E-Book, Deutsch, 0 Seiten
Sheckley Star Trek - Deep Space Nine: das Spiel der Laertaner
1. Auflage 2014
ISBN: 978-3-641-11660-6
Verlag: Heyne
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Roman
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ISBN: 978-3-641-11660-6
Verlag: Heyne
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Dr. Julian Bashir ist entzückt über den Besuch der bezaubernden Laertanerin Allure in Deep Space Nine. Die beiden beginnen ein Glücksspiel und vereinbaren, erst dann aufzuhören, wenn eine der beiden Parteien bankrott ist. Dr. Bashir gewinnt Spiel um Spiel, gegen jede Wahrscheinlichkeit und Manipulation. Als er aus dem Spiel aussteigen will, taucht ein laertanischer Schlachtkreuzer auf und droht, die Station zu zerstören, wenn das Spiel nicht fortgesetzt wird. Zur gleichen Zeit kommt es an weit voneinander entfernten orten des Alpha-Quadranten zu unerklärlichen Katastrophen: Gebäude, Raumschiffe, ganze Gebirge verschwinden spurlos ...
Robert Sheckley, 1928 in New York geboren, studierte Englisch und Philosophie an der New York University. Bereits während des Studiums begann er erste Kurzgeschichten zu veröffentlichen, und in kürzester Zeit machte er sich einen Namen als einer der intelligentesten und humorvollsten Science-Fiction-Autoren. Parallel zu seiner Schreibtätigkeit arbeitete er als Literaturredakteur und hatte Gastdozenturen an verschiedenen Universitäten. Sheckley starb im Dezember 2005.
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Kapitel 28
»Ultab scheint von dir Besitz ergriffen zu haben«, sagte Rom und beschwor den Namen der uralten Ferengi-Gottheit des Selbstzweifels herauf.
»Das ist purer Aberglaube«, sagte Quark.
»Wie sonst willst du dir erklären, dass du bankrott bist?«, fragte Rom.
Die Ferengi waren eigentlich nicht als besonders religiöses Volk bekannt. Sie waren ganz anders als die Bajoraner, bei denen Visionen und religiöse Besinnung eine lange Tradition hatten. Die Ferengi setzten ihre Spiritualität nicht in Szene. Aber das bedeutete nicht, dass sie keine hatten. Für Ferengi war der Profit eine heilige Angelegenheit und der Verlust ein Werk des Teufels. Schon der Begriff des Verlustes war unausweichlich mit der Vorstellung einer übernatürlichen Strafe verbunden, woran nur noch wenige Ferengi glaubten, wovor sich jedoch alle fürchteten.
»Wenn Ultab nicht dafür verantwortlich ist«, fragte Rom, »wie willst du dann dein Pech erklären?«
Genau das war das Problem. Quark konnte sich überhaupt nicht erklären, was geschehen war. Er wusste nur, dass es nicht seine Schuld sein konnte. Da kein Ferengi jemals zugeben würde, dass es seine eigene Schuld war, wenn er bankrott ging, musste der Grund für dieses Unglück – das einem Ferengi genauso oft widerfuhr wie jedem anderen – irgendwo anders liegen. Ferengi glaubten an verschiedene böse Geister. Doch keiner wurde mehr gefürchtet als Ultab, der Dämon des Selbstzweifels und dessen dunklen Schattens, des geschäftlichen Versagens. Wenn das Geschäft eines Ferengi pleite ging, sagten seine Nachbarn: »Anscheinend hat Ultab von ihm Besitz ergriffen.« Dann spuckten sie sich zwischen die Finger. Das bedeutete soviel wie: »Der Gottheit sei Dank, dass er nicht von mir Besitz ergriffen hat!«
Der Bankrott war für einen Ferengi eine Sünde, allerdings eine Sünde, für die er sich nicht selbst verantwortlich machte. Es verstand sich von selbst, dass kein Ferengi bankrott gehen wollte. Aber wenn es doch geschah, dann musste er irgend etwas falsch gemacht haben. Warum hätte Ultab sonst von ihm Besitz ergriffen?
Natürlich glaubten die Ferengi eigentlich gar nicht mehr an diese Dinge. Solche Gedanken waren ein Rückfall in die alten Zeiten des Aberglaubens. Aber dennoch fürchteten sie sich davor.
»Vielleicht sollten wir ein Sühneopfer leisten«, sagte Rom.
