E-Book, Deutsch, Band 1, 592 Seiten
Reihe: Story Lake
Score Story of My Life
1. Auflage 2025
ISBN: 978-3-98978-032-3
Verlag: Forever
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Roman | Die neue Romance für alle, die Things We Never Got Over geliebt haben
E-Book, Deutsch, Band 1, 592 Seiten
Reihe: Story Lake
ISBN: 978-3-98978-032-3
Verlag: Forever
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Lucy Score ist #1 New York Times Bestsellerautorin von Liebesromanen. Sie wuchs in Pennsylvania auf und studierte Journalismus. Ihre Bücher wurden in dreißig Sprachen übersetzt und ihr internationaler Bestseller 'Things We Never Got Over' wurde für das Fernsehen optioniert. Sie schreibt hauptberuflich in ihrem Haus in Pennsylvania, das sie und Mr. Lucy mit ihrer eigensinnigen Katze Cleo teilen.
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2
Arsch in der Hose
Hazel
»Stifte?«
»Check.« Zoey klopfte auf ihren Rollkoffer, während wir auf den Festsaal B des zueilten. Dank meines katastrophalen Frisierversuchs waren wir spät dran. Ich hasste es, zu spät zu kommen, vor allem, wenn ich ohnehin schon nervös war. Das war mein erstes gemeinsames Event mit anderen Autorinnen, und ich hatte Angst, meine Verdauung würde verrücktspielen.
Wir wichen einer Gruppe aufgeregter Frauen mit Eventbändern um den Hals in selbst bedruckten T-Shirts aus, auf denen sie ihre Liebe zu verschiedenen Book-Boyfriends zum Ausdruck brachten. Keine von ihnen achtete auf uns.
»Moment. Stifte, oder meine Spezialstifte?«, wollte ich wissen.
»Ein Mal. hatte ich Eddings dabei, und das schmierst du mir jetzt ewig aufs Brot.«
»Das war keine Antwort auf meine Frage.«
»Ja. Ich habe deine Spezialstifte dabei, du Schreibwarensnob«, versicherte Zoey.
»Äh … okay. Wie viele Teilnehmerinnen werden erwartet?« Ich zerbrach mir den Kopf, was für eine Signierstunde alles von Belang war.
»Sechshundert.«
Ich blieb wie angewurzelt stehen, und mein Notfallpferdeschwanz schwang hin und her. »Sechs? Also einhundert mehr als fünfhundert?« Einmal hatte ich für zweihundertfünfzig Leserinnen signiert, aber das war bei der Veröffentlichung von gewesen, auf dem Höhepunkt meiner Karriere … und meines Selbstvertrauens. Leider Gottes sagte einem das Universum nicht Bescheid, wenn man in der Blüte seines Lebens stand.
Zoey packte mich am Arm und zerrte mich weiter. »Du kannst ja rechnen. Echt sexy, wie gut du mit Zahlen umgehen kannst. Entspann dich. Die sind nicht alle deinetwegen hier. Hier sind haufenweise junge relevante Autorinnen am Start, die tatsächlich Bücher veröffentlichen.«
»Ah, sehr gut. Du hast heute also wieder keine Samthandschuhe an.«
»Nö, aber dafür eine Samthose. Die macht echt einen guten Arsch, oder?« Sie drehte sich um und präsentierte mir ihre Rückansicht.
Sie hatte nicht unrecht.
»Tja, dein Hintern in allen Ehren, aber haben wir auch Bücher?«
»Der Verlag hat heute Morgen welche geschickt.«
»Wie viele?«
Sie zögerte eine halbe Sekunde zu lange. Wenn man sich so gut kannte wie wir zwei, dann reichte eine halbe Sekunde. Ich sprang ihr in den Weg, und sie stieß mit mir zusammen. »Aua! Wie viele, Zoey?«
»Fünfzig.«
Ich konnte fühlen, wie meine Augenbrauen in die Höhe schossen. Scheiße. Meine Augenbrauen. Die hätte ich noch zupfen sollen, aber jetzt war es zu spät. »Fünfzig? Fünf null?«
Zoey schüttelte den Kopf, und ihre Locken hüpften genervt. »Ich wusste, du rastest aus.«
»Ich raste nicht aus«, widersprach ich mit piepsig-panischer Muppet-Stimme.
Sie umrundete mich und ging weiter. Ich joggte los, um sie einzuholen, und war nach drei Metern außer Atem. Mist. Wann war ich das letzte Mal im Gym gewesen?
»Muss ich dich erinnern, dass du in allerletzter Minute zugesagt hast?«, fragte sie über die Schulter.
»Ja, aber hier sind sechshundert Leute! Was, wenn wir nach einer Stunde ausverkauft sind?«
»Dann kannst du auf Körperteilen und kleinen Kindern unterschreiben.« Mit ihrem tollen Hintern drückte sie eine Tür auf, auf der stand.
»Ich will bloß keine Leserinnen enttäuschen.« Und ich wollte nicht darüber nachdenken, was es hieß, dass der Verlag nur fünfzig Exemplare auftreiben konnte.
Zoey warf mir einen skeptischen Blick zu.
»Na schön. Ich will sie nicht noch mehr enttäuschen als ohnehin schon.«
»Schon besser.«
Die Signierstunde fand in Festsaal C statt, einem stinknormalen Hotel-Eventraum mit goldenem Lilienmuster-Teppich und verschiebbaren Trennwänden. Die Signiertische waren am Rand im Kreis angeordnet und in zwei geraden Reihen in der Mitte.
»Wow. Das ist ja riesig.« Ich sah mich um und folgte Zoey.
