Scott / Verlag | Quentin Durward | E-Book | www.sack.de
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E-Book, Deutsch, 417 Seiten

Scott / Verlag Quentin Durward

1. Band
1. Auflage 2021
ISBN: 978-3-7541-8015-0
Verlag: neobooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

1. Band

E-Book, Deutsch, 417 Seiten

ISBN: 978-3-7541-8015-0
Verlag: neobooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Quentin Durward, ein junger Schotte, ist an den Hof Ludwigs XI. verschlagen worden. Er dient bei den schottischen Bogenschützen, den Leibgardisten des Königs von Frankreich. Ungefährlich ist das nicht, und Quentin muss allen Witz eines Schotten aufbringen, damit die Bekanntschaft mit dem Henker keine Folgen für ihn hat. Aber Quentin Durward findet bald einen großen Gönner: den König selbst, der an dem jungen, gewandten und tapferen Burschen Gefallen findet. Der König braucht Haudegen wie Quentin. Er braucht sie; um seine Ränke und Intrigen auszuführen, die ihm helfen sollen, die Königsmacht zu festigen. Zu einem dieser gewagten Unternehmen ist Quen in Durward ausersehen. Ihm wird übertragen, die Gräfin Isabella und Gräfin Hameline, die bei Ludwig Schutz gesucht haben, an ihren Herrn auszuliefern, aber so auszuliefern, dass sie einem Dritten in die Hände fallen, von dem sich Ludwig Vorteile erhofft. Walter Scott gestaltet mit diesem Roman ein Stück französischer Geschichte des 15. Jahrhunderts; farbig und sehr lebendig stellt er uns in ihm die Menschen jener Zeit mit ihren Wünschen und Hoffnungen, aber auch mit allen ihren Schattenseiten vor Augen.

Sir Walter Scott, 1. Baronet FRSE war ein schottischer Dichter, Schriftsteller, Verleger und Literaturkritiker. Er war einer der - nicht nur in Europa - meistgelesenen Autoren seiner Zeit und gilt traditionell als Begründer des Geschichtsromans.
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Vorwort.


Die Zeit, in welcher die Handlung dieses Romanes spielt, ist das fünfzehnte Jahrhundert, wo das Lehensystem, welches der Nerv und die Kraft der Volksvertheidigung gewesen, und der Geist der Ritterlichkeit, durch den, wie durch eine lebendige Seele, das System belebt war, durch die gewaltigen Charaktere in Verfall zu gerathen begann, welche ihr ganzes Wohl in die Erreichung der persönlichen Zwecke setzten, denen sie ihre ausschließliche Aufmerksamkeit gewidmet hatten. Der nämliche Egoismus hatte sich allerdings schon in weit frühern Zeiten gezeigt; aber jetzt ward er zuerst als offenbares Princip der Handlungen anerkannt. Der Geist der Ritterlichkeit hatte das Vortreffliche, daß seine Lehren, wie überspannt und phantastisch uns auch viele derselben erscheinen mögen, sämmtlich auf Edelmuth und Selbstverläugnung gegründet waren; und wäre die Erde dieser beraubt, so dürfte das Dasein der Tugend unter den Menschen schwer zu begreifen sein.

Unter denjenigen, die die Grundsätze der Selbstverläugnung, in denen der junge Ritter unterwiesen, und nach denen er so sorgfältig herangebildet ward, zuerst fallen ließen und verspotteten, war Ludwig XI. von Frankreich die Hauptperson. Der Charakter dieses Regenten war so durchaus selbstsüchtig, so weit entfernt, irgend eine Absicht zu hegen, die sich nicht auf seinen Ehrgeiz, seine Habsucht und selbstische Lüsternheit bezog, daß er fast der eingefleischte Teufel selbst zu sein schien, der darauf ausging, sein Möglichstes zu thun, um unsere Begriffe von Ehre von Grund aus zu verderben. Auch ist nicht zu vergessen, daß Ludwig in hohem Maße den kaustischen Witz besaß, welcher alles lächerlich zu machen weiß, was ein Mensch zum Vortheil einer andern Person und nicht für sich selbst unternimmt, und daher war er ganz besonders geeignet, die Rolle eines kaltherzigen und höhnischen Satans zu spielen.