Quark wachte aus seiner Lethargie auf. Wenn man nicht mehr weiterwusste, konnte man immer noch wütend werden, vor allem gegen einen Bruder, der von einem abhängig war und daher wissen sollte, dass er nicht leichtfertig die Wahrheit aussprechen durfte.
»Rom, verschwinde und lass mich mit deinem defätistischen Gerede in Ruhe! Ich muss nachdenken.«
Rom ging, und Quark saß allein in seinem Quartier. Er trank aus einer Flasche mit elcanischem Bitterbier. Der Geschmack war ihm zuwider, aber der Effekt war recht angenehm. Es stellte gleichzeitig eine Bestrafung dar und eine Methode, um betrunken zu werden.
Während er nachdachte, klopfte es an der Tür.
»Rom«, rief Quark, »ich habe dir gesagt, du sollst mich in Ruhe lassen!«
Eine unbekannte Stimme antwortete: »Hier ist nicht Rom, mein Sohn.«
»Nicht Rom?« Quark erhob sich und öffnete die Tür. Draußen stand ein Ferengi-Priester.
»Ich bin Olix«, sagte der Priester. »Ich bin von unserem Heimatplaneten gekommen, um den Ferengi Trost zu spenden, die über die ganze Galaxis verstreut sind.«
Quark blickte ihn von oben bis unten an. Olix war sogar für einen Ferengi recht klein. Fast schon zwergenhaft. Er trug die weiße Halskrause seines Ordens – der Charismatischen Väter des Profites und Verlustes. Quark hatte schon von ihnen gehört. Sie wichen leicht vom Hauptstrom der religiösen Überzeugungen der Ferengi ab, indem sie die Hoffnung auf das Wunder eines grenzenlosen Profits predigten, ohne dass dazu entsprechende Arbeit nötig war.
Quark war nicht sehr religiös veranlagt, nicht einmal für einen Ferengi. Aber es war nett, sich mit jemandem von der Heimatwelt zu unterhalten. Und es konnte nie schaden, wenn der Priester ihm seinen Segen spendete.
»Treten Sie ein, Vater«, sagte Quark.
Der Priester betrat zögernd den Raum und blickte voller Erstaunen auf die kostbare Einrichtung, den dicken Wollteppich, die hohen roten Samtvorhänge. Das Holo auf der einen Seite zeigte den leeren Weltraum, ein für Ferengi besonders beruhigender Anblick, da es im leeren All nichts zu kaufen oder verkaufen gab und ihr profitorientierter Geist sich entspannen konnte.
»Wie wunderbar Sie Ihre Klause eingerichtet haben!«, rief Olix. »Mit welchen Reichtümern Sie hier leben!«
Quark lachte zynisch. »Sie hätten mein Quartier gestern sehen sollen, bevor ich etliche meiner besseren Stücke verkaufen musste.«
»Verkaufen? Warum, mein Sohn?«
Quark hatte eigentlich nicht beabsichtigt, über seine Probleme zu reden. Doch die freundliche Art und das fromme Auftreten des Priesters gaben Quark das Gefühl, es mit jemandem zu tun zu haben, der ihn verstehen und Mitleid haben würde.
»Ich wurde gezwungen, sie zu verkaufen«, sagte Quark.
»Das verstehe ich nicht.«
»Vater, Sie werden mir keinen Trost spenden können«, sagte Quark. »Ich habe die schwerste Sünde begangen, der sich ein Ferengi schuldig machen kann.«
»Und welche ist das, mein Sohn?«
»Ich bin bankrott.«
Olix atmete erschrocken ein. »Durch eigene Schuld?«
Einen kurzen Augenblick lang war Quark wild entschlossen, alle Schuld auf sich zu nehmen. Doch dann setzte sich seine Vernunft wieder durch.
»Nein, nicht durch eigene Schuld! Ich bin gewiss nicht verantwortlich für das, was geschehen ist! Ich bin das Opfer einer Intrige! Mächte, die mir unbekannt sind und außerhalb meines Einflusses liegen, haben sich verbündet, um mir mein Vermögen zu rauben. Wie sonst wäre so etwas möglich?«
»Man sagt, dass du ein Glücksspielunternehmen leitest, mein Sohn«, sagte Olix.
»So ist es, Vater. Das heißt, so war es.« Quark lachte verbittert.
