E-Book, Deutsch, Band 3017, 64 Seiten
Reihe: Perry Rhodan-Erstauflage
Schwartz Perry Rhodan 3017: Terra Incognita
1. Auflage 2019
ISBN: 978-3-8453-6017-1
Verlag: Perry Rhodan digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Perry Rhodan-Zyklus "Mythos"
E-Book, Deutsch, Band 3017, 64 Seiten
Reihe: Perry Rhodan-Erstauflage
ISBN: 978-3-8453-6017-1
Verlag: Perry Rhodan digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Mehr als 3000 Jahre in der Zukunft: Längst verstehen sich die Menschen als Terraner, die ihre Erde und das Sonnensystem hinter sich gelassen haben. In der Unendlichkeit des Alls treffen sie auf Außerirdische aller Art. Ihre Nachkommen haben Tausende von Welten besiedelt, zahlreiche Raumschiffe fliegen bis zu den entlegensten Sternen. Perry Rhodan ist der Mensch, der von Anfang an mit den Erdbewohnern ins All vorgestoßen ist. Nun steht er vor seiner vielleicht größten Herausforderung: Die Rückkehr von seiner letzten Mission hat ihn rund 500 Jahre weiter in der Zeit katapultiert. Eine Datensintflut hat fast alle historischen Dokumente entwertet, sodass nur noch die Speicher der RAS TSCHUBAI gesichertes Wissen enthalten. Was sich seitdem ereignet hat, ist Perry Rhodan bisher nahezu unbekannt, da es zu fast allem mehrere unterschiedliche Aussagen und Quellen gibt. Nun macht er sich auf den Weg, Informationen am Ort des Geschehens nachzuspüren: im Solsystem, aus dem seine Heimatwelt geraubt wurde. Was er nun betritt, ist daher TERRA INCOGNITA ...
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1.
THORA
23. Oktober 2045 NGZ
»Bist du nervös?«, fragte Resident Bull.
»Warum sollte ich nervös sein?«, gab Perry Rhodan zurück.
Der rothaarige Freund grinste. »Stimmt. Bei dir ist es noch nicht so lange her wie bei mir.« Der ironische Unterton war nicht zu überhören.
Rhodan schwieg deshalb. Ja, selbstverständlich war er nervös. Sie flogen Richtung Terra, ihrer Heimatwelt, die in der Galaxis mittlerweile nur noch ein – zumeist unbeliebter – Mythos war. Zum Solsystem, das seit langer Zeit isoliert hinter der cairanischen Barrikade lag und von dem keiner der beiden unsterblichen Terraner wusste, ob es noch die alte Heimat für sie war. Mit Ausnahme der Cairaner war wohl niemand mehr bekannt, was sich innerhalb der Sperrzone befand.
»Wir tun das Richtige, und kein Cairaner wird uns aufhalten!«, verkündete der Resident mit ungebrochener Zuversicht.
»Jedenfalls ist es notwendig. Wir werden sehen, was sich daraus ergibt«, sagte Rhodan. Sie hatten einiges ausgetüftelt, um ans Ziel zu gelangen.
Nur ... was würden sie vorfinden?
Terra und Luna jedenfalls waren nicht mehr dort ... nach dem als »Raptus« bezeichneten Ereignis vor rund 430 Jahren waren beide Himmelskörper verblasst und schließlich ausgetauscht worden, sodass es zumindest zu keinen massiven Störungen im Gefüge des Solsystems gekommen war.
An die Stelle des TERRANOVA-Schirms war ebenfalls etwas anderes getreten – das sogenannte Clausum.
Seither hielten die Cairaner den Daumen auf diese Zone. Bull hatte Rhodans Frage nicht konkret beantwortet, ob nachweislich die Cairaner für das Clausum verantwortlich wären, aber das war momentan nicht von vordringlicher Bedeutung – sie waren zumindest gegenwärtig diejenigen, die das Gebiet weiträumig besetzt hielten und in der Lage waren, den Schirm zu durchdringen.
Perry Rhodan hatte aufgrund seiner Rede vor dem Parlament der Liga das Mandat erhalten, nach Terra zu suchen. Dazu stand ihm nicht nur seine RAS TSCHUBAI zur Verfügung, sondern auch die THORA und die Rückendeckung der LFG – und ein Zeitraum von 25 Jahren.
