E-Book, Deutsch, 232 Seiten
Reihe: LYX.digital
Seabrook A Song For You
1. Auflage 2021
ISBN: 978-3-7363-1512-9
Verlag: LYX.digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, 232 Seiten
Reihe: LYX.digital
ISBN: 978-3-7363-1512-9
Verlag: LYX.digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Ein Rockstar ist das Letzte, was sie in ihrem Leben brauchen kann ...
Ember ist mehr als froh, dass ihr Bed and Breakfast für den Sommer ausgebucht ist. Was sie jedoch nicht erwartet hätte, ist die Band, die plötzlich in ihrem Wohnzimmer steht. Und ebenso wenig hat sie mit der unwiderstehlichen Anziehungskraft gerechnet, die Ash, der attraktive Leadsänger auf sie ausübt. Sie weiß nicht, dass ihre Gäste Superstars sind und dass sie von ihrer Managerin verdonnert wurden, an ihrem neuen Album zu arbeiten und den Skandal abflauen zu lassen, den ein Internet-Video von Ash ausgelöst hat. Doch eins weiß sie: Um ihre kleine Tochter zu beschützen, darf sie sich niemals wieder auf den falschen Mann einlassen. Aber obwohl sie spürt, dass Ash ein Mann ist, der mit seinen inneren Dämonen kämpft, wird ihr bald klar, dass in ihm noch viel mehr steckt als der Rockstar, dem der Ruhm zum Verhängnis wurde ...
'C. M. Seabrook ist einfach der Wahnsinn. Dieses Buch hat mir das Herz gestohlen, es war einfach perfekt!' BOOKS ARE FOOD
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1
Ember
»Dafür werde ich in die Hölle kommen«, murmle ich, während ich im großen Foyer eines Gebäudes stehe, das einst als eines der elegantesten Häuser in Stanton galt. Als Kind wurde ich mehr als einmal dafür gescholten, dass ich immer die große Marmortreppe hoch- und hinuntersprang und durch die labyrinthartigen Korridore rannte, die mit kostbaren Gemälden, Teppichen aus Persien und Porzellanvasen ausgestattet waren, die sich seit Generationen im Besitz meiner Familie befanden.
Doch nun ist alles fort. An den Höchstbietenden versteigert. Die geliebte Chaiselongue meiner Großmutter habe ich durch ein gebrauchtes Sofa ersetzt, das ich bei einem Garagenverkauf gefunden habe. Wo einst der massive antike Esstisch stand, befindet sich nun ein Sperrholztisch von Ikea, für dessen Zusammenbau ich sechs Stunden gebraucht habe. Die einzige Sache, die ich einfach nicht verkaufen konnte, ist das alte Steinway-Piano, das im Salon wie eine mahnende Erinnerung an die Vergangenheit steht.
»Du tust, was du tun musst, um zu überleben«, sagt Millie, meine beste Freundin und der einzige Grund, warum ich in den letzten Jahren nicht durchgedreht bin. Sie lächelt mich mitfühlend an. Sie ist außerdem die einzige Freundin, die ebenfalls Mutter ist. Auch sie zieht eine Sechsjährige auf. Der einzige Unterschied besteht darin, dass sie es mit einem Partner zusammen tut.
»Ich weiß. Aber wenn meine Großmutter geahnt hätte, dass ich dieses Haus jemals in eine Pension umfunktionieren würde, bin ich mir ziemlich sicher, dass sie es eher der Kirche gespendet hätte, als es mir zu überlassen.
»Du kannst es immer noch verkaufen.«
Ich kaue auf meiner Unterlippe herum und runzle die Stirn. Sie hat recht. Ich hatte schon einige Angebote. Natürlich nicht für das Haus, sondern für das Grundstück. Es wäre gelogen, würde ich behaupten, diese Möglichkeit wäre mir nicht tatsächlich manchmal durch den Kopf gegangen, aber ich habe nicht die letzten beiden Jahre darum gekämpft, das Haus vor dem Abriss zu bewahren, damit die zwei Hektar, auf denen es steht, in eine Wohnsiedlung oder ein Seniorenzentrum verwandelt werden.
»Ich habe versprochen, dass ich das nicht tun werde.« Ich streiche über die vergilbten Tasten des alten Pianos und zucke zusammen, als ein verstimmter Ton durch den Raum hallt.
