E-Book, Deutsch, 400 Seiten
Seibert Der Bro-Code
1. Auflage 2021
ISBN: 978-3-492-98814-8
Verlag: Wattpad@Piper
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Manche Regeln muss man einfach brechen ...
E-Book, Deutsch, 400 Seiten
Reihe: Die besten deutschen Wattpad-Bücher
ISBN: 978-3-492-98814-8
Verlag: Wattpad@Piper
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Autoren/Hrsg.
Weitere Infos & Material
Regel Nummer 1
Broes* before hoes
*Jeder Bro ist als »Bro**«, »Alter«, »Mann«, »Amigo« oder »Homie« zu bezeichnen, niemals als »Typ«, »Kumpel« oder »guter Kerl«. Ein Bro bleibt bis ans Ende aller Tage ein Bro.
**Unter bestimmten Umständen kann auch »Bruder« verwendet werden, jedoch niemals ironisch.
Entgegen dem, was ihr vielleicht gehört habt, habe ich nicht mit Eliza O’Connor geschlafen. Hätte ich es gewollt? Habt ihr sie gesehen? Hätte ich gekonnt? Habt ihr mich gesehen? Aber ich habe es nicht getan, auch wenn euch die Leute etwas anderes erzählen werden, denn ich bin mit ein paar Weltklasse-Trollen auf der Highschool. Sie werden euch noch eine Menge anderer Geschichten über mich erzählen, von denen manche stimmen, wie die über den Streich, den ich Mr Hoover gespielt habe (das Lila war eine ganze Woche lang nicht aus seinen Haaren zu kriegen), viele fast stimmen, wie die, dass ich einmal ein Mädchen aufgerissen habe, indem ich bei einem Football zu ihr an den Essensstand gegangen bin und »Nein« gesagt habe (in Wirklichkeit habe ich gesagt: »Nein, wir sind noch nicht miteinander ausgegangen, aber ich bin dafür, dass wir das ändern.«). Ein paar der Geschichten sind aber definitiv nicht wahr. Und dazu gehört die, dass ich mit Eliza O’Connor geschlafen habe.
Einige Typen werden behaupten, dass ich das Gerücht selbst in die Welt gesetzt habe. Ich wünschte, das hätte ich – meine Geschichte wäre viel schöner ausgestaltet als jede Version, die ihr gehört habt. Falls ihr herausfindet, wer es war, gebt mir Bescheid und sagt demjenigen, dass er mich draußen treffen soll, wo wir die Sache wie Erwachsene klären können. Was ich aber weiß, ist, wie alles anfing – nicht auf Jeff Karvotskys Party, wie alle glauben. In Wirklichkeit begann es einige Monate früher, und zwar so wie die meisten Gerüchte: mit ein paar Leuten, denen unglaublich heiß war und die Pizza aßen.
Es war Mittwochnachmittag und ich spielte im Straight Cheese ’n’ Pizza mit der Hälfte der Abschlussklasse Air-Hockey. Wir genossen unsere letzten ersten Tage des Schuljahres, hatten fünfzehn fettige Pizzas und dazu unbegrenzt Limo bestellt und uns an der Bar, an zusammengestellten Holztischen und in ein paar der Nischen am Rand des Restaurants ausgebreitet, ganz in der Nähe der Spielautomaten und des berüchtigten Pizzabäckers. Der Pizzabäcker war eine lebensgroße Kupferstatue eines Mannes mit einem ausgefallenen Hut, der eine Pizza in die Luft warf. Und ja, er war natürlich jedes Frühjahr die Krönung des Cassidy-High-Abschlussstreiches. (Zuletzt stand er auf dem Dach unserer Schule mit einem Schnurrbart und einer Perücke, die ihn aussehen ließen wie unseren Rektor.)