»Das Glücksspiel ist ein höchst profitables Geschäft und ein sehr spirituelles dazu, da es sich um keine nützliche, weltliche Tätigkeit handelt, sondern dem reinen Erwerb von Vermögen dient. Ist es nicht so?«
»Völlig richtig.«
»Trotzdem musstest du deine Spieltische schließen?«
»So ist es.«
»Aber das wäre genauso, als wollte man einen Tempel schließen, der dem Profit geweiht ist! Warum nur, mein Sohn? Welche schrecklichen Umstände haben dich vom geraden und schmalen Weg des reinen Profits abgebracht?«
Quarks Antwort war denkbar einfach. »Ich habe mein gesamtes Geld verloren, Vater.«
»Was hat das mit dem Reispreis in der Jenshu-Provinz zu tun, um ein altes Sprichwort zu bemühen? Kannst du dir nichts mehr nach altehrwürdiger Ferengi-Tradition borgen?«
»Das könnte ich sicherlich tun. Aber ich möchte lieber darauf verzichten, Vater, weil ich damit mein Geld zum Schleusentor hinauswerfen würde.«
»Wie kommst du auf diese Idee, mein Sohn?«
»Vater, dieses Spiel wird zu meinen Ungunsten manipuliert, obwohl ich keine Ahnung habe, wie das möglich sein soll.«
»Wie kann das sein, mein Sohn? Sind es nicht deine eigenen Spieltische?«
»Natürlich.«
»Und liegen die Gewinnchancen nicht deutlich auf deiner Seite?«
»Natürlich, Vater. Sie wissen, dass ich das Kasino niemals betreiben würde, wenn es nicht so wäre!«
»Wo liegt dann das Problem?«
»Die Person, gegen die ich spiele, scheint unter dem Einfluss einer teuflischen Glückssträhne zu stehen.«
»Hüte dich vor solchen ketzerischen Gedanken! Wie kommst du dazu, an etwas Unmögliches wie eine Glückssträhne zu glauben?«
»Weil ich mir nur auf diese Weise meinen Verlust erklären kann«, sagte Quark. »Hier scheint irgendein Faktor die Gesetze der Wahrscheinlichkeit aufzuheben, so dass der Vorteil des Hauses nicht mehr zum Tragen kommt.«
»Willst du damit sagen, dass du nicht mehr an den Vorteil des Hauses und das Gesetz der ausgleichenden Wahrscheinlichkeit glaubst?«
»Offen gesagt, Vater, die Ereignisse haben mein Vertrauen in diese ewigen Wahrheiten erschüttert.«
»Quark, mein Sohn, du darfst auf keinen Fall deinen Glauben verlieren! Hast du unsere uralte Lehre des Kraggnish vergessen?«
»Ich nehme mir das Kraggnish jederzeit zu Herzen, Vater. Aber ich frage Sie, was kann ich tun, wenn ich vom Pech verfolgt bin?«
Der kleine Priester antwortete ihm mit einer Gegenfrage. »Was sagen unsere Ahnen über das Pech?«
»Das es nur scheinbar ist.«
»Richtig. Und was noch?«
»Das es sich irgendwann wieder in Glück verwandelt.«
»Und was sagen sie über den Vorteil des Hauses?«
»Dass es ein beständiges Gesetz ist.«
»Und zweifelst du an diesen Wahrheiten?«
»Gewiss nicht, Vater!«
»Dann will ich dir eine direkte Frage stellen. Ist dein Spiel ordentlich manipuliert?«
»Glauben Sie, ich hätte völlig den Verstand verloren? Natürlich ist es manipuliert!«
»Dann sei zuversichtlich, mein Sohn, und lass dich durch einen vorübergehenden Verlust in einem ordentlich manipulierten Spiel nicht vom Pfad der profitablen Tugend abbringen. Hab Vertrauen in das Gesetz der ausgleichenden Wahrscheinlichkeit. Fasse neuen Mut und kratze alles zusammen, womit du noch spielen kannst, und stehle den Rest! Das Glück ist immer auf der Seite dessen, der die größten Gewinnchancen hat. Das ist eine ewige Wahrheit. Vergiss nicht, was die Ahnen uns versprochen haben: Der Vorteil des Hauses ist ein ewiges Gesetz und wird dir schließlich Profit bringen!«
»Ich höre,...




