E-Book, Deutsch, Band 1956, 64 Seiten
Reihe: Perry Rhodan-Erstauflage
Schwartz Perry Rhodan 1956: Das Haus der Nisaaru
1. Auflage 2014
ISBN: 978-3-8453-1955-1
Verlag: Perry Rhodan digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Perry Rhodan-Zyklus "Materia"
E-Book, Deutsch, Band 1956, 64 Seiten
Reihe: Perry Rhodan-Erstauflage
ISBN: 978-3-8453-1955-1
Verlag: Perry Rhodan digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Science Fiction dreht sich um die Technik der Zukunft, heißt es oft. Doch Uschi Zietsch räumt mit diesem Irrglauben auf: Die Münchnerin schreibt unter dem Künstlernamen Susan Schwartz mit großem Erfolg Science Fiction und Fantasy, wobei sie den Schwerpunkt auf fremde Kulturen legt. Die 1961 geborene Autorin, die nach dem abgebrochenen Studium in Jura, Geschichte, Theaterwissenschaft und Politik eine kaufmännische Lehre absolvierte und bis 1996 hauptberuflich im Marketing-Bereich tätig war, schrieb bereits als Kind ihre ersten Geschichten. Ihr erster Roman, ein imponierendes Fantasy-Epos, erschien 1986 unter dem Titel 'Sternwolke und Eiszauber' im Wilhelm Heyne Verlag in München. 1988 gründete Uschi Zietsch zusammen mit ihrem Ehemann Gerald Jambor den Fabylon-Verlag, in dem neben den Werken anderer Autoren auch eigene Erzählungen erschienen. Der Einstieg in die PERRY RHODAN-Serie erfolgte Ende 1992: Das Taschenbuch 'Chandris Welt' wurde unter dem Künstlernamen Susan Schwartz publiziert. 'Susanne ist mein Zweitname', so begründet Uschi Zietsch das Pseudonym, 'und die Farbe Schwarz mag ich nun mal ganz besonders.' Dem bei Lesern und Kritikern der PERRY RHODAN-Serie gut angekommenen Taschenbuch folgte der Einstieg in die Romanserie: Das Debut der Münchnerin war 'Im Netz des Quidor', im April 1993 als PERRY RHODAN-Band 1652 erschienen. Mit 'Der Hyperschock' (Band 2202) und 'Quinto-Center' (Band 5 der PERRY RHODAN-Autorenbibliothek) nahm die Autorin im November 2003 nach über 60 Heften ihren Abschied von der Serie. Sie blieb ihr freundschaftlich verbunden und steuerte unlängst sogar mehrere Gastromane bei. Bei der Fantasy-Reihe 'Elfenzeit' war sie für die gesamte Konzeption zuständig und steuerte die wichtigsten Romane bei. Parallel dazu erschien bei Bastei-Lübbe ihre Fantasy-Trilogie 'Die Chroniken von Waldsee' sowie zwei in sich abgeschlossene Einzelbände aus derselben Welt. Aktuell beschäftigt sich Uschi Zietsch unter anderem mit der 'Elfenzeit'-Folgeserie 'Schattenlord', für die sie ebenfalls verantwortlich zeichnet.
Autoren/Hrsg.
Weitere Infos & Material
1.
MERLIN, Medostation
Nacht zum 1. Dezember 1290 NGZ
Darla Markus wurde durch einen gellenden Schrei hochgerissen. Was ist ...?, raste ein erster Schreckensimpuls durch ihr Bewusstsein.
Die wachhabende Medikerin war nur für einen Augenblick eingenickt. Sie ahnte, was kommen würde. Der unartikulierte Schrei wiederholte sich. Er klang gequält.
Man konnte normalerweise die Wache einem Medorobot überlassen; die Maschinenwesen waren auf solche Situationen eingestellt. Vor allem die Spezialisten, die nach dem immer noch neuartigen Modula-System ausgerichtet waren.
Zudem würden die angeschlossenen Lebenserhaltungssysteme sofort bei jeder Veränderung Alarm geben. Aber ein Krankheitsverlauf wie dieser war bisher unbekannt.
In den medizinischen Archiven der GILGAMESCH gab es keine Aufzeichnungen, die auf einen ähnlichen Fall schließen ließen. Deshalb war es unerlässlich, dass der Kranke zusätzlich ständig von einem Mediker überwacht wurde.
Das war eine zermürbende Aufgabe. Die junge Ärztin konnte sich an solche Tätigkeiten einfach nicht gewöhnen. Darla Markus besaß hervorragende fachliche Kenntnisse und galt als ausgezeichnete Chirurgin. Doch im praktischen Bereich konnte sie bisher kaum Erfahrungen sammeln.
Deshalb war ihr der unverzeihliche Fehler unterlaufen, mitten im Dienst eingeschlafen zu sein. Ihr Biorhythmus war noch nicht darauf eingestellt, nach einem anstrengenden Diensttag nachts als Beobachter eingesetzt zu werden.
