E-Book, Deutsch, Band 3144, 64 Seiten
Reihe: Perry Rhodan-Erstauflage
Schwartz Perry Rhodan 3144: Im ewigen Krieg
1. Auflage 2021
ISBN: 978-3-8453-6144-4
Verlag: Perry Rhodan digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Chaotarchen-Zyklus
E-Book, Deutsch, Band 3144, 64 Seiten
Reihe: Perry Rhodan-Erstauflage
ISBN: 978-3-8453-6144-4
Verlag: Perry Rhodan digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
In der Milchstraße schreibt man das Jahr 2071 Neuer Galaktischer Zeitrechnung. Dies entspricht dem Jahr 5658 nach Christus. Über dreitausend Jahre sind vergangen, seit Perry Rhodan seiner Menschheit den Weg zu den Sternen geöffnet hat. Noch vor Kurzem wirkte es, als würde sich der alte Traum von Partnerschaft und Frieden aller Völker der Milchstraße und der umliegenden Galaxien endlich erfüllen. Die Angehörigen der Sternenvölker stehen für Freiheit und Selbstbestimmtheit ein, man arbeitet intensiv zusammen. Als man aber in der Liga Freier Galaktiker erfährt, dass in der Nachbarschaft der Milchstraße ein sogenannter Chaoporter gestrandet sei, wird unverzüglich ihr größtes Fernraumschiff in Marsch gesetzt: die RAS TSCHUBAI, unter dem Kommando von Perry Rhodan. In der Milchstraße übernehmen derweil die Kastellane wichtige Machtpositionen - es sind relativ Unsterbliche unterschiedlicher Völker, die als spezielle Eingreiftruppe von ES gelten. Zudem wurde mitten in der Galaxis eine Yodor-Sphäre entdeckt, ein geheimes Bauprojekt der Kosmokraten, über das bisher kaum etwas bekannt ist. Als Atlan dorthin eingeladen wird, findet er sich unverhofft IM EWIGEN KRIEG ...
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1.
Odard tan Antappon: Ganz weit draußen
»Guten Morgen, Kommandant«, säuselte es aus dem auf milde Modulation eingestellten internen Empfang.
In der ersten Stunde nach dem Erwachen ertrug ich nur Sanftheit. Kein Grund zu hetzen, ein Tag war wie der andere. Bis vor Kurzem zumindest.
Nicht schon so früh, dachte ich wehmütig. Ich bin doch gerade erst aufgestanden und hatte nicht einmal mein Morgenmahl.
Ein sehr wichtiger Punkt auf meiner Tagesordnung. Wenn nicht der wichtigste. Anders war es unmöglich, jeden immer gleichen und eintönigen Tag mit ausreichender Energie und Motivation zu überstehen.
»Was gibt's?«, erwiderte ich kurz angebunden.
»Um noch einmal auf den neuen Dienstplan bei der Zapfanlage einzugehen ...«
»Nicht nötig!«, unterbrach ich ungehalten. »Das ist meine Kompetenz. Deine ist es, dafür zu sorgen, dass die Anlage funktioniert – und herauszufinden, wie sie funktioniert. So werden wir es halten – jeder macht seine Arbeit, von der er am meisten versteht.«
»Dennoch sollten wir ...«
»Reich eine Dienstaufsichtsbeschwerde ein, wenn du mit meinem Führungsstil unzufrieden bist!«
»Sehr witzig!«
Mein täglicher Quälgeist ließ sich nicht aus der Ruhe bringen. Unsere häufigen gegenseitigen Versuche, die Reizschwelle des anderen zu testen, nutzten sich mit der Zeit ab. »Bei der Gelegenheit möchte ich auf das technische Problem an der ...«
»Diese Meldung habe ich bereits erhalten«, ließ ich ihn wieder nicht ausreden.
Es gab eine Nerv-Skala von null bis hundert für die gesammelten Einmischungen des Tages. Diese hatte soeben den Wert 168 erreicht, und das noch vor dem Frühstück. Das war eine reife Leistung, selbst für diese Nervensäge.
