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E-Book, Deutsch, Band 3230, 64 Seiten
Reihe: Perry Rhodan-Erstauflage
Schwartz Perry Rhodan 3230: Die Straße nach Kondor
1. Auflage 2023
ISBN: 978-3-8453-6230-4
Verlag: Perry Rhodan digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Perry Rhodan-Zyklus "Fragmente"
E-Book, Deutsch, Band 3230, 64 Seiten
Reihe: Perry Rhodan-Erstauflage
ISBN: 978-3-8453-6230-4
Verlag: Perry Rhodan digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Das Ende des 21. Jahrhunderts Neuer Galaktischer Zeitrechnung ist angebrochen. Mehr als dreieinhalbtausend Jahre von unserer Zeit entfernt lebt die Menschheit in Frieden. Zwischen den Sternen der Milchstraße herrschen keine großen Konflikte mehr. Wie es aussieht, könnte Perry Rhodan, der als erster Mensch von der Erde auf Außerirdische gestoßen ist, sich endlich seinem großen Ziel nähern: der alte Traum von Freundschaft und Frieden zwischen den Völkern der Milchstraße und der umliegenden Galaxien. Die Angehörigen der Sternenvölker stehen für Freiheit und Selbstbestimmung ein, man arbeitet intensiv und gleichberechtigt zusammen. Bei ihrem Weg zu den Sternen hat ein geheimnisvolles Wesen die Menschen begleitet und unterstützt: Es trägt den Namen ES, man bezeichnet es als eine Superintelligenz, und es lebt seit vielen Millionen Jahren zwischen Zeit und Raum. Rhodan sieht ES als einen Mentor der Menschheit. Doch ES weilt nicht mehr in der Galaxis - das Geisteswesen scheint in ungezählte Fragmente zersplittert zu sein, die sich in verborgenen Fragmentrefugien ballen. Diese Refugien zu finden und die Fragmente wieder zu vereinen, ist Rhodans Ziel. Während der Nachforschungen zum ersten Fragment stößt er auf ein Transportmedium, das wie geschaffen dafür scheint, ihn auch in ferne Regionen des Kosmos und zu anderen Fragmentrefugien zu bringen. Und so beschreitet er DIE STRASSE NACH KONDOR ...
Autoren/Hrsg.
Weitere Infos & Material
1.
Perry Rhodan
Ich befinde mich in einem Operationsraum.
Wie ist das möglich?, frage ich mich. Und: Woher weiß ich, dass es ein OP ist?
Die zweite Frage lässt sich leicht beantworten.
Seit ich mich erinnern kann, strahlen OP-Säle diese ganz bestimmte Sterilität aus, diese Nüchternheit und Kahlheit, mit all den Maschinen, der Liege, den kalten Lichtern. Als ich aufwuchs, sehr fern von dieser Zeit und doch schon »Moderne« genannt, muteten die Gerätschaften aus gegenwärtiger Sicht barbarisch an, mit Skalpellen, Bohrern, Sägen und so vielen mehr an Folterwerkzeuge erinnernde mechanische Hilfsmittel. Minimalinvasive Eingriffe, Laser, Scanner ... all das kannte man damals nicht. Ebenso wenig Medoroboter, Vitaltanks und vieles, was wir im Laufe der Jahrtausende hinzugewonnen haben.
Aber was immer gleich bleiben wird, ist diese Sterilität, die Nüchternheit und Kälte.
Selbst wenn der Raum metallisch-rot ist, so wie dieser hier.
Dass ich das erkenne, erklärt aber nicht, wieso ich an diesem Ort bin. Und wie ich hingekommen bin.
Und ... wo dieser Ort ist.
Ich bin nicht der Patient, das immerhin steht fest. Ich bin Beobachter ... nein. Ich bin nicht freiwillig hier. Ich soll das ... sehen?
Das verstehe ich nicht. Warum?
Ich sehe mich um, doch da ist niemand, mit dem ich sprechen kann, der mich hergebracht hat. Das Überwachungssystem gibt keinen Alarm. Man weiß also, dass ich anwesend bin – oder nimmt mich nicht wahr.
Hängt meine Anwesenheit damit zusammen, wer ich bin?
Ich überlege kurz, horche in mich. Ich bin Perry Rhodan. Ich weiß meinen Namen. Ich fühle, dass auch mein Inneres zu dem Namen gehört. Aber ich kann mich nicht erinnern, welche Mission ich gerade habe. Wohin ich unterwegs gewesen bin. Was zuletzt geschehen ist.
