E-Book, Deutsch, 287 Seiten
Reihe: Lübbe
Schweizer Der Weihnachtskater – Tannenduft und Winterglück
1. Auflage 2023
ISBN: 978-3-7517-4791-2
Verlag: Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Roman
E-Book, Deutsch, 287 Seiten
Reihe: Lübbe
ISBN: 978-3-7517-4791-2
Verlag: Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Seit einiger Zeit leben Ella und Max mit ihren Kindern Robin, Mathilda und Lilly in Tannreuth. Als sie in ihr neues Haus einzogen, waren Ella und Max fest entschlossen, ihre Ehe zu retten. Aber inzwischen fragen sie sich, ob ihr Umzug in den Schwarzwald dabei hilfreich war. Das liegt nicht zuletzt an Tosca, Max' Assistentin, die sich im Gästezimmer einquartiert hat, und daran, dass die Aufnahme in die Dorfgemeinschaft einige Hürden bereithält.
Trübe Aussichten für die nahende Adventszeit. Doch alles ändert sich, als ein getigerter Kater ins Haus stürmt, verfolgt von einem Rottweiler ...
Ein bezaubernder Weihnachtsroman mit viel Wirbel um eine neu zugezogene Familie
Ein in sich abgeschlossener Roman um den eigenwilligen Kater Kasimir
Elke Schweizer hat 2007 ihr erstes Buch veröffentlicht. Seither hat sie unter Pseudonym zahlreiche Liebesromane verfasst. Die Autorin lebt mit ihrer Familie in der Nähe von Düsseldorf. Sie hat selbst drei Katzen, die ihr lebhafte Inspiration für die WEIHNACHTSKATER-Romane bieten. Elke Schweizer liebt es außerdem, zu backen und zu kochen.
Autoren/Hrsg.
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Kapitel 2
Tante Laura, du musst den Mann aus dem Waldhaus werfen!«, verlangte Juna. »Sofort!« Die Sechsjährige saß auf dem Sofa, hatte Kasimir auf dem Schoß und streichelte ihn hingebungsvoll. »Unser Kasimir hat Todesangst!«
Das Schnurren des Katers verhieß genau das Gegenteil.
»Ich kann Herrn Roth nicht einfach so rauswerfen«, wandte Laura ein und fügte in Gedanken ein »Leider« hinzu.
»Warum nicht?«
Junas verzweifelte Miene rührte Laura. Ihre Nichte hatte Angst um Kasimir. Eine durchaus berechtigte Sorge, die Laura teilte.
»Weil Herr Roth einen Mietvertrag hat, an den auch wir uns halten müssen. Das heißt, Tobias muss sich daran halten, denn das Waldhaus gehört ja ihm.«
»Dann sage ich Tobias, dass er den Mann aus dem Haus wirft.« Trotzig schob die Sechsjährige die Unterlippe vor, ihre Augen füllten sich mit Tränen.
»Ach, Juna.« Laura setzte sich neben das Mädchen und schloss es in die Arme. Kasimir nahm das gleich zum Anlass, von Junas auf Lauras Schoß zu klettern.
»Ich hab so Angst, dass Henry den Kasimir totbeißt. Der Mann jagt Henry immer hinter Kasimir her.«
»Wie bitte?« Das war neu für Laura.
»Ich habe gehört, wie er das gerufen hat. Eben, als Kasimir draußen war, hat er laut gesagt: Da ist die Katze, Henry.«
Laura zweifelte keinen Moment an den Worten ihrer Nichte. Wütend presste sie die Lippen aufeinander. Nichts hatte sich geändert, obwohl Tobias vor zwei Tagen mit Burkard Roth gesprochen hatte.
»Eigentlich habe nur ich geredet«, hatte Tobias nach seiner Rückkehr erzählt. »Aber ich glaube, er hat jetzt verstanden, dass es reicht!«
Burkard Roth hatte nichts verstanden!
Laura schob Kasimir zurück auf Junas Schoß und erhob sich. »Ich werde Herrn Roth wohl nochmal an das Gespräch erinnern müssen«, sagte sie entschlossen, doch bevor sie das Zimmer verlassen konnte, kam Tobias die Treppe herunter. Wie immer, wenn Laura ihn sah, durchströmte sie ein warmes Gefühl. Sein dunkles Haar war verstrubbelt. Es war ihm anzusehen, dass er gerade erst aufgestanden war. Seine Haut war selbst um diese Jahreszeit noch so gebräunt, als wäre er gerade aus dem Urlaub in südlichen Gefilden heimgekehrt. Sicher lag das daran, dass er sich als Architekt viel auf den Baustellen aufhielt, die er betreute. Er gähnte laut hinter vorgehaltener Hand, doch dann stutzte er. »Was ist passiert?«, fragte er Laura.
