E-Book, Deutsch, Band 2, 457 Seiten
Reihe: Chicago Love
Seyfried How to Keep a Villain (Chicago Love 2)
1. Auflage 2023
ISBN: 978-3-646-60963-9
Verlag: Carlsen
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
New Adult Romance über die Liebe zwischen einer Studentin und einem Bad Boy
E-Book, Deutsch, Band 2, 457 Seiten
Reihe: Chicago Love
ISBN: 978-3-646-60963-9
Verlag: Carlsen
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Autoren/Hrsg.
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Kapitel 2
»Wir sind hier unten!«, rief ich atemlos, um Sebastian und Wes auf uns aufmerksam zu machen. Es kostete mich all meine Kraft, Tyler über der Oberfläche des eiskalten Wassers zu halten. Ich zappelte mit den Beinen und verstärkte den Griff um seine Arme.
»Tyler, wir haben es geschafft«, keuchte ich, doch er reagierte nicht. Ich versuchte verzweifelt an der glatten Außenseite des Bootes Halt zu finden, rutschte jedoch ständig aufs Neue ab. Inzwischen war es genauso dunkel, wie es kalt war.
»O mein Gott, Devon!«, rief Sebastian. Ich blickte nach oben und sah ihn neben Wes an der Reling stehen. »Wie –«
Wasser schwappte mir ins Gesicht. »Tyler zuerst«, brachte ich zwischen klappernden Zähnen hervor, als Wes und Sebastian nach ihm griffen und ihn keuchend an Deck zogen.
Wir hatten es tatsächlich geschafft zu entkommen.
»Devon.« Sebastian beugte sich zu mir herunter. Strähnen seiner kinnlangen, dunklen Haare fielen ihm ins Gesicht und er sah mich mit einem Ausdruck an, der eine Mischung aus Sorge und der Frage war, ob wir von allen guten Geistern verlassen waren. »Halt dich an mir fest«, rief er, bekam mich über den Ellbogen zu fassen und zog mich nach oben. Durchnässt und bis auf die Knochen durchgefroren, sackte ich schließlich in seinen Armen zusammen.
»Alecto«, hustete ich.
»Sie ist hier«, versicherte er mir und die Erleichterung durchströmte mich so heftig, dass ich geräuschvoll aufatmete. »Aber wir müssen sofort ins Krankenhaus. Fahr los«, wies Sebastian Wes an, der über Tyler gebeugt stand. Dieser hatte den Kopf zwischen den Knien und hustete Wasser hervor.
»Scheiße, Devon! Was ist passiert?« Das Boot setzte sich in Bewegung. »Kannst du allein stehen?«, fragte Sebastian und ich nickte, obwohl ich mir dessen nicht sicher war. Wasser rann an mir hinab und färbte die Holzdielen des Decks um mich herum dunkel. Er ließ mich los, woraufhin ich erst etwas schwankte, bevor ich mein Gleichgewicht wiederfand.
Ich strich mir meine nassen Haare aus dem Gesicht und suchte Sebastians Blick. Seine Augen waren weit aufgerissen und der Horror stand ihm ins Gesicht geschrieben.
»Es war der einzige Weg«, begann ich, während sich meine Gedanken wild überschlugen. Wie zum Teufel hatten wir diesen Sprung überleben können? »Wir haben das Video wie geplant abgespielt, doch Ian hat mich entdeckt und gefasst. Alecto wollte mich retten …« Tränen stiegen mir in die Augen, aber ich machte mir nicht die Mühe, sie wegzublinzeln. Sie waren regelrecht heiß auf meiner kalten Haut. »Ian hat auf sie geschossen. Daraufhin hat er mich aufs Dach gebracht und kurz danach kam Tyler dazu.« Ich schloss die Augen und schüttelte meinen Kopf, versuchte meine wirren Erinnerungen zu ordnen. »Elliott hat mir gedroht, dass er Tyler umbringt, wenn ich nicht mit ihm komme und den Mord an Louise Ryan gestehe. Wir saßen fest, da ich im Gefängnis gelandet wäre, und Tyler …« Ich konnte den Satz nicht zu Ende sprechen, sah zu ihm, um mich zu vergewissern, dass er tatsächlich mit mir auf diesem Boot war.
Sebastian verstand und nickte grimmig. Die Lichter Chicagos zogen an uns vorbei und mein Kopf drehte sich mit ihnen.
»Letztendlich gab es nur einen Ausweg. Das einzige Schlupfloch, an das sie nicht gedacht haben. Wir sind gesprungen.« Ich rieb mir mit den Händen über das Gesicht und merkte, dass meine Fingerspitzen taub waren. »Es war riskant, doch wir mussten es versuchen.«
Sebastian berührte meine Schulter. »Das ist … ich kann es nicht fassen. Ich muss einen Anruf tätigen. Fühlst du dich in der Lage, nach Alecto zu sehen? Sie …« Er nickte zur anderen Seite des Decks. Sie saß in eine Decke gewickelt an die Reling gelehnt und starrte gen Himmel. Bei dem Anblick gaben beinahe erneut meine Beine unter mir nach. »Wir haben die Schusswunde mit einem Stück Stoff verbunden, doch die Blutung stoppt einfach nicht.«
Das klang gar nicht gut.
