Seiler | Die Spinne | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 342 Seiten

Seiler Die Spinne


2. Auflage 2023
ISBN: 978-3-7575-8493-1
Verlag: epubli
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

E-Book, Deutsch, 342 Seiten

ISBN: 978-3-7575-8493-1
Verlag: epubli
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Eine international operierende Bande hat sich auf die Fälschung von wertvollen Kunstgegenständen und deren Austausch gegen die Originale spezialisiert. Geleitet wird sie von einer unbekannten, unsichtbaren Person mit dem Decknamen Dagobert, die wie eine Spinne in ihrem Netz sitzt und die Fäden zieht. Interpol versucht schon lange, dieser Spinne habhaft zu werden, hat aber keinerlei Anhaltspunkte. Als zwei junge Leute einen Mann beobachten, der eine wertvolle antike Lekythos fotografiert, kommt ihnen das verdächtig vor, und sie schicken ein Bild dieses Mannes an Matt, ihren Freund bei Interpol. Der Mann ist dort aber bestens bekannt, und diese Foto ergibt nun den lang erhofften Anhaltspunkt und die Gelegenheit, Dagobert eine Falle zu stellen. Dazu organisiert interpol eine Ausstellung in Basel, als deren Prunkstück diese Lekythos fungieren soll. Die Bande schluckt den Köder und tauscht beim Versand während eines Zwischenstops das Original gegen eine Kopie aus. Gleichzeitig versucht die Bande, antike Goldmünzen aus einem Einbruch so zu verändern, dass ihr Wert um das Mehrfache gesteigert wird. Ein Münzenhändler in einem bescheidenen Antiquitätengeschäft in der Berner Altstadt soll diese Münzen zur Auktion bringen, aber die Numismatikerin des angefragten Hauses wittert Probleme. Auch die Lekythos findet gleichzeitig ihren Weg in dieses Antiquitätengeschäft, wo sie später abgeholt und dem Besteller überbracht werden soll. Der Mord am Ueberbringer weiterer Goldmünzen bringt die Angelegenheit schliesslich zu ihrem Höhepunkt, zur Aufdeckung der Identität von Dagobert und zur Zerschlagung des Spinnennetzes.

Jürg Seiler ist Toxikologe, heute pensioniert, verheiratet mit Susanne Seiler, Lehrerin, heute ebenfalls pensioniert. Schon immer war die Archäologie, Schwerpunkt Griechenland, ihre grosse Liebe. Jetzt verbringen sie viel Zeit damit, die antiken Quellen zur Geschichte eingehend zu studieren und bei Reisen durch Griechenland vor allem auch kaum bekannte archäologische Stätten zu besuchen. Ein ganz besonderes Hobby ist ausserdem die Numismatik mit Schwerpunkt auf griechischen Münzen des 4. - 2. vorchristlichen Jahrhunderts.
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Ende April



Museum Ulm


Das Interesse am neusten Exponat im Museum Ulm war schon etwas abgeflaut. Vor zwei Wochen war die Vase aus Athen hier eingetroffen, ein ganz besonders schönes Exemplar mit Malereien, so schön und kaum verblasst, wie sie noch selten gesehen wurden. Die Vase war extrem kostbar und dem Museum als Leihgabe nur für kurze Zeit überlassen worden. Jede Zeitung in der Umgebung hatte über das wundervolle Ausstellungsstück berichtet, die meisten sogar samt Bild. Mehrere Lehrer hatten sich dazu entschlossen, mit ihren Schülern einen Museumsbesuch zu machen.

«Wow, ist das schön,» hatte ein Knirps geschwärmt, «ich erzähle das Mama, sie soll auch eine solche kaufen. Ich habe gerade gestern die grösste Vase zerbrochen, aber die stand auch so dumm auf dem Tischchen beim Fenster, und ich wollte ja nicht, dass der Fussball dort reinfliegt, eigentlich wollte ich die Mauer daneben treffen.»

«Ach weisst du, Marco,» erklärte die Lehrerin, «diese Vase ist so teuer, die kann deine Mama wohl nicht kaufen, und stell dir bloss vor, du würdest sie wieder mit dem Fussball treffen!»

«Kein Problem,» fand Marco, «ich würde sie dann schon etwas weiter hinten aufstellen, oder das Fenster zumachen oder so.»

Dann dachte er angestrengt nach und sagte: «Vielleicht sage ich es besser Papa, dass er eine solche Vase kaufen soll, die teuren Sachen kauft ja meist er. Oder was meinen Sie?»

Die Lehrerin lächelte: «Nun ja, du kannst es ja mal probieren!»

