E-Book, Deutsch, 495 Seiten
Seibert Sensenbund
1. Auflage 2019
ISBN: 978-3-7396-7785-9
Verlag: BookRix
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Thriller
E-Book, Deutsch, 495 Seiten
ISBN: 978-3-7396-7785-9
Verlag: BookRix
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Elias ist ein (Über-)Lebenskünstler, wie er im Buche steht: Mittel- und wohnungslos lebt der alkoholabhängige Peruaner nur für seine Freunde. Die Routine von Gelegenheitsjobs und durchzechten Nächten wird drastisch durchbrochen, als er sich in München für ein Vergewaltigungsopfer einsetzt und dabei die Bekanntschaft der attraktiven Millionenerbin Antonia von Niebuhr macht. Eine Romanze zwischen den beiden steht allerdings schon allein deshalb unter keinem guten Stern, weil offensichtlich jemand versucht, Antonia ... umzubringen. Als Antonia schließlich während einer nächtlichen Fahrt spurlos verschwindet, forscht Elias auf eigene Faust nach und stößt auf eine Verschwörung, die nicht weniger zum Ziel hat, als die politische, die militärische, die Finanz- und Wirtschaftsmacht der westlichen Welt zu übernehmen. Doch seine Nachforschungen bleiben nicht unbemerkt und erst, als er selbst ins Visier der Verschwörer gerät, bemerkt er, auf welch gefährlichen Gegner er sich eingelassen hat ... und die Liste seiner Verbündeten ist kurz ...
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Prolog
Berlin, Januar 1942
„Brüder!“ Das Wort schwebte lange über den Köpfen der mit Kapuzen vermummten Gestalten, die zu dem ebenfalls vermummten Großmeister am Rednerpult aufsahen. Nur 34 Mitglieder saßen in dem schummrigen Licht des großen Ballsaals der Villa an der Havel, 34 von 182. Wenn man bedachte, dass der Sensenbund vor dem sogenannten Röhmputsch 1934, im Deutschen Reich und Österreich noch 300 aktive Mitstreiter gelistet hatte, war dies eine geradezu ernüchternde Bilanz. Andererseits konnte man selbst diese geringe Anzahl schon als Erfolg werten in einem Berlin, in dem alleine schon das Abhalten geheimer Versammlungen die Todesstrafe nach sich ziehen konnte. Der Großmeister schichtete sein Manuskript zu einem fein säuberlichen Stapel zusammen. „Niemals in unserer nunmehr beinahe 100-jährigen Geschichte hatten wir eine derart schwerwiegende Entscheidung zu treffen wie heute. Es geht um nicht weniger als die Zukunft des Sensenbundes. Es geht um nicht weniger als um die Idee einer Menschheit, die das Adjektiv ‚humanistisch‘ wahrlich verdient. Doch lasst mich zuvor kurz die Fakten rekapitulieren.“ Der Großmeister blickte von seinem Manuskript in die Runde. Auch wenn sie alle maskiert waren, kannte er doch jeden einzelnen von ihnen. Einer hatte ein hohes Amt in der nationalsozialistischen Regierung inne und es wurde gemunkelt, dass derjenige in Kürze zum „Rüstungsminister“ ernannt werden sollte. Er würde vorsichtig formulieren, jedes Wort auf die Goldwaage legen müssen. Andererseits war besagter Bruder auch derjenige, der bisher Schlimmeres für den Sensenbund und seine Mitglieder verhindert hatte. Das Schicksal aller hier lag durchaus in der Hand dieses Mannes. „Erstens. Am 17. August 1935 hat Reichsinnenminister Frick Freimaurerlogen und freimaurerische Aktivitäten verboten. Ich habe bereits im Vorfeld höchstpersönlich beim Führer interveniert, besser gesagt, ich habe es versucht. Es ist mir allerdings nicht gelungen. Erst vor einer Woche hat man mich aus Kreisen des Führers informiert, dass dieser uns durchaus einer Freimaurerloge gleichsetzen und unsere Aktivitäten als reichsgefährdend ansehen würde. Man hat mir eindringlich nahegelegt, geeignete Maßnahmen zu ergreifen oder die Konsequenzen zu tragen.