Schwartz | Perry Rhodan Neo 207: Einsatz auf Ertrus | E-Book | www.sack.de
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E-Book, Deutsch, Band 207, 160 Seiten

Reihe: Perry Rhodan Neo

Schwartz Perry Rhodan Neo 207: Einsatz auf Ertrus


1. Auflage 2019
ISBN: 978-3-8453-4907-7
Verlag: Perry Rhodan digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

E-Book, Deutsch, Band 207, 160 Seiten

Reihe: Perry Rhodan Neo

ISBN: 978-3-8453-4907-7
Verlag: Perry Rhodan digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Fünfzig Jahre nachdem der Astronaut Perry Rhodan auf dem Mond ein außerirdisches Raumschiff entdeckt hat, ist eine neue Epoche der Menschheit angebrochen. Die Solare Union steuert den Aufbruch ins All. Die Menschen haben Kolonien nicht nur auf dem Mond und Mars, sondern auch in fernen Sonnensystemen errichtet. Doch auf die terranischen Pioniere warten ungeahnte Herausforderungen und Gefahren. Im Jahr 2089 erweist sich der Plophoser Iratio Hondro als unheimliche Bedrohung. Es gelingt ihm, das Capellasystem unter seine Kontrolle zu bringen. Aber zunehmend wird klar, dass die wahre Bedrohung für die Menschheit das geheimnisvolle Dunkelleben ist - dieses wiederum scheint Hondro seine Macht zu verleihen. Perry Rhodan muss mehr über dieses Phänomen herausfinden. Dazu muss er auf die andere Seite der Milchstraße, und für diese Reise benötigt man eine große Menge Hyperkristalle. Um sie zu beschaffen, gehen zwei ungewöhnliche Geschwisterpaare in einen risikoreichen EINSATZ AUF ERTRUS ...

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2.

Schatten

Ronald Tekener entschloss sich, zunächst einen Umweg über sein Quartier zu machen, bevor er weiter auf Tour ging. Ein bisschen feiern, und dann die nächste Spielrunde in einer anderen Spielhölle. Nur so lange, bis er ein ausreichendes Finanzpolster hatte, um ganz neu anzufangen. Versprochen!

Es war inzwischen dunkel geworden, der gesamte Bezirk flimmerte in leuchtendem Bunt. Entlang der Straßenzüge ringsum reihte sich ein Vergnügungsangebot an das andere – hauptsächlich Gelegenheiten, um der Spielleidenschaft zu frönen, es gab aber auch Restaurants und Kneipen sowie andere Freizeitaktivitäten, wie interaktive Holoshows. Jedes Etablissement machte mit Werbung auf sich aufmerksam: schrille Beleuchtungen mit Ton und ohne, Holoeinblendungen, aber auch schlichte 2-D-Tafeln. Dazu kamen die Schlepper und Werbemittelverteiler, sodass man kaum einen Schritt vorwärtskam, ohne jemanden abwimmeln zu müssen.

Überall fanden sich kleine Nachtmärkte, bei denen die Händler meistens ohne Lizenz flink ihre Stände aufbauten, gefälschte Markenartikel zu völlig überteuerten Preisen anboten und genauso schnell wieder verschwanden, sobald nahende Polizeidrohnen gemeldet wurden. Ein paar Blocks weiter ging das Spiel dann wieder von vorn los. Trotz der ständigen Angst und Hetze schien es sich zu lohnen.

Touristen liebten dieses Chaos mit dem Flair des Verbotenen und Anrüchigen. Eine sichtbare Polizeipräsenz und zahlreiche Überwachungskameras sorgten für Sicherheit, dennoch war es nicht ratsam, die Hauptstraßen zu verlassen und den Weg durch dunkle, schmale Gassen abzukürzen.

Als Wohngegend besaß Glamour, wie Tekeners Lieblingsviertel allgemein genannt wurde, nicht gerade den besten Ruf. Der Stadtteil war in einer Frühphase der exponentiellen Expansion von Terrania entstanden, als Millionen von Menschen in die wachsende Metropole geströmt waren und dringend Wohnraum gebraucht wurde. In rasender Eile hatte man Wohnblocks gebaut, oft in der Annahme, dass sie nur als Provisorium dienen würden.

Aus den Provisorien wurde indes ein Dauerzustand. Wer in dieser Gegend lebte, war meistens recht weit unten angekommen. Die Mieten waren billig, die Vermieter stellten keine Fragen. Dafür wurden die zumeist sehr winzigen Wohnungen und Zimmer auch kaum renoviert.

