Schulz | Die Könige von Mecklenburg | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 2, 478 Seiten

Reihe: Die Könige von Mecklenburg / Obotriten

Schulz Die Könige von Mecklenburg

2. Band: Mikelenburg , ein historischer Roman aus der Zeit 915-1066
1. Auflage 2022
ISBN: 978-3-98503-095-8
Verlag: Spica Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

2. Band: Mikelenburg , ein historischer Roman aus der Zeit 915-1066

E-Book, Deutsch, Band 2, 478 Seiten

Reihe: Die Könige von Mecklenburg / Obotriten

ISBN: 978-3-98503-095-8
Verlag: Spica Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Etwas ist von den Königen Mecklenburgs bis heute erhalten geblieben: der mächtige Stierkopf im Wappen des Landes trägt immer noch stolz die goldenen Königskrone, obwohl die wendischen Herrscher vom alten Volk der Obotriten ihren Rang als Könige schon vor mehr als 800 Jahren verloren haben. In drei einzelnen Teilen mit den Untertiteln 1. Obotriten, 2. Miklenburg und 3. Wendenkreuzzug wird das Leben der Könige von Mecklenburg ganz eng an den wenigen überlieferten Fakten in einer spannenden Handlung erzählt. dieser zweite band des historischen Romans mit dem Untertitel Miklenburg befasst sich mit den sechs Herrschern Stoiggnew, Nakon, Mstivoj, Mstislaw, Udo und Gottschalk im Zeitraum zwischen etwa 915 und 1066.

Horst D. Schulz wurde 1942 in Warnemünde geboren und verlebte hier seine Kindheit, bis ihn im Sommer 1954 die Republikflucht der Familie in den Westen Deutschlands führte. Stuttgart, Aachen, Berlin, Kiel, Bremen waren nun die Stationen seines Lebens. Von 1986 bis zu seiner Pensionierung 2007 leitete er als Professor das Fachgebiet Geochemie und Hydrogeologie an der Universität Bremen. Als Meeresforscher war er bei vielen Expeditionen mit dem deutschen Forschungsschiff Meteor im Südatlantik unterwegs. Er veröffentlichte seine Forschungsergebnisse in einer Vielzahl wissenschaftlicher Beiträge in Fachzeitschriften und im Lehrbuch »Marine Geochemistry« (Springer-Verlag). Bereits 2004 zog es ihn jedoch in die alte Heimat, und er lebt heute nach fünfzig Jahren arbeitsreichen Exils seit fünfzehn Jahren als schreibender Pensionär mit historischem Engagement wieder in Warnemünde.

Schulz Die Könige von Mecklenburg jetzt bestellen!

Autoren/Hrsg.