»Burkard Roth ist passiert. Wieder einmal! Ich werde ihm jetzt verkünden, dass es uns endgültig reicht.«
»Ach, das weiß er doch! Reden bringt bei dem gar nichts«, stieß Tobias wütend hervor. »Wir müssen den irgendwie … loswerden.«
Sie schauten sich an, und Laura musste plötzlich lachen. »Mach du das«, bat sie. »Ich gebe dir ein wasserdichtes Alibi.«
»Ich auch«, stimmte Juna zu. »Wenn der Mann dann für immer weg ist.« Fragend schaute sie Laura an. »Was ist ein Alibi?«
»Wenn jemand etwas Schlimmes gemacht haben soll und jemand anderes sagt, dass er es nicht gewesen sein kann, weil diese Person zu der Zeit bei ihm gewesen ist, dann nennt man das ein Alibi«, erklärte Laura in dem Wissen, dass weitere Fragen folgen würden.
»Und wenn man das Alibi sagt, obwohl das nicht stimmt?«, kam es auch prompt.
»Dann ist es kein Alibi, sondern eine Lüge«, erklärte Laura. Schließlich hatte sie mit den drei Kindern ihrer Schwester auch einen erzieherischen Auftrag übernommen. Und den nahm sie sehr ernst.
»Wenn du den Mann wegmachst, lüge ich für dich«, erklärte Juna Tobias treuherzig.
Na toll, dachte Laura. Sie ging vor Juna in die Hocke. »Nein, das machst du nicht«, sagte sie sehr bestimmt. »Wir lassen niemanden verschwinden, und wir lügen auch nicht.«
»Natürlich nicht«, stimmte Tobias ihr zu, grinste aber über das ganze Gesicht.
»Kannst du nicht machen, dass der Mann mit Henry weggeht? Das ist doch dein Haus. Ich will nicht, dass die neben uns wohnen. Der Mann soll sich mit seinem Hund ein neues Zuhause suchen«, bettelte Juna. »Ich hab so Angst um Kasimir.«
»Wir lassen nicht zu, dass Kasimir etwas passiert«, sagte Tobias beruhigend.
»Also gut. Ich gehe jetzt noch ein letztes Mal zu ihm«, beschloss Laura. »Wenn das nichts nützt, bleibt uns immer noch der Rechtsweg.«
»Genau! Wozu haben wir eine Anwältin in der Familie?« Tobias nickte Juna zu. »Laura regelt das schon.«
»Am besten sofort.« Laura setzte sich in Bewegung.
Sie musste sich Burkard Roth vorknöpfen, bevor ihre Wut verrauchte.
Im Flur tauschte sie die Pantoffeln gegen ihre Winterschuhe und zog anschließend ihre gefütterte Jacke über. Kalte Luft schlug ihr entgegen, als sie die Tür öffnete. In diesem Jahr hatte es früh angefangen zu schneien. Pulvriger Schnee bedeckte den Boden und die Tannen, die sich auf dem Hang hinter den Häusern in den Himmel streckten. Tiefes Schweigen erfüllte den Oktobermorgen.
Die beiden Häuser, in denen Laura mit ihrer Familie und ihr Nachbar Burkard Roth lebten, lagen außerhalb des Dorfes, einen Fußweg von wenigen Minuten entfernt. Ein Paradies, sommers wie winters. Aber wie in jedem Paradies war auch in Tannreuth die Schlange unvermeidlich. Hier lebte sie gleich nebenan – bewacht von Zerberus.
Der Hund schlug bereits an, bevor Laura das Waldhaus erreicht hatte. Kurz hielt sie inne. Sie hatte Respekt vor dem Tier, das jetzt furchteinflößende Laute von sich gab. Immer wieder unterbrach es das Gebell, um böse zu knurren.
Er wird es nicht zulassen, dass sich der Hund auf mich stürzt, sagte sie sich in Gedanken. Das wird selbst Burkard Roth nicht wagen.
Entschlossen drückte sie die Klingel. Das Schrillen übertönte sogar das Bellen des Hundes, der sich daraufhin noch wütender gebärdete. Zumindest klang es so.