In dem Stadtteil lebten mehrere Hunderttausend Menschen, Gestrandete und Gescheiterte; zu ihnen zählte sich Ronald Tekener auch selbst.

Nicht nachdenken. Nicht nachdenken!

Es war eben so. Er taugte zu nichts und war ein Versager. Wer wollte schon mit jemandem zu tun haben, der eine derart verwüstete Visage hatte? Wie es dazu gekommen war, und dass er eigentlich ein medizinisches Wunder war, interessierte niemanden. Und ihn inzwischen am wenigsten. Sein Gesicht machte deutlich, was er war – als trüge er sein Innerstes offen zur Schau.

Für die Verwüstung seiner Psyche trug er allerdings nicht allein die Verantwortung. Je mehr Zeit verstrich, desto stärker wurde ihm bewusst, was er ihm angetan hatte.

Hör auf! Denk nicht nach! Er darf nie wieder Zugang zu dir bekommen.

Unwillkürlich zog es seine Leibesmitte zusammen, und erneut glaubte er, den furchtbaren, brennenden Schmerz zu spüren. Er krümmte sich keuchend, der Schweiß brach ihm aus.

Phantomschmerz. Es ist nur ein Phantomschmerz. Du bist geheilt. Keine Nachwirkungen mehr, der Genesungsprozess ist komplett abgeschlossen. Lass es nicht zu!

Aber der Schmerz hatte sich in sein Gedächtnis gebrannt, und es war nicht einfach, seinen Verstand davon zu überzeugen, dass die Pein nur eine Illusion war.

»Alles in Ordnung mit Ihnen?«

Tekener blieb stehen und sah auf. Ein Paar, Mann und Frau, offensichtlich Touristen, lächelte ihn freundlich-besorgt an. Als das Licht auf sein Gesicht fiel, wichen sie erschrocken einen Schritt zurück.

»Es geht mir gut, vielen Dank«, stieß er zwischen den zusammengebissenen Zähnen hervor. »Genießen Sie Ihren Aufenthalt.«

Er erwartete, dass sie erleichtert weitereilen würden.

Doch die Frau legte den Kopf leicht schief. »Sind Sie sicher? Sie sehen nicht so aus. Sind Sie verletzt? Oder ... haben Sie Hunger?«

Sie meinte es gut. Aber sie machte es nur noch schlimmer. Hätte Tekener nicht die Taschen voller Geld gehabt, wäre er nun ausgerastet, wie alle verkrachten Existenzen, die nicht einsehen wollten, dass sie es verbockt hatten. Die ihren dummen Stolz behielten, obwohl er nichts wert war.

Er richtete sich auf. »Es ist nur eine alte Verletzung«, sagte er so freundlich wie möglich. »Ab und zu erinnert sie mich daran, dass ich noch lebe.« Damit ging er weiter, zog sich die Kapuze seiner Jacke über den Kopf. Seine Kleidung war schlabbrig und rein funktional, wie sie auch von den lokalen Jugendbanden getragen wurde. So fiel er in der Gegend, in der er wohnte, meist nicht auf.

Zwei Blocks weiter bog er in eine Seitenstraße ab, und von dort in eine Gasse. Er ließ das schrille Licht und die Jahrmarktsheiterkeit hinter sich.

In dieser Gegend gab es praktisch keine öffentlichen Überwachungssysteme mehr. Die wenigen Kameras, die noch existierten, waren so oft zerstört worden, dass niemand sie mehr reparierte. Drohnen tauchten nur selten auf. Solange kein Gewaltverbrechen geschah, überließ man die Einwohner dieses Viertels sich selbst. Die meisten fielen sogar durch das Grundversorgungsraster – wer sich nicht anmeldete, konnte nichts in Anspruch nehmen.

Tekener und den meisten seiner Nachbarn war das gerade recht. Er hätte sich zwar schon seit Langem mit guten staatlichen Pensionsbezügen irgendwo in einem hübschen Mittelstandsbezirk zur Ruhe setzen können. Aber das war nun einmal nicht seine Art; er war ein rastloser Geist, der aktiv und von niemandem abhängig sein wollte. Er hätte es keinen Tag in der Idylle ausgehalten, ohne daran erinnert zu werden, was aus ihm geworden war. Die Leute wären um keinen Deut freundlicher zu ihm gewesen und hätten ihn mit diesem Pockengesicht und den Lücken in seinem Lebenslauf niemals in ihrer Mitte akzeptiert. Tekener mochte zudem die Atmosphäre der Amüsiermeile, er liebte den Spieltisch und dieses Kribbeln, wenn der Einsatz immer höher kletterte. Alles oder nichts.

