E-Book, Deutsch, Band 3, 577 Seiten
Reihe: Kampf um Mederia
Schulter A Kingdom Shines (Kampf um Mederia 3)
22001. Auflage 2022
ISBN: 978-3-646-60796-3
Verlag: Impress
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Royale Romantasy über eine schicksalhafte Verbindung zum Prinzen der Dämonen
E-Book, Deutsch, Band 3, 577 Seiten
Reihe: Kampf um Mederia
ISBN: 978-3-646-60796-3
Verlag: Impress
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Sabine Schulter wurde 1987 in Erfurt geboren, lebt nun aber mit ihrem Mann in Bamberg. Trotz ihres abgeschlossenen Oecotrophologie-Studiums fokussierte sie sich auf das Schreiben von Fantasy-Büchern. Sie liebt das Spiel mit den Emotionen und möchte ihre Leser tief in ihre Bücher ziehen, die oft von dem Zusammenspiel der Protagonisten untereinander geprägt sind. Viel Spannung gehört in ihre Geschichten genauso wie ein Happy End und unvorhergesehene Wendungen.
Autoren/Hrsg.
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Kapitel 1
Cyanea lief ohne Eile durch die Flure der versiegelten Hallen, in denen es sich Fueno gemütlich gemacht hatte, obwohl er ihrer Meinung nach nichts in den heiligen Felsgängen zu suchen hatte. Aber sie wurde ja nie von jemandem gefragt. Wenn dem so wäre, könnte sich derjenige jede Menge unnützer Aufregung sparen. Denn Cyanea wusste mehr, als Fueno je vermuten würde. Sie schnaubte zufrieden und gönnte sich ein kleines Lächeln, da Fueno sie nicht ohne Grund von der Front hierher ans andere Ende Mederias gerufen hatte. Es war etwas passiert, womit niemand gerechnet hatte. Nun ja, zumindest niemand außer Yanis und ihr selbst.
Sie hatten regelrecht darauf gewartet, nachdem es gelungen war, die letzte rote Scherbe aus dem Schloss Tetras zu stehlen. Da Fueno nichts von der Fälschung wusste, hatte er sie mit in die versiegelten Hallen genommen, wo sie natürlich nicht funktioniert hatte und Sakterkis noch immer in seiner Zwischenwelt versauerte.
Hach, wie sehr sie es liebte, wenn ein Plan aufging.
Und sie spürte Genugtuung, weil die kleine von den Göttern berührte Ignis auf sie gehört und das Original gegen die Fälschung ausgetauscht hatte. Während sie durch die breiten Steingänge schritt, verflog ihre gute Laune jedoch um eine Wenigkeit. Ob die Zeit, die sie sich mit der falschen Scherbe erkauft hatten, reichen würde?
Am liebsten hätte sie nach Nordwesten geschaut, dorthin, wo Tetra lag, das letzte Bollwerk Nord-Mederias und damit auch diejenigen, in die auch sie ihre Hoffnung setzte, dass für ihr Volk alles gut ausgehen würde. Aber sie brauchte sich nicht umzuschauen, schließlich befand sie sich viele Meter unterhalb der Erde.
Leise seufzte sie, strich sich das grüne Haar, das so typisch für eine Banshee war, über die Schulter zurück und strebte auf eine ausladende Wendeltreppe am Ende des Ganges zu. Sanfte magische Lichter erhellten die Steinwände, die in ihrem Schein zu pulsieren schienen. Jedes Mal, wenn Cyanea hier war, hatte sie das Gefühl, ein lebendes Tier und keinen Irrgarten aus Gängen und Hallen zu betreten. Es schlummerte so viel Magie, so viel Göttlichkeit darin, dass sie jedes Mal Ehrfurcht verspürte, obwohl sie normalerweise nicht im Geringsten daran dachte, sich solchen Regungen hinzugeben. Das war nicht ihre Art.
