Schwagerick | Turmal | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 198 Seiten

Schwagerick Turmal

Ein Glücksdrache sucht sein Glück
3. Auflage 2024
ISBN: 978-3-7583-9658-8
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

Ein Glücksdrache sucht sein Glück

E-Book, Deutsch, 198 Seiten

ISBN: 978-3-7583-9658-8
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Turmal und seine Freunde Saphira und Ruben sind Glücksdrachen. Schon seit tausenden von Jahren leben sie auf der Erde, um den Menschen Glück zu bringen, jedoch wissen die Menschen nichts von ihrer Existenz. Eines Tages erhält Turmal im Traum eine Vision, die ihn zu seiner wahren Bestimmung verhelfen soll. Vom Rat der Drachen wird Turmal mit seinen beiden Freunden auf eine lange Reise geschickt. Hierbei haben die drei Glücksdrachen nicht nur spannende, lustige Abenteuer zu bestehen und knifflige Aufgaben zu lösen, sondern lernen von Edel- und Heilsteinen geführt, wichtige Lebensweisheiten kennen. Wird Turmal seine wahre Bestimmung finden?

Timo Schwagerick ist in Baden-Württemberg aufgewachsen und lebt auf der schwäbischen Alb. Schon im Kindesalter schrieb er gerne eigene Gedichte und später eigene Songtexte. Die Liebe zum kreativen Schreiben ruhte dann allerdings, bis 2023 der Wunsch aufkam, ein Kinderbuch mit spirituellem Hintergrund zu schreiben. Dies führte schließlich zu seinem Kinderbuchdebüt "Turmal - Ein Glücksdrache sucht sein Glück".
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Kapitel 3 – Der Rat der Drachen


1


Die Reise zum heiligen Drachenberg war für die drei Freunde nicht besonders lange oder anstrengend. Sie streiften über die Flüsse und Wälder ihrer Heimat, bis sich in den frühen Morgenstunden am Horizont eine gewaltige Bergkette aufbaute. Der höchste Berg, der „Monte Drago“ oder auch Drachenberg genannt, hatte zwei unterschiedlich hohe felsige Spitzen, welche die meiste Zeit des Jahres mit Eis und Schnee bedeckt waren. Am Fuße des Berges, etwa bis zu einem Drittel, waren dichte Fichtenwälder mit dickem Gestrüpp dazwischen zu erkennen. Das mittlere Drittel des Drachenbergs bestand aus Felsen mit vereinzelten grünen Inseln in der Mitte, an denen frisches, saftiges Gras sprießte und farbenfrohe Blumen darin zu erkennen waren. Das obere Drittel war nur noch mit spitzigen Felsen bedeckt, die so scharfkantig waren, dass man nicht darauf laufen oder klettern konnte, ohne sich kräftig in die Haut zu schneiden. Der Eingang zur Drachenhöhle befand sich genau zwischen diesen beiden Bergspitzen in der Mitte der Felsformation. Ein recht schmales senkrechtes Loch führte tief in den Berg hinein, und endete in einem langen gewölbten Gang, der nach einigen Metern wiederum in den großen Kuppelsaal führte, wo der Rat der Drachen beheimatet war.

Vorsitzender des Rats der Drachen war der uralte, graue Drache Cato. Catos Alter wusste niemand mehr. Es schien, als wenn er von Anbeginn der Zeit auf der Erde wandelte. Catos dicke, graue und buschige Augenbrauen waren hinter einer dicken Hornbrille auf seiner Nase deutlich zu erkennen. Beziehungsweise, eigentlich war es nur eine Augenbraue, weil die beiden Augenbrauen über der Nase zusammengewachsen waren. Seine Augen waren kleine Schlitze und kaum zu erkennen. Der Rat selbst bestand aus insgesamt 12 Drachen unterschiedlichster Art und Herkunft. Unter anderem Kampfdrachen, welche etwas grobstofflicher waren und damit auch als einzige Art für Menschen sichtbar war. Sie verteidigten das Reich der Drachen gegen Angriffe von Lebensformen aus dem Weltall. Diese Verteidigungskriege waren allerdings Jahrtausende weit in der Vergangenheit. Es war auch die einzige Drachenart, die allesamt Feuer speien konnten. Es fand unter ihnen jedes Jahr das Turnier des Feuers statt, bei dem der Drache mit dem gewaltigsten Feuerstrahl prämiert wurde. Es gab noch keinen Gewinner, der kein Kampfdrache war, und Ruben träumte davon, selbst einmal eines Tages bei diesem Turnier mit dabei sein zu können.