Andere Versprechen mag ich gebrochen haben – wie das, zu lieben und zu ehren. Ein Versprechen, dass ich vor vier Jahren brechen musste, als ich meinen verlogenen Ex dabei erwischte, wie er in unserem Ehebett eine andere Frau vögelte. Aber dieses werde ich nicht brechen.
Dieses Haus mit seinen knarzenden Dielen, vergilbten Tapeten und unzähligen unerledigten Aufgaben ist das Letzte, was mir von dem Mädchen bleibt, das ich einst war. Ein Mädchen, das ich vor langer Zeit verloren habe.
Mir läuft ein kalter Schauer über den Rücken, als ich an all diese vergeudeten Jahre denke. Es ist nicht nur die Erinnerung an die Untreue, sondern an alles, was danach kam. Die Verleumdungen, die Lügen, die Drohungen. Der Verlust.
Nicht, dass ich an alldem vollkommen schuldlos gewesen wäre. Auch ich habe Fehler gemacht. Viele Fehler. Und während all dieser Zeit war das Einzige, was mich hat weiterkämpfen lassen … mein kleines Mädchen. Sie ist den Herzschmerz, den mir ihr Vater zugefügt hat, mehr als wert. Der Grund, warum ich weiterkämpfe, auch wenn es mir an manchen Tagen einfacher vorkommt, aufzugeben.
Ich werfe einen Blick auf die Wanduhr. In vierzig Minuten wird sie der Bus am Ende der langen Kieseinfahrt absetzen, und ihr Kichern und Lächeln wird die Leere in meinem Herzen wieder füllen.
Und schon bald wird unser Haus auch noch von der Stimme einer Fremden erfüllt sein.
Ich atme tief durch. »Sie müsste eigentlich schon hier sein.«
»Ich kann es einfach nicht fassen, dass du für drei Monate ausgebucht bist. Ich meine, wer mietet so lange eine Pension ausgerechnet hier in Stanton? Das ist doch seltsam, oder?«
Ich verhake meine Finger ineinander und schaue aus dem großen Erkerfenster. »Sie hat gesagt, dass sie etwas Abgeschiedenes sucht. Außerdem hat sie die drei Monate im Voraus bezahlt. Und einen großzügigen Bonus für die Mahlzeiten.« Ich zucke mit den Schultern, um mir meine Nervosität nicht anmerken zu lassen.
Millie hat recht, die ganze Sache ist seltsam. Aber ich kann es mir nicht leisten, mir zu viele Gedanken über die Gründe zu machen. Ich brauche das Geld.
Ich richte die Blumen auf dem Beistelltisch und hoffe, dass sie von der spärlichen Möblierung ablenken. Doch Maryll, die Frau, die ich momentan erwarte, schien eher an der Beleuchtung des Salons interessiert zu sein als an der Qualität der neuen Vorhänge, die ich gerade bei Walmart gekauft habe.
»Dieses Haus ist ohnehin zu groß für Cadence und mich.« Den ersten Stock mit seinen vier Schlafzimmern und zwei Bädern benutzen wir nicht einmal. Cadence’ Zimmer befindet sich im Erdgeschoss neben meinem. Von den Mahlzeiten abgesehen, werden wir von dieser Frau wohl nicht viel zu sehen bekommen. »Es wird schön sein, wieder jemand anders bekochen zu können, seit Grams nicht mehr da ist.«
Millie sieht mich an, als würde sie mir nicht glauben. »Du meinst, wieder einen anderen Vorwand zu haben, dich hier zu verkriechen.« Sie seufzt und legt mir mit ernstem Gesichtsausdruck die Hände auf die Schultern. »Du, mein Schatz, brauchst ein Leben außerhalb dieses Hauses.«
»Aber ich mag mein Leben so, wie es ist. Und du solltest wirklich damit aufhören, mich verkuppeln zu wollen«, sage ich, weil ich weiß, dass sie genau darauf hinauswill. Seit Jahren versucht sie, mich zu einem Pärchenabend mit ihr, ihrem Ehemann und einem seiner Freunde zu überreden. Doch das Letzte, was ich momentan in meinem Leben brauche, ist eine weitere Komplikation.
