E-Book, Deutsch, 204 Seiten
Schwartz Mermaid's Kiss
1. Auflage 2011
ISBN: 978-3-938281-94-9
Verlag: Plaisir d'Amour Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Erotischer Roman
E-Book, Deutsch, 204 Seiten
ISBN: 978-3-938281-94-9
Verlag: Plaisir d'Amour Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Der Kuss einer Meerjungfrau ...
Aufruhr im Meereskönigreich Makuun: Die unwissenden Menschen wollen ihnen ein künstliches Riff als Touristenattraktion vor die Haustür bauen. Das muss mit allen Mitteln verhindert werden. Prinzessin Aylin und ihr Kumpel, der Seevampir Klavius, werden an Land geschickt, um den Bau zu verhindern. Aylin kommt dies gelegen, denn Prinz Damaskus, der sie mit orientalischem Temperament umwirbt (er spekuliert auf den Job als künftiger König), fällt ihr zunehmend lästig.
Aufgetaucht im schicken Urlaubsresort auf den Malediven, genießen die als Umweltaktivisten getarnten Aylin und Klavius erst einmal die Vorzüge der Menschenwelt in vollen Zügen: Sterne- statt Glibberküche, Pornokanal und Wasservergnügungspark.
Doch Aylins eigentlicher Auftrag gestaltet sich schwieriger als gedacht, denn sie erkennt in Marc, dem attraktiven Leiter des Riff-Projekts, den Mann wieder, den sie einst vor dem Ertrinken gerettet hat und nie vergessen konnte ...
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Kapitel 1
Der blaue Fisch
Marc! Marc, wach auf!“ Marc Tiemann schreckte aus dem Schlaf und öffnete die Augen. Über sich sah er eine dunkle Mahagonidecke, die sich wie ein Trichter schloss. Wo befand er sich? Das war nicht sein Zimmer in Frankfurt, an dessen Decke aufgemalte Wolken schwebten und Holzflugzeuge herabbaumelten. Er blickte zu dem weißen Vorhang an der Fensterfront und erinnerte sich. Sie machten Urlaub. Papa hatte Geschäfte zu erledigen und verband das Angenehme mit seinem Beruf, wie er nicht müde wurde zu betonen. Mama und Papa bevorzugten in Hinsicht auf diesen Spruch eine klare Aufteilung: Papa regelte die Arbeit, Mama das Vergnügen. „Marc!“ Die leise Stimme erinnerte ihn wieder, warum er aufgewacht war. Jemand rief nach ihm. Er lauschte. Die Klimaanlage rauschte dumpf vor sich hin. Draußen konnte er den Wind in den Palmen hören und ganz, ganz leise das Rauschen der Wellen, die sich am Riff brachen und gegen den Strand liefen. Vorsichtig stand er auf und sah sich im Zimmer um. Da war niemand. Die Stimme musste einem seiner Träume entsprungen sein, für die Mama und Papa ihn immer schalten. Auf Zehenspitzen ging er zur Verbindungstür zum Zimmer seiner Eltern. Obwohl er ganz flach atmete, nahm er die Gerüche im Raum wahr: das dunkle, schwer riechende Holz, der schwache Hauch von Insektenspray und das intensive Duften eines Apfels, der schon zu lange allein in der Holzschale lag. Marc legte den Kopf an die Tür und lauschte. Aus dem Nebenraum drang das leise Schnarchen seines Vaters. Behutsam drückte er die Klinke hinab und schlich in den großen Raum mit dem Doppelbett, den schweren Möbeln und Spiegeln. Er trat an die Terrasse. Es erschien ihm, als spüre er eine Sehnsucht, die nach ihm rief, als wartete dort draußen jemand auf ihn. Unschlüssig streckte er den Arm aus. Die Tür stand einen Spaltbreit offen, weil seine Mutter keine Klimaanlagen mochte. Er schob das Fliegenschutzgitter, das neben den Moskitos auch die Ratten nachts abhalten sollte, so lautlos wie