Aber in diesen Gewölben …
Es blieb einfach nicht aus, sich zu fragen, was passierte, wenn all die angestaute Macht losbrechen würde. Hoffentlich gelang es Fueno niemals, alle Geheimnisse der versiegelten Hallen zu lüften. Er würde sie nur nutzen, um die Welt zu zerstören. Wieso bloß war sie so blauäugig gewesen sich ihm anzuschließen? Nun ja, jetzt war es zu spät und sie konnte einzig Schadensbegrenzung betreiben. Für sich, für Mederia, aber vor allem für ihr Volk, das sich eigentlich nur nach einer neuen Heimat sehnte.
Sie schüttelte die Gedanken ab und lief nun eiliger die Treppe hinunter. Selbst wenn sie nicht mehr hinter den Machenschaften von Fueno stand, durfte sie ihn nicht warten lassen. Wenn er bemerkte, dass sie intrigierte, würde er sie und jede einzelne ihrer Schwestern bis zum Tod foltern. Also ignorierte sie die zauberhaften Reliefs, die sich die gesamte Treppe hinabzogen, bis die Treppe endete und sie in dem Durchgang einige Meter entfernt einen Mann lehnen sah. Innerlich stöhnte Cyanea entnervt, aber sie hatte ja gewusst, dass sie hier auf ihn treffen würde.
»Durak, ist das, was du siehst, so beeindruckend, dass du gar nicht auf deinen Rücken achtest?«, fragte sie mit einer Stimme, die nur eine Spur der Verachtung in sich trug, die sie wirklich für den Heerführer empfand.
Der große, gut gebaute Mann, der vielen Frauen die Wollust in den Bauch trieb, wandte sich langsam zu ihr um und präsentierte ihr mit seinen ebenmäßigen Gesichtszügen ein Lächeln, das so von Selbstüberschätzung und Arroganz geprägt war, dass sich Cyanea wunderte, wie sie ihn jemals hatte schön finden können. Aber vielleicht bildete sie sich die sichtbaren Wesenszüge von ihm auch nur ein, schließlich kannte sie seinen miesen Charakter gut genug. »Hallo, hübsche Banshee. Ich muss ja zugeben, dass dein Anblick eine wahre Freude ist, aber leider dämpft sie meine schlechte Laune nur geringfügig.«
Cyanea stemmte die Hände in die Hüften und hob grazil das Kinn. »Muss ich mich beleidigt fühlen?«
Ein Funkeln trat in Duraks eisblaue Augen, das sie sofort erstarren ließ. Sie durfte nicht zu viel mit ihm spielen, sonst dachte er am Ende noch, dass er auch sie mit seinen Grausamkeiten tyrannisieren konnte. Aber das würde sie niemals zulassen.
Bevor sie Duraks Interesse an ihr zu stark anfachen konnte, wandte er sich zu ihrer Überraschung wieder dem zu, was hinter dem Durchgang lag. »Nein, das musst du nicht, aber mach dir am besten selbst ein Bild von dem Desaster.«
Neugierig trat Cyanea neben ihn und blickte in den gigantischen Felsdom, der sich vor ihr öffnete. Das letzte Mal, als sie hier war, hatte sie das Innere so in Ehrfurcht versetzt, dass sie die Höhle nicht betreten wollte. Denn in ihr zeigte sich das Herz der versiegelten Hallen.
