Schweizer | Der Weihnachtskater | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 272 Seiten

Reihe: Lübbe

Schweizer Der Weihnachtskater

Roman
1. Auflage 2021
ISBN: 978-3-7517-1040-4
Verlag: Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Roman

E-Book, Deutsch, 272 Seiten

Reihe: Lübbe

ISBN: 978-3-7517-1040-4
Verlag: Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Die erfolgreiche Rechtsanwältin Laura kümmert sich nach dem Tod ihrer Schwester um deren Kinder. Anfangs fühlt sie sich mit dieser Aufgabe völlig überfordert. Aber sie liebt die drei Kinder und möchte ihnen ein schönes Zuhause bieten. Als wäre das alles nicht schwierig genug, bereitet ihr der neue Nachbar auch noch Ärger. Doch dann taucht Kater Kasimir auf. Plötzlich ist alles anders, und bald glaubt sogar die vernünftige Laura, dass es Weihnachtswunder geben kann.

Ein zauberhafter Weihnachtsroman mit einer romantischen Liebesgeschichte und dem eigenwilligen Kater Kasimir

Mit Rezepten für Weihnachtspunsch und Wintergebäck



Elke Schweizer hat 2007 ihr erstes Buch veröffentlicht. Seither schreibt sie unter Pseudonym erfolgreich Liebesromane. Die Autorin lebt mit ihrer Familie in der Nähe von Düsseldorf. Sie hat selbst drei Katzen, die ihr lebhafte Inspiration für den Weihnachtskater bieten. Elke Schweizer liebt es außerdem, zu backen und zu kochen.
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Kapitel 1


Lauras hohe Absätze klackten auf dem Boden des altehrwürdigen Gerichtsgebäudes. Obwohl sie es eilig hatte, nachdem ein Mandant sie bereits am frühen Morgen in ein langes Gespräch verwickelt hatte, hielt sie einen Moment inne.

Sie hatte beinahe täglich Termine im Landgericht, aber jedes Mal, wenn sie das Gebäude betrat, erschauderte sie im ersten Moment immer noch ehrfürchtig.

Mehr als dreißig Meter erhob sich die Eingangshalle über ihr, getragen von Sandsteinsäulen, dazu die geschwungenen Zwillingswendeltreppen, die zu den emporeartigen Umgängen in den oberen Etagen führten. Laura ließ ihren Blick über die Geländer und Gitter gleiten, die allesamt Rokokoelemente aufwiesen. Sie atmete einmal tief durch und setzte sich wieder in Bewegung, begleitet vom Klacken ihrer Schuhe auf den Originalfliesen mit dem Emblem der königlichen Krone.

In der linken Hand trug sie ihre Aktentasche, über den rechten Arm hatte sie ihre Anwaltsrobe gelegt, die sie gleich über ihr hübsches Sommerkleid ziehen würde. Ihre dunklen Haare hatte sie aufgesteckt, doch sie spürte bereits jetzt, dass sich wieder einige Strähnen lösten.

Während sie die Treppe hinaufstieg, ging sie in Gedanken den Prozess durch. Insbesondere die heutige Verhandlung würde schwer werden, aber sie war gut vorbereitet. Allerdings galt das ganz sicher auch für den Anwalt der Gegenseite, Boris Schäfer. Er war ein hervorragender Anwalt – er selbst bezeichnete sich gerne als Berlins besten –, und Laura nahm es immer als sportliche Herausforderung, wenn sie in einem Fall gegen ihn antrat.

Benedikt hingegen, mit dem sie Tisch, Bett und eine erfolgreiche Anwaltskanzlei teilte, konnte Boris Schäfer nicht ausstehen. Er nahm jede Niederlage gegen den Kollegen vor Gericht sehr persönlich.

Laura lächelte bei dem Gedanken daran. Sie war sicher, dass sie heute für ihren Mandanten den Sieg erringen würde – vor allem, nachdem sich gestern ein neuer Zeuge bei ihr gemeldet hatte.

Boris Schäfer würde protestieren, weil sie diesen Zeugen nicht angemeldet hatte und gleich kurzfristig aufrufen lassen wollte. Aber sie war sicher, dass Richter Carsta ihrem Antrag stattgeben würde.

In diesem Moment klingelte ihr Handy. Sie zog das Gerät aus ihrer Handtasche. Tante Agnes verkündete das Display.

