Senn | UNSERE AMERIKANISCHE SACHE | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 272 Seiten

Reihe: tredition GmbH

Senn UNSERE AMERIKANISCHE SACHE

Die Geschichte eines Gangsters
1. Auflage 2021
ISBN: 978-3-347-37702-8
Verlag: tredition
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Die Geschichte eines Gangsters

E-Book, Deutsch, 272 Seiten

Reihe: tredition GmbH

ISBN: 978-3-347-37702-8
Verlag: tredition
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Frank Costa aus Sizilien wird in New York immigriert, bis er auf eine berüchtigte Familie in Little Italy trifft. In den verwinkelten Gassen von Manhattan prügelt er sich mit den Feinden von Don Leone um Leben und Tod. Mit der Zeit gewinnt er das Vertrauen der Mafiafamilie und steigt zum Capo auf, bis ihn das Leben in der kriminellen Organisation einholt.

Marc Senn, geboren am 1. Juni 1984, lebt als Autor in Zürich. Im Jahr 2018 begann er Bücher zu schreiben. Er schreibt gerne in der Gattung Sachbuch und Roman. Sein erster Roman MEINE FARBIGE SACHE erschien im Frühsommer 2021. Autorenseite unter www.msautor.ch.
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Kapitel 4

Der erste Weltkrieg

Die herrschenden Spannungen waren in Europa in weiten Teilen spürbar und ein großer Krieg war immer wahrscheinlicher. Der Auslöser, ein nationalistischer Attentäter, erstreckte den österreichischen Herzog und seine Gemahlin in Sarajevo am 28. Juni 1914 in ihrem Fahrzeug nieder. Europa fiel darauf in eine tiefe Krise und die österreichischeungarische Monarchie erklärte einen Monat später Serbien den Krieg.

Durch die vorhandenen Militärbündnisse waren schlagartig viele Länder kriegerische Auseinandersetzung verwickelt, sowie auch Italien, die sich aber von dem legitimierten Herrscher abwandte und sich dagegen sie stellte. Am 23. Mai 1915 erklärte Italien der Monarchie die Kriegserteilung, da sie ihre Gebietserweiterung nicht bekamen.

Die italienische Streitkraft war nicht auf einen Krieg mit Europa vorbereitet und rüstetet ihre Truppen auf. Im ganzen Land wurden in Windeseile Soldaten rekrutiert oder zum Dienst mobilisiert. Auch das Familienoberhaupt von Frank erhielt einen Marschbefehl ins Haus geflattert. Der Vater packte seine Militärausrüstung zusammen und legte seine graugrüne filz Uniform an. Dann stülpte er seine Abdeckung auf den Kopf und nahm seine Waffe ein Repetiergewehr „Carcano“ zur Hand. Die Mutter legte noch ausreichen Verpflegung in den Brotbeutel und hängte es ihm um den Hals. Dann legte sie ihm noch einen kurzen Umhang an. Im Hafen von Palermo wurde er mit anderen Soldaten mit einem militärischen Dampfer an die Nordfront versandt. Er benötigte mehrere Tage, bis es das Adriatische Meer bezwungen hatte und in der Lagune von Venedig an Land ging. Die italienischen Soldaten wurden ohne Vorbereitung und Ausbildung an die Front verlegt. Die Gefechtslinie erstreckte sich über mehrere Hundertkilometer von der neutralen Schweiz bis zur Adria. Die Frontlinie verlief über Alpen und Gebirgskämmen. Dies hinderte den Feind daran, schnell vorzustoßen. In den Dolomiten im Gebirge begann ein grausamer Stellungskampf.

Im Tal wurden Zeltunterkünfte und Lazarette erstellt. Frauen und Ärzte kümmerten sich um viele verletzte italienische Soldaten, die von der Front zurückkehrten. Es war teils hektischer als in den Stellungen an der vordersten Linie. Die neuen Soldaten wurden mit Munition ausgerüstet und die Lasttiere mit Gebirgsmaterial für den Nachschub beladen. Sie bereiteten sich auf einen harten und grausamen Kampf im Gebirge vor. Am nächsten Morgen standen die Soldaten aufgereiht in Formation auf der Wiese, als ein ranghoher Offizier eine Anrede abhielt:

“Alpini des Südens, seid ihr bereit, für die Freiheit und für das Land zu kämpfen? Der Feind will uns töten und unser Land, das wir lieben, in Stücke reisen, aber niemals werden sie über die Dolomiten kommen. Wir werden sie dazu hindern! Schickt diese Bastarde wieder zurück in den kalten Norden!“

Die Militärmusik begann das Lied „Addio mia bella, addio“ zu spielen und alle Beteiligte sangen mit. Das Bataillon setzte sich nun in Bewegung und der Vater von Frank mit seinen Kameraden wurden auf einen langen Aufstieg auf den Monte Piana geschickt. Der Saumpfad auf den Berg führte durch Wälder, Lichtungen und an steilen Abhängen auf ein Gebirgsplateau. Dort oben war die Natur im Sommer steinig und geprägt mit grüner Alpenwiesen und bunten Alpenpflanzen. Die letzten Schritte zu den Stellungen an der Front führte durch einen schmalen Trampelpfad in der südlichen und schroffen Felswand vorbei. Ein enger Stollen brachte sie in die Position. Die neuen Soldaten wurden in den Stützengräben, die sich im südlichen Kampffeld durchzogen, in einer Reihe aufgestellt. Der Feind war nur noch wenige Meter gegenüber am Nordhang in Stellung. Der Vater von Frank hievte kurz seinen Kopf aus dem Graben und sah vor sich ein Kriegsschauplatz ohne Deckungsmöglichkeiten und eine Wüste aus Stacheldraht. Der Blick über das Schlachtfeld hinaus war atemberaubend, denn die Kulisse war umgeben von eindrücklichen stolzen Gipfeln und Gebirgskämmen. Hier oben auf diesem gottverlassenen Plateau wurde unser Kampf in einem fürchterlichen Stellungskrieg ausgetragen.