Aus diesem Gesichtspunkte scheint die Goethe'sche Auffassung des Charakters und Räsonnements des Mephistopheles, des versuchenden Geistes im Drama Faust, weit glücklicher, als die, welche sich bei Byron findet, ja selbst als der Satan Milton's. Die letztgenannten großen Dichter haben dem bösen Princip etwas gegeben, was seine Schlechtigkeit erhebt und adelt; ein starkes und unbezwingliches Widerstreben gegen die Allmacht – eine stolze Verachtung des Leidens verglichen mit Unterwürfigkeit, und all' jene besondern charakteristischen Züge am Urheber des Bösen, welche Burns und andere verleiteten, ihn als den Helden des »Verlornen Paradieses« anzusehen. Der große deutsche Dichter hat, im Gegentheil, seinen verführenden Geist zu einem Wesen gemacht, welches, im Uebrigen ganz leidenschaftslos, allein zu dem Ende zu existiren scheint, um durch seine Ueberredungen und Versuchungen die Masse des moralischen Uebels zu vermehren, und welches durch seine Verführungskünste jene schlummernden Leidenschaften weckt, die außerdem das Leben des menschlichen Wesens, das der böse Geist zum Gegenstand seiner Operationen ersah, in Ruhe gelassen haben würden. Aus diesem Grunde ist Mephistopheles, gleich Ludwig XI., mit jenem kaustischen Witze versehen, der unablässig bemüht ist, alle Handlungen zu verachten und zu verkleinern, welche nicht sicher und direkt Selbstbefriedigung zur Folge haben.

Auch ein Verfasser bloßer Unterhaltungsschriften kann für einen Augenblick ernst sein dürfen, in der Absicht, alle Politik zu verdammen, welche sich (mag es die eines öffentlichen oder Privatcharakters sein) auf die Grundsätze des Machiavell oder auf die Ränke Ludwigs XI. gründet.

Die Grausamkeit, die Falschheit und das argwöhnische Wesen dieses Fürsten wurden durch den groben und niedrigen Aberglauben, den er beständig erblicken ließ, nicht gemildert, sondern noch weit abscheulicher gemacht. Seine tiefe Verehrung der Heiligen, die er so sehr zur Schau trug, beruhte auf dem jämmerlichen Grundsatz eines niedern Beamten, welcher die Vergehungen, deren er sich bewußt ist, durch freigebige Geschenke an diejenigen verbergen oder sühnen will, denen es obliegt, sein Betragen zu beobachten, der ein System des Betrugs fördern will, indem er versucht, den Unbestechlichen zu bestechen. Nur im nämlichen Lichte können wir seine Erwählung der Jungfrau Maria zur Gräfin und Obersten seiner Leibwache betrachten, oder die Hinterlist, mit welcher er einer oder zwei gewissen Eidformen die Kraft einer bindenden Verpflichtung verlieh, die er allen andern versagte, indem er genau das Geheimniß bewahrte, welche Weise des Schwurs er wirklich für bindend hielt.

Bei seinem gänzlichen Mangel an Gewissen, oder, wie es scheint, an jedem Begriffe von moralischer Verpflichtung, besaß Ludwig XI. große natürliche Festigkeit und Schärfe des Charakters, verbunden mit einer so verfeinerten Politik, indem er die Zeiten, in denen er lebte, beobachtete, daß er sich zuweilen seinen eigenen Vorschriften fügte.

Es gibt wohl kein so düsteres Gemälde, welches nicht auch seine sanftern Stellen hätte. Er kannte die Interessen Frankreichs, und verfolgte sie treulich so lange, als sie mit seinen eigenen Hand in Hand gingen. Er führte das Land sicher durch die gefährliche Krisis des Krieges, genannt »für das öffentliche Wohl«; bei der Vernichtung dieses großen und gefährlichen Bündnisses der großen Kronvasallen Frankreichs gegen den Souverain, würde ein König von minder scharfsichtigem und klugem Charakter und von mehr kühner und minder schlauer Gemüthsart, als Ludwig XI., aller Wahrscheinlichkeit nach unterlegen sein. Ludwig besaß auch einige persönliche Eigenschaften, die mit seinem öffentlichen Charakter nicht im Widerspruch standen; er war fröhlich und witzig in Gesellschaft; er liebkosete sein Opfer, gleich der Katze, die schmeicheln kann, wenn sie darauf ausgeht, die bitterste Wunde zu ertheilen; und keiner war geschickter, die Ueberlegenheit der schlechten und selbstischen Grundsätze zu behaupten und zu preisen, durch die er sich bestrebte jene edlern Beweggründe zu Anstrengungen zu ersetzen, welche bei seinen Vorgängern aus dem hochsinnigen Geiste der Chevalerie hervorgegangen waren.

