Schwartz | Perry Rhodan 3140: Das Irrlicht von Valotio | E-Book | www.sack.de
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E-Book, Deutsch, Band 3140, 64 Seiten

Reihe: Perry Rhodan-Erstauflage

Schwartz Perry Rhodan 3140: Das Irrlicht von Valotio

Chaotarchen-Zyklus
1. Auflage 2021
ISBN: 978-3-8453-6140-6
Verlag: Perry Rhodan digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Chaotarchen-Zyklus

E-Book, Deutsch, Band 3140, 64 Seiten

Reihe: Perry Rhodan-Erstauflage

ISBN: 978-3-8453-6140-6
Verlag: Perry Rhodan digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



In der Milchstraße schreibt man das Jahr 2071 Neuer Galaktischer Zeitrechnung. Dies entspricht dem Jahr 5658 nach Christus. Über dreitausend Jahre sind vergangen, seit Perry Rhodan seiner Menschheit den Weg zu den Sternen geöffnet hat. Noch vor Kurzem wirkte es, als würde sich der alte Traum von Partnerschaft und Frieden aller Völker der Milchstraße und der umliegenden Galaxien endlich erfüllen. Die Angehörigen der Sternenvölker stehen für Freiheit und Selbstbestimmtheit ein, man arbeitet intensiv zusammen. Als man aber in der Liga Freier Galaktiker erfährt, dass in der Nachbarschaft der Milchstraße ein sogenannter Chaoporter gestrandet sei, wird unverzüglich ihr größtes Fernraumschiff in Marsch gesetzt: die RAS TSCHUBAI, unter dem Kommando von Perry Rhodan. Von einem Chaoporter geht sicher eine ungeheure Gefahr für die Galaxis aus. Rhodan findet in der kleinen Galaxis Cassiopeia Spuren, die darauf hindeuten, dass dort der Chaoporter FENERIK havariert ist - weil ihn das Kosmokratenschiff LEUCHTKRAFT gerammt hat. Die Aktionen der Chaosmächte in der kleinen Galaxis nehmen immer mehr zu, vor allem, weil die Menschen mit Kommandounternehmen beginnen. Nun droht eine Strafaktion von FENERIK gegen eine ganze Welt. Das Schlimmste verhüten könnte womöglich DAS IRRLICHT VON VALOTIO ...

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1.

Die Statue von Stunn

Das ist doch nicht meine Schuld!, dachte Vosskon zum wiederholten Mal, während er zur nächsten Station hetzte und auf eine »Raupe« sprang.

Dabei handelte es sich um Züge, die wegen ihrer Segmente so bezeichnet wurden, und die unermüdlich auf vielen Ebenen kreuz und quer durch Stunn, die Hauptstadt des Planeten Terril, unterwegs waren. Die Einschienen-Magnetbahnen hatten keine Kabinen, sondern waren wie Wannen nach oben vollständig und zu den Seiten halb offen. Man konnte jederzeit zu- und abspringen, und zum Wechsel nutzte man einen der Hunderte Verbindungsknoten, die »Stationen«, obwohl die Züge nie anhielten.

Für fünfarmige Dreibeiner war es nicht schwierig, sich an den Gestängen hinauf- und hinunterzuhangeln; es gab alternativ gläserne Antigravschächte, doch die waren langsamer. Die Terrilianer hatten nicht nur Spaß an der vertikalen Bewegung, sondern sie hatten auch keine Mühe, jeweils den richtigen Absprung zu finden und beim Hineinspringen auf die Freihaltepunkte das Gleichgewicht nicht zu verlieren und versehentlich Mitfahrer zu schubsen.

Die Gestänge überzogen die ganze Stadt, horizontal wie vertikal, und führten zu Plateaus, von denen aus kugelige Bauten erreicht wurden, die nur zur Übernachtung oder für die Arbeit genutzt wurden. Die vielkugeligen Gebäude standen auf Stielen, sodass sie von Weitem wie in einem Kopf zusammenstehende Blütensprossen mit darunterliegenden Verästelungen aussahen. Das private Leben fand in aller Geselligkeit statt, bevorzugt in einer der zahlreichen Arenen, wo es Holovorführungen gab, Wettkämpfe, Schaukämpfe, Sport und echte Kämpfe, außerdem Kunst und Literatur sowie Theater.

Und Vosskons Zaubershow, die beste der ganzen Galaxis, das musste bei aller Bescheidenheit festgestellt werden.

