E-Book, Deutsch, 310 Seiten
Schwartz Nachhaltigkeit für Jedermann
1. Auflage 2025
ISBN: 978-3-7693-4638-1
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, 310 Seiten
ISBN: 978-3-7693-4638-1
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Manfred Schwartz hat in München das Licht der Welt erblickt, wo er auch Chemie studierte. Dann führte ihn das Leben in der Industrie über Ludwigshafen am Rhein und der Forschung nach wässrigen Polymerdispersionen in die große weite Welt nach Brasilien zu einem Lackhersteller und Südostasien in der Funktion Marketing für Bindemittel. Seine soziale Ader konnte er in einer entwicklungspolitisch interessanten Stellung im Nordosten Brasiliens einbringen. Die Rückkehr nach Deutschland war durch die beiden Kinder bestimmt. Dann kam der Lockdown durch Corona, der seine literarische Ader freilegte. Seitdem hat er mehrere Werke im Bereich Belletristik und Sachbuch (Nachhaltigkeit) verfasst.
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Kapitel 2 - Was ist Nachhaltigkeit?
Der Mensch hat sich in Abermillionen Jahren entwickelt. Seine sozialen, intellektuellen und kognitiven Fähigkeiten haben sich im Laufe der Zeit immer weiterentwickelt und verbessert.
Diese Verbesserungen lassen sich besonders in der Arbeit des Menschen widerspiegeln. Vom Jäger und Sammler wurde der Mensch sesshaft, hat Häuser gebaut und seine Arbeit wurde immer mehr mechanisiert. Durch die industrielle Revolution übernahmen immer mehr Maschinen die vorher körperliche menschliche Arbeit. Parallel zu dieser Abnahme der körperlichen Arbeit des Menschen ist festzuhalten, dass global gesehen, immer mehr Landbevölkerung in die Städte zieht. Diese mit dem Schlagwort Urbanisierung umschriebene Veränderung hat in einigen Regionen auf diesem Planeten zu erheblichen Verwerfungen geführt.
Jeder Mensch trägt zum Ausstoß von Kohlendioxid bei, manche mehr, manche weniger. Wie dem auch sei, der Fußabdruck der Menschheit in seiner Entwicklung zeigt, dass die Emissionen zunehmen, besonders seit der industriellen Revolution. Wir haben heute einen Menschen gemachten Klimawandel zu respektieren und müssen darauf reagieren und unser Leben verändern. Dafür gibt es verschiedene Ansätze wie den Wandel der Techniken und den Wandel hin zur CO2-Bilanz.
Die Frage, die man sich bei all diesen Veränderungen stellen muss, ist die: Wie sieht die Zukunftsentwicklung des Menschen aus, oder besser ausgedrückt, wie kann jeder Einzelne die Zukunftsentwicklung der Menschheit positiv beeinflussen und was welchen Beitrag kann jeder Einzelne zur Nachhaltigkeit leisten? Daher muss zuerst die Frage beantwortet werden: was ist Nachhaltigkeit?
2.1 Definitionsklärung
Wikipedia erklärt Nachhaltigkeit als ein Handlungsprinzip zur Ressourcen-Nutzung, bei dem eine dauerhafte Bedürfnisbefriedigung durch die Bewahrung der natürlichen Regenerationsfähigkeit der beteiligten Systeme (vor allem von Lebewesen und Ökosystemen) gewährleistet werden soll. Im entsprechenden englischen Wort sustainable ist dieses Prinzip wörtlich erkennbar: to sustain im Sinne von aushalten beziehungsweise ertragen. Mit anderen Worten: Die beteiligten Systeme können ein bestimmtes Maß an Ressourcennutzung dauerhaft aushalten, ohne Schaden zu nehmen. Das Prinzip wurde zuerst in der Forstwirtschaft angewendet: Im Wald ist nur so viel Holz zu schlagen wie permanent nachwächst. Als in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts erkannt wurde, dass alle Rohstoffe und Energievorräte auf der Welt auszugehen drohen, ging sein Gebrauch auf den Umgang mit allen Ressourcen über.
In seiner ersten und älteren Bedeutung weist nachhaltig als Adjektiv oder bei adverbialem Gebrauch darauf hin, dass eine Handlung längere Zeit anhaltend wirkt [1]. Zum. Beispiel: Die (ungeregelte) Ressourcennutzung führt über längere Zeit zum Verlust der Ressourcen. Da das oben genannte Handlungsprinzip das Gegenteil, nämlich die Ressourcenerhaltung trotz Nutzung zum Ziel hat, ist darauf zu achten, dass die erste und die hinzugekommene Bedeutung [2] zueinander nicht widerspruchsfrei sind.
Die Bezeichnung Nachhaltigkeit hat eine komplexe und facettenreiche Begriffsgeschichte. Das Wort Nachhaltigkeit stammt von dem Verb nachhalten mit der Bedeutung „längere Zeit andauern oder bleiben“. Heutzutage sind im Wesentlichen drei Bedeutungen zu unterscheiden [3]:
- Die ursprüngliche Bedeutung „einer längere Zeit anhaltende Wirkung“ [1][4].
- Die besondere forstwissenschaftliche Bedeutung als „forstwirtschaftliches Prinzip, nach dem nicht mehr Holz gefällt werden darf, als jeweils nachwachsen kann [5]“.
- die moderne, umfassende Bedeutung im Sinne eines „Prinzip[s], nach dem nicht mehr verbraucht werden darf, als jeweils nachwachsen [oder] sich regenerieren [und] künftig wieder bereitgestellt werden kann [6]“.