möglich zur Seite, öffnete die Tür und trat hinaus. Danach verschloss er das Fliegengitter sorgfältig. Blinzelnd stand er im anbrechenden Tag. Es war noch nicht vollständig hell. Die Welt lag in einem angenehmen Dämmerlicht. Barfuß ging er durch den Garten, hin zum Steinweg. Ein grünbrauner Gecko sprang erschrocken davon und ein Vogel begann zu singen. Er suchte in den Palmen nach dem Vogel, fand ihn aber nicht. Die Luft roch schwer und feucht. Tief einatmend ging er zwischen zwei Holzvillen hindurch, die auf Stelzen im Sand thronten. Die holzverkleideten Seiten reichten bis zum Boden, schlossen aber nicht mit dem Grund ab, und er wusste, dass sich dort nachts Ratten herumtrieben. Seine Mutter hatte ihm deshalb verboten, nachts hinauszugehen, damit er nicht gebissen wurde. Er durfte auch morgens nicht allein hinaus, erinnerte er sich. Zögernd blieb er stehen, blickte zurück und biss sich auf die Unterlippe. Sollte er umkehren? Nein. Dieses Mal nicht. Er würde zurück sein, bevor seine Eltern aufwachten. Sie schliefen mindestens noch eine Stunde, wenn nicht länger. Entschlossen wandte er den Blick zum Meer und lief los. Der Strand lag menschenverlassen da, und vor ihm breitete sich eine türkisgraue Fläche in unterschiedlichen Farbabstufungen aus, die mit jedem Anstieg der Sonne heller strahlte. Das Wasser war so klar, dass er die kleinen Fische mit den langen Wimpelflossen und die Korallen darin erkannte. Er lachte leise, als er platschend in die warmen Wellen trat und eine rotbraune Koralle ganz in der Nähe des Strandes entdeckte. Sie wirkte wie eine Burg, in der sich die Bewohner verschanzt hatten. Als einer der Fische in sein Schienbein knappte, quiekte er. „Entschuldigung, Eure Burgwächterlichkeit“, sagte er und trat einen Schritt zurück. „Ich wollte keinen Großangriff starten. Für Euch bin ich ja ein Riese.“ Neugierig bückte er sich, um die gelbschwarzen Fische näher zu betrachten, als er einen blauen Schimmer sah, der ihn ablenkte. Mit großen Augen erkannte er, was da schwamm: Ein Riesenfisch, der sich hinter dem Riff verirrt haben musste. Er war fast so groß wie sein Kopf und erinnerte ihn an einen Kaiserfisch. Der Körper leuchtete hellblau, wie der Aquamarin am Ring seiner Mutter. Goldene Fäden zogen sich geschlängelt über die Schuppen und bildeten geheimnisvolle Zeichen. Vielleicht eine Zauberformel. Wenn er sie lesen könnte, würde etwas Wunderbares geschehen. Marc ging näher heran. Einen solchen Fisch hatte er noch nie gesehen. Dabei verbrachten sie schon das zweite Jahr hintereinander ihren Urlaub auf den Malediven und er war mit seinem Vater bereits um die Insel herumgeschnorchelt. „Wer bist denn du?“, fragte er in das Rauschen der Wellen. Der Fisch verharrte und drehte sich um, als musterte er Marc und erschrak vor ihm. Der Schwanz des Fisches zuckte, als er herumschnellte und in Richtung Meer floh. „Warte!“ Marc lief hinter ihm her, bis er nicht mehr stehen konnte und schwamm auf die Steine zu, die aus dem Wasser stachen. Er wusste, es herrschte Flut, sonst hätten noch mehr Steine herausgeragt. Seine Füße fanden nach wenigen Metern wieder Halt auf dem Grund, und er nutzte seinen Stand, um sich nach dem Fisch umzusehen. „Wo bist du?