Undankbar sind sie! Ich beehre sie mit meiner großen Kunst – und wie danken sie es mir? Ich tue ihnen Gutes, und sie jagen mich dafür! Was für eine Zeitverschwendung! Nie wieder setze ich einen Fuß auf diesen Hintermondplaneten, der besser im Zauberhut geblieben wäre!

Aber um diesen Schwur umzusetzen, musste er seinen Fuß erst einmal von dem Planeten wegbewegen. Und das war im Moment nicht ganz einfach.

Vosskon war ein Zweibeiner und Zweiarmer und normalerweise nicht darin geübt, sich durch Gestänge zu hangeln, anstatt sich auf Gleitbändern durch Straßen zu bewegen, wie es sich gehörte. Welch ein Glück, dass er ein begnadeter Athlet war und sich immer in Form hielt! Das war unerlässlich in seinem Beruf.

Die Raupen ließen ihn schneller vorankommen und gaben ihm ab und zu Gelegenheit zu verschnaufen.

Doch er musste einräumen, dass die Verfolger ihm trotzdem näher kamen. Und er sich immer mehr vom Raumhafen entfernte.

Er unterbrach seine Überlegungen, als er bemerkte, dass er angestarrt wurde. Was ...

Dann sah er es; die innerhalb der Segmenteinschnitte projizierten Holos zeigten es.

Ihn selbst!

Oder zumindest das, was die terrilianische Polizei als Vosskon beschrieb. Es war kein gutes Bild. Begleitet von einer panischen Stimme, untermalt mit Schrift, dass er gesucht werde, womit dieses Bild noch schlimmer wirkte.

»Frechheit!«, rief Vosskon empört. »So sehe ich doch überhaupt nicht aus! Allein diese Nase! Das ist ein Riesenzinken!« Er griff sich an das, was er gern als »Stupsnäschen« bezeichnete, wenn er sich im Holospiegel ansah. Diese Erhebung war allerdings immer noch ein untrügliches Erkennungsmerkmal im Vergleich zu den Geruchslamellen der Terrilianer.

Das Problem war: Es gab in Stunn zwar durchaus raumfahrende Besucher von anderen Welten, aber die sahen allesamt nicht so aus wie er. Ganz und gar nicht. Seines Wissens – und darin irrte er sich nie oder höchstens selten – war er der einzige Stossnide auf Terril. Allgemein waren in Valotio nicht sehr viele Stossniden auf Reisen; deshalb lag die Wahrscheinlichkeit nicht sehr hoch, dass sich zwei gleichzeitig auf demselben Planeten aufhielten. Schon gar nicht auf einer so rückständigen Welt wie dieser.

Warum hatte er sich bloß darauf eingelassen? Er hatte es nicht nötig, sich mit solchen unbedeutenden Hintermondplaneten abzugeben. Aber nun ... wenn man einen Auftrag erhielt ... wer wusste schon, was sich vielleicht später einmal daraus ergab? Die Popularität konnte steigen ... er brachte Freude und Staunen ...

»Ergreift ihn!«, schrie jemand.

Die gesamte Menge im Segment wandte sich gegen ihn. In den anderen Segmenten blickte man neugierig herüber.

»Jetzt aber mal langsam, Leute!« Vosskon hielt abwehrend die sechsfingrigen Hände hoch. Schlanke, lange, elegante Finger, nicht diese vier kurzen fetten Stummel der Terrilianer. Wieso hatte er sich nur darauf eingelassen, auf dieser Welt eine Station seiner Tournee einzuplanen? Diese plumpen, rückständigen Leute waren überhaupt keine Feingeister!

Mit schnellem Griff zauberte er einen leuchtenden Blumenstrauß aus den Falten seines schwarzviolett schimmernden Magieranzugs und überreichte ihn einer Terrilianerin – leicht zu erkennen an der kräftig orangefarbenen Haut, im Gegensatz zu den gelbhäutigen Männern –, die ihn erstaunt entgegennahm.

Vosskon verbeugte sich galant vor ihr, während er gleichzeitig dem Mann neben ihr drei Geldchips hinhielt, die er scheinbar aus dem großen Fächerohr gezaubert hatte.

Die beiden sahen einander geschmeichelt kichernd an, der Rest der Menge rückte jedoch weiterhin näher.

Vosskon richtete sich auf. »Geschätztes Publikum!«

Das Stimmmodul, das auch als Translator eingesetzt werden konnte, hatte er auf die Frequenz gestellt, die für die Terrilianer »charismatisch« umfasste. Sie konnten sich diesem Einfluss nicht entziehen und hielten überrascht inne.