Unterdessen war der erste Ansturm aber vorbei, der Wächter im ersten Stock hatte nicht mehr so viel zu tun und kämpfte wie vorher auf seinem Stuhl beim Eingang mit dem Schlaf. Es war einfach, die wenigen Besucher zu überwachen, ein Blick in die Runde genügte.

Doch der gut gekleidete Herr, der jetzt die Vase besichtigte, schreckte den Wächter auf. Nicht, dass der Herr gegen irgendwelche Regeln verstossen hätte, nein, er stand nur da, aber trotzdem war etwas daran eigenartig. Der Wächter setzte sich aufrecht hin und liess den Besucher nicht aus den Augen. Dieser betrachtete die Vase von allen Seiten, und nun holte er eine Kamera aus seiner Tasche. Der Wächter erhob sich und spazierte langsam zu der Vitrine mit der Vase. Der Besucher fotografierte das Exponat von allen Seiten, und dann passierte es. Er kletterte über die Abschrankung und starrte die Vase an, sozusagen mit der Nase an der Scheibe. Und zu guter Letzt fotografierte er auch noch mit Blitz. Das war eindeutig zu viel.

«Wusste ich es doch!» schoss es dem Wächter durch den Kopf, «ich habe dem doch gleich und noch von hinten angesehen, dass er nichts Gutes im Schild führt! Überall sind Hinweise, dass fotografieren mit Blitz verboten ist und dass die Abschrankungen eingehalten werden müssen, aber der hält sich nicht dran.»

Mit Donnerstimme sagte er nun: «Fotografieren mit Blitz ist verboten, über die Abschrankung klettern schon gar! Schauen sie sich mal all die Hinweise an, die sind doch nicht zu übersehen!»

Der Besucher betrachtete das Bild auf seiner Kamera lange, änderte noch etwas die Helligkeit und betrachtete es wieder.

Dann erst wandte er sich dem Wächter zu und sagte: «Ja, ich weiss, dass das verboten ist, und es tut mir auch leid, aber ich dachte, man sieht es so vielleicht etwas genauer. Das ist aber leider nicht so.»

«Kommen sie zurück hinter die Abschrankung!» befahl nun der Wächter. Aber der Besucher drückte wieder seine Nase an der Scheibe platt.

Da hatte der Wächter genug. Energisch nahm er den renitenten Besucher am Arm und sagte: «Sie kommen mit zum Direktor! Und zwar sofort!»

Der Besucher wehrte sich keineswegs, sondern sagte: «Ja, das ist gut, das wollte ich auch vorschlagen, bitte zeigen Sie den Weg.»

Für einen kurzen Moment stand der Wächter etwas unschlüssig da. Die meisten Besucher, die man zum Direktor schleppen wollte, weigerten sich oder versuchten, sich doch herauszureden. Dass einer aber sogar selber zum Direktor wollte, das war noch nie vorgekommen. Dann fasste er sich wieder und sagte barsch: «Kommen Sie, da geht es lang.»

Der Direktor seufzte, als ein Besucher, der die Regeln gebrochen hatte, angemeldet wurde, wies aber auf einen Stuhl und sagte: «Setzen Sie sich doch. Was ist genau passiert?»

Der Wächter hatte sich bei der Türe aufgestellt und sagte nun: «Er hat mit Blitz die griechische Vase fotografiert und ist einfach über die Abschrankung geklettert. Dann hat er die Nase an der Scheibe plattgedrückt, ich wette, man sieht noch den Abdruck auf dem Glas! Empörend!»

«Ist das wahr?» fragte der Direktor den Besucher.

«Ja, das ist ganz richtig so, das habe ich tatsächlich gemacht.»

«Aber Sie wussten doch, dass es verboten ist!»

«Natürlich wusste ich das, aber, es tut mir leid, es ging nicht anders.»

Der Direktor schüttelte den Kopf und sah fragend zum Wächter hin. Dieser zuckte die Achseln wie um zu sagen: «Sehen sie, der hat doch nicht ganz alle Latten am Zaun.» Der Besucher kramte nun in seinen Taschen herum und überreichte dem Direktor eine Karte.

«Sehen sie, Weils mein Name, ich bin Archäologe und befasse mich besonders mit griechischen Antiquitäten. Darum wollte ich diese Vase genau anschauen und...» er räusperte sich verlegen, «ich muss ihnen sagen, die Vase ist eine Fälschung.»

Totenstille herrschte im Raum.

Der Wächter stand wie vom Donner gerührt bei der Türe. Er hätte zu seinem Posten zurückkehren sollen, aber nach dieser monströsen Behauptung konnte er sich nicht bewegen. Das schönste Ausstellungsstück, zur Zeit der Stolz des Museums und auch sein eigener, da er ja der Bewacher davon war, das sollte eine Fälschung sein?