“ Dass einer der Anwesenden derjenige gewesen war, der diese Warnung übermittelt hatte, verschwieg der Großmeister geflissentlich. „Zweitens. Vor einem halben Jahr hat die Offensive gegen die Sowjetunion begonnen. Doch vor wenigen Tagen hat der Führer der Heeresgruppe Mitte den Rückzugsbefehl erteilen müssen, um deren vollständige Vernichtung vor Moskau zu verhindern. Drittens: Vor wenigen Wochen hat unser Vaterland den Vereinigten Staaten von Amerika den Krieg erklärt, noch bevor es gelungen ist, Großbritannien die Kapitulation abzuringen. Meine Herren, ich denke, Ihnen allen ist klar, was das bedeutet.“ Ein Mann aus der ersten Reihe, der auf Brusthöhe ein weißes Rhinozeros auf seiner dunkelblauen Kutte aufgestickt hatte, sprang auf. „Das ist der völlige Wahnsinn. Hitler hat sich in einen Zweifrontenkrieg gegen England und die USA im Westen sowie gegen die Sowjetunion im Osten verrannt, den er einfach nicht gewinnen kann. Das ist das Ende.“ „Sei vorsichtig, Bruder Rhino! Es gibt manch einen, der dir eine solche Äußerung als Defätismus ankreiden würde.“ „Wohl eher als Realismus. Spätestens jetzt ist es doch für jedermann, der sehen kann, offensichtlich, dass wir mit Hitler auf das falsche Pferd gesetzt haben. Unser letzter Großmeister war schon 1921 weitsichtig genug, diesem Anstreicher aus Braunau nicht über den Weg zu trauen.“ „Hindenburg und weitsichtig? Ach was! Der wollte doch nur keinen Gefreiten auf dem höchsten Regierungsamt sitzen haben. Wenn der so weitsichtig gewesen wäre, wie du sagst, hätte er einen Weg finden können, den Mann gar nicht erst zum Reichskanzler machen zu müssen.“ „Bruder Rübezahl, du weißt genau, wie viele aus unserer Mitte – und ich meine nicht nur die Zeitungsverleger und Industriellen unter uns – Hitler unterstützt haben. Außerdem muss ich dich bitten, keine Namen zu nennen! Das ist eine unverbrüchliche Regel“, warf der Großmeister beschwichtigend ein. „Als ob das jetzt noch eine Rolle spielen würde. Außerdem verstehe ich den Führer nicht. Was hat er gegen uns? Es war immerhin der Sensenbund, der ihm überhaupt erst in den Sattel geholfen hat. Es war der Sensenbund, der ihn dabei unterstützt hat, seine Ideen zu formulieren und einige unserer Mitglieder sind für seine Sache gestorben. Aus welchem Grund will er uns nun loswerden?“ „Niemand, Bruder Rübezahl, ist für seine Sache gestorben. Wenn überhaupt, dann für unsere Sache oder das, was wir zu jener Zeit dafür gehalten haben. Und was deine Frage betrifft und mich auf die drei Eingangsfakten zurückbringt: Der Führer steht mit dem Rücken zur Wand. Solange er einen Erfolg nach dem anderen vorweisen hat können, war er für die Mehrheit im Volk der große Held, der wiederauferstandene Napoleon Bonaparte. Ein Held kann es sich leisten, großzügig zu sein. Doch jetzt, wo die Dinge beginnen, ihm … aus der Hand zu gleiten, fürchtet er jede auch noch so leise Stimme der Opposition.“ „Unsere Stimmen sind bestimmt keine leisen“, brummte Bruder Rhino. „Eben, du sagst es, Bruder. Und genau aus diesem Grund will er uns zum Schweigen bringen. Und ihr alle kennt die Maßnahmen des Führers, die er gegen diejenigen ergreift, die er fürchtet oder fürchten zu müssen glaubt. Und, nachdem wir mit unserer Existenz juristisch gesehen eine illegale Vereinigung sind, hat er auch die Instrumentarien in der Hand, uns kurzerhand einfach so kaltzustellen.