Weitere Infos & Material


Obwohl Mstivoj sich sonst mit seinem Vater sehr gut verstand, hatte er sich heute doch über ihn geärgert. Nach seiner Ansicht ging es seinen Vater nämlich überhaupt nichts an, mit welchem Mädchen er sich nur unterhielt, mit welchem er ein wenig schäkerte, mit welchem er ins Bett ging, und welches er vielleicht irgendwann einmal heiraten wollte. Schließlich war er schon zwanzig Jahre alt und damit seit einiger Zeit volljährig. Sein königlicher Vater war eben immer noch der altmodischen Ansicht, man müsse in aller Form heiraten und könne erst dann Kinder in die Welt setzen. Dass dieses kleine Baby mit dem Namen Mstislaw einmal sein Nachfolger werden konnte und damit auch für ihn wertvoll war, auf diese Idee war König Nakon offensichtlich vorher noch gar nicht gekommen. Aber Mstivoj hatte Mstislaw als seinen Sohn ganz offiziell anerkannt, und damit war er nach dem Gesetz der Obotriten voll erbberechtigt, obwohl er nicht legitim geboren war. Die Mutter des Kindes hieß Merana und war die Tochter eines Ritters aus Nakons Reitertruppe. Zuerst hatte Mstivoj sie sogar zu seiner Ehefrau nehmen wollen, aber dann gab es Probleme damit, dass Merana und ihr Vater auf keinen Fall einer christlichen Heirat zustimmen wollten. Mstivoj und Nakon befürchteten aber mit einer heidnischen Verbindung die inzwischen ganz guten, aber immer noch empfindlichen Beziehungen zu den Sachsen zu gefährden. So blieb das Verhältnis zwischen den beiden Eltern ungeklärt, und Mstivoj merkte nach einiger Zeit, dass es sich auch so durchaus leben ließ. Merana war mit dem kleinen Mstislaw in das Herrenhaus der Mikelenburg umgezogen, und da Mstivoj und Nakon sowieso oft längere Zeit im Lande unterwegs waren, lebten sie und der kleine Mstislaw dort gemeinsam mit den beiden Königinnen Kalina und Zlata, sowie deren Tochter Ludmila. Nakon und auch Mstivoj hatten beide auf dem Umzug von Merana und Mstislaw ins Herrenhaus bestanden, weil sie wollten, dass der kleine Mstislaw von Anfang an als ein zukünftiger König der Obotriten aufwachsen sollte. Dann folgte bei einer von Nakons und Mstivojs Reisen das Treffen mit Ibrahim ibn Yaqub, der aus dem fernen Córdoba in Andalusien kam und als Kaufmann, Arzt und Wissenschaftler die Länder bereiste, die sich, von seiner Heimat aus gesehen, ganz weit entfernt im Norden und Osten befanden. Ibrahim blieb einen ganzen Winter lang als Gast in der Mikelenburg, und mit vielen Geschichten und Berichten wurde es der seit vielen Jahren interessanteste Winter auf einer Burg der Obotriten. Endlich konnte auch der sonst so zurückhaltende jüngere Mstidrag zeigen, dass sein Interesse am Handel, an Exporten, Importen, Preisen, Gewinnen und Verlusten auch für das Land der Obotriten und seinen Handel mit südlichen Ländern ganz wichtig sein konnte. Bald nach Ibrahims Abreise bat Nakon seinen Sohn Mstivoj zu einem vertraulichen Gespräch. „Ich werde bald abreisen, und du sollst mich auf keinen Fall begleiten.“ „Wohin soll denn deine Reise gehen, und warum soll ich dich nicht begleiten?“ „Ganz einfach: Ich werde zu Mieszko und seinen Polanen reiten und mich dort an deren Kriegszug gegen die Nordmänner beteiligen, die sich in der Stadt Julin festgesetzt haben. Du wirst hierbleiben, weil ich dich vorher zum König der Obotriten ernennen werde. Als junger König hast du dann hier so viele Pflichten, dass du auf jeden Fall hier gebraucht wirst.“ „Aber wenn du zurückkommst…“ Hier fiel ihm Nakon ins Wort. „Ich werde nicht zurückkommen, denn ich habe von Ibrahim ibn Yaqub erfahren, dass ich bald sterben werde. Da ist es mir viel lieber, als Krieger schnell und ehrenvoll zu sterben, als nach einem langen und schmerzvollen Krankenlager. Mach bitte kein so erschrockenes Gesicht. Es gibt keinen Grund, dass du dir Sorgen machst, denn du übernimmst das Königreich der Obotriten in guten und geordneten Verhältnissen, wir leben mit unseren Nachbarn in einigermaßen verlässlichem Frieden, und du hast in den letzten Jahren alles gelernt, was du als König der Obotriten wissen musst.“ Die wenigen Tage bis zu Nakons Abreise vergingen wie im Flug, und Mstivoj kam gar nicht so richtig zum Nachdenken in dieser Zeit. Dann gab es noch einen großen Abschied, bei dem Nakon ständig versuchte, die Stimmung einer festlichen Feier zu erzeugen. Aber da inzwischen alle wussten, dass es ein Abschied für immer sein sollte, so konnte es nicht wirklich festlich werden. Am Morgen nach dieser Feier brachen Nakon und seine zehn Ritter dann nach Osten auf, und Mstivoj war nun der König. Nach wenigen Tagen der Trauer und des Nachdenkens traf sich Mstivoj mit den beiden Königinnen, seiner Mutter Kalina und seiner Tante Zlata zu einem Gespräch. „Liebe Mutter, liebe Tante, ich habe eine Zeit lang darüber nachgedacht, wie ich als König der Obotriten nun weitermachen soll, und ich bin zu dem Ergebnis gekommen, ich sollte zumindest erst einmal nicht viel ändern, sondern einfach das tun, von dem ich glaube, dass mein Vater Nakon es getan hätte. An erster Stelle hat für ihn gestanden, dass wir uns nicht wieder auf einen Krieg gegen die Sachsen einlassen dürfen. In einem solchen Krieg könnten wir zwar vielleicht ein paar Anfangserfolge erringen, aber auf die längere Sicht können wir nur verlieren.