E-Book, Deutsch, Band 2, 190 Seiten
Reihe: Die Wild-Irish-Trilogie
Seabrook Wild Irish - Owen
1. Auflage 2021
ISBN: 978-3-7363-1721-5
Verlag: LYX.digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, Band 2, 190 Seiten
Reihe: Die Wild-Irish-Trilogie
ISBN: 978-3-7363-1721-5
Verlag: LYX.digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Bree war in Owen Gallagher verliebt seit sie zwölf Jahre alt war, bevor die ganze Welt seinen Namen kannte. Doch für ihn war sie nur die Kleine, die immer mit der Clique herumzog. Als sie nach langer Zeit in den USA nach Irland zurückkehrt, erkennt Owen sie nicht wieder. Sie verbringen eine gemeinsame heiße Nacht miteinander. Eine Nacht, das macht Owen ihr unmissverständlich klar, mehr kann er ihr nicht geben. Eine Nacht, so hatte Bree gehofft, würde ihr helfen, dieses Kapitel ihres Lebens abzuschließen. Doch die Leidenschaft und die Gefühle zwischen ihnen sind explosiver als alles, was sie sich hatte vorstellen können. Und je mehr sie einander nahekommen, desto mehr fürchtet Bree den Moment, in dem er erfährt, wer sie wirklich ist und dass sie ihn angelogen hat ...
Band 2 der WILD-IRISH-Trilogie
Weitere Infos & Material
Prolog
Bree
12 Jahre alt
Hoch oben in der alten Eiche ziehe ich mir die aufgeschürften Knie an die Brust und sehe meinen Cousins, Cousinen und ihren Freunden zu, wie sie lachen und im flachen Wasser des Sees herumspritzen.
»Hey, Baby Bee«, sagt eine tiefe Stimme unter mir. Sofort habe ich Schmetterlinge im Bauch, wie immer, wenn Owen Gallagher mit mir redet. Seine grauen Augen sehen besorgt zu mir hoch. »Was treibst du da oben?«
»Ich hasse es, wenn du mich so nennst. Ich bin kein Baby«, schmolle ich, obwohl ich weiß, dass mich die sechs Jahre, die uns trennen, in seinen Augen wie ein Kind erscheinen lassen. Und das ärgert mich furchtbar.
»Du hast recht«, sagt er, und ein Schmunzeln umspielt seine Mundwinkel. »Warum schwimmst du nicht, Beatrice?«
Jetzt betont er übertrieben meinen Namen, was ich fast genauso furchtbar finde wie den kindischen Spitznamen, den mir sein Bruder Cillian verpasst hat.
Ich zucke mit den Schultern und sehe zu, wie er sich auf einen der größeren Äste hochzieht, ein Bein darüberschwingt und sich auf den Rücken legt. Dann streicht er über die spärlichen Bartstoppeln an seinem Kinn, die genauso dunkel sind wie die Haare auf seinem Kopf.
»Ich hasse schwimmen«, lüge ich, denn ich will nicht zugeben, dass mich sein Bruder Cillian damit aufgezogen hat, dass ich im Wasser statt eines Badeanzugs T-Shirt und Shorts trage. Dann hat er allen erzählt, ich sei in Wirklichkeit ein Junge und wolle nicht, dass es jemand erfährt.
»Cillian mal wieder?«, fragt Owen, als ob er meine Gedanken lesen könnte.
Ich zucke mit den Schultern. »Ich hasse Jungs.«
»Hey.« Seine weichen vollen Lippen verziehen sich zu einem Lächeln, und in seinen grauen Augen funkelt Belustigung. »Wir sind nicht alle schlecht.«
»Du bist doch kein Junge«, sage ich, bevor ich beschämt den Mund schließe und spüre, wie meine Wangen heiß werden.
Owen lacht heiser. »Das letzte Mal, als ich nachgeschaut habe, war ich es.«
»So habe ich das nicht gemeint«, murmle ich, zupfe ein Blatt ab und spiele damit herum. Owen ist anders. Er ist nett. Und er hänselt mich nicht wie die anderen. Er ist kein Junge. Sondern ein Mann. Und eines Tages wird er mir gehören.