»Ich bin Vosskon, der Gaukler, der größte Magier von Valotio! Soeben habe ich meine fulminante Show beendet, auf der ich Dinge oder Wesen verschwinden lasse – aber nie für immer! Sie sind da, nur nicht dort, wo ihr sie vermutet. Ich kann nichts dafür, wenn das Volk der Terrilianer nicht begreifen will, dass es ein Trick ist! Illusion! So wie dies!«

Er schnippte mit den Fingern, und der leuchtende Blumenstrauß und die Geldchips explodierten in Tausende Fünkchen in den Greifhänden der beiden Terrilianer. Sie zogen zuerst entsetzte, dann wütende Mienen.

»Das ist mein ganzes Verbrechen – eure Humorlosigkeit unterschätzt zu haben. Und damit gehabt euch wohl!« Er verbeugte sich erneut, war dann mit einem mächtigen Satz aus der Wanne, unterstützt von seinem Antigrav, balancierte kurz auf einer Stange, ließ ein paar Blumensterne auf die letzten Segmente der Raupe hinabregnen, die soeben an ihm vorüberrauschten, und schwang sich davon.

*

Sie sind ignorant, sie sind phantasielos, warum nur wollten sie sich überhaupt von mir verzaubern lassen?

Lachend hangelte Vosskon sich weiter und musste kurz darauf feststellen, dass es den scheinbar plumpen Terrilianern nicht nur gelungen war, ihn einzuholen, nein, man hatte ihn sogar umzingelt. Oben, unten, hinten, vorne, links, rechts. Offenbar waren sämtliche Sicherheitskräfte von Stunn mobilisiert worden, nur um ihn zu fangen! Da fühlte er sich doch umgehend geschmeichelt.

In der Klemme war er deswegen längst nicht. Er richtete sich hoch auf, breitete die Arme aus und rief: »Hochverehrtes Publikum! Ich danke sehr für den rauschenden Applaus und gebe gerne eine Zugabe. Sehet zu und staunet!«

Sein schillernder Schal blähte sich auf und explodierte in einem fulminanten, lautlosen Feuerwerk, das Vosskons Körper mit einem glitzernden Nebel umhüllte, der sanft verblassend herniederrieselte. Als er sich gänzlich auflöste, war Vosskon verschwunden. Der gesamte Vorgang hatte nicht länger als fünf Sekunden gedauert.

Die Sicherheitskräfte stießen wütende Schreie aus und stürmten auf die Stelle zu, an der der Magier soeben verschwunden war.

Nur wenige Sekunden später erklang gut 20 Meter weiter ein spöttisches Lachen. Vosskon stand dort und winkte fröhlich. »Lasst uns die Show an einem anderen Ort fortsetzen!«

Und sprang mit einem gewaltigen Satz davon.

*

Nicht zu fassen, die denken tatsächlich, mich fangen zu können, dachte Vosskon, während er im Schutz seines Deflektorschirms eine Raupe ansteuerte. Mich! Hat denn überhaupt irgendeiner bei meiner Vorstellung aufgepasst? Ich zaubere mich selbst aus dem Weinkrug!

Mittels Holoemittern und dem partiellen Einsatz des Deflektorfeldes verlieh er sich das Aussehen eines der Deronianer, die er als Besucher in Stunn gesehen hatte, und fuhr in der Raupe Richtung Raumhafen. Das fiel nicht auf und würde keinerlei Aufmerksamkeit erregen – vielleicht wollte der Deronianer abreisen.

Vosskon sah den Terrilianern ihre Naivität insofern nach, dass sie keine Vergleichsmöglichkeit hatten – sie wandten einfach das an, was sie kannten. Womit sie bisher bei jedem anderen sicherlich auch Erfolg gehabt hatten. Wie sollten sie es also besser wissen? Erst dadurch lernten sie dazu.

Die Erklärung für seinen Verschwinde-Trick war einfach – es war gar keiner, kein Zauber, keine Magie, nicht einmal Illusion. Nur Ablenkung und Täuschung.

Sein wuchtiger schillernder Schal, den er um Kopf und Schultern trug, bestand aus einem riesigen Schwarm Nanogenten, mit denen er über einen Chip im Handgelenk verbunden war und die er mit für Beobachter unmerklichen Bewegungen steuerte. Gewiss benötigte man dafür jede Menge Erfahrung und auch ein gewisses Talent –...



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