Die Cassidy High war selbstverständlich die Highschool in North Cassidy, Massachusetts. Sie war eine dieser Schulen, an der das Wissenschaftsteam mehr Geld bekam als der Football, und es gab gerade genug Schüler, damit sie nicht mehr als Regional Highschool galt. Meine Mitschüler und ich wussten alles voneinander, damit angefangen, wer in der dritten Klasse in Musik gefurzt hatte, bis dahin, wer heute Morgen in Biologie gefurzt hatte. Wir alle würden in North Cassidy heiraten und für immer hierbleiben, und dann würden unsere Kinder ebenfalls Freunde werden. Außer mir – ich wartete auf ein Fußball-Stipendium, aber das war eine unsichere Partie (Achtung, Wortspiel!).
»Yo, Nick! Erzähl doch noch mal die Geistergeschichte,« rief Robert Maxin, der einzige Abschlussschüler im Fußballteam, der noch nie jemanden geküsst hatte.
»Versprichst du, dir diesmal nicht in die Hose zu machen?«, fragte ich.
Robert saß auf einem Barhocker am Tresen und hatte sich zum Rest von uns herumgedreht. Er hielt ein Stück Peperoni in der Hand, das so fettig war, dass es ihm in den Schoß tropfte. Er wischte darüber und verschmierte so den Fleck auf seiner Jeans, die ihm seine Mom gerade erst gekauft hatte, noch mehr. Robert war die nahe liegende Wahl für den Titel des bestgekleideten Schülers im Superlative-Ranking des diesjährigen Jahrbuchs.
Ich zwinkerte dem Mädchen auf dem Barhocker neben ihm zu: Hannah Green war eine brünette Schönheit und eine der wenigen Cheerleader auf der Cassidy High, die nur Einser schrieb. Dass Robert mich bat, die Geistergeschichte zu erzählen (sie handelte davon, dass unsere Schule von Geistern heimgesucht wurde und einer der Lehrer sich nachts in einen Vampir verwandelte), war sein letzter Versuch, sie davon abzuhalten, den Platz neben ihm zu verlassen, doch ich war damit beschäftigt, meinen Rekord im Air-Hockey zu verteidigen. Bisher war ich ungeschlagen.
Austin Banks, der Mann, der Mythos, die Legende und Teil unseres Bro-Trios, schmetterte den Air-Puck in Richtung meines Tors, als wäre es das wichtigste Spiel seines Lebens. War es nicht, aber Austin spielte immer so.
»Versucht, einen Mann zu treffen, während er abgelenkt ist …«, sagte ich. Der Puck glitt mit einer gekonnten Drehung über die Platte, als ich ihn zurückschoss. Bevor Austin merkte, was passierte, landete das Ding mit einem lieblichen Klacken in seinem metallenen Tor.
»Zehn zu neun. Und die Menge jubelt! Jaaaaaaa!«
»Wie auch immer.« Austin rückte seine Brille mit dem breiten schwarzen Rahmen zurecht und zog sich die Kapuze seines Cassidy-High-Fußballteam-Pullis über den Kopf, obwohl draußen immer noch Sommerwetter herrschte. Er war auch dafür bekannt, nach einem Schneesturm Basketballshorts zu tragen. Wir hatten alle unsere Macken.
»Gutes Spiel, Nick.« Austin streckte mir seine Faust zum Fistbump entgegen. Wir rutschten auf die weiche rote Bank der nächsten Nische, das dritte Mitglied unseres Bro-Triumvirats, der hellblonde Carter O’Connor, saß gegenüber.
Wenn Austin LeBron James war, dann war Carter Michael Jordan – der OB (Original-Baller, das heißt, ein echter Crack, der es geschafft hatte). Natürlich hätte man Fußball von überall außer vom Pluto verbannen müssen, damit Austin und Carter zu Basketball gewechselt hätten, aber wir wollten einen neuen Trend starten, deshalb benutzte ich den Begriff OB, wann immer ich konnte. Unsere Mütter waren sehr stolz auf uns.
Carter hatte es sich auf seiner Hälfte der Sechspersonennische mit einem Mathematik-Schulbuch und einer dicken Sammlung loser Zettel breitgemacht. Während er sich darüberbeugte, tippte er geistesabwesend mit einem Stift gegen seine Zähne. Blau angemalt hatte er sie sich nur ein Mal.