Owen lächelt weiter, bis ich zu ihm hinunterzuklettern beginne. »Vorsichtig, Bee.«
Ich verdrehe die Augen. Er ist immer so ernst. So übervorsichtig. Und so besorgt um alle.
»Mach dir keine Sorgen.« Ich balanciere auf einem breiten Ast ein paar Meter über seinem Kopf und sage stolz: »Ich traue mich alles.«
»Das weiß ich doch. Genau das macht mir ja Sorgen.«
»Gehst du auch schwimmen?«, frage ich, als er zum See hinüberschaut, wo meine Cousine Emer auflacht, um die Jungs auf sich aufmerksam zu machen.
»Nein.« Owens stürmische Augen bleiben unter zusammengezogenen Brauen auf die Gruppe Jugendlicher gerichtet. In seiner Hand hält er einen zusammengefalteten Zettel.
»Was ist das?«
»Nur ein Liedtext, an dem ich gerade arbeite.« Doch so, wie er ihn schnell in die Hosentasche steckt, wegsieht und rote Wangen bekommt, glaube ich, dass er lügt.
»Kann ich ihn lesen?«
Sein Lächeln kehrt zurück. »Vielleicht wirst du es ja mal im Radio hören.«
Trotz unseres Altersunterschieds ist Musik etwas, das mich mit Owen verbindet. Wie er kann ich fast jedes Instrument spielen. Doch am liebsten mag ich das Klavier und zwar hauptsächlich deshalb, weil ich zu meiner Tante Agnus muss, wenn ich es spielen will. Und da Owen mit meinem Cousin Shane befreundet ist, ist er auch oft da. Doch in letzter Zeit frage ich mich, ob er inzwischen nicht eher wegen Emer hingeht.
Der Gedanke lässt Eifersucht in mir aufsteigen. Obwohl ich weiß, dass meine Cousine heimlich in Aiden Callahan verknallt ist, gefällt mir nicht, wie Owen sie ansieht.
Ich würde alles dafür geben, wenn er mich auch nur ein einziges Mal so ansehen würde.
Owen zieht einen Stift aus seiner Gesäßtasche und beginnt, sich etwas auf den Arm zu schreiben, der bereits voller Worte und Muster ist.
»Warum machst du das?« Ich klettere zu seinem Ast hinunter und versuche, einen Blick auf das zu werfen, was er schreibt.
»Was?«
»Auf deinen Arm schreiben.«
Sein Mund verzieht sich zu einem Lächeln. »Mir kam gerade ein Gedanke, und ich will ihn nicht vergessen.«
»Zu einem Liedtext?«
Er nickt und hört auf zu schreiben.
»Und das?« Ich deute auf ein Muster von ineinandergeschlungenen Linien, das er mit schwarzer Tinte auf seinen Unterarm gemalt hat.
»Das ist der Dara-Knoten. Hast du ihn noch nie gesehen?«
»Nicht so.«
Er nimmt meinen Arm und dreht ihn so, dass meine Handinnenfläche nach oben zeigt. Dann beginnt er, auf mein Handgelenk zu malen. Der schwarze Stift bohrt sich in meine Haut, aber ich kann nur an seine Finger denken, die mich berühren, und an die plötzliche Wärme in meinem Bauch.
Ich schlucke nervös und versuche, nicht zu zittern, während er den Knoten fertig zeichnet.
»Er symbolisiert die Wurzeln der Eiche.« Er grinst mich schief an.
Meine Haut kribbelt noch von seiner Berührung, doch es gelingt mir, ohne Stottern zu fragen: »Was ist denn an einer Eiche so besonders?«
Er lehnt sich zurück und sieht auf. »Wenn du dir den Baum anschaust, was siehst du da?«
Ich zuckte mit den Schultern. »Zweige. Blätter.«
»Das, was du nicht siehst, was sich unter der Erde befindet, ist das, was den Baum am Leben erhält.«
»Die Wurzeln.«
Er nickt. »Wenn die Wurzeln nicht stark genug sind, wenn der Wind bläst und die Stürme kommen, stürzt der Baum um.«
Ich ziehe mit einem Finger die Zeichnung nach. Es ist eigentlich mehr ein Vorwand, ihn zu berühren, als aufrichtiges Interesse daran, was es bedeutet.
