E-Book, Deutsch, Band 3253, 64 Seiten
Reihe: Perry Rhodan-Erstauflage
Schwartz Perry Rhodan 3253: Die List des Administrators
1. Auflage 2023
ISBN: 978-3-8453-6253-3
Verlag: Perry Rhodan digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Perry Rhodan-Zyklus "Fragmente"
E-Book, Deutsch, Band 3253, 64 Seiten
Reihe: Perry Rhodan-Erstauflage
ISBN: 978-3-8453-6253-3
Verlag: Perry Rhodan digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Das Ende des 21. Jahrhunderts Neuer Galaktischer Zeitrechnung ist angebrochen. Mehr als dreieinhalbtausend Jahre von unserer Zeit entfernt lebt die Menschheit in Frieden. Zwischen den Sternen der Milchstraße herrschen keine großen Konflikte mehr. Wie es aussieht, könnte Perry Rhodan, der als erster Mensch von der Erde auf Außerirdische gestoßen ist, sich endlich seinem großen Ziel nähern: der alte Traum von Freundschaft und Frieden zwischen den Völkern der Milchstraße und der umliegenden Galaxien. Die Angehörigen der Sternenvölker stehen für Freiheit und Selbstbestimmung ein, man arbeitet intensiv und gleichberechtigt zusammen. Bei ihrem Weg zu den Sternen hat ein geheimnisvolles Wesen die Menschen begleitet und unterstützt: Es trägt den Namen ES, man bezeichnet es als eine Superintelligenz, und es lebt seit vielen Millionen Jahren zwischen Zeit und Raum. Rhodan sieht ES als einen Mentor der Menschheit. Doch ES weilt nicht mehr in der Milchstraße - das Geisteswesen ist in Fragmente zersplittert, die sich in verborgenen Fragmentrefugien ballen. Eines dieser Refugien befindet sich in der Kondor-Galaxis, wo sich Perry Rhodan aufhält. Er versichert sich der Hilfe der Piraten von Kondor und begibt sich auf Spurensuche. Dazu nutzt er DIE LIST DES ADMINISTRATORS ...
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1.
Baccunenraumer ORR
Ich bin Telpecc, Kommandant des baccunischen Flaggschiffs ORR. Zu meinem Verband gehören insgesamt fünfundzwanzig Raumer.
Ich habe den Auftrag, das Abobademsystem zu erobern.
Denn die vierjährige Eroberungsphase der Baccunarchie hat begonnen.
Nach weit über vierhundert Jahren.
Kann mir bitte jemand, irgendwer dort draußen, verraten, wieso ausgerechnet ich ein Kriegskommandant geworden bin?
*
»Kommandant Telpecc? Bitte öffne deine Tür. Ich bin's, Ussner, dein Offensberater. Wir müssen uns unbedingt über die Strategie unterhalten. Und ich kann deine Fragen beantworten. Kurz gesagt: Ich kann dir helfen.«
»Geh weg!«
»Das kann ich nicht, und das weißt du. Deine und meine Aufgaben sind klar definiert.«
»Deine Aufgabe mag definiert sein. Ich verstehe meine auch. Aber ich bin dafür nicht geeignet.«
»Lass uns darüber sprechen, weshalb du das doch bist.«
»Ich bin es nicht!«
»Ich kann dir helfen.«
»Du wiederholst dich.«
»Weil es so ist.«
»Geh weg!«
»Du wiederholst dich ebenfalls. Nein.«
Schweigen.
Dann von drinnen: »Und nun?«
»Ich bleibe hier stehen, bis du öffnest, Kommandant. Ich werde mich nicht wegrühren. Ich werde dich nicht zwingen, mich hereinzulassen, denn das steht mir nicht zu. Ebenso wenig, dem obersten Flottenkommando Meldung zu geben. Ich habe keine Befehls- oder Entscheidungsbefugnis, ich bin nicht mehr als ein Ratgeber, der dazu verdammt ist, seine Aufgabe zu erfüllen, koste es, was es wolle, selbst wenn ich hier verdurste.«
»Du bist sehr geschickt, Psychologe.«
»Es ist die Wahrheit, und das weißt du. Du hast mein Profil gelesen und weißt ebenso, dass alles, was wir besprechen, unter uns bleibt. Ich bin deine Vertrauensperson, und ich werde dich mit meinem Verstand unterstützen. Jedoch wird dies hier nicht mehr lange unter uns bleiben, wenn du dich fortgesetzt allem verweigerst und unsere Flotte ihrer Aufgabe nicht nachkommt, und zwar unverzüglich.«
Erneutes Schweigen.