Dies System begann jetzt wirklich zu veralten, und es hatte, selbst zur Zeit seiner Blüthe, etwas so Ueberspanntes und Phantastisches in seinen Grundsätzen, daß es dadurch allgemein zu einem Gegenstande der Verspottung ward, sobald es, gleich andern alten Moden, außer Ansehen zu kommen anfing, und die Waffen des Spottes konnten sich dagegen erheben, ohne das Mißfallen und den Abscheu zu erregen, womit sie in früherer Zeit, als eine Art von Gotteslästerung, zurückgewiesen worden wären. Im vierzehnten Jahrhundert nahmen die Spötter überhand, welche die ausschweifenden und exclusiven Lehren von Ehre und Tugend in's Lächerliche zogen, die man öffentlich als absurd anerkannte, weil sie, in der That, bis zu einer solchen Höhe der Vollkommenheit getrieben wurden, daß sie von menschlichen Wesen unmöglich auszuüben waren. Machte es sich ein edler und hochsinniger Jüngling zum Vorsatz, sich nach seines Vaters Lehre von der Ehre zu bilden, so ward er verlacht, als hätt' er zum Kampfe des guten alten Ritters Durindarte zweihändiges Schwert gebracht, lächerlich wegen seiner alterthümlichen Form, mochte seine Klinge auch vom feinsten Stahl und seine Verzierungen von reinem Golde sein.

Auf gleiche Weise warf man die Grundsätze der Chevalerie bei Seite und ersetzte sie durch schlechtere Reizmittel. Statt der hohen Begeisterung, die Jeden zur Verteidigung seines Vaterlandes trieb, führte Ludwig XI. den Dienst der stets bereitwilligen Miethsoldaten ein, und überredete seine Unterthanen, unter denen der Kaufmannsstand sich zu heben begann, es sei besser, den Miethsöldnern Gefahr und Mühe des Kriegs zu lassen, und die Regierung statt dessen mit den Mitteln, jene zu bezahlen, zu versehen, als sich selber der Gefahr der Vertheidigung auszusetzen. Die Kaufleute waren durch solche Gründe leicht überredet. In den Tagen Ludwig's XI. kam es noch nicht so weit, daß auch die Landbesitzer und Edelleute auf gleiche Weise von dem Kriegsdienste ausgeschlossen wurden; aber der schlaue Monarch leitete das System ein, welches seine Nachfolger handhabten, und das zuletzt die ganze militärische Vertheidigung des Staats in die Hände der Regierung legte.

Auf gleiche Art bemühte er sich, die Grundsätze zu ändern, welche bisher dem Verkehr der Geschlechter zu Regeln gedient hatten. Die Lehren der Chevalerie hatten, zum mindesten theoretisch, ein System gebildet, in welchem die Schönheit die herrschende und lohnende Gottheit war – die Tapferkeit aber ihr Sklave, der sich Muth von ihrem Blicke holte und sein Leben in ihrem geringsten Dienste hingab. Allerdings artete dies System hierin, wie in manch' anderer Hinsicht, zu phantastischer Ausschweifung aus, und ärgerliche Fälle kamen häufig vor. Doch glichen sie im Allgemeinen immer jenen, deren Burke gedenkt, wo die Schwachheit zur Hälfte ihrer Schuld ledig ward, indem sie von all' ihren groben Eigenschaften gereinigt war. Mit Ludwig's XI. Verfahren verhielt es sich weit anders. Er war ein niedrer Lüstling, der Vergnügen ohne Gefühl suchte, und das Geschlecht verachtete, von dem er es erhalten wollte; seine Geliebten waren von niederm Stande, zu gering, um mit dem erhabnen, obwohl schuldigen Charakter der Agnes Sorel verglichen zu werden, wie Ludwig selbst gering gegen seinen heldenmüthigen Vater war, der Frankreich von dem englischen Joche befreite. Ebenso zeigte Ludwig, indem er seine Günstlinge und Minister aus der Hefe des Volkes wählte, die geringe Achtung, die er hoher Stellung und edler Geburt zollte; und obwohl dies nicht allein zu entschuldigen, sondern sogar verdienstlich zu nennen sein konnte, wo des Fürsten Befehl...



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