Shakespeare | Hamlet | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 160 Seiten

Reihe: Fischer Klassik Plus

Shakespeare Hamlet

Tragödie
1. Auflage 2011
ISBN: 978-3-10-401869-0
Verlag: S. Fischer
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Tragödie

E-Book, Deutsch, 160 Seiten

Reihe: Fischer Klassik Plus

ISBN: 978-3-10-401869-0
Verlag: S. Fischer
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Hamlet - Shakespeares zeitloses Meisterwerk über den größten Zweifler der Weltliteratur. In Shakespeares unvergesslichem Drama ringt Hamlet, Prinz von Dänemark, mit der alles entscheidenden Frage: Sein oder Nichtsein? Inmitten von Vergänglichkeit und Tod sucht er verzweifelt nach dem Sinn des Lebens. Seine berühmten Monologe haben nichts von ihrer Dringlichkeit verloren und berühren noch heute zutiefst. Doch so verständlich Hamlets Grübeln und Zögern auch sein mag, er ist kein strahlender Held. Sein Handeln hat stets fatale Folgen und treibt selbst seine Geliebte Ophelia in den Wahnsinn. Eine Tragödie über die Komplexität der menschlichen Existenz, meisterhaft in Szene gesetzt. Diese Ausgabe enthält wertvolle Zusatzmaterialien: den Werkbeitrag aus Kindlers Literatur Lexikon, das Autorenporträt aus dem Metzler Lexikon Weltliteratur sowie eine exklusive Biografie zu Leben und Werk Shakespeares von der Redaktion der Zeitschrift TEXT + KRITIK.

William Shakespeare (1564-1616) gilt als einer der größten Dichter und Dramatiker der Weltgeschichte. Er verfasste zahlreiche Dramen, Tragödien, Komödien und Gedichte, mit denen er schon zu Lebzeiten Anerkennung und Wohlstand errang. Aber erst in den folgenden Jahrhunderten wurde er zum Prototypen des literarischen Genies, ohne den die Entwicklung der neueren Literatur von Goethe über Brecht bis in die Gegenwart hinein undenkbar ist.
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Zweite Szene


Ein Staatszimmer im Schlosse.

Der König, Die Königin, Hamlet, Polonius, Laertes, Voltimand, Cornelius, Herren vom Hofe und Gefolge.

KÖNIG

Wiewohl von Hamlets Tod, des werten Bruders,

Noch das Gedächtnis frisch; und ob es unserm Herzen

Zu trauern ziemte und dem ganzen Reich,

In Stirn des Grames sich zu falten:

So weit hat Urteil die Natur bekämpft,

Daß wir mit weisem Kummer sein gedenken,

Zugleich mit der Erinn’rung an uns selbst.

Wir haben also unsre weiland Schwester,

Jetzt unsre Königin, die hohe Witwe

Und Erbin dieses kriegerischen Staats,

Mit unterdrückter Freude, so zu sagen,

Mit heitern, nassen Aug’

Mit Leichenjubel und mit Hochzeitklage,

In gleichen Schalen wägend Leid und Lust,

Zur Eh’ genommen; haben auch hierin

Nicht eurer bessern Weisheit widerstrebt,

Die frei uns beigestimmt. – Für alles, Dank!

Nun wißt ihr, hat der junge Fortinbras,

Aus Minderschätzung unsers Werts, und denkend,

Durch unsers teuren sel’gen Bruders Tod

Sei unser Staat verrenkt und aus den Fugen:

Gestützt auf diesen Traum von seinem Vorteil,

Mit Botschaft uns zu plagen nicht ermangelt

Um Wiedergabe jener Länderei’n,

Rechtskräftig eingebüßt von seinem Vater

An unsern tapfern Bruder. – So viel von ihm;

Nun von uns selbst und eurer Herberufung.

So lautet das Geschäft: wir schreiben hier

An Norweg, Ohm des jungen Fortinbras,

Der schwach, bettlägrig, kaum von diesem Anschlag

Des Neffen hört, desselben fernern Gang

Hierin zu hemmen; sintemal die Werbung,

Bestand und Zahl der Truppen, alles doch

Aus seinem Volk geschieht; und senden nun,

Euch, wackrer Voltimand, und Euch, Cornelius,

Mit diesem Gruß zum alten Norweg hin;

Euch keine weitre Vollmacht übergebend,

Zu handeln mit dem König, als das Maß

Der hier erörterten Artikel zuläßt.

Lebt wohl, und Eil’ empfehle Euren Eifer!

CORNELIUS UND VOLTIMAND

Hier, wie in allem, wollen wir ihn zeigen.

KÖNIG

Wir zweifeln nicht daran. Lebt herzlich wohl!

(Voltimand und Cornelius ab.)

Und nun, Laertes, sagt, was bringt Ihr uns?