Schließlich glitt die Tür zur Seite.
*
Telpecc stand in der Mitte seiner Unterkunft, das vordere Zugbein angespannt, als wollte er jeden Augenblick vorspringen. Die beiden hinteren Stemmbeine hingegen waren fest verankert. Ein deutlich erkennbarer Konflikt, ein chaotischer Wechsel der Emotionen – für Ussner völlig nachvollziehbar.
Deswegen war er hergekommen, das war seine Aufgabe, für die er als Psychologe eine Zusatzausbildung erhalten hatte. Allerdings im Schnellkursverfahren, sodass er keineswegs frei von allen Zweifeln war oder davon überzeugt, Telpecc tatsächlich helfen zu können.
Genau wie Telpecc hatte er keinerlei Erfahrung: Es war sein erster Einsatz und somit eine gewaltige Herausforderung. Ussner hatte auf gesicherter Frequenz, die nur für Offensberater zur Verfügung stand, mit anderen gesprochen, bevor er sich auf den Weg zu Telpeccs Unterkunft gemacht hatte, in der sich der Kommandant seit Stunden verbarrikadierte.
Es gab wohl frisch gekürte Kommandanten, die leichter damit umgehen konnten, andere mussten in ihrem Eifer sogar gebremst werden, nicht gleich alles zu bombardieren, was nach Ziel aussah, ob nun Freund oder Feind.
Es war für alle Berater wichtig, sich untereinander auszutauschen und gegenseitig Ratschläge zu geben, da keiner zuvor auf diesem Gebiet gearbeitet hatte und die Lehreinheiten nur das Gröbste vermittelten. Ausführliche Unterlagen waren nach vierhundert Jahren veraltet, sodass aufwendige Datensätze gar nicht erst angelegt wurden.
Der oberste Leitsatz, den jeder Offensberater als Erstes lernte, lautete: »Sei dein Lehrer!«
Sehr hilfreich! Und nicht beruhigend für einen Psychologen, der eigentlich andere beruhigen sollte.
Die Kommunikationsfrequenz existierte nicht offiziell und war schwierig zu finden, versteckt zwischen den abschließenden Prüfungsfragen. Sie war abgeschirmt und entsprach dem aktuellen technischen Standard. Man durfte nicht über sie sprechen, und das tat garantiert auch keiner – dafür waren sie alle zu dankbar, nicht völlig alleingelassen zu sein und gleichzeitig offen miteinander sprechen zu können, ohne dass Vorgesetzte mithörten.
Ussner hatte den mit Abstand schwierigsten Fall erwischt, das stand nach dem Austausch außer Frage.
Nun denn, damit würde er sich einen guten Status bei den anderen erarbeiten und inoffiziell Berühmtheit erringen, wenn er das Problem lösen und seine Strategie den anderen weiterleiten konnte.
»Scheint so, als hätte ich keine Wahl, oder?«, sagte der Kommandant. Er klang nicht nervös, sondern verärgert. Seine überlangen Arme, die am Ellbogengelenk eingeklappt waren und als zusätzliche Beine dienen konnten, hingen herab und schlenkerten leicht.
»Ich freue mich, dass du mir Einlass gewährt hast und mit mir sprechen willst.« Ussner antwortete völlig neutral und unverbindlich, trat in die Unterkunft, und die Tür glitt hinter ihm zu.
»Ich habe nur darüber nachgedacht, was ich letztlich mit meinem Verhalten erreichen kann«, sinnierte Telpecc. »Ich bin auf diesem Schiff eingesperrt, ob nun in der kleinen Kabine oder in der Zentrale. Keine Chance, eine Rettungskapsel zu erreichen und mich abzusetzen – und, falls mir das gelänge, irgendeine Deckung zu erreichen, bevor ich abgeschossen werde.«
Das hatte er gut erkannt.
Für Ussner hätte es eine Katastrophe bedeutet, gleich am ersten Tag zu scheitern. Wahrscheinlich hätte man ihn unverzüglich hinterher in den Weltraum geschickt, ohne Anzug.
»Dann lass uns über deine Aufgabe sprechen«, schlug er vor und wies auf die Sitzgelegenheiten, da der Kommandant sich nicht bemüßigt sah, ihn einzuladen.
