E-Book, Deutsch, Band 3154, 64 Seiten
Reihe: Perry Rhodan-Erstauflage
Schwartz Perry Rhodan 3154: Horis Erinnerungen
1. Auflage 2022
ISBN: 978-3-8453-6154-3
Verlag: Perry Rhodan digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Perry Rhodan-Zyklus "Chaotarchen"
E-Book, Deutsch, Band 3154, 64 Seiten
Reihe: Perry Rhodan-Erstauflage
ISBN: 978-3-8453-6154-3
Verlag: Perry Rhodan digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
In der Milchstraße schreibt man das Jahr 2071 Neuer Galaktischer Zeitrechnung. Dies entspricht dem Jahr 5658 nach Christus. Über dreitausend Jahre sind vergangen, seit Perry Rhodan seiner Menschheit den Weg zu den Sternen geöffnet hat. Noch vor Kurzem wirkte es, als würde sich der alte Traum von Partnerschaft und Frieden aller Völker der Milchstraße und der umliegenden Galaxien endlich erfüllen. Die Angehörigen der Sternenvölker stehen für Freiheit und Selbstbestimmtheit ein, man arbeitet intensiv zusammen. Nun aber übernehmen die sogenannten Kastellane wichtige Machtpositionen - es sind relativ Unsterbliche unterschiedlicher Völker, die als spezielle Eingreiftruppe von ES gelten. Und mitten in der Galaxis entsteht mittlerweile eine Yodor-Sphäre, die ein geheimes Bauprojekt der Kosmokraten enthält. Was es damit auf sich hat, versucht Atlan in Erfahrung zu bringen. Während Perry Rhodan den mysteriösen Chaoporter FENERIK verfolgt, der aus Richtung Andromeda auf die Milchstraße zustürzt, bahnen sich in der Galaxis vielversprechende politische Entwicklungen an. Atlan reist auf die Heimatwelt der Cheborparner - und hört von HORIS ERINNERUNGEN ...
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4.
Welt der Vulkane
Der Himmel von Pspopta zeigte meistens ein dunkles Rot in diversen Schattierungen, durchsetzt von wenig Blau, die Wolken hatten einen orange- bis rosafarbenen Stich. Über ganz Basbaszan zogen sich gewaltige, schwarze, durchfurchte Vulkane. Die höchsten maßen bis zu 6000 Meter. Zwischen den Vulkanen erhoben sich farbenfrohe Städte oder lagen – nicht minder bunte –Natronseen.
Lediglich kleinere Erhebungen schienen inaktiv zu sein. Der Rest gab ein lebhaftes Bild aus kunstvoll wirkenden Rauchwolken, aus Löchern hochzischendem Dampf und Lava, die in Serpentinen in teils dicken, teils schmalen Rinnen an den Flanken hinabfloss.
Das Land war von Erdspalten durchfurcht, die sich teils mit Wasser gefüllt hatten, teils tiefe, dunkle Abgründe waren. In Senken fanden sich üppige, in Einzelfällen bis zu zehntausend Quadratkilometer große Oasen, auch an den Flüssen entlang ließ es sich gut leben. In trockeneren Regionen zeigten sich hingegen auch ausgedehnte, versehrte Stellen, die einem Erdbeben und folgendem Ausbruch mit Ascheregen zum Opfer gefallen waren und sich noch nicht davon erholt hatten.
Nunnuyard Cheteszer zeigte ein paar besonders schöne Panoramen des Kontinents, schweifte aber nicht zu sehr ab, wie Dorksteiger anerkennend feststellte. Er war den Gang auf dem diplomatischen Parkett gewöhnt und wusste offenbar, dass hochgestellte Persönlichkeiten meist recht ungeduldig waren, an ihrem Zielort anzukommen.
Hauptsächlich führte er die Unterhaltung, nur gelegentlich stellten die anderen eine Frage. Ansonsten waren die Gäste damit beschäftigt, sich gegenseitig abzuschätzen. Besonders Sichu Dorksteiger stand dabei im Mittelpunkt des Interesses, sie war erst seit Kurzem in ihrem Amt und damit die unbekannteste Größe im politischen Spiel.
Sie selbst versuchte sich davon möglichst unbeeindruckt zu geben, immerhin konnte sie auf Pspopta vieles selbst kennenlernen, was sie bemerkenswert fand: Allein der Raumhafen wäre eine ausführliche Besichtigung wert. Er war umringt von Hotelkomplexen, Märkten und Basaren, den sogenannten Hyzprad-Galerien. Die Cheborparner liebten ihre Galeriemärkte, die sich zahlreich auf jedem Kontinent fanden. Gegen Witterung und Vulkanausbrüche waren sie durch hochwertige, durchsichtige Transparentparnitfolien geschützt, die ausgespannt werden konnten.