Der Direktor wischte sich den Schweiss von der Stirn, versuchte etwas zu sagen, aber dies misslang kläglich. Erst nachdem er ein paar mal Luft geschnappt hatte, gelang es ihm.

«Hören sie, Herr Weils, diese Behauptung ist ungeheuerlich. Einer der besten Experten hat die Vase in Athen für uns ausgesucht und die Echtheit der Vase bestätigt. Vielleicht haben sie schon von ihm gehört? Dr. Marburg?»

Dr. Weils nickte: «Natürlich kenne ich Dr. Marburg, persönlich sogar, und er ist der Beste. Wenn er bestätigt hat, dass die Vase echt ist, dann stimmt das auch.»

«Sehen Sie, wusste ich es doch!» rief der Museumsdirektor, «was sollen also Ihre haltlosen Behauptungen?»

«Die sind keineswegs haltlos! Die Vase, die Dr. Marburg in Athen angeschaut hat, war ganz bestimmt echt. Was aber hier steht, ist eine Fälschung. Schauen Sie sich doch diese Bilder an!»

Weils, der Archäologe holte nun seine Kamera hervor, suchte lange darauf herum und zeigte dann dem Direktor ein Bild: «Sehen Sie, das ist die Vase.»

«Ja, ganz genau, das ist unsere Vase! Und? Wo ist das Problem?» fragte nun der Direktor.

«Dieses Bild habe ich im Museum in Athen gemacht. Dort ist die Vase ja beheimatet. Und jetzt...» wieder suchte er auf seiner Kamera herum «schauen Sie sich dieses Bild an!»

Der Direktor lächelte: «Ja, jetzt steht die Vase bei uns. Und?»

«Schauen Sie sich die Füsse der Figuren genau an auf diesem Bild...» wieder suchte er auf seiner Kamera herum «und auf diesem Bild. Fällt Ihnen etwas auf?»

Der Direktor schaute angestrengt das erste und dann wieder das zweite Bild an. Schliesslich sagte er: «Die Bilder sind genau gleich, nur der Hintergrund ist verschieden.»

«Eben nicht! Hier sind die Füsse weiter auseinander als beim andern Bild.»

Nun zeigte er die beiden Bilder hintereinander, immer wieder. Schweissperlen entstanden auf der Stirn des Direktors, er wurde hochrot und dann blass.

«Diese Vase ist eine Fälschung, eine ausgezeichnete, aber eben doch eine Fälschung. Hier unten sind die Abstände zwischen den Figuren ungleich. Es ist nur minim, darum wollte ich es ja genau ansehen, aber das ist eindeutig. Ausserdem ist hier unten am Fuss ein winziger Farbspritzer, man sieht ihn kaum, da war der Fälscher wohl in Eile. Ich kenne diese Vase, ich habe sie schon in Athen bewundert, aber dies hier ist nicht das Original aus Athen.»

Dr. Weils zeigte nun wieder die letzten Fotos, die er von der Vase gemacht hatte.

Der Direktor starrte auf das Bild und wieder wurde er blass und dann hochrot. Dann griff er zum Telefon und sagte: «Das kann bestimmt aufgeklärt werden. Ich versuche, Dr. Marburg zu erreichen.»

Eine aufgeregte Diskussion am Telefon erfolgte, und dann lehnte sich der Direktor zurück.

«Das haben wir gleich, Dr. Marburg ist in einer halben Stunde hier. Dann werden Sie sehen, dass das ein Irrtum ist.»

Der Wächter kehrte nun zu seinem Saal zurück und betrachtete die Vase lange. Sollte das beste Stück nun doch gar nicht so wertvoll sein? Irgendwie kam er sich persönlich betrogen vor. Daher schaute er immer wieder aus dem Fenster. Als ein Taxi in rasanter Fahrt daher rauschte und vor dem Eingang des Museums anhielt, nickte er. «So,» brummte er, «das haben wir gleich, der Herr, der da die Treppe hinaufeilt, ist bestimmt der Experte.»

Kurz darauf stürmte der Direktor gefolgt von einem atemlosen Herrn und Dr. Weils in den Saal mit der Vase. Der Wächter wurde angewiesen, alle Besucher aus dem Raum zu scheuchen und niemanden mehr herein zu lassen. Dann öffnete der Direktor die Vitrine und der Experte nahm die Vase sorgfältig heraus. Alle drei Männer beugten sich über das Exponat. Dr. Weils deutete auf die Figuren, der Experte starrte darauf, und der Direktor scharrte in seiner Aufregung fast ein Loch in den Boden.

Dann richtete sich Dr. Marburg auf, rückte seine Brille zurecht, räusperte sich und hauchte: «Ich...



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