“ Kalina und Zlata zeigten durch Kopfnicken beide ihre Zustimmung, und fast gleichzeitig hatten beide dazu einen wichtigen Hinweis zu geben. „Du solltest umgehend Kontakt aufnehmen mit Kaiser Otto und mit seinem Markgrafen Hermann Billung und ihnen anzeigen, dass du jetzt Nakons Nachfolge angetreten hast.“ „Das hat Vater noch getan. Seine Nachricht, die auch ich abgezeichnet habe, ist schon unterwegs zu beiden. Darin haben wir ihnen auch mitgeteilt, dass ich bereit bin, sobald als möglich den Treueid zu schwören, und dass auch alle Tribute weitergezahlt werden. Für Otto und Hermann ist ja nur wichtig, dass alles so weitergeht wie bisher, daher ist von ihnen eigentlich kein Widerspruch zu erwarten.“ Wieder nickten die beiden Königinnen zustimmend mit den Köpfen, aber gleich begann Kalina ein anderes Thema. „Und was wird mit dem Wechsel zum christlichen Glauben? Bis jetzt gibt es außer unserer Familie nur ganz, ganz wenige Christen unter den Obotriten. Ich weiß nicht, wie lange die sächsischen Priester und Mönche uns glauben werden, dass in absehbarer Zeit alle Obotriten zum christlichen Glauben übertreten werden. Hier ist gerade deine Verbindung mit der heidnischen Tochter eines Ritters nicht besonders geeignet, bei den Christen Vertrauen zu erzeugen.“ „Ja, Mutter, ich weiß, ich weiß. Das hat Vater mir auch schon gesagt. Aber immerhin gibt es aus der Verbindung mit Merana einen wunderbaren Sohn, und damit habe ich schon jetzt einen sehr guten Nachfolger zur Fortsetzung von Nakons Dynastie. Ich werde auch dafür sorgen, dass er möglichst bald christlich getauft wird. Da es nun mein Wille als König ist, können es Merana und ihr Vater auch nicht mehr verhindern.“ * * * Kaum hatte sich im Land der Obotriten herumgesprochen, dass nun nicht mehr der starke Nakon König war, ja, dass er sogar im Kampf gefallen sei und nun sein junger Sohn Mstivoj die Nachfolge angetreten habe, da kam es an verschiedenen Orten des Landes zu kleineren Unruhen. Die Priester der wendischen Götter wollten nämlich bei dieser Gelegenheit gerne herausfinden, wie stark der neue König war, und ob er wirklich dem christlichen Beispiel seines Vaters weiter folgen wollte. Mstivoj versuchte zuerst in jedem Einzelfall ohne Gewalt und mit langen Gesprächen die Situation zu klären. Von der Reitertruppe ließ er sich nur zu seinem eigenen Schutz begleiten, und um deutlich zu machen, dass ein richtiger Aufruhr gegen ihn auf jeden Fall erfolglos sein würde. Etwas murrend wurde dann immer eine Einigung erreicht, die etwa den bisher unter König Nakon geltenden Bedingungen entsprach. Danach durften die christlichen Priester zwar weiter fleißig für ihren gekreuzigten Gott werben, aber sie durften die wendischen Götter dabei in keiner Weise beleidigen, und es sollte auch niemand zur christlichen Taufe irgendwie gedrängt oder gar gezwungen werden. Eigene Bistümer, wie es sie in den wendischen Gebieten weiter südlich inzwischen bereits gab, sollten im Land der Obotriten jedoch auch weiterhin nicht möglich sein. Gerade dachte Mstivoj, er habe nun überall im Lande hinreichend deutlich gemacht, wie die Regeln für das Nebeneinander der beiden Religionen zukünftig sein sollten, da kam eines Tages einer seiner bisher in Starigard stationierten Reiter in die Mikelenburg geritten und verlangte, sofort zum König vorgelassen zu werden. „Herr, ich bringe sehr schlechte Nachrichten aus Starigard. Fürst Selibur, der Herr der Wagrier, hat sich dort mit seinem ganzen Stamm vom Volk der Obotriten losgesagt, weil er für seinen Stamm und für sich selber das Christentum nicht will. Er hat im Morgengrauen mit einigen Kriegern die kleine neu gebaute Kirche überfallen und niedergebrannt. Dabei sind die drei christlichen Priester und auch neun der zehn Krieger getötet worden, die du zu ihrem Schutz dort stationiert hattest. Nur ich konnte entkommen, weil ich gerade außerhalb der Burg unterwegs war.“ Mstivoj war entsetzt. Warum hatte Fürst Selibur nur sofort den Weg der Gewalt gewählt? Wäre es nicht möglich gewesen, zuerst das Gespräch mit ihm zu suchen? Es hätte sich doch bestimmt eine Lösung gefunden, mit der beide Seiten zufrieden gewesen wären. Bevor er jetzt übereilte Entscheidungen traf, wollte er sich auf jeden Fall erst mit seinen beiden Königinnen beraten. Zlata konnte die Handlungsweise von Selibur sogar ganz gut verstehen. „Die Nachbarstämme der Obotriten fühlten...



Ihre Fragen, Wünsche oder Anmerkungen
Vorname*
Nachname*
Ihre E-Mail-Adresse*
Kundennr.
Ihre Nachricht*
Lediglich mit * gekennzeichnete Felder sind Pflichtfelder.
Wenn Sie die im Kontaktformular eingegebenen Daten durch Klick auf den nachfolgenden Button übersenden, erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Ihr Angaben für die Beantwortung Ihrer Anfrage verwenden. Selbstverständlich werden Ihre Daten vertraulich behandelt und nicht an Dritte weitergegeben. Sie können der Verwendung Ihrer Daten jederzeit widersprechen. Das Datenhandling bei Sack Fachmedien erklären wir Ihnen in unserer Datenschutzerklärung.