Weitere Vertreter waren die sogenannten Leerdrachen, welche für die Bildung, das historische Vermächtnis der Drachen und für das Lehren der Jungdrachen verantwortlich waren. Ihr werdet euch nun vielleicht wundern, warum Leerdrachen falsch geschrieben wurden. Nun, das war deren korrekte Schreibweise, da die Drachen davon überzeugt waren, dass man ihnen im Grunde gar nichts mehr beibringen oder lehren musste. Es genügte ihrer Ansicht nach, ihren Geist nur zu leeren, damit ihr ganzes Potenzial und die natürliche, angeborene Intelligenz zur Entfaltung kommen konnten. Daher war Ruhe und Meditation auch ein großer und fester Bestandteil des Lehrplans der Jungdrachen in der Schule.

Die vierte Drachenart waren die Heildrachen, welche unglaubliche Heilfähigkeiten in sich trugen. Sie nutzten unter anderem die natürlichen Strahlen der Sonne, um Krankheiten durch das Bündeln von Licht verschwinden zu lassen, ohne den Patienten dabei zu verbrennen, wie wir das von einer Lupe in der Sonne kennen. Heildrachen waren, wie auch die Glücksdrachen und Leerdrachen, für das menschliche Auge unsichtbar.

Alle vier Drachenarten waren im Rat der Drachen vertreten und Cato, der weise Glücksdrache mit der dicken Augenbraue und der Hornbrille auf seiner Nase, bildete dabei seit Urzeiten ihren Vorsitz.

2


„Hast du den Rat der Drachen schon einmal besucht?“, fragte Saphira Turmal, während die drei Freunde den Tunnel zum großen Drachensaal entlang gingen.

„Nein.“, antwortete Turmal. „Und ich muss gestehen, dass ich auch ein wenig aufgeregt bin.“

„Ich auch.“, sagte Saphira. „Ich möchte den Rat schon seit meiner Kindheit einmal sehen.“

Ruben meinte nur: „Ich wuzzte biz heute früh gar nicht, dazz es einen Rat der Drachen gibt. Ich muzz in dieser Stunde wohl in der Zchule gefehlt haben.“ Turmal und Saphira schmunzelten darüber.

„Das wäre sehr gut möglich“, kicherte sie scherzhaft, denn Ruben war nicht dafür bekannt, regelmäßig in der Schule gewesen zu sein.

Sie blieben vor einer großen, hölzernen Flügeltür stehen, die den Eingang zum Drachensaal bildete. Ihr massives Eichenholz wurde mit dicken, rostigen Eisennägeln zusammengehalten. Mit einem krachenden und quietschenden Geräusch ging die Tür langsam nach außen auf und der schmale Tunnel öffnete sich in einen riesigen Saal mit einer hohen kuppelförmigen Decke aus grauem Felsgestein. Der Saal wurde mit mehreren offenen Scheiterhaufen beleuchtet, die überall im Saal verteilt waren. Deren Rauch stieg in die Kuppel und wurde durch eine schmale Öffnung, wie in einem Kamin, eingesaugt und nach draußen befördert. So machte es von außen den Anschein, dass der Drachenberg ein Vulkan war – dem war aber nicht so. In der Mitte des Saals saßen die 12 Mitglieder des Rats der Drachen in einem Kreis zusammen auf dem Fußboden. Die Flammen, welche das Licht und die Wärme im Saal brachten, wurden dabei immer wieder von den feuerspeienden Drachen unter ihnen am Leben gehalten.