Am Ende des Poszod-Gebirgszuges, der den Kontinent von Nord nach Süd teilte, lag der Deszoc, ein dominanter Vulkankegel. Er reichte bis auf 5100 Meter Höhe und hatte eine rauchende Caldera sowie rot glühende Punkte und Linien dort, wo das Gestein brüchig oder aufgerissen war.
Die an der Ostflanke errichtete Stadt Chediudurc war halbkreisförmig angelegt.
»Hier leben nur fünf Millionen Einwohner, obwohl es unsere Hauptstadt ist«, nahm PhaGo auf einmal den Faden auf, und Dorksteiger hörte erkennbar Stolz aus ihrer Stimme. »Das liegt daran, dass die meisten Bürger auf dem Kontinent Cheborc leben, der extrem dicht besiedelt ist. Unserer Historie nach ist er unser Ursprungsort.«
Selbstverständlich waren alle Bauten erdbebensicher errichtet, darauf verstanden sich die Cheborparner wie kaum jemand sonst, was kein Wunder war. Vor allem eine architektonische Besonderheit stach überall hervor: So, wie die Cheborparner beim Raumschiffsbau Doppelkugelraumer bevorzugten, nutzten sie in der Architektur geometrisch identische Formen, die allerdings durchaus in unterschiedlichen Maßstäben gepaart wurden. Beispielsweise konnte ein Quader mit 800 Metern Höhe mit einem 200-Meter-Quader verbunden sein, wobei nicht gesagt war, dass grundsätzlich die größere Form die andere trug. Auch sphärenförmige Bauwerke waren stets doppelt verbunden.
Zwischen der Stadt und dem Vulkan war ein mehrere Hundert Meter hoher Glassitwall errichtet. Zum Vulkan hin waren verzweigte tiefe Gräben gezogen, um Lavaströme in Auffangbecken umzuleiten, die wiederum bei Überlastung weiterleiteten ins Meer, wodurch im Lauf der Zeit gewissermaßen mehr Land gewonnen wurde. Auf diesem erkalteten, porösen Lavagestein siedelte sich rasch eine eigene Flora und Fauna an, was dieses Gebiet zum beliebten Ausflugsziel der Stadtbewohner machte.
*
Die Pilotin flog den Gleiter nun über die Stadt. Er verharrte in der Nähe eines 600 Meter hohen Turms mit einem ovalen, 240 Meter hohen und 160 Meter durchmessenden Aufsatz, der auf einer 500 Meter durchmessenden, flachen Scheibe ruhte. Der obere Teil des Ovals bestand aus rötlichem Glassit.
»Das ist Chebora, der Regierungssitz.« Cheteszer deutete auf den Turm. »Der Diskus und der Aufsatz darüber können sich von dem eigentlichen Bau lösen und den Planeten verlassen, sogar eine Nottransition durchführen.« Der Reichsverweser wies auf weitere Gebäude in der näheren Umgegend. »Dort hinten befinden sich übrigens die Botschaftsgebäude der Lemurischen Allianz und der Kristallrepublik.«
»Das ist unverwechselbar«, meinte Dorksteiger und warf einen Blick zu Atlan. »Einmal Khasurn, immer Khasurn.«
Nunnuyard Cheteszer zoomte einen Teil aus dem Norden der Stadt heran, ein pyramidenförmiges Gebäude stach daraus hervor. »Dies ist die Botschaft der Herrlichkeit von Gatas.«
PhaGo fügte hinzu: »Die Botschafter werden selbstverständlich heute Abend bei dem festlichen Empfang anwesend sein und an dem öffentlichen Teil der Konferenz teilnehmen. Wie auch weitere geladene Gäste, einschließlich der Beobachter von Terra und der übrigen Lemurischen Allianz. Sollte jemand am Ort der Zusammenkunft versuchen, den Hyperfunk zu benutzen, so muss ich ihn enttäuschen – wir haben ihn aus naheliegenden Gründen gesperrt. Der allgemeine Funkverkehr von dort aus wird zudem überwacht, geheime Frequenzen sind nicht zugelassen. So können wir hoffentlich verhindern, dass zu früh etwas durchsickert.«
Dorksteiger war zufrieden und erkannte an Atlans Miene, dass er es auch war.