»Der Dara-Knoten erinnert uns daran, dass wir selbst die schwersten Stürme überleben können, wenn wir starke Wurzeln haben.«
»Menschen haben keine Wurzeln.«
»Doch.«
Ich sehe ihn stirnrunzelnd an. »Du meinst Familie?«
»Und Freunde …« Sein Blick richtet sich auf den See, wo Cillian, Aiden, Shane und Emer weiter herumalbern.
Seine Freunde. Seine Familie. Ich war immer zu klein gewesen, um in ihre Gruppe eingebunden zu sein. Ich war ausgeschlossen, so verzweifelt ich auch versuchte, dazuzugehören. Ich hatte immer gehofft, dass sich das ändern würde, wenn ich älter wäre, dass sie mich eines Tages akzeptieren würden. Doch wenn meine Mutter und ich nächste Woche erst einmal nach Michigan in den Vereinigten Staaten umgezogen sind, werde ich sie wahrscheinlich nie wiedersehen.
Tränen brennen in meinen Augen, und ich blinzle sie schnell weg, weil ich nicht vor Owen weinen will.
»Was, wenn ich weder noch habe?«
Sein Blick richtet sich wieder auf mich. »Du bist Irin, Bee. Wo du auch hingehst, du wirst beides immer haben. Unsere Wurzeln sind alle miteinander verschlungen. Wir stehen zusammen. Wir fallen zusammen. Doch wir sind nie allein.«
Ich hebe die Schultern, dann lasse ich sie resigniert fallen.
»Ich will nicht wegziehen«, murre ich. »Und ich will keinen neuen Vater.«
»Er ist bestimmt sehr nett.«
Ich zucke erneut mit den Schultern, weil ich den Mann, dessentwegen wir über den Ozean fliegen werden, noch nie getroffen habe. Meine Mutter hat ihn auf einer dieser Datingseiten im Internet kennengelernt. Ich weiß nur, dass er ein großes Haus und drei Autos hat, und dass ihn meine Mutter für ihren Seelenverwandten hält.
Was auch immer das bedeutet. Sie denkt bei jedem Typ, mit dem sie zusammen ist, er sei endlich der Richtige. Und vielleicht ist das ja bei diesem Kerl so. Ich habe gehört, wie sich meine Tante Agnus und sie über ihn gestritten haben. Und über mich.
Ich habe meine Mutter angefleht, mich hierbleiben zu lassen. Agnus würde mich bestimmt bei sich wohnen lassen. Doch jedes Mal, wenn ich es erwähnte, begann sie zu weinen und klagen, dass ich meine Tante lieber habe als sie. Also sage ich nichts mehr.
»Was, wenn ich dich nie wiedersehe?«, frage ich traurig, während ich mich rittlings auf den großen Ast setze.
»Ihr kommt uns bestimmt besuchen.« Er zupft sanft an meinem Pferdeschwanz. »Und du hast deine Musik. Jedes Mal, wenn du sie spielst, musst du einfach nur die Augen zumachen und schon bist du wieder zu Hause.«
Ich schließe jetzt meine Augen und seufze leise. »Das ist nicht dasselbe.«
»Ich verspreche dir etwas, in Ordnung?« Er legt mir seine raue Hand auf die Schulter und drückt sie sanft. »Ich werde dir schreiben. Und du kannst mir zurückschreiben und von all deinen aufregenden Abenteuern berichten.«
»Schwörst du, dass du mir wirklich schreibst?«
»Ich schwöre es.« Er hält mir seinen kleinen Finger hin, den ich mit meinem nehme und schüttle.
Zum ersten Mal seit dem Moment, als mir meine Mutter von dem Umzug erzählte, spüre ich so etwas wie Hoffnung und Glück in meiner Brust.
»Kannst du mir einen Gefallen tun, Bee?«, fragt Owen, während er mir vom Baum herunterhilft. Seine großen Hände halten meine Taille, bis ich wieder fest mit den Beinen auf der Erde stehe.
»Alles.« Und ich meine es so.
»Würdest du das hier Emer von mir geben?« Er zieht den Zettel aus seiner Hosentasche und zögert einen Augenblick, bevor er ihn mir gibt.
Ich runzle die Stirn, nehme ihn aber....




