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E-Book

E-Book, Deutsch, 224 Seiten

Seidel Pet Shop


1. Auflage 2014
ISBN: 978-3-944737-51-5
Verlag: dead soft verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 224 Seiten

ISBN: 978-3-944737-51-5
Verlag: dead soft verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Auf dem Rückweg von einem Meeting gerät der Unternehmer Chris Spencer in einen Stadtteil der Unterprivilegierten 'Nima'. Er ist verblüfft, als er einen Club entdeckt, vor dem ganz offensichtlich Stricher stehen. Aus reiner Neugier nimmt er einen von ihnen mit nach Hause. Doch dann passiert etwas, das sowohl für Chris als auch den illegalen Stricher Dean brandgefährlich ist: Chris verliebt sich.

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2. Kapitel


Als Dean nach Hause kam, wartete Kay tatsächlich in seinem Zimmer auf ihn. Und wie Dean es vorausgeahnt hatte, war er erst zufrieden, als er den Verlauf der Nacht bis ins kleinste Detail kannte.

„Du warst tatsächlich bei einem Oberen?“, fragte er schrill nach und lachte begeistert. „Bei welchem?“ Die meisten Oberen waren in den Slums so etwas wie eine Legende. Jedenfalls, wenn man sich dafür interessierte, wie Kay. Nachdem er nie geglaubt hatte, einem persönlich gegenüberzustehen, waren Dean die Geschichten um solche Leute egal gewesen.

„Er heißt Chris. Mehr weiß ich nicht.“ Diese Information schien nicht zu genügen. Kay knuffte ihn grob auf den Oberarm.

„Jetzt streng dich an, verdammt noch mal! Wie hat er ausgesehen?“

Die Augen verdrehend machte er sich an eine Personenbeschreibung und bemerkte dabei, wie Kay der Unterkiefer immer weiter nach unten klappte.

„Was ist?“, wollte er ungehalten wissen, nachdem er geendet hatte.

„Das klingt nach … Dean, warst du bei Chris Spencer?“

„Woher soll ich das wissen, verflucht? Das ist doch völlig unwichtig, oder?“

„Bist du bescheuert? Das ist einer der Oberen-Oberen! Das ist überhaupt nicht unwichtig!“

Dean grummelte in sich hinein. Sein Kumpel war für seinen Geschmack viel zu neugierig, viel zu enthusiastisch und viel zu hingerissen.

„Mir schon“, brummte er.

„Ich wünschte, das würde mir mal passieren. Einen solchen Kerl würde ich sicher nicht mehr aufgeben.“ Der überschwängliche Ausruf versetzte ihm einen Stich. Natürlich wäre es grandios, sich jemanden wie Chris zu angeln. Andererseits war er Realist genug, um zu wissen, dass gerade solche Männer keine Stammkunden wurden. Er durfte froh sein, wenn Chris überhaupt noch einmal hier auftauchte und ihn für eine Nacht mitnahm. Seine gute Laune sank bei diesen Gedanken.

„Dean? Hörst du mir zu?“

Er schreckte aus seinen Überlegungen und grinste verlegen. „Sorry, was hast du gesagt?“

„Ich sagte, dass Tom gestern Abend hier war und nach dir gefragt hat.“

Diese Eröffnung verursachte brennende Übelkeit. Er würgte trocken und begann zu zittern. Der Sturz aus dem Himmel, den Chris ihm bereitet hatte, in die Hölle, die Tom bedeutete, war tief und der Aufschlag steinhart.

„Was hat er gesagt?“ Seine Stimme war nur noch ein zittriges Hauchen.

„Er war nicht begeistert, das kannst du dir ja vorstellen. Er meinte, er kommt in den nächsten Tagen wieder.“

Er kannte Tom gut genug, um sich den drohenden Tonfall auszumalen, in dem er Kay diese Nachricht übermittelt haben musste. Die Übelkeit nahm zu, Schweiß brach ihm am ganzen Körper aus. Tom war ein sadistisches Schwein, das ihn zu allem Überfluss als sein Eigentum betrachtete. Ricky, der Boss dieses Hauses, hatte Tom schon öfter angedroht, ihm keinen der Jungs mehr zu überlassen. Toms gut gefüllter Geldbeutel hatte ihn allerdings jedes Mal beschwichtigt. Deans einzige Hoffnung lag darin, bald zu alt für Tom zu werden.