*
Im Osten der Stadt erstreckte sich, wie bei den meisten der großen Vulkane, ein schillernder Natronsee, wobei die Farben durch diverse Bakterien, Archaeen und Algen hervorgerufen wurden. Inmitten des Sees schwamm eine künstliche Insel von 800 Metern Durchmesser und 400 Metern Höhe. Darauf thronte ein phantastisches, luftiges Gebäude von ungewöhnlicher Doppelform ohne Kanten und Ecken, mit einem zentralen Verbindungsturm sowie kleineren Verbindungen an den Rändern.
»Das ist das Tro-Chmerm«, gab PhaGo zur Auskunft. »Ein Hochsicherheitskomplex, den wir als idealen Ort für unsere Konferenz ansehen. Er kann nur per speziell gekennzeichneter Gleiter erreicht werden. Selbstverständlich gibt es dort Transmitter, aber nur für höchste Notfälle, sie können nicht einfach so benutzt werden.«
»Damit sind wir auch schon am Ende unseres kleinen Ausflugs angelangt«, ergänzte Nunnuyard Cheteszer, und plötzlich lag Bedauern in seiner Stimme. »Es ist sehr schade, dass ihr nur kurz verweilen werdet, denn in elf Tagen gibt es ein ganz besonderes Spektakel: die Magma-Nacht!«
Er deutete zu dem Glassitwall. »Ähnlich wie die Galeriemärkte haben wir dort schwebende Aussichtsplattformen und Restaurants installiert, die den besten Ausblick auf das jedes Mal aufs Neue spannende Ereignis bieten.«
»Ihr führt also allen Ernstes einen Vulkanausbruch vor?«, zirpte Saysay. »Als publikumsträchtiges Schauspiel?«
»Ganz recht. Er wird akribisch geplant und von uns gesteuert, die Vorbereitungen sind schon fast abgeschlossen, denn falls Deszoc uns einen Strich durch die Rechnung macht – er ist manchmal ein bisschen launisch –, müssen wir unter Umständen sofort handeln.«
»Verstehe.« Dorksteiger nickte. »Ein gelenkter Ausbruch kanalisiert die Gewalten und verhindert die wirklich zerstörerischen Ausbrüche.«
»Korrekt!« Aus dem mittleren Nasenloch schoss ein Greiftentakel und zog sich gleich wieder zurück. Reichsverweser Cheteszer war begeistert. »Unsere Geologen leisten seit Jahrtausenden hervorragende Arbeit, um die Bevölkerung zu schützen. Wir machen das so bei allen großen Vulkanen, in deren Nähe sich Städte befinden. Das seismische Regime kann mittlerweile gut beobachtet und ausgewertet werden, um exakte Vorhersagen zu machen. Durch geophysikalische Technologie und Maschinen können wir die Erdbeben kontrollieren und die Vulkane einigermaßen bändigen und ihre gewaltigen Kräfte dorthin lenken, wo wir sie haben wollen. Dabei kommt uns auch die dabei entstehende Energie sehr zupass.«
Auch auf Terra gab es aktive Feuerberge, die kontrolliert wurden, wie Dorksteiger wusste – aber sie waren nicht mehr als Sandkastenvulkane im Vergleich zu Pspopta. Allmählich konnte sie auch erkennen, in welcher Verbundenheit, geradezu Einheit die Cheborparner mit den Tausenden mächtigen Vulkanen ihrer Welt lebten. Das Volk war entstanden, als die Feuerberge schon alt waren, und hatte gelernt, sie nicht nur zu fürchten, sondern auch zu nutzen – und schließlich zu lenken.
Und nun waren die Magma-Nächte Kunstform und Kontrolle zugleich. Die Cheborparner hatten trotz ihrer hohen Technisierung die Naturgewalten und den Charakter ihrer Welt nicht zerstört, sondern sich damit arrangiert. Kein Wunder, dass Nunnuyard Cheteszer das gerne vorgeführt hätte.
*
Der Gleiter landete vor dem Eingang des Tro-Chmerm und hob sofort wieder ab, kaum dass die Gäste ausgestiegen waren. Bis auf Dorksteiger und Atlan wurden die Konferenzteilnehmer nun in andere Hände übergeben, um ihnen die Unterkünfte und Einrichtungen zu zeigen und den Ablaufplan mitzuteilen.
Sämtliche weiteren Delegationen, Botschafter und Politiker, ebenso die Besucher von...




