E-Book, Deutsch, 144 Seiten
Reihe: CORA Verlag
Shaw Der Fürst und das Showgirl
1. Auflage 2016
ISBN: 978-3-7337-0232-8
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, 144 Seiten
Reihe: CORA Verlag
ISBN: 978-3-7337-0232-8
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Liebe auf den ersten Blick gibt es für Schauspielerin Mina Hart nur auf der Bühne ... bis sie den umwerfend attraktiven Erik Thoresen im Zuschauerraum entdeckt. Bei seinem Anblick vergisst die unschuldige Mina alles, was in ihrem Leben zählt und gibt den Annäherungsversuchen des schönen Fremden nach. Was als prickelnder Flirt beginnt, endet in einer sinnlichen Liebesnacht. Doch als am nächsten Morgen Paparazzi vor seiner Luxussuite warten, scheint ihr Liebestraum zerstört. Denn Erik ist der Thronfolger eines nordischen Fürstentums, der sie plötzlich für ein berechnendes Showgirl hält ...
Chantelle Shaw ist in London aufgewachsen. Mit 20 Jahren heiratete sie ihre Jugendliebe. Mit der Geburt des ersten Kindes widmete sie sich ihrer Rolle als Hausfrau und Mutter, ein Vollzeitjob, da die Familie bald auf sechs Kinder und verschiedene Haustiere anwuchs. Chantelle Shaw entdeckte die Liebesromane von Mills & Boon, die sie schon aus ihrer Jugend kannte, in den ersten Jahren als Mutter neu. Während ihrer unfreiwillig nachtaktiven Zeit, hatte sie häufig ein Baby im Arm und ein Buch in der anderen Hand. In ihrer Freizeit fing Sie an, eigene Geschichten zu schreiben. Mills & Boon lehnte ihre ersten Entwürfe ab, ermutigte sie aber weiter zu machen. Doch als Mutter von sechs Kindern, die auch noch halbtags arbeitete, blieb ihr kaum Zeit. Erst 20 Jahre später begann sie wieder ernsthaft zu schreiben, als sie versuchte über den Tod ihrer Mutter hinweg zu kommen. Sie konnte sich in die Welten in ihrem Kopf flüchten und so für einige Zeit ihre Trauer vergessen. Seit dieser Zeit mag Chantelle Shaw Liebesromane noch mehr als zuvor, denn kein anderes Genre verleiht seinen Lesern ein ähnliches Gefühl von Glück und Entspannung. Sie liebt es, starke, entschlossene und sexy Helden zu kreieren, die letztendlich das große Glück und die Liebe finden. Das Schreiben nimmt ihre meiste Zeit ein, aber wenn sie einen freien Kopf braucht, geht sie in ihren Garten oder spazieren. Manchmal wünschte sie sich nur, dass sie auch von der Hausarbeit einen freien Kopf bekommen würde.
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1. KAPITEL
Er war wieder da.
Mina hatte sich vorgenommen, nicht nach ihm Ausschau zu halten. Doch als sie aus den Kulissen trat, blickte sie wie unter Zwang zu den Zuschauern, die sich im Stehbereich vor der Bühne versammelt hatten. Ihr Herz schlug schneller, als sie ihn dort entdeckte.
Die einzigartige Architektur des Shakespeare Globe Theatre am Londoner Südufer der Themse ermöglichte es den Schauspielern, von der Bühne aus die Gesichter der Zuschauer zu erkennen. Das Theater war ein genialer Nachbau des berühmten elisabethanischen Schauspielhauses, ein offenes Amphitheater, über dem der Himmel sich wie jetzt bei einsetzender Dämmerung rötlich blau färbte. Wie im Originaltheater wurden nur sanfte Beleuchtungsquellen eingesetzt. Ohne das blendende Rampenlicht konnte Mina die markanten Züge des Mannes, seine ausgeprägten Wangenknochen, das männlich energische Kinn mit dem leichten Bartschatten deutlich ausmachen.
Er lächelte nicht, wirkte ernst, fast streng, doch seine sinnlichen Lippen faszinierten Mina. Von der Bühne aus konnte sie die Farbe seiner Augen nicht erkennen, dafür die hellen Strähnchen im dunkelblonden Haar. Er trug dieselbe schwarze Lederjacke wie an den drei vorhergehenden Abenden und sah so umwerfend aus, dass Mina den Blick nicht von ihm abwenden konnte.
Warum mochte er erneut ins Theater gekommen sein? Sicher, Joshuas Harts Regiedebüt mit der berühmten Liebesgeschichte Romeo und Julia war mit positiven Kritiken überhäuft worden – doch was veranlasste jemanden, sich dasselbe Stück an drei Abenden hintereinander stehend anzusehen? Na ja, vielleicht konnte der Mann sich einen Galerieplatz nicht leisten. Stehplätze waren billig und begehrt, weil man von dort aus den besten Blick auf die Bühne hatte und den Schauspielern ganz nahe war.