Seit seinem Unfall war er kein »Mensch wie jeder andere« mehr. Aber das würde er sich niemals zunutze machen, nur um ein gutes Auskommen zu haben. Das schnelle Geld am Spieltisch ließ sich durch nichts aufwiegen. Schon gar nicht durch staatliche Almosen.

Das Hotel Miramar lag halb verborgen an einer Straßenecke, die bloß zu Fuß erreichbar war. Im Bauboom der frühen 2040er-Jahre hatte man es schnell und billig errichtet. Ein nur matt beleuchtetes Schild über dem Eingang verriet, dass es noch freie Zimmer gab.

Tekener drückte die Klinke, moderne Einrichtungen hatte diese Absteige nicht, auch keine Überwachungskameras. An der kleinen Rezeption war niemand, also holte er sich den Zimmerschlüssel selbst – keine programmierte Schlüsselkarte, das wünschte man in solchen Gegenden nicht – und stieg die drei Etagen hinauf. Es gab einen Aufzug, aber der war seit einiger Zeit kaputt.

Das Zimmer bot außer dem Bett, einem kleinen Tisch, Stuhl und Nachttisch keine weiteren Annehmlichkeiten, nicht mal einen Holovidmonitor. Nebenan gab es eine winzige Nasszelle, für Tekeners schlichte Bedürfnisse reichte es völlig.

Er deponierte den Großteil des Gelds in verschiedenen Verstecken und verließ das Zimmer dann wieder.

Natürlich benutzte in den meisten Regionen der Erde so gut wie niemand mehr noch Bargeld. Aber virtuelles Geld ließ sich nun mal lückenlos nachverfolgen. Deshalb dachte Tekener gar nicht daran, sich einen Geldchip zu holen und mit dem Gewinn aufzuladen.

In den Casinos galt ohnehin nur Bargeld, schöne grüne US-Dollar oder manchmal auch bunte Euros. Wenn Touristen mit ihren Chips wedelten, wurden sie gleich wieder hinauskomplimentiert. Schein gegen Spielchip, Spielchip gegen Schein und keine Elektronik dazwischen.

Seine Euphorie über den Gewinn war mittlerweile völlig verflogen. Warum nur? Selten hatte er so viel Glück gehabt, warum machte es ihn nicht glücklich?

Egal. Zuerst würde er ordentlich feiern, das konnte er sich leisten. Und vielleicht hatte er anschließend noch Lust auf ein kleines Spielchen, wer wusste das schon? Nur mit ganz kleinen Einsätzen, zum Spaß und um in Übung zu bleiben.

Als er unten ankam, fing ihn der Rezeptionist ab. »Deine Miete ist fällig«, sagte er knurrig. Ein sehr hagerer Bursche, der wahrscheinlich vor drei Jahren zum letzten Mal etwas gegessen hatte. Und vor vier Jahren zum letzten Mal geduscht.

Tekener zog ein paar Scheine aus der Tasche und warf sie dem Mann hin. »Da, das reicht für die nächsten Tage, du Blutsauger.« Verächtlich lachend verließ er das Haus und kehrte in den Abendtrubel zurück.

Ronald Tekener ging geradewegs in eine Kneipe in der Nähe, die er zwar erst seit zwei Tagen kannte, was ihm aber genügte, um sie als sein Stammlokal zu betrachten. Nach zwei Tagen konnte er das so bezeichnen. Er trank zuerst Bier, dann Bier und Schnaps, dann Schnaps und Bier, zuletzt nur noch Schnaps.

»Mann, heute gibst du dir aber übel die Kante«, bemerkte die Thekenbedienung. Sandra war eine junge Frau, die er schätzte. Sie schmiss den Laden allein, egal wie voll er war, und niemand musste lange warten. Sie redete nur, wenn der Gast reden wollte, und las die Wünsche oft von den Augen ab.

»Ja, geht nicht anders«, sagte er und bestellte mit einem Fingerschnipsen die nächste Lage. »Erstens will ich meinen Gewinn...



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