Angu von Zamzegh meinte es nicht böse, dessen war ich mir selbstverständlich bewusst. Persönliche Differenzen hin oder her, ich respektierte jeden, der etwas von seiner Arbeit verstand und sich kompetent zeigte. Und mein ewiger Diskussionspartner dachte sehr viel nach, um nicht zu sagen: permanent. Dem Charakter nach war er einer, der sich um alles kümmern wollte, darüber im Stillen brütete und dann von anderen verlangte, zur Tat zu schreiten. Ein Theoretiker, kein Praktiker, schon gar kein Pragmatiker. Vor allem aber war er ein unnachgiebiger Pedant und musste immer alles ganz genau haben, wogegen ich es eher gelassen anging und manches nicht gar so wichtig nahm. Weil es nicht wichtig war.
Für mich war es schwierig, jemanden, der solchermaßen übereifrig war, zu bremsen. Ich war der Kommandant, ich würde vermutlich auf diesem Posten bleiben, bis ich verschimmelt war, und ich musste jeden ertragen können, egal wie skurril, extrovertiert oder eigenbrötlerisch er sein mochte. Das war meine Pflicht. Die Wissenschaftler machten ihre Arbeit, und ich hatte dafür zu sorgen, dass sie das ungestört tun konnten.
Aber wer genau sollte uns eigentlich stören? Wir befanden uns, Zentrumsnähe hin oder her, weit weg von allem, was man einen »Brennpunkt« nennen konnte. Wir verrichteten unseren Dienst auf einem kleinen Ausweichhof, der abgesehen von seiner Redundanz keine weitere Bedeutung hatte. Jeder Tag war für uns gleich, wir hatten – abgesehen von unseren persönlichen Freizeit-Holoprogrammen und Patrouillenflügen – keine Abwechslung. Wir kannten jedermanns Lebensgeschichte auswendig. Also jene, die wir in der vollrobotischen Bar den anderen erzählten, was sich nicht unbedingt mit den tatsächlichen Fakten deckte.
Darüber wusste ich Bescheid, aber es störte mich nicht, denn ich gab freiwillig keineswegs alles preis oder erzählte ungeschönt aus meinem Leben.
Nahezu jeder in meiner Mannschaft, ob nun Akone oder Cheborparner in diesem Gemeinschaftsprojekt, war auf unsere Station »straf«versetzt worden, aus den verschiedensten Gründen. Selbstredend bezeichnete man es offiziell niemals so, derartige Disziplinarstrafen waren schließlich längst abgeschafft. Man sagte uns, dass nun einmal jemand hier Dienst verrichten müsse, und dass stets jeder Betroffene klage, weshalb es ausgerechnet ihn treffe, daher finde eine Verlosung für die Fünf-Jahres-Schicht statt.
Lachhaft! Bei mir beispielsweise stand gar keine Frist im Vertrag, und anhand der Mitarbeiterdaten war klar erkennbar, dass jeder Einzelne von uns mehrfach in irgendeiner Weise unangenehm aufgefallen war, sodass er auf einen wissenschaftlichen Außenposten am Rande der Karriere abgeschoben wurde.
»... ich diesen Vorschlag umsetzen?«
Ich blinzelte. Gut, dass ich nicht auf Sichtkontakt geschaltet hatte. Machte ich morgens aus nachvollziehbaren Gründen nie.
»Wie bitte?«
Mir wurde bewusst, dass ich so sehr in eigene Gedanken abgeschweift war, dass ich kein einziges Wort mehr mitbekommen hatte. Kein Verlust, da ich ohnehin nicht daran dachte, den außerhalb seines Bereichs liegenden Vorschlägen eines Spezialisten für Transmittertechnik und Zapfanlagen in irgendeiner Weise zu folgen. Damit würde ich nur meine Techniker und Ingenieure kränken, die nicht minder kompetent waren wie vorgenannter Wissenschaftler. Wir mochten strafversetzt sein, aber nicht, weil wir keine Ahnung von unserem Fachgebiet hatten, sondern weil wir uns nicht so verhielten, wie man es von uns erwartete. Dennoch wurde er es nie müde, die Kommunikation mit mir zu suchen. Egal, wie oft ich es ihm klarmachte, jedes Mal führte das zu einer ausufernden Diskussion.
»Du hast mir nicht zugehört!«, kam es trotz der weichen Modulation empört aus dem Akustikfeld.
Es machte mir nichts aus, nichts mehr von seinem Gerede mitbekommen zu haben – aber es ärgerte mich, dass es Angu aufgefallen war. So etwas durfte einem Kommandanten nicht passieren. Sich keine Blöße zu geben war Gesetz Nummer Drei meiner reichlich kurzen Liste des Kommandantenverhaltens.
