Seufert | Levantehaus – Tradition und Moderne | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 192 Seiten

Seufert Levantehaus – Tradition und Moderne


1. Auflage 2012
ISBN: 978-3-455-85066-6
Verlag: Hoffmann und Campe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 192 Seiten

ISBN: 978-3-455-85066-6
Verlag: Hoffmann und Campe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Michael Seufert erzählt die Geschichte des Levantehauses, die zugleich ein Stück Hamburger Geschichte ist - von der Kaiserzeit bis heute.

Der Architekt Franz Bach, ein Self-Made-Man des frühen 20. Jahrhunderts, hat die Hamburger Baugeschichte wesentlich beeinflusst. Der erfolgreiche Unternehmer war auch ein mutiger Bürger, der dem verfemten Dichter Heinrich Heine im Barkhof ein Denkmal setzte und den in Hamburg unbeliebten Baumeister Semper ehrte, in dem er das Semperhaus nach ihm benannte. Das Levantehaus war Sitz berühmter Firmen wie der Deutschen Levante-Linie, die dem Kontorhaus den Namen gibt, oder der Deutschen Philips, die nach dem 2. Weltkrieg hier ihre Firmenzentrale hatte. 1995 entschließen sich die Nachkommen von Franz Bach zum radikalen Wandel: Aus dem Kontorhaus wurde eine Einkaufspassage mit einzigartigem Konzept und ein Luxushotel. Tradition und Moderne ergänzen sich hier perfekt. Das Levantehaus ist ein architektonisches Juwel in der Hamburger Innenstadt. Es ist nach dem Willen der Eigentümer zugleich ein Platz für Kunst und Kultur.

Dies ist ein HOFFMANN UND CAMPE Corporate Publishing Buch im Vertrieb des HOFFMANN UND CAMPE Verlags.

Seufert Levantehaus – Tradition und Moderne jetzt bestellen!

Autoren/Hrsg.