»Meinetwegen. Aber wir haben seit Jahren nicht mehr richtig einen draufgemacht.«
»Du kommst doch am Sonntag vorbei.«
Sie schnaubt. »Eine Flasche Chardonnay und Wiederholungen vom Bachelor gelten nicht als draufmachen.«
»Ich habe Cadence …«
»Die jedes zweite Wochenende bei ihrem Vater ist. Es gibt absolut keinen Grund, warum du nicht ausgehen und ein bisschen Spaß haben könntest. Vielleicht lernst du ja jemanden kennen. Findest du nicht, dass es an der Zeit ist?«
Mir dreht sich der Magen um, denn es gibt tatsächlich einen Teil von mir, der einsam ist und sich nach einer echten Verbindung mit jemandem sehnt. Ich schüttle den Kopf. »Diesen Weg bin ich schon mal gegangen und werde es nicht wiederholen.«
Millie seufzt. »Nicht alle Kerle sind Arschlöcher, das weißt du doch?«
»Weiß ich. Deiner auf keinen Fall.« Ich reibe mir über die nackten Arme. Ich weiß, dass nicht alle Männer Fremdgeher und Lügner sind. Mein Vater war einer von den guten. Selbst als meine Mutter krank wurde, wich er nie von ihrer Seite. Und nach ihrem Tod starb er buchstäblich an gebrochenem Herzen. Auf den Tag genau einen Monat nach ihrem Ableben bekam er einen Herzinfarkt und starb, noch bevor man ihn ins Krankenhaus bringen konnte. Es war der Tag der Beerdigung meines Vaters, als ich Mitch mit dieser anderen Frau erwischt habe. Manchmal denke ich, mir war die ganze Zeit über klar, dass er mich betrog. Ich hatte es nur nicht wahrhaben wollen.
Aber was war schon von einem Typen zu erwarten, der der nächste Freddie Mercury sein wollte, aber nicht einmal in der Lage war, einen Ton zu halten? Und doch habe ich ihn unterstützt. Ich hatte zwei Jobs, selbst als ich im neunten Monat schwanger war, während er in Kneipen hockte und jeden Penny vertrank, den ich verdiente.
Ich wollte, dass er etwas wäre, was er nicht war. Dass er mich so liebt, wie er es niemals tun würde. Und dafür habe ich so viel von mir aufgegeben – alles. Bis ich die Frau im Spiegel kaum noch erkannt habe.
An jenem Tag, als ich ihn mit einer anderen in unserem Bett überraschte, traf ich eine Entscheidung. Ich schwor mir, mich niemals wieder von einem Mann verletzen zu lassen.
Nachdem Millie gegangen ist, hantiere ich im Haus herum und versuche, mich irgendwie zu beschäftigen. Ich bin mir nicht sicher, warum ich nervös bin, aber ich spüre ein Kribbeln im Nacken und Schmetterlinge im Bauch, wie eine Art Vorahnung. Ich versuche sie zu ignorieren. Grams hat immer an diese Dinge geglaubt, doch ich bin rational veranlagt. Das ist sicher nichts als Nervosität, weil eine Fremde in mein Haus einziehen wird.
Ich stehe in der Küche und bereite für heute Abend einen Auflauf vor, als ich höre, wie eine Autotür zuschlägt.
Ich atme tief durch, wische mir die Hände an meiner Schürze ab und will zum Foyer gehen, doch die Haustür öffnet sich, bevor ich da bin, und drei große tätowierte Männer drängen herein.
Einen Moment stehe ich nur da und starre sie an. Noch haben sie mich nicht gesehen.
Zuerst bin ich zu überrascht, um Angst zu verspüren, was in dieser Situation wahrscheinlich angebracht wäre. Und ich verfluche mich dafür, die Haustür nicht abgeschlossen zu haben. Doch wir sind hier in Stanton, wo niemand seine Tür abschließt.
Der größte der drei Männer pfeift leise und schiebt sich die Sonnenbrille über die Stirn, während er das Foyer betrachtet. Seine Stimme ist tief, und sein Akzent klingt irisch. »Und ihr dachtet, Maryll hätte keinen Sinn für Humor.«
Ein Mann mit über und über tätowierten Armen und pechschwarzen Augen sieht ihn wütend an und lehnt seinen Gitarrenkoffer an die Wand. »Sie hat also keinen Witz gemacht, als sie sagte, es sei mitten im...