Mit viel Mühe brachte er ein wackeliges Lächeln zustande.

„Ich bin müde. Reden wir heute Abend weiter, ich brauche jetzt erstmal Schlaf.“

Kay nickte und erhob sich, schlug ihm freundschaftlich auf die Schulter und verließ mit einem „Bis später!“ das Zimmer. Kaum war die Tür hinter ihm ins Schloss gefallen, sank er auf sein Bett. Alles an ihm duftete noch nach Chris, und doch fraß sich der Gedanke an Tom durch seine Eingeweide und vergiftete die Erinnerungen an die vergangenen Stunden.

Bebend rollte er sich auf der schmalen Matratze zu einer kleinen Kugel zusammen und zog die dünne Decke über sich, bis er vollständig darunter verschwunden war. Gewaltsam verdrängte er Tom aus seinem Kopf und holte dafür das Bild von Chris zurück. Er klammerte sich verzweifelt an die Idee, ihn wiederzusehen. So schaffte er es, ruhiger zu werden und sogar leicht einzudösen. Zumindest so lange, bis an seine Tür geklopft wurde und Rickys Stimme ihn aus seinen Träumen riss: „Steh auf! Tom ist hier und will dich mitnehmen!“

Schlagartig war die Übelkeit zurück. Er würgte trocken und glaubte, Galle zu schmecken. Das Hämmern an der Tür nahm zu und er befürchtete fast, dass Ricky die Tür aus den Angeln schlagen könnte, wenn er nicht antwortete.

„Ja, ist ja gut, ich bin wach. Gib mir ne Minute!“

„Aber keine Sekunde länger! Beweg deinen Arsch, Tom hat mir ’nen Haufen Geld für dich auf den Tisch gelegt, um dich durchficken zu können.“

Die Aussage, die hinter diesen rauen Worten stand, sorgte dafür, dass sich seine Innereien schmerzhaft zusammenzogen. Er wusste, was ihm bevorstand: eine Nacht in der Hölle.

Alles andere als motiviert kletterte er aus dem Bett und schlich mit zitternden Knien zu dem windschiefen Verschlag, der ihm als Schrank diente. Es war vollkommen egal, was er anzog – Tom würde bereits in seinem Gleiter verlangen, dass er sich aus den Klamotten schälte. Also zerrte er eine alte, abgewetzte Jeans heraus – eine von den beiden Hosen, die er besaß – und ein ebenso verschlissenes Shirt.

„Verdammt, was ist los, wedelst du dir vor Freude erst noch einen von der Palme?“

Eigentlich war er ausgesprochen friedfertig, doch in diesem Moment hätte er Ricky mit Freuden erschlagen.

„Mach nicht so ’ne Welle, ich bin ja schon fertig!“ Bebend stieg er in seine Schuhe und riss die Tür auf.

„Na endlich! Ich soll dich raus begleiten, damit du nicht auf dumme Gedanken kommst.“

Ein grober Stoß gegen seine Schulter trieb ihn nach vorn. Auf dem Weg aus dem Pet Shop hinaus auf die Straße kam ihm Kay entgegen und sah ihm entsetzt in die Augen, sagte jedoch kein Wort. Was wahrscheinlich besser war, er wäre sonst in Tränen ausgebrochen.

Gewissenhaft geleitete Ricky ihn bis zu Tom, der vor seinem Gleiter stand und ungeduldig mit der Schuhspitze auf den dreckigen Asphalt tippte.

„Wieso hat das so lange gedauert?“ Die widerlich schnarrende Stimme jagte eine angeekelte Gänsehaut über Deans Rücken.

„Er musste sich erst anziehen“, erklärte Ricky.