Mina wollte sich abwenden, doch irgendwie stand sie völlig im Bann dieses Mannes. Jetzt sah er sie so durchdringend an, dass sie unwillkürlich den Atem anhielt. Die Welt um sie herum versank – der Zuschauerraum, die anderen Schauspieler –, es gab nur noch ihn.
Undeutlich wurde Mina bewusst, dass es still um sie geworden war: Die anderen Schauspieler warteten auf ihren Einsatz. Doch Mina fiel ihr Text nicht ein. Sie bekam es mit der Angst zu tun, als ihr bewusst wurde, dass Hunderte Augenpaare auf sie gerichtet waren.
Meine Güte! Lampenfieber – der schlimmste Albtraum jedes Schauspielers. Ihre Zunge war wie gelähmt, der kalte Schweiß brach ihr aus. In aufsteigender Panik tastete sie nach ihrem Hörgerät.
„Reiß dich zusammen, Mina!“, flüsterte ihr ein anderer Darsteller zu. Und endlich schien ihr Hirn wieder zu funktionieren! Sie atmete tief ein und sprach ihre erste Textzeile.
„Ach … wer hat mich gerufen?“
Kat Nichols, die die Krankenschwester spielte, atmete erleichtert ein.
Mina wusste, dass sie „die vierte Mauer“ missachtet hatte, die goldene Schauspielerregel, nie auf das Publikum zu achten. Nur Sekunden hatte sie sich von der Figur der blutjungen Julia gelöst und den Zuschauern einen Blick auf sich selbst gestattet – Mina Hart, die fünfundzwanzigjährige hörbehinderte Schauspielerin.
Es war unwahrscheinlich, dass jemand im Zuschauerraum von ihrer Hörschwäche wusste. Nur wenigen außerhalb der Familie und des engsten Freundeskreises war bekannt, dass sie mit acht Jahren an Meningitis erkrankt war und eine Hörschwäche zurückbehalten hatte. Die Hörhilfen, die sie trug, waren so klein, dass sie unter ihrem langen Haar nicht auffielen. Dank einer neuen Erfindung konnte sie damit auch telefonieren und Musik hören. Manchmal vergaß Mina fast, wie einsam und abgeschnitten sie sich als Kind gefühlt hatte, für das die Welt über Nacht stumm geworden war.
Doch obwohl sie sich auf ihre Hörhilfen verließ, waren einige Gewohnheiten geblieben. Sie konnte erstaunlich gut von den Lippen lesen und beobachtete Lady Capulet, die nun ihren Text sprach.
„Sag mir, Tochter Julia, wie denkst du übers Heiraten?“
Die Poesie von Shakespeares Stücken war Musik in Minas Ohren und berührte sie tief. Die Wirklichkeit versank, sie war nicht mehr die Schauspielerin Mina Hart, sondern Julia, das vierzehnjährige Mädchen, das einen Mann heiraten sollte, den seine Eltern ausgesucht hatten. Ein Mädchen, das zur Frau wurde, ohne sich verlieben zu dürfen, und noch nicht wusste, dass es am Ende des Abends sein Herz hoffnungslos an Romeo verloren haben würde.
Mit klarer, reiner Stimme erwiderte Julia ihrer Mutter. „Es ist eine Ehre, die ich nicht erstrebe.“
Die Vorführung lief ohne Patzer weiter, doch irgendwie spürte Mina die ganze Zeit, dass der Mann im Publikum sie nicht aus den Augen ließ.
Shakespeares Tragödie der unglücklich Liebenden näherte sich dem Ende.
Erik Thoresen hatte über zwei Stunden gestanden, seine Beine schmerzten, doch er spürte es kaum. Gebannt blickte er zur Bühne, zu Julia, die neben ihrem toten Ehemann kniete, einen Dolch ergriff und ihn sich ins Herz stieß.
Allgemeines Seufzen erfüllte den Zuschauerraum wie eine Trauerbrise. Natürlich wusste jeder, wie die Tragödie ausging, doch als Julia leblos über ihren geliebten Romeo sank, verspürte Erik ein ungewohntes Ziehen in der Kehle. Alle Ensemblemitglieder waren begnadete Schauspieler, doch Mina Hart, die Julia, war etwas Besonderes. Ihre ergreifende Verkörperung der jungen Liebenden elektrisierte ihn.