Sie ließen sich auf den üblichen, für Dreibeiner geeigneten Hockern nieder. Das diente auch dem Gewichtsausgleich ihrer kleinen, sehr stämmigen Beine mit der muskulösen, asymmetrischen Statur, bei der die Schultern stets breiter als die jeweilige baccunische Körperlänge waren.
Die Erklärung für diese ungewöhnliche Erscheinung war zwar einfach, aber bedeutend, sobald eine Expansionsphase begann.
*
Als sie einander gegenübersaßen, war Telpecc nicht mehr zu halten. »Ussner, ich bin Verwaltungsfachmann und Logistiker. Als Kriegskommandant bin ich denkbar ungeeignet!«
»Im Gegenteil. Als Logistiker musst du über strategisches Denken verfügen, damit kein Chaos entsteht. Und als Verwaltungsfachmann verfügst du über notwendige Kenntnisse der Strukturen und Organisation.«
»Das prädestiniert mich nicht zum Befehlshaber.«
»Oh doch, aus zwei Gründen. Erstens, du musst dich mit Personen und Mitarbeitern auseinandersetzen, die permanent deine Logistik infrage stellen. Sie wollen Vorzugsbehandlung, andere Einsatzpläne ... ein ständiger Kampf um den richtigen Hocker. Das reicht nicht ganz für Autorität, aber zweitens: Dafür hast du schließlich deine Schulung erhalten, nicht wahr?«
Die beiden außen liegenden Daumen der rechten sechsfingrigen Hand drückten sich aneinander. »Aber sicher, ein jahrelanges Studium!« Die Stimme troff vor Sarkasmus.
»Wenige intensive Wochen, wie bei mir.« Ussner hob zur Beruhigung die offene Hand mit vier gestreckten Fingern und zwei eingeklappten Daumen. »Die letzte Phase liegt über vierhundert Jahre zurück. Es gibt niemanden mehr mit Erfahrung, und die Zeiten haben sich ebenfalls geändert.«
»Warum haben sie sich dann nicht zum dauerhaften Frieden geändert?«, rief Telpecc erbost. »Denkst du, ich bin der Einzige, der danach fragt und das oberste Kommando aufgefordert hat, darüber nachzudenken?«
»Diese Gedanken hat jeder, der in die Eroberungsphase gerät und sein Leben von Grund auf ändern muss.« Ussner blieb geduldig, er hatte alle Antworten parat. »Wir sind nun ein Volk des Krieges, so wie die Vorfahren vor über vierhundert Jahren, und so, wie es die Generation in der nächsten Phase sein wird. Niemand von uns wünscht es sich, ausgerechnet selbst davon betroffen zu sein. Aber andererseits haben wir nun die Gelegenheit, stolz darauf zu sein, was die Baccunarchie leistet, und ihr aktiv zu dienen. Wir werden unser Sternenreich erweitern und etwas für die Nachwelt erschaffen, auf dem sie aufbauen kann! Glorreiche Zeiten erwarten uns!«
Hastig hob er die zweite Hand. »Ich weiß, dass du erneut nach dem Warum fragen willst, dabei kennst du die Antwort genau. Es ist ein biochemisch veranlasstes, kulturell überformtes und politisch funktionalisiertes Phänomen. Das ist es, was uns einzigartig unter all den anderen Völkern macht, und zur wahren Macht unter den Dominanten Vier.«
»Ja, sie fürchten uns«, murmelte Telpecc. »Ich verfolge die Nachrichten.«
»Selbstverständlich fürchten sie uns, wenn wir in die Eroberungsphase treten, denn wir sind unbesiegbar.«
»Ich spüre es aber nicht in mir, verstehst du das nicht?«
»Nein, es ruht. Weil du niemals zuvor aktiv geworden bist, Kommandant Telpecc. Die Disposition zum Krieg ist eine den Baccunen vor Jahrtausenden auferlegte genetisch-kulturelle Struktur. Wir nennen es ...«
»... das nicht ausschlagbare Erbe, ich weiß. Meine erste Unterrichtseinheit, kaum dass ich alt genug dafür war.«
»Wie auch die meine. Ich konnte gerade mal sprechen.«
Telpecc schloss und öffnete die Hand. »Und nun sind wir hier.«
Ussner machte eine bestätigende Kopfbewegung. »Als Kinder haben wir das Dogma gelernt, ohne weiter darüber nachzudenken....