“ „Dann muss man mit ihm vernünftig reden. Ihm klarmachen, dass wir nie seine Feinde waren und es nie sein werden.“ „Du willst ihm also deine Seele verkaufen, Bruder Morgentau?“ „Die Seele verkaufen? Ich fürchte, ich verstehe nicht, Großmeister.“ „Es stimmt, wir haben Hitler aufgebaut. Bruder Löwenherz war ein Vorbild, ein Mentor und später sein Chefideologe. Er hat ihm eine Ideologie geliefert, die zu einem großen Teil in unserer Satzung verankert ist. Und es schien zur damaligen Zeit das Richtige zu sein, Hitler als das Instrument aufzubauen, das unsere Interessen durchsetzen sollte. Hitler war schon damals nicht nur eine fanatische und charismatische Person mit der Fähigkeit, Menschenmassen mitzureißen, er schien von unseren Idealen auch ausgesprochen angetan zu sein. Wie viele andere auch haben wir ihn für formbar, für zähmbar gehalten. Das hat sich leider als verhängnisvoller Irrtum herausgestellt. Hitler hat unser eigentliches Anliegen nie verstanden, nie in dem Sinne wie wir. Größe ist für ihn nur eine Frage seiner eigenen Größe und seiner Rolle in den künftigen Geschichtsbüchern. Es geht ihm nicht um die Menschheit. Er geht seinen eigenen Weg, einen Weg, der schon lange nicht mehr der Weg des Sensenbundes ist. Er weiß das. Mit welchem Argument willst du ihn unter diesen Umständen davon überzeugen, dass wir niemals seine Feinde sein werden?“ „Wohin wird diese Diskussion uns führen, Großmeister?“, fragte eine Gestalt in schwarzer Kutte in der letzten Reihe leise. Jedermann drehte sich zu dem Sprecher um. Die weißen ägyptischen Symbole Krummstab und Dreschflegel leuchteten beinahe auf dem dunklen Stoff. „Du hast vollkommen recht, Bruder Osiris. Wir sind heute hier zusammengekommen, um eine Entscheidung zu treffen. Von uns wird gefordert, dass wir die Bruderschaft des Sensenbundes auflösen. Wir müssen uns entscheiden, wie wir uns zu dieser Forderung stellen. Ich bitte um eure Meinungen. Deine, Bruder Osiris, interessiert mich dabei in ganz besonderem Maße.“ „Meine Meinung, Großmeister? Ach! Meine Meinung spielt in dieser Angelegenheit doch überhaupt keine Rolle. Der Führer hat die Auflösung befohlen und sich diesem Befehl zu widersetzen würde er als offene Rebellion auslegen. Ihr alle wisst, Brüder, mit welchen Konsequenzen derjenige zu rechnen hat, den der Führer als Widersacher ansieht. Mehr habe ich dazu nicht zu sagen.“ „Danke, Bruder Osiris. Bruder Schlangenzahn?“ „Was können wir schon erreichen, wenn wir uns in Opposition zu Hitler stellen? Durch unsere exponierte Lage an den Schaltstellen der Macht können wir nur dann etwas zum Besseren bewirken, wenn wir auch dort bleiben. Wenn wir unsere Ideen nicht verraten wollen, müssen wir kooperieren, damit wir unseren Einfluss nicht ganz verlieren.“ „Ich sehe das völlig anders“, polterte Bruder Rhino, in der Welt draußen ein hochdekorierter Militär. Gerade wenn wir kooperieren, verraten wir unsere Ideale. Nie zuvor hat die Bruderschaft sich irgendjemandem angebiedert und wir sollten selbst jetzt nicht damit beginnen. Lassen wir die Bruderschaft einstweilen ruhen, warten wir den geeigneten Zeitpunkt ab, bis der Wind sich gedreht hat. Ich gebe Hitler noch ein, höchstens zwei Jahre, dann ist er ohnehin am Ende. Dann wird unsere Zeit wiederkommen.“ „Danke Bruder...