Mehreren Tagen mussten sich die Soldaten in den Schützengräben ausharren und auf den angreifenden Feind warten. Zu essen gab es San Daniele Schinken mit Olivenbrot aus dem Norden Italiens. Eine bessere Mahlzeit bot es für die Soldaten nicht dar – dies genügte, um die heitere Stimmung anzuheben. Die Nächte waren lang, denn es gab keine Zeit zu ruhen, der Feind war immer wach und konnte jeden Verlauf über das Schlachtfeld attackieren. Bei Waffenstillständen wurden die Gräben erweitert und mit dem Spaten wurde Aushubmaterial ausgegraben. Die steilen Grabenwände wurden mit kleinen Felsbrocken gegen Einsturz gesichert.

Der Vater saß an einem Abend geduckt im Graben und zog seine Bergmütze vom Kopf und nahm darin ein Foto hervor. Er vermisste seine Familie.

„Deine Frau?“, fragte ein Kamerad. „Hm, kann ich es sehen?“

„Familie“, antwortete der Vater und reichte das Foto hinüber.

„Schöne Frau und Kinder!“, sagte der Kamerad. „Bist du deswegen hier?“

„Ja, ich muss. Ich liebe sie. Ich brauche kein Feigling zu sein. Was wäre ich nur für ein Vater?“, fragte er den Kameraden.

„Ich denke tu tust das Richtige, wir kämpfen alle gegen diese Bastarde! Die bekommen nie unser Land. Die hassen uns, weil sie unseren Dickschädel nicht verstehen“, sagte der Kamerad.

„So muss es sein, Kamerad“, sagte der Vater und nahm sein Foto zurück und stecke es wieder in seine Bergmütze.

„Ein Schluck von meinem Schnaps?“, fragte der Kamerad.

„Danke, ich will gerne einen Schluck. Ugh, Scheiße … Ist das ein Selbstgebrannten?“, fragte der Vater.

„Hm, ja. Der schlägt voll ein.“

„Das ist jetzt genau, was ich brauche, um mich zu entspannen.“

„Trinken wir auf den Krieg und den Sieg. Wann greifen uns diese Bastarde an?“, fragte der Kamerad.

„Heute nicht mehr, Kumpel. Es ist mir eine Ehre mit dir zu kämpfen. Spar jetzt deine Kräfte und ruh dich aus“, sagte der Vater und schaute in den klaren Himmel mit den funkelnden Sternen bis er einnickte.

Am frühen Morgen war es ganz ruhig und ein feiner Dunst lag über dem Gebirgsplateau bis die Glocke auf der italienischen Seite erhellte.

„Alarm! Die Mittelmächte, wir werden angegriffen“, sagte ein Wachmann und läutete weiter an der Glocke.

Der Vater erwachte, steckte seine Stichwaffe auf sein Gewehr und sprang an die Oberkante des Schützengrabens. Er hielt sein Repetiergewehr im Anschlag und späte hinüber hinter die Front. Er zielte mit seinem Repetierer auf die Mittelsmänner und knipste sie aus.

„Wo zur Hölle kommen diese dämlichen Bastarde jenseits der Grenze her – es sind zu viele.“, sagte der Vater und setzte sich tapfer zur Wehr.

Es schien als ein Himmelfahrtskommando auf sie zukam. Kurz bevor die Gegner an den italienischen Schützengräben am Stacheldraht standen, eröffneten in einigen gedeckten Stellungen die Maschinengewehre „Revelli“ das Feuer und mähte die Angreifer nieder. Der generische Vorstoß wurde vorerst durch die Alpini gestoppt. Es folgten noch lange und blutige Kämpfe, aber keine Seite kam zu einem Vorteil. Die Frontgrenze verschob sich kaum und die Befehlshaber bereiteten sich auf einen ewigen Stellungskrieg im Niemandsland ein.

Nach einigen blutigen Tagen der Kämpfe waren hohe Verluste auf beiden Seiten zu verzeichnen. Die Leichen lagen verteilt auf dem Feld, in den Stellungsgräben und keine Zeit war vorhanden, diese zu begraben oder sich von den gefallenen Kameraden zu verabschieden. Die Soldaten knieten ermüdet über den leblosen Körpern in den Gräben. Sie rauchten andauernd Zigaretten, um den hässlichen Gestank der Leichen zu verdrängen. Es gab vereinbarte Waffenruhe und beide Seiten konnten ihre toten oder verletzten Kameraden vom Schlachtfeld tragen. Die Soldaten begannen an den Entscheidungen der Befehlshaber zu zweifeln. Für sie war es der sichere Tod an der Front. Im Verlauf verfestigte sich die Lage auf beiden Seiten und mehr Zeit für andere Aufgaben und Freizeit war vorhanden. Wer konnte, schrieb in den Pausen Briefe oder spielte eine Runde Scopa.

An einem Morgen beschlossen die Befehlshaber der Mittelmächte, die südliche Anhöhe auf dem Monte Piana zu erobern. Es wurden zusätzliche Reglemente auf den Berg befördert, um die Stellungssoldaten in den Gräben zu unterstützen. Neue Artilleriestellungen wurden eingerichtet und nahmen die italienischen Anlagen und Stellungen einen morgenlang in Beschuss. Am selben Tag nach dem Mittag überrannten die Mittelmächte die italienischen dezimierten Schützengräben und Stellungen. Ein gegnerischer Kämpfer erreichte den Hauptschützengraben der Italiener und...



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