»Oh nein, nicht jetzt«, sagte Laura genervt und drückte den Anruf kurzerhand weg.

»Schlechte Nachrichten, Frau Kollegin?« Boris Schäfer, der plötzlich neben ihr stand, grinste sie an. Er trug einen teuren Anzug, perfekt geschnitten und ganz bestimmt nicht von der Stange, dazu ein helles Hemd. Der Clou aber war wie immer seine Krawatte. Laura konnte nicht anders, als unverwandt auf die Scheußlichkeit zu starren. Gelbe, grüne, türkise und blaue Mondgesichter in unterschiedlichen Größen tummelten sich auf rotem Grund. Das Teil übertraf alles, was er sich jemals um den Hals gebunden hatte. Die Krawatten waren, neben Boris’ unbestrittener Fähigkeit als Anwalt, inzwischen sein Markenzeichen geworden. Aber wieso wählte ein Mann, der bei der Wahl seiner Anzüge einen ausgezeichneten Geschmack bewies, derart grässliche Modelle?

Boris Schäfer grinste selbstgefällig und strich mit der Rechten über seine Krawatte. »Gefällt sie Ihnen?«

»Äh …« Mehr fiel Laura nicht ein.

Boris Schäfer schien aber nicht an einer Antwort interessiert. »Ich geh dann mal, Frau Kollegin. Viel Glück«, rief er ihr zu. »Das werden Sie nämlich brauchen.«

Laura nickte lediglich zur Antwort, während in ihr die Vorfreude wuchs. Er war es, der Glück brauchte. Sie hatte diesen Zeugen, von dem er noch nichts wusste und der Boris’ gesamte Argumentation zunichtemachen würde.

In diesem Moment meldete ihr Handy den Eingang einer SMS. Von Tante Agnes. Laura öffnete sie eilig. Du musst kommen, stand dort. Sofort! Jemand muss sich um die Kinder kümmern. Ich kann nicht mehr!

Laura starrte darauf. Die Nachricht kam überraschend, bisher hatte sie geglaubt, dass Tante Agnes die beste Lösung für die Kinder war.

Weil ich es glauben wollte, schoss es ihr durch den Kopf. Weil es vor allem für mich am besten war und ich nicht mehr darüber nachdenken musste. Du hast gar nicht versucht, eine andere Lösung zu finden …

Mit voller Wucht meldeten sich die Schuldgefühle in ihr. Natürlich hatte sie tief in ihrem Inneren gewusst, dass die Lösung mit Tante Agnes nur eine vorübergehende war. Aber sie hatte sich einfach nicht damit auseinandersetzen wollen, auch um den Schmerz zu verdrängen, der seit einem halben Jahr in ihr rumorte.

»Verdammt, Tante Agnes«, flüsterte sie. »Kannst du nicht noch ein halbes Jahr durchhalten?«

Ein völlig unsinniger Gedanke, das war Laura durchaus klar. Was genau sollte in einem halben Jahr anders sein als heute? Mal abgesehen davon, dass sie ein weiteres halbes Jahr Zeit hätte, ihren Schmerz und das Problem zu ignorieren, für das sie jetzt eine Lösung finden musste. Kurzfristig, wenn sie Tante Agnes’ SMS richtig deutete.

Ich weiß nicht, was ich machen soll! Angst ergriff sie, und das Gefühl der Überforderung. Sie hatte keine Ahnung, wie es weitergehen sollte.

Früher hätte sie einfach zum Telefon gegriffen, ihre Schwester angerufen und sie um Rat gefragt. Aber Anette war nicht mehr da …

Eine Träne löste sich aus ihrem Augenwinkel. Laura wischte sie hastig weg, bevor eine ganze Flut folgen würde, die sie nicht mehr stoppen konnte. Sie stand immer noch gedankenverloren auf der Treppe des Gerichts, als Benedikt plötzlich neben ihr auftauchte und sanft ihren Arm berührte. »Mein Termin ist ja erst in einer Stunde, aber solltest du nicht längst im Gerichtssaal sein?«

»Benedikt, ich …« Sie brach ab, als ihr bewusst wurde, dass er ihre Gefühle nicht verstehen würde. Weil es ihn einfach nicht interessierte, was in Tannreuth und mit den Kindern passierte. In seinen Augen war es ihre Familie, und damit auch ihr Problem. Benedikt hatte es ihr nie direkt so gesagt, aber unterschwellig schwang es in seinen Worten und in seiner Stimme mit, jedes Mal, wenn sie mit ihm darüber reden wollte.