Ihr nanntet ein Gesuch: was ist’s, Laertes?

Ihr könnt nicht von Vernunft dem Dänen reden

Und Euer Wort verlieren. Kannst du bitten,

Was ich nicht gern gewährt’, eh’ du’s verlangt?

Der Kopf ist nicht dem Herzen mehr verwandt,

Die Hand dem Munde dienstgefäll’ger nicht,

Als Dänmarks Thron es deinem Vater ist.

Was wünschest du, Laertes?

LAERTES

 Hoher Herr,

Vergünstigung, nach Frankreich rückzukehren,

Woher ich zwar nach Dänmark willig kam,

Bei Eurer Krönung meine Pflicht zu leisten;

Doch nun, gesteh’ ich, da die Pflicht erfüllt,

Strebt mein Gedank’ und Wunsch nach Frankreich hin

Und neigt sich Eurer gnädigen Erlaubnis.

KÖNIG

Erlaubt’s der Vater Euch? Was sagt Polonius?

POLONIUS

Er hat, mein Fürst, die zögernde Erlaubnis

Mir durch beharrlich Bitten abgedrungen,

Daß ich zuletzt auf seinen Wunsch das Siegel

Der schwierigen Bewilligung gedrückt.

Ich bitt’ Euch, gebt Erlaubnis ihm zu gehn!

KÖNIG

Nimm deine günst’ge Stunde: Zeit sei dein

Und eigne Zierde; nutze sie nach Lust!–

Doch nun, mein Vetter Hamlet und mein Sohn –

HAMLET (beiseit)

Mehr als befreundet, weniger als Freund.

KÖNIG

Wie, hängen stets noch Wolken über Euch?

HAMLET

Nicht doch, mein Fürst, ich habe zu viel Sonne.

KÖNIGIN

Wirf, guter Hamlet, ab die nächt’ge Farbe,

Und laß dein Aug’ als Freund auf Dänmark sehn.

Such’ nicht beständig mit gesenkten Wimpern

Nach deinem edlen Vater in dem Staub:

Du weißt, es ist gemein: was lebt, muß sterben

Und Ew’ges nach der Zeitlichkeit erwerben.

HAMLET

Ja, gnäd’ge Frau, es ist gemein.

KÖNIGIN

 Nun wohl,

Weswegen scheint es so besonders dir?

HAMLET

Scheint, gnäd’ge Frau? Nein, ist; mir gilt kein »scheint«.

Nicht bloß mein düstrer Mantel, gute Mutter,

Noch die gewohnte Tracht von ernstem Schwarz,

Noch stürmisches Geseufz’ beklemmten Odems,

Noch auch im Auge der ergieb’ge Strom,

Noch die gebeugte Haltung des Gesichts,

Samt aller Sitte, Art, Gestalt des Grames,

Ist das, was wahr mich kund gibt; dies scheint wirklich:

Es sind Gebärden, die man spielen könnte.

Was über allen Schein, trag’ ich in mir;

All dies ist nur des Kummers Kleid und Zier.

KÖNIG

Es ist gar lieb und Eurem Herzen rühmlich, Hamlet,

Dem Vater diese Trauerpflicht zu leisten.

Doch wißt, auch Eurem Vater starb ein Vater;

Dem seiner, und der Nachgelaßne soll,

Nach kindlicher Verpflichtung, ein’ge Zeit

Die Leichentrauer halten. Doch zu beharren

In eigenwill’gen Klagen, ist das Tun

Gottlosen Starrsinns; ist unmännlich Leid;

Zeigt einen Willen, der dem Himmel trotzt,

Ein unverschanztes Herz und wild Gemüt;

Zeigt blöden, ungelehrigen Verstand.

Wovon man weiß, es sein; was gewöhnlich

Wie das Gemeinste, das die Sinne rührt:

Weswegen das in mürr’schem Widerstande

Zu Herzen nehmen? Pfui! es ist Vergehn

Am Himmel; ist Vergehen an dem Toten,

Vergehn an der Natur; vor der Vernunft

Höchst töricht, deren allgemeine Predigt

Der Väter Tod ist, und die immer rief

Vom ersten Leichnam bis zum heut verstorbnen:

»Dies muß so sein.« Wir bitten, werft zu Boden

Dies unfruchtbare Leid, und denkt von uns

Als einem Vater; denn wissen soll die Welt,

Daß Ihr an unserm Thron der Nächste seid,

Und mit nicht minder Überschwang der Liebe,

Als seinem Sohn der liebste Vater widmet,

Bin ich Euch zugetan. Was Eure Rückkehr

Zur hohen Schul’ in Wittenberg betrifft,

So widerspricht sie höchlich unserm Wunsch,

Und wir ersuchen Euch, beliebt zu bleiben,

Hier in dem milden Scheine unsers Aug’s,

Als unser erster Hofmann, Vetter, Sohn.

