Shakespeare | Romeo und Julia | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 115 Seiten

Reihe: Fischer Klassik Plus

Shakespeare Romeo und Julia

Tragödie
1. Auflage 2012
ISBN: 978-3-10-401960-4
Verlag: S. Fischer
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Tragödie

E-Book, Deutsch, 115 Seiten

Reihe: Fischer Klassik Plus

ISBN: 978-3-10-401960-4
Verlag: S. Fischer
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Mit dem Werkbeitrag aus Kindlers Literatur Lexikon. Mit dem Autorenporträt aus dem Metzler Lexikon Weltliteratur. Mit Daten zu Leben und Werk, exklusiv verfasst von der Redaktion der Zeitschrift für Literatur TEXT + KRITIK. »Es war die Nachtigall, und nicht die Lerche / Die eben jetzt dein banges Ohr durchdrang.« So schnell will Julia Romeo nach der ersten Liebesnacht nicht gehen lassen. Denn bei Tageslicht hat ihre Liebe keine Chance. Die Wucht der ersten Liebe berührt uns nirgends so schön und tief wie bei Shakespeare. Seine Geschichte zweier Kinder verfeindeter Familien, deren kompromisslose Leidenschaft sich der elterlichen Welt widersetzt, bleibt unübertroffen.

William Shakespeare (1564-1616) gilt als einer der größten Dichter und Dramatiker der Weltgeschichte. Er verfasste zahlreiche Dramen, Tragödien, Komödien und Gedichte, mit denen er schon zu Lebzeiten Anerkennung und Wohlstand errang. Aber erst in den folgenden Jahrhunderten wurde er zum Prototypen des literarischen Genies, ohne den die Entwicklung der neueren Literatur von Goethe über Brecht bis in die Gegenwart hinein undenkbar ist.
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Erster Aufzug


Erste Szene


EIN ÖFFENTLICHER PLATZ

Simson und Gregorio, zwei Bediente Capulets, treten auf

SIMSON

Auf mein Wort, Gregorio, wir wollen nichts in die Tasche stecken.

GREGORIO

Freilich nicht, sonst wären wir Taschenspieler.

SIMSON

Ich meine, ich werde den Koller kriegen und vom Leder ziehn.

GREGORIO

Ne, Freund! deinen ledernen Koller mußt du bei Leibe nicht ausziehen.

SIMSON

Ich schlage geschwind zu, wenn ich aufgebracht bin.

GREGORIO

Aber du wirst nicht geschwind aufgebracht.

SIMSON

Ein Hund aus Montagues Hause bringt mich schon auf.

GREGORIO

Einen aufbringen, heißt: ihn von der Stelle schaffen. Um tapfer zu sein, muß man stand halten. Wenn du dich also aufbringen läßt, so läufst du davon.

SIMSON

Ein Hund aus dem Hause bringt mich zum Standhalten. Mit jedem Bedienten und jedem Mädchen Montagues will ich es aufnehmen.

GREGORIO

Der Streit ist nur zwischen unseren Herrschaften und uns, ihren Bedienten. Es mit den Mädchen aufnehmen? Pfui doch! Du solltest dich lieber von ihnen aufnehmen lassen.

SIMSON

Einerlei! Ich will barbarisch zu Werke gehn. Hab’ ich’s mit den Bedienten erst ausgefochten, so will ich mir die Mädchen unterwerfen. Sie sollen die Spitze meines Degens fühlen, bis er stumpf wird.

GREGORIO

Zieh’ nur gleich von Leder: da kommen zwei aus dem Hause Montagues.

(Abraham und Balthasar treten auf)

SIMSON

Hier! mein Gewehr ist blank. Fang’ nur Händel an, ich will den Rücken decken.

GREGORIO

Den Rücken? willst du Reißaus nehmen?

SIMSON

Fürchte nichts von mir!

GREGORIO

Ne, wahrhaftig! ich dich fürchten?

SIMSON

Laß uns das Recht auf unsrer Seite behalten, laß sie anfangen!

GREGORIO

Ich will ihnen im Vorbeigehn ein Gesicht ziehen, sie mögen’s nehmen, wie sie wollen.

SIMSON

Wie sie dürfen, lieber. Ich will ihnen einen Esel bohren; wenn sie es einstecken, so haben sie den Schimpf.

ABRAHAM

Bohrt Ihr uns einen Esel, mein Herr?

SIMSON

Ich bohre einen Esel, mein Herr.

ABRAHAM

Bohrt Ihr uns einen Esel, mein Herr?

SIMSON

Ist das Recht auf unsrer Seite, wenn ich Ja sage?