Wir schlängelten uns durch die versammelten Autorinnen und Assistentinnen, die ihren Tischen den letzten Schliff gaben. Alle hatten sich mächtig in Schale geschmissen, wodurch ich mir in Jeans, Sneakern und weitem Sweatshirt noch schäbiger vorkam als heute Morgen im Spiegel. Ringsum waren Ballons und Luftschlangen aufgehängt, und Roll-up-Banner mit bonbonfarbenen Aufdrucken wie und standen herum.
»Seit wann sind alle so gut im Marketing?«, überlegte ich laut.
»Hier sind auch einige Indie-Autorinnen. Die haben das mit dem Branding richtig drauf. Und für den Rest kannst du dich bei Social Media bedanken. Scroll Life hat den Buchmarkt revolutioniert.« Zoey winkte einer Buchhändlerin zu, an deren Stand wir gerade vorbeisausten.
»Was zum Henker ist Scroll Life?«
Sie seufzte. »Manchmal weiß ich echt nicht, was ich mit dir machen soll.«
Ich kam mir vor wie der Ziegenhirte Peter Klaus, der nach zwanzig Jahren aus seinem Zauberschlaf erwacht. Auf der Suche nach bekannten Gesichtern ließ ich den Blick durch den Saal schweifen, aber ich erkannte niemanden. Alle sahen so … jung aus. So energiegeladen. War ich die einzige müde, schrullige alte Häsin hier?
»Was machen die ganzen Typen ohne Hemd da?«, fragte ich, als wir an einem Stand mit gleich zwei Sixpack-Männern vorbeikamen.
»Cover-Models«, erklärte Zoey und schob ihren Koffer vor einen Tisch zwischen einer Dark-Gothic-Romance-Autorin mit obercooler Elvira-Frisur und einer jungen RomCom-Autorin im Eichhörnchenkostüm. Das Eichhörnchen winkte. Ich winkte zurück.
»Wow. Wie konnte ich mir das die ganzen Jahre entgehen lassen?«
»Noch was, wofür wir Jim die Schuld geben können.«
Ich erstarrte, mir blieb komplett die Luft weg. Zoey verzog das Gesicht.
»Sorry. Vergessen. Der, dessen Name nicht genannt werden darf.«
Ich schüttelte den Kopf, obwohl mein Mund ganz trocken wurde und meine Kehle sich zuschnürte. Konnte man allergisch auf einen Namen reagieren? »Schon gut. Fangen wir an.« Ich würde die Energie und den Enthusiasmus, die mir fehlten, einfach vorspielen.
Minuten später hatten wir die Bücher und die Werbegeschenke aufgebaut, das Roll-up-Banner meines jüngeren, unverbrauchteren Ichs enthüllt und Kaffee sowie Pepsi Wild Cherry in uns reingeschüttet.
»In fünf Minuten ist Einlass«, verkündete eine Stimme über Lautsprecher.
Sofort erfasste mich Panik. »Oh Gott. Ich weiß nicht, ob ich das hinkriege. Er hat immer gesagt, bei solchen Events wird man totgetrampelt.« Ich hielt mich mit beiden Händen am Tisch fest.
»Na ja, aber er hat auch immer gesagt, Romance-Bücher seien ›billige Hausfrauenpornos‹ … Autsch! Shit!« Zoey ließ das Cuttermesser fallen. Sie hielt ihre linke Hand umfasst, und aus dem kleinen Schnitt an ihrem Mittelfinger quoll Blut.
»Keine Agentin der Welt hat so viele Unfälle wie du.« Ich kramte das kleine Erste-Hilfe-Set aus meiner Tasche, das ich immer für den Fall dabeihatte, dass Zoey in feinster Zoey-Manier anfing zu bluten.
»Aua«, jammerte sie, als ich die Wunde mit einem Alkoholtupfer reinigte.
»Stell dich nicht so an«, erwiderte ich liebevoll und klebte ein Pflaster darauf. »Wenigstens haben wir das erste Blutvergießen hinter uns gebracht, bevor die Leserinnen Schlange stehen. Weißt du noch, wie du in Beaver Creek die Kiste mit den Vorbestellungen vollgeblutet hast?«
»Die Erinnerung ignoriere ich jetzt lieber und erinnere dich stattdessen daran, dass du – auch wenn du dich vielleicht nicht so fühlst – immer noch Hazel Hart bist. Du hast neun Bücher geschrieben, die das Publikum geliebt hat …«
»Ganz schön optimistisch.« Meine letzten zwei Veröffentlichungen hatten die Bestsellerlisten nicht gerade in Aufruhr versetzt.
»Klappe. Du siehst nicht, was ich sehe.«
Ich seufzte. »Was siehst du denn?«
»Ich sehe die Heldin ihrer eigenen Geschichte. Klar, momentan bist du am Boden. Aber das heißt doch nur, dass es im nächsten Kapitel wieder aufwärtsgeht. Du packst das, Haze. Du bist reif für ein Comeback.«
Ich hatte wirklich ein Herz für tapfere Pechvogel-Heldinnen. Aber ich fühlte mich nicht wie eine.
Ich grummelte vor mich hin. »Ja, ja. Schon klar.«
Vor gar nicht so langer Zeit war ich noch diejenige gewesen, die Zoey aufmuntern musste. Nach Streiten mit ihren Eltern, verschusselten Stromrechnungen und unschönen Trennungen. Jetzt hatte das Blatt sich gewendet, und ich brauchte andauernd Zuspruch, dass ich noch eine funktionierende Erwachsene war.
»Ich hatte mir zwar etwas mehr Begeisterung erhofft, aber sei’s drum. Jetzt setz dich hin, und ich tape dich, damit dir beim Signieren von fünfzig Büchern und Dutzenden Kinderstirnen nicht die Patellasehne reißt«, verkündete sie...