Ohne zu zögern setzte ich mich in Bewegung, während Sebastian sein Telefon hervorzog. Keuchend ließ ich mich neben ihr auf die Knie fallen. »Alecto«, krächzte ich. Behutsam schob ich die Decke zur Seite und erschrak: Ihr weißes Hemd war vollständig rot eingefärbt. Ich wickelte sie wieder in die Decke ein und strich über ihre Arme. Sie hatte mich retten wollen. Das war alles meine Schuld.
Sie atmete flach, als sie ihre Augen öffnete. »Du bist hier«, wisperte sie. »Tyler?«
Ich nickte. »Er ist auch hier, alles ist in Ordnung.« . Bis auf die Tatsache, dass wir von einem Dach gesprungen, knapp dem Tod entronnen und Tyler und Alecto vermutlich lebensbedrohlich verletzt waren. Dass alles in Ordnung war, war eine gnadenlose Lüge, doch ich wollte ihr in diesem Zustand keine Angst machen.
»Was ist passiert? Wie habt ihr …« Sie hustete und verzog dabei das Gesicht. »… es rausgeschafft?«
Ich strich ihr eine leuchtend rote Strähne aus dem Gesicht und schob sie hinter ihr Ohr. »Wir sind vom Dach gesprungen«, erklärte ich und konnte es selbst immer noch nicht glauben.
Ein schwaches Lächeln umspielte ihre Mundwinkel. »Ihr seid was? Das ist ’ne ziemlich krasse Nummer, Dev.«
Ich schüttelte den Kopf. »Du hast mich retten wollen und dir dafür eine Kugel eingefangen. Wenn etwas eine ziemlich krasse Nummer ist, dann das.«
Sie hob ihre Hand, um eine abwinkende Geste zu machen, war aber nicht stark genug, weshalb diese mit einem dumpfen Geräusch zurück aufs hölzerne Deck fiel. Als ihre Lider sich flatternd schlossen, durchströmte eine Mischung aus Panik und Adrenalin meinen Körper, die mich energiegeladener machte, als ich sein sollte.
»Hey«, sagte ich laut und klopfte ihr auf die Wange. »Du wagst es nicht, jetzt zu sterben. Hast du gehört?«
Sie sah mich mit glasigem Blick an und ihre Lider zuckten. »Ich bin die Rachegöttin, vergessen? Kugeln können mir nichts –« Ihr Satz endete in einem Hustenanfall und der dunkle Fleck auf der grauen Decke wurde größer. O Scheiße. Was war, wenn sie es nicht schaffte?
»Eben«, meinte ich und versuchte so zuversichtlich wie möglich zu klingen. »Es kann dir nichts etwas anhaben, hast du gehört?« Wenn es doch bloß so wäre. »Du darfst nicht einschlafen, in Ordnung?« Mein Herz krampfte sich zusammen und die Panik schnürte mir den Hals zu.
Alecto nickte schwach und ergriff meine Hand, während wir unter einer Brücke hindurchfuhren und das Deck für einen kurzen Moment in vollständige Dunkelheit getaucht wurde. Ihre Hand war eiskalt, obwohl ich diejenige war, die gerade bei Minusgraden ein Bad im Chicago River genommen hatte. Und das machte mir eine Heidenangst. Wenige Sekunden später flutete das sanfte Licht der umliegenden Gebäude und Straßenlampen erneut das Boot.
»Wie sehe ich aus?«, fragte Alecto.
Ich stieß ein ersticktes Lachen hervor und wischte mit der freien Hand über ihr mit kalten Schweißperlen bedecktes Gesicht. »Blutig, blass und ein bisschen gruselig.«
Sie lächelte schwach. »Genau das wollte ich hören. Klingt vielversprechend.«
Ich hob meinen Kopf und sah zu Tyler, der zwar aufrecht saß, allerdings leichenblass war. Seine Lider waren nur halb geöffnet und seine Kiefer waren fest aufeinandergepresst.
Wassertropfen aus meinen Haaren vermischten sich mit meinen Tränen und fielen auf das Deck hinab.
Mein Körper zitterte, doch ich spürte weder Kälte noch Schmerz. Alles, was zählte, war, dass Tyler und Alecto am Leben blieben.
»Wir sind gleich da«, erklang Sebastians Stimme neben mir. Ich zuckte heftig zusammen, da ich ihn nicht hatte kommen hören. Höchstwahrscheinlich hatte ich Wasser im Ohr. Er kniete sich von der anderen Seite neben Alecto und begann leise mit ihr zu reden.
Ich erhob mich zitternd und knickte beinahe um, als ich den stechenden Schmerz in meinen Fußgelenken spürte. Das Adrenalin schien nachzulassen, doch jetzt war nicht der richtige Zeitpunkt, um schwach zu werden. Ich überbrückte die wenigen Meter und kniete mich neben Tyler.
»Tyler«, flüsterte ich, doch er hob seinen Kopf nicht an. Stattdessen tastete er nach meiner Hand und drückte sie schwach. Mit meiner freien Hand fuhr ich durch seine nassen Haare, strich ihm Strähnen aus dem Gesicht. »Alecto ist hier und wir fahren ins Krankenhaus«, sagte ich, da ich nicht wusste, wie viel Wes ihm bereits gesagt hatte.
»Ich bringe ihn um«, knurrte er. »Dieses Mal wirklich.« Seine Worte gingen...