“ Da! Der blaue Fisch hatte mehrere Schwimmlängen Abstand gewonnen, aber da er im Licht der aufgehenden Sonne wie eine goldene Uhr blitzte, sah Marc ihn noch immer gut. Als er zu der Stelle zwischen zwei Steinen kam, die ins offene Meer führte, zögerte er. Wenn Mama wüsste, wo er sich herumtrieb, würde sie ihm Zimmerarrest und Eisverbot geben. Der Fisch schwamm rasch weiter und Marc drohte, ihn zu verlieren. Warum erkannte er den Fisch überhaupt noch so gut? War er größer geworden? Tatsächlich, das Tier schien zu wachsen. Er vergaß alle Vorsicht und schwamm zwischen dem Wall aus braunen Steinen hindurch. Dafür musste er sich ganz flach machen und stieß sich das Knie, als er die enge Passage nutzte. Das Wasser wurde hinter dem Wall rasch tiefer. Der Fisch hielt inne und drehte sich erneut zu ihm um. Marc hatte das Gefühl, er wolle ihn warnen. Ob es an dem unruhig zuckenden Schwanz lag, vermochte er nicht zu sagen, aber er spürte das Gefühl ganz deutlich in seiner Brust: Der Fisch wollte, dass er zurückschwamm und ihm nicht weiter folgte. „Ich muss ihn anfassen“, flüsterte er. „Nur ein einziges Mal.“ Obwohl der Fisch inzwischen fast so groß wie ein Rochen aussah, hatte er keine Angst. Der Fisch wirkte nicht böse. Vielleicht stand er dem stolzen Herrscher einer Unterwasserwelt gegenüber oder einem verzauberten Prinzen, den eine böse Hexe in ein Tier verwandelt hatte, weil er sich weigerte, seine Hausaufgaben zu machen. Er kicherte. Die Sonnenstrahlen tanzten auf seiner Haut. Um ihn herum lag ein glitzerndes Reich, das keine Gefahren bergen konnte. Im heller werdenden Licht entfaltete es seine ganze Farbenpracht nur für ihn, von der weißblauen Fläche am Strand bis zu dem intensiven Türkis, das ihn umgab. „Gleich“, sagte er, als könnte der Fisch ihn verstehen. „Gleich kehre ich um. Ich verspreche es. Nur noch ein winziges Stück.“ Er würde aufpassen und nicht zu der Stelle schwimmen, wo das Riff steil nach unten abfiel und ewige Finsternis herrschte. Er würde immer da bleiben, wo er mit den Füßen Halt fand und das Wasser seinen Körper warm umfloss. Mit einer kräftigen Bewegung stieß er sich vom Grund ab und schwamm dem Fisch nach, über Steine und bunte Korallen hinweg. Er wunderte sich, dass er an dieser Stelle keine anderen Fische sah. Eigentlich wimmelte das Wasser am Riff von ihnen, aber vielleicht schliefen sie an diesem Morgen noch. Zu seiner Freude blieb der Fisch im Wasser stehen. Gleich hatte er ihn erreicht und würde mit den Fingern die prachtvollen Schuppen berühren. Nur noch wenige Meter trennten ihn, als er spürte, wie anstrengend das Schwimmen im Meer war. Er hielt inne und stellte den Fuß auf einem Stein neben einer Koralle ab. Erneut wollte er sich abstoßen, doch er musste sich zwischen den Steinen verhakt haben, denn sein Fuß steckte fest. Er schlug mit den Armen auf die Wasseroberfläche, um fortzukommen. Verwundert versuchte er, das Bein anzuziehen, aber er kam nicht frei. Es schien, als ob jemand seinen Knöchel festhielte. „Hey! Was soll das?“ Er blickte zu dem Fisch, der nun wieder durch das Wasser schwamm und sich rasch entfernte. Angst stieg in ihm auf und griff mit kalten Fingern nach seiner Seele. Er tauchte hinunter, um sich genauer anzusehen, wie sich sein Fuß zwischen den Steinen verklemmt hatte, und ihn herauszuziehen. Mit beiden Händen packte er das Bein über dem Kniegelenk und zog daran, hart und ruckartig. Es bewegte sich kein winziges Stück. Entmutigt wollte er auftauchen, um nach Luft zu schnappen,...