Auf einmal bin ich hier, und vorher war ich ... nicht. Das ist irritierend ...
Es fällt mir schwer, klare Gedanken zu fassen und Erinnerungen hervorzurufen. Nur das Elementare ist da.
Ganz sicher aber hat mein derzeitiger Auftrag nichts mit Medizin oder ähnlichen Wissenschaften zu tun. Deswegen weiß ich nicht, was meine Anwesenheit erforderlich machen soll.
*
Da liegt jemand auf der Liege, die gerade eben noch leer gewesen ist. Habe ich etwas verpasst? Diese Sprünge von nichts zu etwas verwirren mich zusehends. Und doch kann ich den Vorgängen folgen, als wäre alles ganz normal.
Man ist dabei, die Operation vorzubereiten.
Und jetzt ... jetzt wird mir eiskalt.
*
Fünf haben den Raum betreten, ohne dass ich es mitbekommen habe. Ich sehe nicht einmal eine Tür.
Sie sind alle nur knapp eineinhalb Meter groß und entstammen demselben Volk, denn sie tragen einen Lamellenpanzer, der bei jeder Bewegung knirschende und knackende Geräusche von sich gibt. Individuell allerdings unterscheiden sie sich stark, was nicht von Geburt so ist, sondern zahlreiche Operationen bewirkt haben. Zusätzliche Extremitäten, zusätzliche Sinnesorgane. Einige von ihnen sind mit graugrünen bis roten Wucherungen und Tumoren übersät, dazu kaum verheilten Wunden, aus denen die Geschwüre herausgeschnitten worden sind.
Ich fühle Übelkeit in mir aufsteigen. Ich weiß, wer das ist. Sie nennen sich Kolonnen-Anatome, aus der Terminalen Kolonne TRAITOR.
Und ich muss nicht zu dem OP-Tisch gehen, um zu wissen, wer darauf liegt.
Es ist mein Sohn.
*
Meine Beine setzen sich in Bewegung auf die Liege zu, ohne dass ich es will. Zwei der fünf Anatomen wenden sich mir zu.
»Oh, du bist hier«, sagt der eine. Er hat einen dritten Arm aus der Brust ragen, der soeben ein Laserskalpell ausfährt.
»Das ist gut«, sagt der andere und grinst schief. Seine Zähne sind braun und morsch.
Alle Kolonnen-Anatomen passen nicht zu der Sterilität eines OP-Raums. Ihre Geschwüre verschorfen und nässen, die Hände sehen ungepflegt aus, sie tragen keinerlei Schutz.
Der erste fährt fort: »Wir möchten gerne deinen Rat einholen.« Er dreht sich zur Seite und weist auf eine zweite Liege, die aus dem Nichts materialisiert scheint. Direkt neben dem OP-Tisch mit meinem Sohn, den ich nicht sehen kann, weil er von den anderen Anatomen verdeckt wird.
»Wir sind uns uneins, wen wir als zweite Hälfte für den neuen Dualen Kapitän nehmen sollen.«
Auf der Liege erscheint ein Mor'Daer, ein großes Wesen von humanoider Form, mit breiten Schultern und schmalen Hüften. Sein nach vorn gewölbter, spitz zulaufender Schlangenkopf ist stark behaart.
»Den hatten wir schon, und Wiederholungen gefallen mir nicht«, lehnt der zweite Anatom mit vehementem Armwedeln ab.
»Das könnt ihr nicht tun«, flüstere ich rau. Ich habe keine Kraft für laute Töne. »Das ist schon über siebenhundert Jahre her.«
Ich will mich an den Anatomen vorbeischieben, doch ich pralle gegen eine durchsichtige Wand.
»Vorsicht, Vorsicht, wir haben keine Zeit für eine Not-Operation, wenn du dich verletzt!«, sagt der erste Anatom. »Wir haben einen sehr straffen Zeitplan. Deshalb hilf uns bei der Entscheidung!«
»Und was die Zeit betrifft«, sagt der zweite, »du weißt doch, die bedeutet uns nichts. Und wir fangen neu an, jetzt und hier, mit deiner Hilfe. Vielen Dank auch dafür.«
In schneller Folge erscheinen andere Wesen auf der Liege, die mir vertraut vorkommen, obwohl ich ihnen nie begegnet bin. Bis ich daraufkomme, dass sie aus den verschiedensten Völkern zusammengesetzt sind. Ein Jülziish gekreuzt mit einem Topsider, ein Unither, der Elemente der Asporcos enthielt ... es sind Chimären, die auf grauenhafte Weise neu zusammengesetzt worden sind. Hinzu kommen Arachnoiden und Insektoide, die Vorschläge wollen kein Ende nehmen.