Eine erstmalige Verwendung der Bezeichnung Nachhaltigkeit in deutscher Sprache im Sinne eines langfristig angelegten verantwortungsbewussten Umgangs mit einer Ressource ist bei Hans Carl von Carlowitz 1713 in seinem Werk Silvicultura oeconomica nachgewiesen [7]. Carlowitz fragte, „wie eine sothane [solche] Conservation und Anbau des Holzes anzustellen / daß es eine continuirliche beständige und nachhaltende Nutzung gebe / weiln es eine unentbehrliche Sache ist / ohne welche das Land in seinem Esse nicht bleiben mag [8]“.
Das Substantiv Nachhaltigkeit im Sinne eines dynamischen Gleichgewichts erschien spätestens 1789 im System der landwirthschaftlichen Polizey des deutschen Juristen Johann Philipp Frank [9]. Im Titel wurde es erstmals 1832 von dem deutschen Forstmann Emil André für sein in Prag erschienenes Buch Einfachste den höchsten Ertrag und die Nachhaltigkeit ganz sicher stellende Forstwirthschafts-Methode verwendet [10].
Nachhaltigkeit gilt in einem Wörterbucheintrag von 1910 als Übersetzung von lateinisch perpetuitas und ist das Beständige und Unablässige wie auch das ununterbrochen Fortlaufende, das Wirksame und Nachdrückliche oder einfach der Erfolg oder die Wirksamkeit einer Sache [11]. Vor 1860 war die Bezeichnung als Substantiv noch nicht lexikalisch erfasst, im Rechtschreibduden erstmals 1915 (anders das Adjektiv nachhaltig) [3], bis in die 1980er Jahre hatte sie alltagssprachlich die Bedeutung von Dauerhaftigkeit und wurde nicht für einen Begriff politischen Sinnes verwendet. Beispielsweise taucht das Wort nachhaltig in Meyers Konversations-Lexikon von 1905 auf im Satz „Um eine nachhaltige Erwärmung der Räume zu liefern, müssen die Kessel der Warmwasserheizung einen verhältnismäßig großen Inhalt besitzen“, und des Weiteren in der Aussage, dass ein Forst bereits die nachhaltige Form einer Waldwirtschaft darstellt.
Bezüglich der jüngeren Verwendung der Bezeichnung Nachhaltigkeit konkurrieren im derzeitigen Sprachgebrauch unterschiedliche Begriffsauffassungen:
- ein alltagssprachliches Verständnis, das aussagt, dass etwas noch lange Zeit andauern, bestehen, nachwirken oder sein kann beziehungsweise soll, nachdem es gebaut, begonnen und / oder in Bewegung gesetzt wurde;
- verschiedene politische Auffassungen, die dieses Grundverständnis von Dauerhaftigkeit entsprechend der Position verschiedener Interessengruppen variieren. Diese Erweiterung ergab sich zunächst aus der globalen umweltpolitischen Debatte seit dem Zweiten Weltkrieg, insbesondere mit den Definitionen durch die 1983 von den Vereinten Nationen eingesetzte Weltkommission für Umwelt und Entwicklung (Brundtland-Kommission), den Club of Rome oder auch die Enquete-Kommission des Deutschen Bundestages. Sie erweiterten den Begriff zumeist auch deutlich über die ursprüngliche Bedeutung der Systemfunktion hinaus. Nachdem ökologische Gedanken allgemein an Akzeptanz gewonnen haben, findet die Benennung „Nachhaltigkeit“ für eine Vielzahl von Konzepten und Produkten Verwendung bei ausgemachten ökonomischen Interessen, weshalb an dem Ausdruck in den Augen mancher inzwischen ein etwas „zweifelhafter Ruf“ klebt [3].
- Ab 2009 [12] taucht als Synonym zur Nachhaltigkeit der Begriff enkelgerecht auf. Seit 2010 [13] und verstärkt seit 2014 [14] wird er auch in der Politik außerhalb des grünen Spektrums und auch in der Nachhaltigkeitsstrategie der Bundesregierung verwendet [15]. Die Deutsche Nachhaltigkeitsstrategie in der Neuauflage von 2016 ist überschrieben mit dem Slogan „Der Weg in eine enkelgerechte Zukunft [16]“. Das Synonym dient als Sinnbild für eine ausgeprägt nachhaltige Welt, in der unser Wirtschaften die Chancen der nachfolgenden Generationen nicht mindert.
2.2 Traditionelle Nachhaltigkeit
Extensive, traditionelle Fernweidewirtschaft (wie beispielsweise mit Yaks in Tibet) konnte nur aufgrund ihrer nachhaltigen Produktionsweise den Menschen jahrtausendelang ein Auskommen bieten, von dem die Industrielle Landwirtschaft im Sinne einer nachhaltigen Wirtschaftsweise weit entfernt ist [18].
Subsistenzorientierte, traditionelle Wirtschaftsformen, die noch weitgehend unverändert sind (wie Jagen und Sammeln, Feldbau (sofern die Naturgebiete noch ausreichend groß und dünn bevölkert sind) sowie die Fernweidewirtschaft) bilden stabile und dauerhafte – also im ursprünglichen Sinne nachhaltige – Wirtschaftssysteme, die in vielfältiger Weise mit den natürlichen Ökosystemen vernetzt sind. Sie sind gekennzeichnet durch effiziente, langsame und kontinuierliche Anpassung der Landnutzung an die jeweiligen Standortbedingungen seit Jahrhunderten [19 - 24].
Dieser Effekt kehrt sich allerdings mehr und mehr um, wenn ein rapider ökonomischer und sozialer Wandel Probleme schafft, deren Auswirkungen nicht vorhersehbar sind [19, 25 -...