„Ihr habt den Rat der Drachen aufgesucht, was ist der Anlass dafür, dass drei junge Glücksdrachen uns hier aufsuchen?“, fragte Cato die drei Freunde, als sie sich in deren Kreis begaben und vor ihm stehen blieben. Seine Stimme war warm und angenehm, wie die eines jeden Glücksdrachens, und hatte dennoch eine gewisse Autorität und natürliche Weisheit in sich. Turmal musste einmal kurz schlucken, bevor er zu sprechen begann:

„Mein Name ist Turmal. Das sind meine Freunde Saphira und Ruben.“ Er zeigte dabei mit seiner Tatze auf seine beiden Freunde und Saphira machte einen Knicks vor Cato. Ruben verbeugte sich so tief, dass er mit seiner Nase fast den Boden berührte.

„Wir haben euch aufgesucht, weil ich heute Nacht einen merkwürdigen Traum hatte – zumindest denke ich, dass es ein Traum war.“

Nach diesen Worten herrschte ein paar Sekunden lang völlige Stille im Saal.

„Sprich weiter, mein Freund. Erzähle mir von deinem Traum“, sagte Cato sichtlich interessiert.

Turmal erzählte von seinem Traum mit dem großen, weißen Drachen Vigor, der ihm erschienen war, von der bevorstehenden Reise und vom Bergkristall, den er erhalten hatte und der nach dem Aufwachen immer noch bei ihm war. Nachdem er alles wiedergegeben hatte, war es eine Zeit lang totenstill im Saal. Nur das Knistern und Krachen der brennenden Holzscheite war zu hören. Die Mitglieder des Rats steckten ihre Köpfe zusammen und begannen, miteinander zu tuscheln und zu flüstern. Turmal erkannte auch in Catos Augen ein gewisses Maß an Verwunderung. Dann schloss Cato jedoch seine Augen und ging in Meditation. Turmal konnte im Stimmengewirr nur vereinzelte Sätze hören, die sich wie „Er hat Vigor gesehen“ und „Das ist die Prophezeiung“ anhörten.

Cato hob seinen Arm und der Rat verstummte wieder.

„Das, was du gerade erzählt hast, mein junger Glücksdrache, ist die Prophezeiung, die seit Jahrtausenden von unseren Leerdrachen über die Generationen weitergegeben wird. Sie steht im ältesten Buch, das wir in unserer Bibliothek behüten. Sie lautet: Eines Tages wird ein großer, weißer Drache erscheinen und einen jungen Drachen auswählen, der der Drachenfamilie auf eine ganz neue Bewusstseinsebene verhelfen wird. Es wäre möglich, dass genau du dieser Auserwählte bist“, sagte Cato sehr feierlich.

„Ich, ein Auserwählter?“, fragte Turmal unsicher. Für ihn machte das absolut keinen Sinn. Er war doch nichts Besonderes, war nicht besonders mutig oder stark. Warum sollte gerade er ein Auserwählter sein?

„Was soll ich denn nun tun?“, fragte Turmal nach einer Weile.

„Du wirst genau das tun, was der weiße Drache dir aufgetragen hat“, sagte Cato leicht schmunzelnd. „Du wirst dich auf eine Reise ohne festes Ziel begeben. Flieg dabei immer in Richtung Osten. Du wirst auf deiner Reise sicherlich einige Aufgaben erhalten, die es zu lösen gilt und die dich dann zu deiner nächsten Aufgabe bringen werden, bis du alle aufgetragenen Aufgaben gelöst hast. So steht es in der Prophezeiung geschrieben.“

Cato schaute dabei noch einmal prüfend in die Richtung eines halbglatzigen Leerdrachens, der mit einem im Auge eingeklemmten Monokel und langem Vollbart auf dem Boden saß und unheimlich streng dreinschaute. Er räusperte sich und nickte Cato zustimmend zu.

„Deine beiden Freunde hier werden dich auf deiner Reise begleiten“, sagte Cato.

Als Ruben das hörte, verschluckte er sich an den Himbeeren, die er kurz zuvor am Fuße des Bergs gepflückt und...



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