Vor drei Tagen hatte Erik nach einem weiteren aufreibenden Tag voller Debatten zwischen dem Regierungsrat von Storvhal und britischen Kabinettsvertretern spontan beschlossen, sich das Stück im Shakespeare Globe Theatre anzusehen. Das Fürstentum Storvhal zwischen Norwegen und Russland wurde seit achthundert Jahren von der Dynastie Thoresen regiert. Und als Regent und Staatsoberhaupt herrschte Erik uneingeschränkt über den gewählten Regierungsrat. Seit dem Tod seines Vaters Fürst Geir ruhte die Verantwortung für das Wohl des Fürstentums voll auf seinen Schultern. Bisher hatte er niemandem anvertraut, dass er diese Bürde, die ihm mit der Geburt auferlegt worden war, manchmal als drückend empfand.
Zweck seines Besuchs in London war die Erörterung von Vorschlägen für ein neues Handelsabkommen zwischen Britannien und Storvhal. Doch wegen endloser bürokratischer Verflechtungen waren die Verhandlungen ins Stocken geraten. Ein Theaterbesuch fern diplomatischer Verwicklungen würde ihn auf andere Gedanken bringen, hatte er gehofft. Keineswegs hatte er jedoch erwartet, dass die Hauptdarstellerin des Stückes ihn völlig verzaubern würde.
Die Vorführung war beendet, die Schauspieler erschienen vor dem Vorhang und verneigten sich. Erik konnte den Blick nicht von Mina Hart abwenden. Es war die letzte Aufführung des Stückes im Globe gewesen. Und es war auch sein letzter Abend in London, nachdem er das Handelsabkommen mit England endlich unter Dach und Fach gebracht hatte. Am nächsten Morgen würde er nach Storvhal zurückfliegen, um seinen Verpflichtungen in der Heimat nachzukommen. Und, wie seine Großmutter ihm ständig vorhielt, um endlich eine passende Braut als Fürstin heimzuführen, die dem Land einen Thronerben schenkte.
„Es ist deine Pflicht, die Nachfolge der Dynastie zu sichern“, hatte die neunzigjährige Fürstin Eldrun ihn wieder und wieder ermahnt, seit sie an einer lebensbedrohenden Lungenentzündung erkrankt war. „Nichts wünsche ich mir mehr, als dich verheiratet zu wissen, ehe ich sterbe.“
Seelische Erpressung hätte Erik bei jedem anderen unbeeindruckt abgeschüttelt. Seit der Kindheit war ihm eingeschärft worden, dass Pflicht und Verantwortung wichtiger seien als persönliche Befindlichkeiten und Wünsche. Ein einziges Mal hatte er sein Herz über den Verstand herrschen lassen. Damals war er Anfang zwanzig gewesen und hatte sich in ein bildschönes russisches Model verliebt. Doch nachdem er erfahren musste, dass Karena ihn betrog, hatte er eine undurchdringliche Mauer um sich errichtet.
Seine Großmutter war der einzige Schwachpunkt in seiner Abwehr. Fünfzig Jahre lang hatte Fürstin Eldrun ihren Mann Fürst Frederik bei den Regierungsgeschäften unterstützt, und Erik hatte größte Hochachtung vor ihr. Als sie krank wurde und die Ärzte ihn gewarnt hatten, er müsse mit dem Schlimmsten rechnen, war ihm bewusst geworden, wie wichtig ihr Rat ihm war. Aber nicht einmal aus Liebe zu seiner Großmutter wollte Erik sich zu einer Ehe drängen lassen. Wenn er so weit war, würde er heiraten. Eine Liebesheirat dürfte es kaum werden. Als Fürst von Storvhal genoss er viele Privilegien, doch sich zu verlieben gehörte nicht dazu – wie bei seinen Wikingervorfahren.
Erik versuchte, sich seine ungewöhnliche Anteilnahme an der Tragödie von Romeo und Julia zu erklären. Sicher bewegte sie ihn so, weil er wusste, wie schlecht es um die Gesundheit seiner Großmutter stand. Heute war der zwölfte Jahrestag des tödlichen Hubschrauberabsturzes seines Vaters in Monaco – dem Spielplatz der Reichen und Schönen, wo Fürst Geir sich am liebsten getummelt hatte. Sehr zum Entsetzen der Menschen von Storvhal. Im Gegensatz zu seinem Vater widmete Erik sich unermüdlich den Staatsgeschäften und hatte die Unterstützung der Bevölkerung so nach und nach zurückgewonnen. Doch diese Beliebtheit hatte ihren Preis.
In Storvhal war es schwer, dem Scheinwerferlicht zu entkommen. Die Medien beobachteten ihn genau, stets auf Anzeichen lauernd, dass er sich wie sein Vater zum Playboy und Partylöwen entwickelte. Zu Hause konnte er es sich nicht leisten, allein auszugehen wie hier in London. Wenn er in Storvhal ins Theater ging,...