GREGORIO

Nein.

SIMSON

Nein, mein Herr! Ich bohre Euch keinen Esel, mein Herr. Aber ich bohre einen Esel, mein Herr.

GREGORIO

Sucht Ihr Händel, mein Herr?

SIMSON

Wenn Ihr sonst Händel sucht, mein Herr: ich stehe zu Diensten. Ich bediene einen eben so guten Herrn wie Ihr.

ABRAHAM

Keinen bessern.

SIMSON

Sehr wohl, mein Herr!

(Benvolio tritt auf)

GREGORIO

Sag: »Einen bessern«; hier kömmt ein Vetter meiner Herrschaft.

SIMSON

Ja doch, einen bessern, mein Herr.

ABRAHAM

Ihr lügt!

SIMSON

Zieht, wo ihr Kerls seid! Frisch, Gregorio! denk’ mir an deinen Schwadronierhieb! (Sie fechten)

BENVOLIO

Ihr Narren, fort! Steckt eure Schwerter ein;

Ihr wißt nicht, was ihr tut.

(Tybalt tritt auf)

TYBALT

Was? ziehst du unter den verzagten Knechten?

Hieher, Benvolio! Beut die Stirn dem Tode!

BENVOLIO

Ich stifte Frieden, steck’ dein Schwert nur ein!

Wo nicht, so führ’ es, diese hier zu trennen!

TYBALT

Was? Ziehn und Friede rufen? Wie die Hölle Hass’ ich das Wort, wie alle Montagues

Und dich! Wehr’ dich, du Memme! (Sie fechten)

(Verschiedene Anhänger beider Häuser kommen und mischen sich in den Streit; dann Bürger mit Knitteln)

EIN BÜRGER

He! Spieß’ und Stangen her! Schlagt auf sie los!

Weg mit den Capulets! Weg mit den Montagues!

(Capulet im Schlafrock und Gräfin Capulet)

CAPULET

Was für ein Lärm? – Holla! mein langes Schwert!

GRÄFIN CAPULET

Nein, Krücken! Krücken! Wozu soll ein Schwert!

CAPULET

Mein Schwert, sag’ ich! Der alte Montague

Kommt dort, und wetzt die Klinge mir zum Hohn.

(Montague und Gräfin Montague)

MONTAGUE

Du Schurke! Capulet! – Laßt los, laß mich gewähren!

GRÄFIN MONTAGUE

Du sollst dich keinen Schritt dem Feinde nähern.

(Der Prinz mit Gefolge)

PRINZ

Aufrührische Vasallen! Friedensfeinde,

Die ihr den Stahl mit Nachbarblut entweiht! –

Wollt ihr nicht hören? – Männer! wilde Tiere!

Die ihr die Flammen eurer schnöden Wut

Im Purpurquell aus euren Adern löscht!

Zu Boden werft, bei Buß’ an Leib und Leben,

Die mißgestählte Wehr aus blut’ger Hand!

Hört eures ungehaltnen Fürsten Spruch!

Drei Bürgerzwiste haben dreimal nun

Aus einem luft’gen Wort von euch erzeugt,

Du alter Capulet und Montague,

Den Frieden unsrer Straßen schon gebrochen.

Veronas graue Bürger mußten sich

Entladen ihres ehrenfesten Schmucks

Und alte Speer’ in alten Händen schwingen,

Woran der Rost des langen Friedens nagte,

Dem Hasse, der euch nagt, zu widerstehn.

Verstört ihr jemals wieder unsre Stadt,

So zahl’ eu’r Leben mir den Friedensbruch!

Für jetzt begebt euch, all ihr andern, weg!

Ihr aber, Capulet, sollt mich begleiten.

Ihr, Montague, kommt diesen Nachmittag

Zur alten Burg, dem Richtplatz unsres Banns,

Und hört, was hierin fürder mir beliebt.

Bei Todesstrafe sag’ ich: alle fort!

(Der Prinz, sein Gefolge, Capulet, Gräfin Capulet, Tybalt, die Bürger und Bediente gehen ab)

MONTAGUE

Wer bracht’ aufs neu’ den alten Zwist in Gang?

Sagt, Neffe, wart Ihr da, wie er begann?

BENVOLIO

Die Diener Eures Gegners fochten hier

Erhitzt mit Euren schon, eh’ ich mich nahte;

Ich zog, um sie zu trennen. Plötzlich kam

Der wilde Tybalt mit gezücktem Schwert,

Und schwang, indem er schnaubend Kampf mir bot,

Es um sein Haupt, und hieb damit die Winde,

Die unverwundet, zischend ihn verhöhnten.