Aber jetzt musste er es zumindest zur Kenntnis nehmen, auch wenn ihr klar war, dass er damit nicht einverstanden sein würde: »Ich muss nach Tannreuth.«

Benedikt hatte in den Jahren seiner Anwaltstätigkeit gelernt, seine Mimik unter Kontrolle zu halten. Auch jetzt war ihm nicht anzusehen, was er dachte. »Lass uns heute Abend darüber reden«, sagte er lediglich.

»Heute Abend bin ich längst in Tannreuth. Du musst meine Termine übernehmen und …«

»Nicht jetzt und nicht hier auf der Treppe«, fiel er ihr unwirsch ins Wort. Damit ließ er sie einfach stehen.

Laura blickte ihm nach. Sein Verhalten ärgerte sie, half ihr aber zugleich ein wenig, ihre Gedanken auf das zu konzentrieren, was vor ihr lag: die Verhandlung. Um alles andere würde sie sich im Anschluss kümmern. Sie atmete tief durch und stieg entschlossen die Treppe hinauf.

»Wie schön, dass Sie es auch noch einrichten konnten, Kollegin Strohner.« Richter Carsta schaute sie über den Rand seiner Brille hinweg strafend an.

»Ich habe doch gesagt, dass sie schon im Haus ist.« Boris Schäfer grinste.

»Entschuldigung«, murmelte Laura und nahm neben ihrem Mandanten Platz.

»Das wurde aber auch Zeit«, zischte Lothar Keeler nervös. Für ihn hing viel von diesem Termin heute ab.

Jemand muss sich um die Kinder kümmern. Ich kann nicht mehr!, regte sich Agnes’ Mitteilung in Lauras Kopf. Sie schob ihn beiseite. Jetzt war zunächst einmal Lothar Keeler auf ihre Hilfe angewiesen.

Die Kinder sind es aber auch …

Laura sah zu Boris Schäfer. Er saß ihr direkt gegenüber und betrachtete sie mit offensichtlicher Schadenfreude, als spüre er bereits jetzt den Triumph über den vermeintlichen Sieg. Ebenso wie sein Mandant, Ulrich Teucke, der feixend neben ihm saß, die Arme über seinem dicken Bauch verschränkt.

Es war genau diese Selbstgefälligkeit, die Laura jetzt half, sich zu fokussieren. Sie suchte Boris Schäfers Blick und sah ihn direkt an, während der Richter die Verhandlung eröffnete. Kaum dass er geendet hatte, meldete sie sich zu Wort. »Herr Vorsitzender, ich möchte einen weiteren Zeugen benennen.«

Der hastige Blickwechsel zwischen Boris Schäfer und Ulrich Teucke entging ihr nicht.

»Einspruch«, sagte Boris Schäfer. »Die Gegenseite hatte Zeit genug, nicht nur Fakten, sondern auch Zeugen zu benennen. So kurzfristig …«

»Es handelt sich um einen Zeugen, der sich erst gestern gemeldet hat«, fiel Laura ihm ins Wort. »Und er hat Wesentliches zu diesem Fall beizutragen.«

Boris Schäfer nahm auch das nicht widerspruchslos hin. »Alle wichtigen Punkte liegen dem Gericht bereits vor.«

»Offensichtlich nicht! Bei dem Zeugen handelt es sich um einen ehemaligen Mitarbeiter der Gegenseite. Er kann bestätigen, dass Herr Teucke wissentlich schadhafte Radlager an meinen Mandanten verkauft hat. Ich beantrage hiermit, dass Herr Mark Brandauer als Zeuge zugelassen wird.« Zu Lauras Zufriedenheit zuckte Ulrich Teucke sichtlich zusammen und ließ seine vor der Brust verschränkten Arme sinken, als sie den Namen nannte.

»Ausgerechnet der«, polterte er sogleich. »Der will sich doch nur an mir rächen, weil ich ihn entlassen habe.«

»Wir werden sehen«, erwiderte Richter Castra. »Jedenfalls will ich den Zeugen hören.«...



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