»Bitte!«, schrie Vincent Garron. Sein unartikuliertes Gebrüll wechselte zu klaren Sätzen. »Es soll aufhören! Ich kann nicht mehr!«
Darla warf einen raschen Blick auf die Kontrollen. Die Systeme zeigten »grün«, wie die Mediker es nach wie vor nannten, obwohl ja die Anzeigen mehrfarbig waren und die Auswertung anschaulich an der sich ständig drehenden 3-D-Abbildung eines menschlichen Körpers gemacht wurde. Keine Lebensgefahr. Die Organe arbeiteten einwandfrei, der Blutdruck lag in der Norm. Lediglich ein leichtes Fieber war angezeigt.
Der Todesmutant war in einen Paratron- und in einen Anti-Esper-Schirm gehüllt worden, um unkontrollierte Psi-Ausbrüche zu verhindern. Und um ihn ein wenig vor der verheerenden fünfdimensionalen Strahlung des Sonnentresors zu schützen. Auf bisher ungeklärte Art und Weise schienen die Einflüsse der 61-Sonnen-Ballung sogar den Paratronschirm durchdringen zu können.
Vincent Garron befand sich in einem schrecklichen Zustand. Wenn sie ihn anschaute, fühlte Darla Ekel in sich aufsteigen.
Es war Ekel – und der schreckliche Wunsch, dieser Wahnsinnige möge endlich verrecken. Darla wusste, dass sie durch ihren Eid daran gebunden war, jedes Menschenleben zu retten. Jedes, egal was derjenige vorher getan haben mochte.
Doch die berufliche Distanz fiel ihr angesichts dieses gefährlichen Wahnsinnigen schwer. Sie hatte sich genau darüber informiert, was Vincent Garron getan hatte, und ihrer Ansicht nach gab es für so jemanden nur eine Strafe.
Aber niemand hatte sie um ihre Meinung gefragt. Sie hatte ihre Anweisungen. Julio Mangana, ihr Vorgesetzter, war ein erfahrener Mann. Der Chefarzt hatte ihrem Gesichtsausdruck sofort entnommen, was sie über ihre Einteilung in den Dienstplan dachte.
Und seine Anweisungen ein wenig schärfer wiederholt. Jetzt waren sie ein Befehl: Vincent Garron musste am Leben erhalten werden, gleich wie.
Allerdings hatte er ihr nicht befohlen, dass Darla bei jedem Winseln sofort zu springen hatte.
Darla richtete den Blick von den Kontrollen auf einen der schrecklichsten Massenmörder der jüngeren menschlichen Geschichte. Es war kein schönes Bild.
Garron erwiderte ihren Blick. Seine Augen verzerrten sich nurmehr zu schmalen Schlitzen, so sehr war sein Gesicht inzwischen angeschwollen. Er sah widerlich aus, kaum mehr wie ein Mensch.
So verkehrt sich das Innere nach außen, dachte Darla. Jetzt kann wenigstens jeder deine hässliche Seele sehen, und niemand wird mehr Mitleid mit dir haben.
»Was ist?«, fragte sie unpersönlich.
»Bitte, tu etwas gegen die Schmerzen«, flehte Vincent Garron.
»Du bekommst bereits alles Notwendige. Mehr wäre nicht zu verantworten. Außer, du möchtest gern sterben ...«
Der Mutant krümmte sich vor Schmerzen auf der Antigravliege zusammen.
»Das wäre vielleicht das Beste«, stöhnte er laut.
Darla wandte sich den Kontrollen zu und bearbeitete die Aufzeichnungen.
»Wie recht du nur hast«, murmelte sie.
Am liebsten hätte sie in den Schutzschirm eine Schallisolierung einprogrammiert, um nicht mehr das ständige Wehklagen hören zu müssen. Sie war übermüdet, wütend auf ihren Vorgesetzten und auf sich selbst, weil sie es nicht schaffte, die nötige Distanz zu wahren.
Fast automatisch glitten ihre Finger über die Tastenfelder. Sie errichtete einen kleinen Holospiegel, um sich zu betrachten. Unter ihren Augen lagen dunkle Schatten, ihr Teint war fahlbleich. Ihre stahlblaue Haarmähne, die sie meistens zu einer kunstvollen Frisur drapierte, hing in glanzlosen Strähnen herab.
Nicht mehr lange, und sie würde eine unter vielen sein, eine überarbeitete, angestrengte Medikerin, die keine Zeit mehr für ihr Äußeres aufwendete und nur noch an die Arbeit dachte.
Wütend löschte Darla Markus das Holo.
»Doktor, bitte!«, jammerte Vincent. »Es ist, als ob mir bei lebendigem Leib die Haut abgezogen wird ...«
Der jungen Medikerin riss der Geduldsfaden.
