder, sieht eher aus wie … wie … ja, wie eigentlich? Valérie lächelt bei dem Gedanken an ihr Vorhaben und taucht in die Menge ein. Nicht, dass man überhaupt weiß, wie typische Diebe aussehen oder es typische Diebe überhaupt gibt, aber ganz gewiss käme einem nicht ein so spezielles Mädchen wie Valérie in den Sinn. Und wenn doch, wäre das auch nicht weiter tragisch, denn Valérie ist darüber hinaus noch völlig unsichtbar. Okay, nicht unsichtbar im Sinne von Geist oder Gespenst oder durchsichtig, aber irgendwie nicht richtig sichtbar für Leute mit einem ganz normalen Gehirn, einem ganz normalen Verstand und ganz normalen sechs Sinnen. Das heißt, so gut wie für jeden Menschen auf diesem Planeten. Eine Begegnung mit ihr bleibt mehr ein flüchtiger Eindruck, eine Frage, ob man wirklich gerade gesehen hat, was man gemeint hat zu sehen. Oder war es eine Täuschung, bloß Einbildung? Valéries Vater nennt es »Eine der beiden Gaben«, Valérie selbst nennt es »praktisch«.

Und das ist es, wie wir gleich sehen werden.

Beinahe unsichtbar kann Valérie also durch die Touristenmassen schlendern, um Vincent nicht aus den Augen zu verlieren.

Wie üblich hat er sich verkleidet, sorgfältig und überlegt. Heute mimt er eine Art interessierten Geschichtsprofessor oder Gelehrten, irgendwie aus der Zeit gefallen, mit Bart und runder Brille, braunem Anzug und burgunderroter Fliege. Unter dem Arm klemmt eine alte Aktentasche, aus der Vincent immer wieder ein Notizbuch herausholt, um etwas hineinzukritzeln.

Vermeintlich herausholt, um vermeintlich etwas hineinzukritzeln.

Denn Vincent wird stehlen. Sein Weg wird ihn langsam, aber stetig schnurgerade durch die Menschenmenge führen, dabei wird er sich interessiert geben, vertieft, gleichzeitig irgendwie in Eile, ganz so, wie sich jemand verhalten würde, der wahrlich Besseres zu tun hat, als ziellos herumzuschlendern. Während Vincent in Jacken, Rucksäcke oder Kinderwagentaschen greifen wird, bleibt er niemals stehen, schaut niemanden an und blickt nur zwischen Eiffelturm und Notizbuch hin und her, als wäre er schwer beschäftigt.

»Von wegen«, sagt Valérie und nimmt die Verfolgung auf. »Ich kenn dich zu gut«, murmelt sie.

Nur noch wenige Meter trennen sie von Vincent. Sie kann regelrecht spüren, welchen Weg über den Platz er nehmen wird. Fast ist es so, als sei Valérie ihm durch dieses Gespür stets einen Schritt voraus, obwohl sie hinter ihm herläuft. Sie kann den Geruch seines Anzuges jetzt wahrnehmen und verzieht das Gesicht. Sie weiß genau, wo Vincent ihn gestohlen hat. Alle Secondhandklamotten von Monsieur Jérômes Stand auf dem Flohmarkt am Ufer der Seine riechen nach dieser speziellen Mischung aus Kleiderschrank, altem Parfum und seinem Pfeifenrauch, mit dem sie den ganzen Tag eingenebelt werden, während er den vorbeischlendernden Besuchern hinterhersieht.

Vincents Weg führt ihn an einer Familie vorbei und Valéries Kopfhaut beginnt sanft zu kribbeln. Hier ist sie, die perfekte Gelegenheit, denkt Valérie. Vincent wird ausnutzen, dass das Kind im Buggy angefangen hat, zu weinen. Die Mutter wird sich um das Kleine kümmern. Der Vater ist abgelenkt, weil er gerade dabei ist, das Geschwisterchen auf seine Schultern zu heben.

In Valéries Gedanken läuft die Szene wie ein Film ab, obwohl sie noch gar nicht geschehen ist. Valérie ist so konzentriert, dass sie nichts mehr um sich herum wahrnimmt. Sie ist Vincents Schatten. Selbst ihre Bewegungen sind jetzt synchron zu seinen.

In diesem Moment tritt ein, was Valérie vorhergesehen hat.

Um die Hände frei zu haben, steckt die Mutter das Handy in ihre Hosentasche und kramt ein Baby-Fläschchen aus der Kinderwagentasche. Dabei fällt ein Kuscheltier zu Boden und gibt den Blick auf eine bunte Geldbörse frei.

Valérie rollt mit den Augen, weil das hier fast lächerlich einfach werden wird. Sie läuft inzwischen dicht hinter Vincent. Sie ist bereit. Gleich wird alles blitzschnell ablaufen und Valérie genießt jede Sekunde dieser Jagd.

Vincent tritt nun lächelnd an die Frau heran, bückt sich, hebt das Kuscheltier auf, wechselt die Aktentasche unter den anderen Arm, reicht ihr mit einer winzigen Verbeugung und einem höflichen »Voilà Madame« das Spielzeug und geht zügig weiter. Doch bereits nach wenigen Schritten ist Vincent schon nicht mehr im Besitz seiner Beute, weder des gestohlenen Handys in seiner linken Jacketttasche noch des zwischen Aktentasche und Körper eingeklemmten Geldbeutels. Denn beide Gegenstände hat Valérie ihm mit einer einzigen flinken Bewegung abgenommen. Sie steckt sie in die Taschen ihres bunten Kleids und hält im Gewimmel Ausschau nach der bestohlenen Familie, um ihnen die Sachen zurückzugeben. Da, sie hat sie entdeckt und läuft los. Im selben Moment wird sie von einem Mann angerempelt, der mit einer Leine in der Hand nach seinem Hund sucht. Er läuft gebückt und lässt seinen Blick über den Boden schweifen.

»He«, ruft Valérie, greift instinktiv nach dem Träger ihrer Umhängetasche und sieht dem Mann hinterher.

»Tintin?«, hört sie ihn rufen. »Kleiner Tintin! Komm her, Tintin!«

Er klingt traurig und verzweifelt. Hilfsbereit sehen die Menschen sich um, doch Tintin ist nirgends zu entdecken.

Hoffentlich findet er ihn wieder, denkt Valérie mitfühlend, doch mit einem Mal wird ihr eiskalt. Ihr Herz beginnt zu klopfen. Moment mal, hier stimmt doch was nicht, oder? Kann es vielleicht sein, dass dieser Mann …

Und noch bevor Valérie ihre Hände auf die Taschen gelegt hat, weiß sie, was geschehen ist.

flucht sie und ihr wird schlagartig schlecht. »Er hat mich bestohlen. Der Mistkerl hat mich bestohlen!«, zischt sie fassungslos.

Sie klettert auf den Rand eines Blumenkübels und lässt ihren Blick über die Menge schweifen.

»Ich krieg dich«, murmelt sie. »Glaub nicht, dass ich dich nicht finde …«

Doch unter dem Eiffelturm ist so viel Trubel, dass es unmöglich ist, ihn in dem wogenden Gewimmel auszumachen. Noch dazu ging alles so schnell, sodass Valérie nicht mal sicher ist, nach wem genau sie eigentlich Ausschau hält.

Missmutig lässt sich Valérie auf eine Bank fallen und massiert ihre Finger. Da kann sie...



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