»Yo«, sagte ich. »Hast du deine Unbekannte schon gefunden? Denn ich bin mir ziemlich sicher, dass du da drin lange suchen kannst.«
Austin schnaubte. »Hey, kriegen wir bald mal unsere Pizza …?«
»Alter, das ist kein Witz«, unterbrach ihn Carter. »Wir werden dieses Jahr ernsthaft Hausaufgaben machen müssen. Schätze, ich habe Mathe.« Er kritzelte eine Antwort in ein dickes Notizbuch. Mit einem Kugelschreiber. Denn Carter glaubte an sich.
»Das ist nicht fair. Du hattest letztes Jahr schon Mathe«, sagte Austin. »Ich bin auf fünfzehn Essays für Ms Peterson sitzen geblieben. Und das waren in Wirklichkeit eher vierzig, weil ich jeden dreimal schreiben und ein bisschen abändern musste.«
»Ich habe definitiv Mathe.«
»Bin raus.« Ich berührte meine Nase. »Quiero español.«
»Ich nehme Bio«, sagte Carter.
»Psychologie«, fügte ich hinzu. »Damit bleiben dir, Austin« – Carter, der seine Nase immer noch in seiner (unserer) Hausaufgabe vergrub, lachte, als ich eine dramatische Pause einlegte –, »Englisch und Geschichte. Tut mir leid für dich.«
»Arschlöcher.«
Wir teilten unsere Hausaufgaben jedes Jahr nach Fächern unter uns auf, um Zeit zu sparen. Das funktionierte, weil wir im Grunde immer zusammen waren: derselbe Sport, dieselben Fächer, dieselbe unwiderstehliche Persönlichkeit … Wir hatten viel gemeinsam.
Austin ließ sich in sein Polster sinken und blickte sich im Restaurant um. Straight Cheese ’n’ Pizza war großartig, weil es hier nicht nur die beste Pizza, den besten gegrillten Käse und die besten Mozzarella-Sticks gab, die das ländliche Massachusetts zu bieten hatte (die Besitzer waren echte Genies bei allem, was mit Teig oder Käse zu tun hatte), sondern auch kostenlose Spielautomaten und eine echte Jukebox. Austin betrachtete die verschiedenen Cliquen unserer Mitschüler, die ein Querschnitt der beliebtesten Kids in leicht unterschiedlichen Klamotten waren, und lachte über Roberts wilde Handbewegungen, als der versuchte, die Geistergeschichte über unseren Biolehrer zu erzählen. Hannah hatte die Beine fest übereinandergeschlagen und ihren bedruckten Rock so weit nach unten gezogen wie nur möglich. Austin grinste, als würde er sich YouTube-Videos von ungeschickten Leuten ansehen.
»Was glaubt ihr, wie lange es dauert, bis Hannah rüberkommt?«
»Zwei Minuten«, sagte ich. »Kürzer, wenn er ihr von unserem Ausflug zu Build-A-Bear erzählt.«
»Armer Kerl. Hat absolut keine Ahnung, wie man mit Mädchen spricht.«
»Ihr zwei solltet ihm Unterricht geben.« Carter blätterte eine Seite in seinem Schulbuch um.
»Mein Gott«, antwortete ich so laut, dass die Leute neben uns herüberblickten. »Wir haben dir gesagt, dass uns die Sache mit Sarah leidtut, okay? Komm drüber weg.«
»Ich bin drüber weg«, sagte Carter.
»Du kannst uns keinen Vorwurf daraus machen, dass wir dich dazu herausgefordert haben, bei ihr zu landen, und dann sauer werden, wenn es tatsächlich leicht ist.«
»Ich habe gesagt, ich bin drüber weg.«
»Schwachsinn.«
Der plötzliche Stimmungswandel im Restaurant war spürbar – die meisten Leute, vor allem...