Obwohl sie sich tief unter der Erde befanden, war die Weite vor ihr taghell erleuchtet, was nur durch all die Magie in den Wänden möglich war. Eine Wiese mit Gras, das sich in einem für sie nicht spürbaren Wind bewegte, breitete sich auf dem Boden aus und Bäume standen in einer überraschend unnatürlichen Symmetrie verteilt darauf und Cyanea wusste, dass sie ein Pentagramm bildeten. In ihrer Mitte befand sich ein See, der, so wie die Bäume und die Wiese auch, von einer hauchzarten Eisschicht bedeckt wurde, die niemals schmolz. Es sah zauberhaft, einfach göttlich aus und jedes Mal, wenn Cyanea diese Wunder betrachtete, faszinierte es sie, dass das alles nur erschaffen wurde, um einen einzelnen Mann gefangen zu halten. Sakterkis, der Halbgott-König, der vor dreihundert Jahren in einer Zwischenwelt eingesperrt worden war und dessen einziger Zugang sich in dem mannshohen Spiegel befand, der auf dem See stand.
Doch heute zog etwas anderes Cyaneas Blick auf sich und als sie es erkannte, hätte sie beinahe schadenfroh aufgelacht. Keine zwanzig Schritt vor ihr war eine Fläche von gut fünfzig Quadratmetern rabenschwarz verkohlt und sogar einer der Bäume, die wie Wächter um den See verteilt waren, hatte es gefällt.
Sie selbst war es gewesen, die die Verteidiger Tetras dazu angestiftet hatte, eine falsche Scherbe herzustellen, um ihnen Zeit zu verschaffen, aber sie hätte nicht gedacht, dass sie sie zusätzlich mit Zaubern versehen würden, die Fueno nicht bemerkte. Und wie es aussah, hätte er sie beinahe bis zu dem Spiegel getragen, als die Magie in ihr explodierte. Cyanea glaubte nicht, dass er dadurch zerstört worden wäre, aber das Eis auf dem See hätte das nicht ausgehalten und der Zugang zu Sakterkis’ Verließ wäre in seinen Tiefen versunken. Eine nette Idee, die ihr sehr gefiel.
Aber sie durfte sich nichts von dem Spaß anmerken lassen, den sie bei dem Anblick der verkohlten Erde empfand. Stattdessen hob sie eine Augenbraue. »Lass mich raten. Die Scherbe, die Männer neulich aus der Schatzkammer Tetras gestohlen haben, hat das hier verursacht?«
Sie betonte das so genau, damit Durak wusste, dass sie sich jeglicher Verantwortung entzog. Zufrieden stellte sie fest, dass der Kriegsherr fest die Zähne aufeinanderbiss. »Ja«, presste er hervor. »Sie explodierte, als die Schutzzauber die versteckte Magie darin bemerkten.«
Aufmerksam forschte Cyanea in Duraks Gesicht, ob das eine für sie gute Nachricht bedeuten konnte, aber da Fueno sie persönlich hierherzitiert hatte, konnte es ihm nicht allzu schlecht gehen. Er war den versteckten Zaubern entkommen. Doch das verstand sie nicht und schüttelte deswegen den Kopf. »Niemand könnte einen solchen Ausbruch an Magie überleben, das erkenne ich sogar aus dieser Entfernung. Wieso also Fueno?«
»Einer der Kathasis war bei ihm und hat ihn geschützt. Stell dir einmal vor, wie schnell der Krieg an dieser Stelle hätte vorbei sein können?«
»Als Magiekundige ist mir das sogar besser als dir möglich«, erwiderte sie und besah die Zerstörung genauer. »Wieso habt ihr mir die Scherbe nicht gezeigt, als ihr sie in die Hand bekommen habt? Ich hätte die Zauber darin aufspüren können.«
Durak unterbrach sie mit einem geringschätzigen Geräusch. »Du meinst, du bist besser als die dunklen Magier, die sie sich angeschaut haben?«
»Ja«, sagte Cyanea überzeugt und blickte Durak an, als wäre er ein unwissender Wurm. »Die Priester, Kathasis und auch die dunklen Magier arbeiten viel mit Göttlichkeit und haben selten mit Widersachern zu tun. Wir Banshee hingegen mussten unser gesamtes Leben gegen die Zauber der Nymphen ankämpfen. Wir wissen, wie man versteckte Magie bemerkt. Fueno hätte daran...