Derweil wir Hieb’ und Stöße wechseln, kamen

Stets mehr und mehr, und fochten mit einander;

Dann kam der Fürst und schied sie von einander.

GRÄFIN MONTAGUE

Ach, wo ist Romeo? Saht Ihr ihn heut?

Wie froh bin ich! Er war nicht bei dem Streit.

BENVOLIO

Schon eine Stunde, Gräfin, eh’ im Ost

Die heil’ge Sonn’ aus goldnem Fenster schaute,

Trieb mich ein irrer Sinn ins Feld hinaus.

Dort, in dem Schatten des Kastanienhains,

Der vor der Stadt gen Westen sich verbreitet,

Sah ich, so früh schon wandelnd, Euren Sohn.

Ich wollt’ ihm nahn, er aber nahm mich wahr

Und stahl sich tiefer in des Waldes Dickicht.

Ich maß sein Innres nach dem meinen ab,

Das in der Einsamkeit am regsten lebt,

Ging meiner Laune nach, ließ seine gehn,

Und gern vermied ich ihn, der gern mich floh.

MONTAGUE

Schon manchen Morgen ward er dort gesehn,

Wie er den frischen Tau durch Tränen mehrte

Und, tief erseufzend, Wolk’ an Wolke drängte.

Allein sobald im fernsten Ost die Sonne,

Die all’erfreu’nde, von Auroras Bett

Den Schattenvorhang wegzuziehn beginnt,

Stiehlt vor dem Licht mein finstrer Sohn sich heim,

Und sperrt sich einsam in sein Kämmerlein,

Verschließt dem schönen Tageslicht die Fenster,

Und schaffet künstlich Nacht um sich herum.

In schwarzes Mißgeschick wird er sich träumen,

Weiß guter Rat den Grund nicht wegzuräumen.

BENVOLIO

Mein edler Oheim, wisset Ihr den Grund?

MONTAGUE

Ich weiß ihn nicht und kann ihn nicht erfahren.

BENVOLIO

Lagt Ihr ihm jemals schon deswegen an?

MONTAGUE

Ich selbst sowohl als mancher andre Freund.

Doch er, der eignen Neigungen Vertrauter,

Ist gegen sich, wie treu will ich nicht sagen,

Doch so geheim und in sich selbst gekehrt,

So unergründlich forschendem Bemühn,

Wie eine Knospe, die ein Wurm zernagt,

Eh’ sie der Luft ihr zartes Laub entfalten

Und ihren Reiz der Sonne weihen kann.

Erführen wir, woher sein Leid entsteht,

Wir heilten es so gern, als wir’s erspäht.

(Romeo erscheint in einiger Entfernung)

BENVOLIO

Da kömmt er, seht! Geruht uns zu verlassen!

Galt ich ihm je was, will ich schon ihn fassen.

MONTAGUE

Oh, beichtet’ er für dein Verweilen dir

Die Wahrheit doch! – Kommt, Gräfin, gehen wir!

(Montague und Gräfin...


Shakespeare, William
William Shakespeare (1564-1616) gilt als einer der größten Dichter und Dramatiker der Weltgeschichte. Er verfasste zahlreiche Dramen, Tragödien, Komödien und Gedichte, mit denen er schon zu Lebzeiten Anerkennung und Wohlstand errang. Aber erst in den folgenden Jahrhunderten wurde er zum Prototypen des literarischen Genies, ohne den die Entwicklung der neueren Literatur von Goethe über Brecht bis in die Gegenwart hinein undenkbar ist.

William ShakespeareWilliam Shakespeare (1564-1616) gilt als einer der größten Dichter und Dramatiker der Weltgeschichte. Er verfasste zahlreiche Dramen, Tragödien, Komödien und Gedichte, mit denen er schon zu Lebzeiten Anerkennung und Wohlstand errang. Aber erst in den folgenden Jahrhunderten wurde er zum Prototypen des literarischen Genies, ohne den die Entwicklung der neueren Literatur von Goethe über Brecht bis in die Gegenwart hinein undenkbar ist.

William Shakespeare (1564-1616) gilt als einer der größten Dichter und Dramatiker der Weltgeschichte. Er verfasste zahlreiche Dramen, Tragödien, Komödien und Gedichte, mit denen er schon zu Lebzeiten Anerkennung und Wohlstand errang. Aber erst in den folgenden Jahrhunderten wurde er zum Prototypen des literarischen Genies, ohne den die Entwicklung der neueren Literatur von Goethe über Brecht bis in die Gegenwart hinein undenkbar ist.



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