„Hatte er einen Kunden?“

„Nein.“

„Gut. Ich kann es nicht leiden, wenn sein Loch durch einen anderen Schwanz gedehnt ist.“

Das brennende Bedürfnis, den beiden Mistkerlen ins Gesicht zu schreien, dass er verdammt noch mal vor ihnen stand, wallte in Dean auf. Stattdessen biss er sich auf die Zunge und senkte den Kopf. Ob es ihm durch die Nacht half, wenn er an Chris dachte? Ein kräftiger Schubs in Richtung des kleinen Gleiters und das gierig klingende „Rein da und runter mit der Hose!“ riss ihn aus seinen Überlegungen. Tief durchatmend stieg er ein, und als sich Tom zu ihm setzte und ihm einen dicken, mit Noppen übersäten Dildo zuwarf, unterdrückte er jegliche Gedanken und Empfindungen. Er wusste, er musste innerlich abschalten, um diese Nacht durchzustehen.

„Los, schieb ihn dir in den Arsch. Ich will sehen, wie du dich damit fickst!“

Er kam der Aufforderung nach, ohne nach Gleitgel zu fragen oder seinen Anus anderweitig vorzubereiten. Beides wäre eine sehr dumme Idee gewesen, wie er aus schmerzlicher Erfahrung wusste.

Dean wusste nicht, wie spät es war, als Tom ihn aus dem Kellerloch zurück in den Gleiter zerrte. Das Einzige, was er wusste, war, dass jeder einzelne Muskel in seinem Körper höllisch schmerzte. Allem voran sein Hintern. Sitzen war in den nächsten Tagen kein guter Einfall, schätzte er. Zusammengekauert kniete er auf dem Boden des Gleiters, bis sein Stolz sich zurückmeldete. Mit fest aufeinander gebissenen Zähnen entspannte er seine Haltung, bis er zumindest mit dem Oberkörper auf der Rückbank lag. Nicht viel besser als seine vorherige Position, sagte er sich, aber ein kleiner Fortschritt.

Es dauerte eine gefühlte Ewigkeit, bis der Gleiter scharf abbremste und sich die Tür öffnete. Erneut wurde er grob gepackt und aus dem Fluggerät bugsiert. Einer von Toms Untergebenen schleppte ihn unter den teils belustigten, teils mitleidigen Blicken der Jungs auf den Pet Shop zu und übergab ihn, zusammen mit einem weiteren dicken Bündel Geldscheine, an Ricky, der am Eingang bereits auf ihn wartete.

„Himmel!“, war das Erste, was er von Ricky hörte, als der Kerl verschwunden war. „Ab in dein Zimmer. Die nächsten Tage kurierst du dich aus. Ich hoffe nur, das Geld reicht, um deinen Verdienstausfall zu decken ...“

*

Chris’ Tag wurde grandios. Seine gute Laune schien jeden in seinem Umfeld anzustecken, egal ob es sich dabei um Felicity, seine Sekretärin, diverse Geschäftspartner oder den Bewerber handelte, der einen Termin zu einem Vorstellungsgespräch hatte. Er war entspannt und lief wie auf Wolken.

Natürlich wurde sein Tag wie üblich länger als geplant. Es war schon fast dreiundzwanzig Uhr, als er endlich die Tür zu seiner Wohnung hinter sich schloss.

„Guten Abend. Hattest du einen schönen Tag?“

„Danke, Hal, sehr schön. Und selbst?“ Im Laufe der Jahre hatte er sich die Gespräche mit seinem Computer so angewöhnt, dass sie ihm vollkommen normal vorkamen.

„Ebenfalls. Dein Besuch hat heute Vormittag um neun Uhr siebenundvierzig die Wohnung verlassen.“

„In Ordnung.“

Den ganzen Tag über hatte er keine Zeit gehabt, um an Dean zu denken. Doch Hals Hinweis rief ihm die vergangene Nacht ins Gedächtnis zurück. Als er ins Schlafzimmer kam und das zerwühlte Bett betrachtete,...



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