KÖNIGIN

Laß deine Mutter fehl nicht bitten, Hamlet:

Ich bitte, bleib’ bei uns, geh nicht nach Wittenberg!

HAMLET

Ich will Euch gern gehorchen, gnäd’ge Frau.

KÖNIG

Wohl, das ist eine liebe, schöne Antwort.

Seid wie wir selbst in Dänmark! – Kommt, Gemahlin!

Dies will’ge, freundliche Nachgeben Hamlets

Sitzt lächelnd um mein Herz; und dem zu Ehren

Soll das Geschütz heut jeden frohen Trunk,

Den Dänmark ausbringt, an die Wolken tragen,

Und wenn der König anklingt, soll der Himmel

Nachdröhnen ird’schem Donner. – Kommt mit mir!

(König, Königin, Laertes und Gefolge ab.)

HAMLET

O schmölze doch dies allzu feste Fleisch,

Zerging’ und löst’ in einen Tau sich auf!

Oder hätte nicht der Ew’ge sein Gebot

Gerichtet gegen Selbstmord! – O Gott! O Gott!

Wie ekel, schal und flach und unersprießlich

Scheint mir das ganze Treiben dieser Welt!

Pfui! pfui darüber! ’s ist ein wüster Garten,

Der auf in Samen schießt; verworfnes Unkraut

Erfüllt ihn gänzlich. Dazu mußt’ es kommen!

Zwei Mond’ erst tot! – nein, nicht so viel, nicht zwei;

Solch trefflicher Monarch! der neben diesem

Apoll bei einem Satyr; so meine Mutter liebend,

Daß er des Himmels Winde nicht zu rauh

Ihr Antlitz ließ berühren. Himmel und Erde!

Muß ich gedenken? Hing sie doch an ihm,

Als stieg’ der Wachstum ihrer Lust mit dem,

Was ihre Kost war. Und doch in einem Mond –

Laßt mich’s nicht denken! – Schwachheit, dein Nam’ ist Weib! –

Ein kurzer Mond; bevor die Schuh’ verbraucht,

Womit sie meines Vaters Leiche folgte,

Wie Niobe, ganz Tränen – sie, ja sie;

O Himmel! würd’ ein Tier, das nicht Vernunft hat,

Doch länger trauern. – Meinem Ohm vermählt,

Dem Bruder meines Vaters, doch ihm ähnlich

Wie ich dem Herkules: in einem Mond!

Bevor das Salz höchst frevelhafter Tränen

Der wunden Augen Röte noch verließ,

War sie vermählt! – O schnöde Hast, so rasch

In ein blutschänderisches Bett zu stürzen!

Es ist nicht und es wird auch nimmer gut.

Doch brich, mein Herz! denn schweigen muß mein Mund.

(Horatio, Bernardo und Marcellus treten auf.)

HORATIO

Heil Eurer Hoheit!

HAMLET

Ich bin erfreut, Euch wohl zu sehn.

Horatio – wenn ich nicht mich selbst vergesse?

HORATIO

Ja, Prinz, und Euer armer Diener stets.

HAMLET

Mein guter Freund; vertauscht mir jenen Namen!

Was macht Ihr hier von...


Shakespeare, William
William Shakespeare (1564-1616) gilt als einer der größten Dichter und Dramatiker der Weltgeschichte. Er verfasste zahlreiche Dramen, Tragödien, Komödien und Gedichte, mit denen er schon zu Lebzeiten Anerkennung und Wohlstand errang. Aber erst in den folgenden Jahrhunderten wurde er zum Prototypen des literarischen Genies, ohne den die Entwicklung der neueren Literatur von Goethe über Brecht bis in die Gegenwart hinein undenkbar ist.

William ShakespeareWilliam Shakespeare (1564-1616) gilt als einer der größten Dichter und Dramatiker der Weltgeschichte. Er verfasste zahlreiche Dramen, Tragödien, Komödien und Gedichte, mit denen er schon zu Lebzeiten Anerkennung und Wohlstand errang. Aber erst in den folgenden Jahrhunderten wurde er zum Prototypen des literarischen Genies, ohne den die Entwicklung der neueren Literatur von Goethe über Brecht bis in die Gegenwart hinein undenkbar ist.

William Shakespeare (1564-1616) gilt als einer der größten Dichter und Dramatiker der Weltgeschichte. Er verfasste zahlreiche Dramen, Tragödien, Komödien und Gedichte, mit denen er schon zu Lebzeiten Anerkennung und Wohlstand errang. Aber erst in den folgenden Jahrhunderten wurde er zum Prototypen des literarischen Genies, ohne den die Entwicklung der neueren Literatur von Goethe über Brecht bis in die Gegenwart hinein undenkbar ist.



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