Diese 25 Jahre schienen zunächst großzügig bemessen, aber niemand wusste, wie sich die Suche gestalten würde, und daher wollte Rhodan sie keinesfalls aufschieben.
Der Resident hatte Verständnis für sein Drängen gezeigt, und so waren sie übereingekommen, die Suche am besten an der Stelle zu beginnen, wo der Raptus geschehen und der Heimatplanet samt Trabant verschwunden war. Spuren und Hinweise waren dort mit der größten Wahrscheinlichkeit zu finden.
Leider standen dabei die Cairaner im Weg ...
*
Die gesperrte Raumsphäre durchmaß 17 Lichtjahre und schloss damit auch Proxima Centauri sowie Alpha Centauri A und B ein. Außer der THORA befand sich kein nicht-cairanisches Raumschiff in diesem Bereich. Freiwillig flog niemand in die streng abgeriegelte Zone.
Welchen Grund hätte es auch gegeben? Im weiteren Umkreis bestand keine Möglichkeit für Handel und Touristik, und was die Forschung betraf, so gab es interessantere Gebiete, selbst für jene, die hartnäckig dem Mythos auf der Spur bleiben wollten.
Außer den beiden Unsterblichen gab es niemanden unter der Besatzung, der wusste, dass Terra als Wiege der Menschheit kein Mythos war. Viele belächelten diese Vorstellung, andere ärgerten sich gar darüber, und einige wenige wollten gerne daran glauben – aber all das ersetzte kein Wissen. Die Beteuerungen von zwei Unsterblichen – einer davon sogar der Resident – konnten an der Unsicherheit nichts ändern.
Ein Vorwurf war niemandem zu machen, denn das hatte Gründe.
Die Zweifel waren nicht nur der Zeit geschuldet, in der selbst bedeutende historische Ereignisse zusehends verblassten. Es gab – abgesehen von den Zellaktivatorträgern – kaum überlebende Zeugen der Existenz Terras, und dank des Posizids schon gar keine verlässlichen Daten.
Selbst all das zusammengenommen würde allerdings normalerweise nicht ausreichen, die Erde in den Bereich des Mythos zu entrücken. Aber etwa ein Jahr nach dem Raptus hatte das später als »psychoplastische Deformation« definierte Phänomen eingesetzt. Nicht nur den Terranern wurden die eigenen Erinnerungen auf einmal fremd und wichen einem Eindruck des Hörensagens. Sogar Mentalstabilisierten wie Reginald Bull kamen ab und zu Zweifel, ob diese »Erinnerungen« nicht etwa nur Träume waren oder eine Geschichte, die er mal irgendwo gehört oder gelesen hatte.
Jemand hatte sehr gründliche Arbeit geleistet, die Identität der Terraner zu vernichten, und der Effekt hielt an.
Rhodan machte sich deshalb keine Illusionen, dass seine Suche schnell zum Erfolg führen könnte.
Er hatte nach der ersten Ankunft auf der THORA vor der Mannschaft eine Ansprache gehalten und beteuert, dass er kein Mythos sei und dass die Terraner – oder vielmehr alle Völker der Galaxis – einer jahrhundertelangen Lüge aufgesessen wären. Damit waren Skepsis und Bedenken keinesfalls ausgeräumt.
Es wäre zu schön gewesen, wenn er wie in einem Trivid-Heldenabenteuer auf die galaktische Bühne zurückgekehrt wäre und nur mit seinen Worten sofort die Zustimmung aller gehabt hätte, auch vor dem Parlament. Er hätte den heutigen Terranern und den übrigen Völkern der Galaxis gern nahegebracht, wie sehr sie seit Jahrhunderten manipuliert wurden.
Keine Frage – Rhodans Stand war schwer, er musste sich seinen Platz erst wieder erkämpfen – und Vertrauen und Unterstützung gewinnen. Das Parlament hatte mehrheitlich für ihn gestimmt, aber es hatte viele Enthaltungen gegeben.
Es war schwer für den Terraner, dass er einerseits auf bekanntem Terrain unterwegs war, andererseits aber fünfhundert Jahre Entwicklung verloren hatte. Vieles war ihm fremd geworden, und bedingt durch die aktuellen Verhältnisse hatte er eine Art »Kulturschock« erlitten.