»Selbstverständlich habe ich das!«, betonte ich. »Meine Leute arbeiten längst daran, und ich rede ihnen nicht hinein.« Den Satz hatte ich in den Dunst hinein gesagt, er passte zu annähernd hundert Prozent auf die meisten Begründungen meiner Ablehnung – so auch gewiss diesmal.
»Na schön, wenn wir alle in die Luft fliegen, kann ich wenigstens mal ›ich habe es ja gesagt‹ loswerden.«
»Das ist immerhin dein Leitspruch«, beendete ich die Verbindung und machte mich bereit für den neuen Tag im Jammertal. Hoffentlich klappte es wenigstens mit einem ruhigen Frühstück.
*
Zu Beginn meiner Dienstzeit hatte ich meine Mahlzeiten immer allein eingenommen, denn ich war kein besonders geselliger Akone. Schon bald stellte ich allerdings fest, dass ich mich damit von der gesamten Besatzung isolierte und keine Ahnung hatte, was auf »meinem« Etappentransmitterhof zwischen den offiziellen Einsatzplänen vorging. Nicht nur was die Instandhaltung und Forschung betraf, sondern auch Kontakte zwischen den Besuchern der unterschiedlichen Völker. Es gab wie überall Reibereien, Intrigen, Animositäten, dazu emotionale Herzensangelegenheiten, und als Schlichter per Funktion musste ich über alles gut Bescheid wissen und die charakterlichen Eigenschaften der Individuen wenigstens einigermaßen einschätzen können.
Deshalb hatte ich es mir zur Gewohnheit gemacht, mein Frühstück in der großen Gemeinschaftsmesse zu mir zu nehmen, die eine einzige Gerüchteküche war, in der sich stets etwas aufschnappen ließ. So blieb ich auf dem Laufenden über ziemlich vieles, was mir sonst entgangen wäre.
Momentan ging es hauptsächlich um eine unerklärliche und beunruhigende Veränderung, wegen der ich eine Meldung abgeschickt hatte. Bisher drohte keine Gefahr, aber so lax ich manches anging, für die Sicherheit meiner Station galt das nicht. Wir mochten an abgelegener Stelle vor uns hin arbeiten, aber das bedeutete nicht, dass die Arbeit unserer Wissenschaftler unwichtig wäre. Eine solche Begebenheit konnte nicht einfach intern geklärt werden, darin waren Angu und ich uns ausnahmsweise einmal einig. Hoffentlich konnte uns jemand Antworten liefern – was ganz banal bedeutete, dass jemand meinen Bericht interessant genug finden musste, um ihn zur Priorität eins zu erklären. Jemand, den ich nicht zwangsläufig kannte – und umgekehrt. Angu war ohnehin fasziniert, weswegen er keinen Zweifel daran hegte, dass mir eine aufsehenerregende Meldung gelungen sein würde, aber ich hatte vorsichtshalber ein paar zusätzliche Sicherheitswarnungen eingebaut.
In der Messe angekommen, belud ich mein Tablett – beim Frühstück sollte man nicht sparen, schließlich stand ein ganzer langer Arbeitstag bevor – und suchte mir einen Tisch, von dem aus ich einen guten Überblick behielt. Prompt kam mein »ewiger Diskussionspartner« hinzu. Es war nicht schwierig, mich abzupassen, denn er kannte meine Gewohnheiten sehr gut.
Angu von Zamzegh war knapp 30 Jahre älter als ich, sah aber gut 20 Jahre jünger aus. Kein Wunder, er hatte auch keine Kummerfalten und grauen Haare auf diesem Posten bekommen, weil er in seinem Element war und ich nicht. Wir waren fast gleich groß, aber im krassen Gegensatz zu mir war er stets schlank geblieben, er war der sehnige Ausdauertyp, wie man so schön sagte.
»Angu. Du möchtest das Gespräch fortsetzen?«, fragte ich und schloss einen langen, kaum zu überhörenden Seufzer an, während ich mich dem belebenden Kandaka widmete, ohne den ich kaum in der Lage war, in den Tag zu starten. Schwarz, mit einem violetten Schimmer auf der Oberfläche, der Dampf duftete nach Süßkanden, was ihm den Namen eingebracht hatte.
»Ich wollte ein neues Thema anschneiden, Odard.« Er setzte sich ungebeten, mit einem Becher Kandaka in der Hand....