»Keiner!«, rufe ich schließlich, endlich finde ich meine Stimme wieder. »Hört auf damit!«
»Oh, aber eine Entscheidung muss getroffen werden«, bedauert der zweite Anatom. »Wir werden sie beide in der Mitte durchsägen und zusammensetzen, das kennst du ja schon. Das wird unser Meisterwerk, der beste Duale Kapitän, den es je gab!«
Ich trete gegen die gläserne Wand, die nachgibt und zurückschwingt, mit einem singenden Geräusch, als wollte sie mich auslachen. Ich hämmere mit meinen Fäusten dagegen, natürlich ebenso vergeblich. Ich schaue mich um, will einen anderen Weg suchen, doch da ist keiner, es gibt nur diesen OP-Raum.
Das ist nicht real.
Es kann nicht real sein.
Was ist mit mir geschehen?
*
»Es ist nicht real«, sage ich mir vor wie ein Mantra, in der Hoffnung, aus diesem Albtraum entkommen zu können, wenn sich mein Bewusstsein vehement zur Wehr setzt. »Ich muss erwachen. Jetzt.«
»Du träumst nicht.« Der zweite Anatom kichert und spuckt einen Zahn aus. »Es ist alles wahr. Du wirst es gleich wahrhaben. Komm näher!«
Die Wand rückt ein Stück weiter, und ich folge ihr.
Der Blick auf die erste OP-Liege wird freigegeben.
»Mike«, flüstere ich und spüre, wie meine Knie nachgeben. Ich presse meine Hände an die gläserne Wand und rutsche ein Stück daran hinunter, bis ich mich gefangen habe. Taumelnd richte ich mich wieder auf.
»Mike!«, schreie ich verzweifelt.
*
Die eine Hälfte von ihm trägt die Roi-Danton-Kluft eines Stutzers aus dem 18. Jahrhundert Alter Zeitrechnung. Eine halbe Lockenperücke, ein halber roter Gehrock, ein halbes Rüschenhemd, ein Bein in enger weißer Hose mit Schnallenschuh. Die andere Hälfte trägt den halben martialischen Anzug der Mor'Daer.
»Er ist doch längst geteilt!«, rufe ich. »Was wollt ihr noch mehr?«
Da bemerke ich, dass mein Sohn bei Bewusstsein ist. Er ist von Fesselfeldern gehalten, die ihn daran hindern, sich aufzurichten, aber er kann den Kopf und die Arme bewegen.
Er wendet mir sein Gesicht zu, das nicht geteilt ist, sondern ganz Mike, mit diesen tiefdunkelblauen Augen, die für ein langes Leben zu viel gesehen und gelitten haben. Unter der halben Perücke und dem halben Helm lugen rotblonde Locken hervor.
Langsam streckt er seine Hand nach mir aus. »Dad ...«, höre ich ihn flüstern, und mir bricht fast das Herz.
Ich habe ihn zu oft verloren. Ein weiteres Mal verkrafte ich nicht.
»Wir wollen ihn ganz und perfekt machen«, erklärt mir der erste Anatom. »Diesmal wird nichts schiefgehen, diesmal verwenden wir keinen Klon.«
»Er ist perfekt, wie er ist«, widerspreche ich. »Er ist ein Mensch, und er ist frei. Lasst ihn gehen!«
»Ach, und was im Gegenzug? Bietest du dich an?«, höhnt der zweite Anatom.
»Das will ich. Ich bin sein Vater.«
»Dich wollen wir aber nicht. Sein Erbgut ist viel interessanter für uns, damit lässt sich viel mehr bauen. Und wir haben die Kompatibilität bereits getestet, sie ist ausgezeichnet.«
Illustration: Swen Papenbrock
»Ich habe ...«
»Du bist langweilig«, schmettert der erste Anatom mich ab. »Du eignest dich nicht im Mindesten zum Dualen Kapitän.«
»Dad ...«, wiederholt Mike.
Ich strecke die Hand aus, pralle gegen die Wand. »Lasst mich ihn wenigstens berühren!«, brülle ich.
»Das kann ich erledigen«, sagt der zweite Anatom und geht zur Liege.
»Fass ihn nicht an!« Meine Stimme überschlägt sich fast.
»Wie wär's, wenn du uns endlich sagst, wen wir als zweite Hälfte verwenden sollen? Ach ja, und noch etwas: Sollen wir die rechte behalten, oder die linke? Wir bauen nur einen, was bedeutet,...