So war auch das Wiedersehen mit Reginald Bull nicht leicht gewesen. Einerseits waren sie immer noch die herzlich verbundenen Freunde und hatten sich über das Wiedersehen gefreut. Andererseits gab es so vieles, was die beiden durch den unterschiedlichen Kenntnis- und Entwicklungsstand voneinander trennte. Die Kluft der Jahrhunderte war nicht zu leugnen, so sehr sie sich bemühten.
Es gab zudem so manches, das Bull bislang nicht offenbart hatte, vorgeblich mangels Gelegenheit. Rhodan war nicht sicher, ob es nur daran lag oder ob sein Freund einige Geheimnisse für sich behalten wollte.
Rhodan fühlte sich emotional ständig hin- und hergerissen. Er hatte sich auf der THORA zum ersten Mal »angekommen« gefühlt; dennoch geriet er immer wieder in Zweifel, die er nicht definieren konnte. Es waren reine Gefühle, die ihn beherrschten, diese Unsicherheit, was er versäumt und was sich verändert hatte, und was andererseits doch noch vertraut war. Das bezog den Residenten mit ein.
Die verstohlenen Blicke spürte er durchaus, manche drückten Bewunderung oder Staunen aus, die meisten aber waren eher verwirrt – und all das zusammen spiegelte durchaus seine eigene widersprüchliche Gefühlslage.
Als ob er im Leerraum zwischen zwei Welten schwebte und noch nicht herausgefunden hatte, welche nun die seine war.
Das Wiedersehen mit Bull hatte alles statt leichter irgendwie schwieriger werden lassen. Trotz einiger Informationen war die Lage nicht klarer geworden.
Konzentration. Er zwang sich zur Rückkehr in die aktuelle Situation. Zum Grübeln war auch später Zeit.
Vielleicht löste sich ja alles in Wohlgefallen auf, sobald sie in das Solsystem eingeflogen waren.
Vielleicht fanden sich dort die Lösungen auf die meisten Fragen.
Vielleicht aber auch nicht.
Nein ... Wahrscheinlich eher nicht. Die jahrtausendelange Erfahrung lehrte einen das.
Also: Konzentration!
*
Die Haupt- und Nebenarbeitsstationen waren voll besetzt, die meisten befanden sich ebenso wie das Kommandopodest innerhalb des zentralen Hologlobus.
Das 2200-Meter-Ultraschlachtschiff wurde von der Ferronin Sillini Veéntor über die SERT-Haube zielsicher pilotiert. Genau wie alle anderen Mitglieder der Zentralemannschaft war sie eine Spezialistin mit hervorragenden Fähigkeiten.
Holger Bendisson, der 55 Jahre alte Kommandant, wurde wegen seiner geringen Größe von nur 1,59 Meter von Fremden auf den ersten Blick gern unterschätzt, noch dazu, da er durch sein konstantes leichtes Lächeln stets freundlich wirkte. Doch das täuschte. Hinter dem Lächeln ruhte ein messerscharfer Verstand, der blitzschnell Entscheidungen treffen konnte.
Rhodan sah, dass Bendisson sämtliche Arbeitsstationen ununterbrochen im Blick hatte, und das wusste das Team ebenso, denn alle Anwesenden wirkten hoch konzentriert und beschäftigten sich ausschließlich mit ihren Aufgaben. Kein Flüstern, keine Unruhe, kein Austausch von vielsagenden Blicken.
Das Flugziel hatte niemand infrage gestellt. Zumindest nicht laut, Gedanken darüber machte sich gewiss jeder.
Vor allem angesichts des gewaltigen Aufmarsches cairanischer Augenschiffe, die sich im Holo zeigten. Fünftausend hatten die Sensoren bisher aufgespürt.
Und zweihundert waren gerade unterwegs zur THORA.
*
»Man will uns offensichtlich beeindrucken«, stellte Rhodan fest.
»Möglich«, stimmte Bull zu. »Aber nehmen wir's doch lieber als Respektsbekundung!«
»Wir werden gerufen«, meldete der Erste Offizier, der die Kommunikationszentrale zusammen mit der Ortung...