Weitere Infos & Material


HAMBURG IM UMBRUCH „Wenn das Wachstum einer Großstadt ein gewisses Maß übersteigt, pflegt der Augenblick zu kommen, wo sie dem Bedürfnis ihrer Entfaltung nicht mehr dadurch genügen kann, dass sie immer neue Ringe um den alten Kern ihres Lebenskörpers legt. Die Bedingungen, aus denen heraus dieser Kern einst seine Gestalt erhielt, sind so fremd und andersartig geworden, dass man nicht mehr allein am alten Organismus anbauen, sondern dass man ihn selber gleichsam umbauen muss. Man ist gezwungen, die Fessel, die das Alte zu bilden beginnt, gewaltsam zu sprengen.“ Technische Meisterleistung: 1911 wird der Elbtunnel eröffnet, ein Jahr später der Schiffsbahnhof Landungsbrücken So beschreibt Hamburgs Oberbaudirektor Fritz Schumacher 1922 in seinem Buch „Die Entstehung einer Großstadt-Straße“ die Situation der Hansestadt um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert. Es ist damals eine Zeit des Aufbruchs, der wirtschaftlichen Blüte. Seitdem Hamburg ökonomisch in das Deutsche Reich eingegliedert ist, wächst die Bedeutung der Stadt. Der Hafen boomt. An der Elbe werden die größten Luxusliner der Welt gebaut. In der Vulkan-Werft läuft im Mai 1912 im Beisein von Kaiser Wilhelm II. der Überseedampfer „Imperator“ vom Stapel, ein Gigant mit einem riesigen Kaiseradler am Bug. Stapellauf: 1912 tauft Kaiser Wilhelm II. den Passagierdampfer „Imperator“ Albert Ballin, der Chef der Hapag, hat seine Reederei zur größten der Welt gemacht. 1911 wird nach vierjähriger Bauzeit der Elbtunnel eröffnet, eine technische Meisterleistung. Die beiden Röhren verbinden die Stadt mit den Werften und Hafenschuppen auf der anderen Elbseite. 20 Millionen Menschen nutzen diese schnelle Verbindung pro Jahr. 1912 werden nebenan die neuen St. Pauli-Landungsbrücken eingeweiht, ein moderner „Schiffsbahnhof“ für die Ozeanliner der Hapag. Im selben Jahr wird der Streckenabschnitt der Hamburger Hochbahn zwischen den Landungsbrücken bis zum Rathausmarkt in Betrieb genommen, damit ist der U-Bahn-Ring geschlossen. Die Hochbahn zählt 24,8 Millionen „Beförderungsfälle“ im ersten Jahr. Überall in der Stadt wird gebaut. Es ist eine Stadt im Aufbruch, in die 1886 der einundzwanzigjährige Franz Bach mit seiner Lebensgefährtin Emilie Geßner und dem gerade geborenen Sohn Max nach Hamburg kommt. Franz Bach will wie Hunderttausende anderer an Bord eines Auswandererschiffes und sein Glück jenseits des Atlantiks versuchen. 1865 ist er als Bauernsohn in Langendorf in Sachsen-Anhalt geboren worden. Der Junge ist hochmusikalisch, er spielt Orgel, vertritt in der Dorfkirche immer wieder den Küster und liebäugelt mit dem Gedanken, Kantor zu werden. Doch dann entschließt er sich nach der Schule, eine Maurerlehre im nahen Weißenfels zu beginnen. Im Winter, wenn auf den Baustellen die Arbeit ruht, besucht Franz Bach während dreier Jahre als Stipendiat die Sächsische Baugewerbeschule in Leipzig, um sein theoretisches Wissen zu vertiefen. Hier werden die Vorteile moderner Baustoffe und Baumethoden vermittelt, auf dem Lehrplan stehen auch Bauvorschriften und einschlägige Gesetze. Für Bauhandwerker, die sich ein akademisches Studium nicht leisten können, ist das zu jener Zeit eine Möglichkeit, sich als Architekt zu qualifizieren. Selfmademan: Eigentlich wollte Franz Bach aus Sachsen-Anhalt nach Amerika auswandern, doch er bleibt in Hamburg und wird einer der erfolgreichsten Architekten und Bauherren der Stadt Franz Bach ist von der Idee, Häuser zu bauen, fasziniert. Doch in seiner Heimat sieht er keine Chancen für sich, denn anders als in Berlin und Hamburg ist im südlichen Sachsen-Anhalt vom Wirtschaftsaufschwung nichts zu spüren. Deshalb der Entschluss, in der „Neuen Welt“ Karriere zu machen. Kaum an der Elbe angekommen, erlebt Franz Bach eine Stadt im Bau-Rausch. So werden damals rund 20000 Menschen auf den Elbinseln Kehrwieder und Wandrahm umgesiedelt, die Wohn- und Geschäftsquartiere abgerissen und ab 1883 durch die Neubauten der Speicherstadt ersetzt. Neue Stadtviertel entstehen in den Außenbezirken. Franz Bach sieht das als Chance und gibt seine Amerika-Pläne auf. Er beginnt damit, Wohnungen zu renovieren. Wenig später kann er baufällige Wohnungen am Steindamm kaufen, er saniert und verkauft sie mit Gewinn weiter. Er arbeitet für verschiedene Architekten, unter anderem für den hochgeschätzten Baumeister Carl Evers, der damals die ersten Kontorhäuser entwirft. Bach baut Mietskasernen, Villen und Einfamilienhäuser in Eimsbüttel, Eilbek und Hohenfelde. Von 1890 bis 1893 errichtet er Wohn- und Geschäftshäuser an der neuen Kaiser-Wilhelm-Straße, auch das ein gutes Geschäft. Er kennt sich inzwischen in Hamburg aus und knüpft Kontakte zu Geschäftsleuten, Maklern, Bankern und Behörden. Franz Bach hat seine Emilie am 1. September 1889 geheiratet, das Ehepaar bekommt nach Sohn Max noch die Kinder Gertrud, Franz und Rudolf. 