Burkard Roth öffnete nicht, also klingelte Laura ein zweites Mal, und auch jetzt musste sie lange warten. Gerade als sie die Hand hob, um ein drittes Mal zu klingeln, wurde die Tür von innen aufgerissen. Wütend starrte Burkard Roth sie an, während der Rottweiler im selben Moment verstummte. Er stürzte sich auch nicht auf Laura, sondern blieb neben seinem Herrchen stehen. Die gesamte Haltung des massigen Tieres wirkte bedrohlich. Er ließ Laura nicht aus den Augen.
»Was wollen Sie?«, herrschte Burkard Roth sie an.
Laura musterte ihn. Er war sehr schlank, fast schon hager. Sein dunkles Haar war kurz geschnitten und von grauen Strähnen durchzogen. Seine dunklen Augen musterten sie missbilligend von Kopf bis Fuß, dann begann er zu grinsen.
»Muss ich das wirklich noch einmal ausführen?«, fragte sie. Wahrscheinlich war es ihr verärgerter Tonfall, der den massiven Rottweiler dazu veranlasste, die Lefzen hochzuziehen und sein gefährliches Gebiss zu präsentieren.
»Halt die Klappe«, sagte Burkard Roth, als der Hund leise knurrte.
»Ihr Hund hat schon wieder unseren Kater gejagt«, beschwerte sich Laura.
»Er will doch nur spielen«, spöttelte Burkard Roth.
Ruhig, Laura, ermahnte sie sich selbst, doch Burkard Roth setzte noch einen drauf: »Henry hat Kätzchen zum Fressen gern.«
Unglaublich, dass dieser Mann über seinen dämlichen Witz auch noch lachen konnte! Laura maß ihn mit einem scharfen Blick. »Es reicht jetzt endgültig, Herr Roth! Entweder sorgen Sie dafür, dass Ihr Hund unseren Kater nicht mehr jagt …«
»Oder?«, forderte Burkard Roth sie mit einem unverschämten Lächeln heraus.
»Oder wir klären das Ganze vor Gericht«, sagte Laura entschlossen. Dabei hatte sie nicht den Eindruck, dass ihre Worte ihn beeindruckten. Er lächelte noch immer.
»Im schlimmsten Fall müssen Sie mit einer fristlosen Kündigung rechnen.«
Jetzt zog er eine Augenbraue in die Höhe. »Ich habe einen gültigen Mietvertrag und zahle meine Miete pünktlich.«
»Sie lassen einen bissigen Hund frei herumlaufen. Das rechtfertigt auf jeden Fall eine fristlose Kündigung.«
»Henry hat noch nie gebissen!«
Ein Argument, das Laura nicht widerlegen konnte.
»Ich denke, damit haben wir alles geklärt«, ergänzte er, bevor sie etwas entgegnen konnte.
»Nein, haben wir nicht …« Weiter kam sie nicht. Burkard Roth schlug ihr einfach die Tür vor der Nase zu.
»Ich betreue einen Neubau in Merzhausen. Ein Wort von dir, und ich versenke Burkard Roth im Fundament«, flüsterte Tobias ihr zu, als sie ihm nach ihrer Rückkehr von der Auseinandersetzung berichtete. Wie so oft brachte er sie auch diesmal zum Lachen, ihr Ärger verrauchte. Als er sie in die Arme nahm, schmiegte sie sich an ihn. »Was sollen wir nur machen?«, fragte sie leise. »Irgendwann erwischt diese Bestie unseren Kasimir.«
»Wir sollten ihn vorerst nicht mehr rauslassen.« Tobias klang jetzt besorgt. »Ich habe Angst um ihn und möchte ihn schützen. Wir verdanken ihm alle so viel.«
Laura nickte. Ihre Gedanken wanderten zurück ins vergangene Jahr. Durch Kasimir hatte sie Tobias kennengelernt, als der sich, einsam und unglücklich, im Nachbarhaus verschanzt hatte. Und Kasimir hatte auch dafür gesorgt, dass Tobias sich nach Jahren mit seinem Vater versöhnte. Vor allem aber war der kleine Kater für die Seelen der drei verwaisten Kinder im Haus Trost und Glück zugleich.
»Vielleicht erkennt Herr Roth, dass mit mir nicht zu spaßen ist, wenn er erst einmal weiß, dass ich Rechtsanwältin bin.«
»Was hast du vor?«,...