»Sag mir, Garron, wie ist das, einmal das Opfer zu sein?«, fuhr sie den Gepeinigten an. »Haben sich deine Opfer so gefühlt, bevor du sie grausam umgebracht hast? Haben dich ihre Schmerzen je interessiert?«
»Ich heiße Vincent ...«, versuchte der Mutant, sich seine Würde zu bewahren.
»Soll ich Vince zu dir sagen?«, höhnte Darla. »Den Tag, an dem ich dich beim Vornamen nenne, wirst du nie erleben. Du bist ein Monster! Und so siehst du auch aus: wie ein abstoßendes Monster. Ich hoffe, du durchleidest Höllenqualen!«
»Das reicht!«, erklang in diesem Moment eine zornige, männliche Stimme hinter ihr.
Jemand packte Darla am Arm und zog sie aus dem Beobachtungsraum ins Labor nebenan. Die automatische Tür schloss sich sofort.
*
»Wie lange geht das schon so?«, schnauzte sie Marius Karrel an.
Der Anästhesist war etwa zehn Jahre älter als Darla. Die beiden hatten sich während der gemeinsamen Arbeit ein wenig angefreundet. Gelegentlich kam Marius nach Dienstschluss vorbei, um der Kollegin ein wenig Gesellschaft zu leisten. So auch an diesem Tag ...
»Ich weiß nicht, was du meinst«, gab sich Darla Markus abweisend.
»Ich rede von deinem unprofessionellen Verhalten gegenüber unserem Patienten da drin!« Karrel deutete auf die Trennscheibe, durch die Garron zu sehen war, wie er sich weiterhin in Agonie wand.
»Ich sehe keinen Grund, mich zu entschuldigen!«, fauchte Darla. »Ich habe von Anfang an Julio gegenüber meine Bedenken deutlich gemacht! Meiner Ansicht nach hat der Mann kein Anrecht mehr auf sein Leben!«
»Du weißt genau, dass Garron unter Schizophrenie leidet«, unterband der Kollege ihren Ausbruch. »Im Prinzip hat nicht er, sondern seine negative Quotor-Persönlichkeit all diese schrecklichen Morde begangen.«
Marius Karrel ging gestikulierend auf und ab. Er schaute sie an.
»Das weißt du«, sagte er. »Und Garron weiß inzwischen sehr genau, was er getan hat und wird sich dafür verantworten müssen. Aber es ist nicht unsere Aufgabe, über ihn zu richten! Wir haben unseren Eid zu erfüllen, und nichts sonst.«
»Ich bin keine Maschine«, verteidigte sich die Medikerin. »Ich habe ein Anrecht auf eine eigene Meinung, und dieser Kerl ist ein Ungeheuer, aber kein Mensch! Ich kann nicht verstehen, dass er auf die GILGAMESCH gebracht worden ist!«
Darla schnaubte vor Wut und verschränkte die Arme.
»Alles kümmert sich um ihn und versucht seine Beweggründe herauszufinden«, warf sie ihrem Kollegen vor. »Aber denkt einer von euch an die Hinterbliebenen der Opfer? Glaubst du, sie werden jemals vergessen, was er ihren Angehörigen angetan hat? Er gehört ins Exil, lebenslang in einen Paratronschirm gehüllt, fernab von jeder Zivilisation! Falls er das hier übersteht, was ich ihm wirklich nicht gönne!«
Marius Karrel schwieg eine Weile, blickte auf den Boden.
»Das muss ich leider Julio Mangana melden«, sagte er schließlich.
Darla Markus zuckte mit den Achseln.
»Von mir aus. Wir können gleich zu ihm gehen, wenn du willst.«
»Darla, du könntest deinen Job hier verlieren! Und deine Reputation!«
Darlas grüne Augen blitzten auf. »Was für eine Reputation habe ich wohl, wenn bekannt wird, was ich hier getan habe?«, fauchte sie. »Denkst du, die öffentliche Meinung wird mir einen Orden verleihen? Dann bekomme ich doch eher wieder einen Job, wenn ihr mich jetzt deswegen rauswerft! Nur zu!«
Marius schüttelte den Kopf. Dann weckte er Dr. Mangana über Funk und bat ihn um eine sofortige Unterredung.
Eine Viertelstunde später war der Chefmediker bei ihnen. Die drei Menschen setzten sich in einen kleinen Nebenraum an einen Tisch.
Darla saß ruhig dabei, während Marius berichtete. Der Chefmediker hörte sich alles mit sachlicher, unbewegter Miene an und äußerte sich erst am Schluss.
»Leider hat sie recht, Marius«, sagte Mangana.
Karrel blinzelte, als habe er sich verhört. »Das ist nicht dein Ernst!«
»Abgesehen davon, dass wir uns etwas zu weit von der Milchstraße entfernt befinden, um sofort eine...