1891 erwirbt Franz Bach das Hamburger Bürgerrecht und wird damit „Vollbürger“ mit unbeschränkter Gewerbefreiheit. Dazu legt er den Bürgereid ab: „Ich gelobe und schwöre zu Gott, dem Allmächtigen, dass ich der Freien und Hansestadt Hamburg und dem Senate stets treu und hold sein, das Beste der Stadt suchen und Schaden von ihr abwenden will, soviel ich vermag; dass ich die Verfassung und die Gesetze gewissenhaft beobachten, alle Steuern und Abgaben, wie sie jetzt bestehen und künftig zwischen dem Senate und der Bürgerschaft vereinbart werden, redlich und unweigerlich entrichten und dabei, als ein rechtschaffener Mann, niemals meinen Vorteil zum Schaden der Stadt suchen will. So wahr mir Gott helfe!“ Gut zwanzig Jahre später wird sich zeigen, dass Franz Bach sich an seinen Eid gehalten hat. 1903 baut er auf eigene Rechnung seine ersten Kontorhäuser, die Klosterburg am Glockengießerwall und den Friedrichshof in der Ferdinandstraße. Und er entwickelt neue Geschäftsideen. Franz Bach hat inzwischen sein eigenes Architekturbüro und versteht sich nun als „Projekt-Entwickler“, der selbst plant, baut, für die Finanzierung sorgt und auch die Vermietung der fertigen Objekte übernimmt. Um das nötige Kapital für seine Großprojekte zu beschaffen, gründet er Bauherren-Gemeinschaften. Die Geldgeber erwerben so Anrechte an den zukünftigen Mieteinnahmen der Kontorhäuser. Klosterburg: Das Kontorhaus baut Franz Bach 1904 am Glockengießerwall Friedrichshof: Dieses Kontorhaus entsteht 1905 an der Ferdinandstraße Die größte städtebauliche Umwälzung beginnt, als am 6. Dezember 1906 der neue Hauptbahnhof seinen Betrieb aufnimmt. Nun besteht nämlich die Aufgabe, den neuen Verkehrsknotenpunkt mit dem neuen Rathaus zu verbinden, das 1897 eingeweiht worden war. Eine neue, leistungsfähige Straße soll geschaffen werden, quasi eine „Starkstromleitung“ zwischen den beiden Polen, wie es der Kunsthistoriker Prof. Hermann Hipp einmal genannt hat. Es ist ein Projekt mit besonderen Herausforderungen und Tücken. Denn zwischen Rathaus und Hauptbahnhof liegt der Teil des alten Hamburgs, der beim großen Brand von 1842 von den Flammen verschont geblieben war – das historische Gängeviertel mit seinem Gewirr kleiner Gassen und zahlreichen Hinterhöfen, wo die Ärmsten der Stadt in drückender Enge und unter erbärmlichen hygienischen Bedingungen wohnen. Hier hat 1892 die Cholera gewütet, der 8605 Menschen zum Opfer fallen. Elendsquartiere: die Springeltwiete um 1912. Das Gängeviertel wird für Neubauten abgerissen Der Arzt Robert Koch, der Entdecker des Cholera-Bazillus, empört sich bei einem Hamburgbesuch angesichts der Verhältnisse im Gängeviertels: „Ich vergesse, dass ich mich in Europa befinde.“ Hier mittendurch soll nun die neue Magistrale geschlagen werden. Um der Grundstücksspekulation nicht Tür und Tor zu öffnen und die Preise einigermaßen unter Kontrolle zu halten, laufen die Planungen in den Behörden in aller Verschwiegenheit. Besonders der genaue Verlauf der Durchbruchsstraße soll geheim bleiben. Doch das Vorhaben gerät zum Skandal: Am 16. November 1905 veröffentlicht das sozialdemokratische „Hamburger Echo“ einen Artikel mit der Überschrift „Die Hasen im Kohlfeld“. Darin wird „über den intimen Verkehr gewisser Beamten mit Spekulanten“ berichtet, die zum Schaden der Stadt kriminelle Geschäfte gemacht hätten. Prachtstraße: 1910 ist der neue Boulevard Mönckebergstraße erst einseitig bebaut, rechts der Barkhof Ein Bauzeichner in der Ingenieurabteilung der Baudeputation hatte den Plan der Durchbruchsstraße kopiert und an einen befreundeten Hotelier übergeben, der reichte Kopien an Hausmakler, Geschäftsleute und einen Weinhändler weiter. Der ließ die Pläne bei einem Architekten vervielfältigen und ging damit bei weiteren Maklern, Kaufleuten und Architekten hausieren. Nach heftigen politischen Debatten setzt die Bürgerschaft einen zehnköpfigen Untersuchungsausschuss ein. Es zeigt sich, dass selbst ein angesehener Reeder und Bürgerschaftsabgeordneter in den Fall verwickelt ist. Auch Franz Bach wird als Zeuge vor den Ausschuss geladen. Denn der Weinhändler hatte versucht, ihm ebenfalls seine Pläne vorzulegen. Ohne mit ihm gesprochen zu haben, habe er den Mann hinauswerfen lassen, so sagt er aus. In seinem Buch „Das Hamburger Gängeviertel“ zitiert Autor Geerd Dahms den Zeugen Franz Bach, er habe sich gedacht: „Entweder sind die Pläne unrichtig, dann ist der Kerl ein Betrüger, der mich hereinlegen will,...


Seufert, Michael
MICHAEL SEUFERT, geb. 1943 in Bernburg/Saale, arbeitete von 1970 bis 1997 beim Stern, zuletzt als stellvertretender Chefredakteur. Seit 1997 schreibt er Romane und Sachbücher



Ihre Fragen, Wünsche oder Anmerkungen
Vorname*
Nachname*
Ihre E-Mail-Adresse*
Kundennr.
Ihre Nachricht*
Lediglich mit * gekennzeichnete Felder sind Pflichtfelder.
Wenn Sie die im Kontaktformular eingegebenen Daten durch Klick auf den nachfolgenden Button übersenden, erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Ihr Angaben für die Beantwortung Ihrer Anfrage verwenden. Selbstverständlich werden Ihre Daten vertraulich behandelt und nicht an Dritte weitergegeben. Sie können der Verwendung Ihrer Daten jederzeit widersprechen. Das Datenhandling bei Sack Fachmedien erklären wir Ihnen in unserer Datenschutzerklärung.