Sheepshanks | Die Sterne über Boynton Park | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 389 Seiten

Sheepshanks Die Sterne über Boynton Park

Roman | Erleben Sie mutige Frauen und den ganz besonderen Zauber des englischen Landlebens!
1. Auflage 2022
ISBN: 978-3-98690-111-0
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

Roman | Erleben Sie mutige Frauen und den ganz besonderen Zauber des englischen Landlebens!

E-Book, Deutsch, 389 Seiten

ISBN: 978-3-98690-111-0
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Eine Frau zwischen Pflicht, Liebe und Tradition: Der bewegende Roman »Die Sterne über Boynton Park« von Mary Sheepshanks jetzt als eBook bei dotbooks. Die Musiklehrerin Flavia Cameron glaubt zu träumen, als der Direktor der ehrwürdigen Winsleyhurst School ihr einen Antrag macht. Doch die sittenstrenge Lady Boynton, die in der kleinen Stadt die Geschicke lenkt, ist mit dieser Wahl ganz und gar nicht einverstanden. Flavia ist viel zu kämpferisch, viel zu schön, viel zu lebenssprühend: Sie liebt es, mit ihrem musikalischen Talent sternengleich jeden Konzertsaal zum Leuchten zu bringen, anstatt bloß die Seite ihres Ehemanns zu zieren. Und obwohl sich vor ihrem neuen Zuhause der blühende Boynton Park mit seinen Mandelbäumen und Seen erstreckt, hat Flavia zunehmend das Gefühl, die Luft abgeschnürt zu bekommen. Erst, als sie Alistair Forbes, dem Vater eines neuen Schülers, begegnet, kann sie endlich wieder atmen. Aber darf sie für dieses zarte Gefühl wirklich alles riskieren? »Voller Weisheit und äußerst unterhaltsam!« The Times Jetzt als eBook kaufen und genießen: Der berührende Liebesroman »Die Sterne über Boynton Park« von Mary Sheepshanks. Wer liest, hat mehr vom Leben: dotbooks - der eBook-Verlag.

Mary Sheepshanks wurde 1931 geboren und wuchs am Eton College auf, wo ihr Vater arbeitete. Ihre Ferien verbrachte sie jedoch oft im Haus ihrer Großeltern in Wales, wo sie ihre Liebe für das ruhige Landleben und ungezähmte Landstriche entdeckte, die später in ihre Romane einfloss. Ebenfalls Einfluss fanden ihre Jahre in Eton sowie Unterrichtsstunden in Windsor Castle. Mary Sheepshanks lebt und schreibt heute in Schottland. Ihre zahlreichen Enkelkinder nennen sie gern »wild writing granny« - unter diesem Titel erschienen daher ihre Memoiren. Bei dotbooks veröffentlichte Mary Sheepshanks ihre Romane »Der Himmel über Glendrochatt«, »Die Sterne über Boynton Park«, »Die Frauen von Longthorpe« und »Ein Sommer in Duntan Hall«.
Sheepshanks Die Sterne über Boynton Park jetzt bestellen!

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Kapitel 1


Die Probe an jenem Morgen verlief hervorragend. Alle Mitglieder des Orchesters lächelten Flavia an, als die letzten Töne verklangen und sich endlich die Spannung löste.

»Wenn du heute abend auch so spielst, dann wirst du dem Publikum eine Sensation bieten!« Antoine küßte ihr die Hand; es war kein höflicher Handkuß, sondern eine höchst sinnliche Berührung. Dann schloß er ihre Finger darüber, als hielte sie eine kostbare Münze darin.

Alle im Orchester wußten, daß sie eine Affäre mit dem Dirigenten hatte – Antoines Affären waren niemals ein Geheimnis, und Flavia störte es nicht; am liebsten hätte sie es ja selbst von allen Dächern hinabgeschrien. Es war das Erstaunlichste, Wunderbarste, was ihr bisher in den einundzwanzig Jahren ihres Lebens passiert war. Um so entsetzter wäre sie gewesen, wenn sie gehört hätte, wie Jim Barnard, der allseits geschätzte Leiter des Orchesters, sagte: »Ich gebe der ganzen Angelegenheit sechs Monate, im Höchstfall ein Jahr – und Flavia tut mir jetzt schon leid.« Die Musiker haßten Antoine, obwohl Jim, der schon unter vielen Dirigenten gespielt hatte, zugeben mußte, daß Antoine exzellent war und dem Orchester neuen Schwung verliehen hatte.

Die üblichen Geräusche entstanden, als die Musiker ihre Instrumente und die Noten wegpackten. Antoine beobachtete, wie Flavia die Querflöte in den Kasten legte. Am Morgen hatte eine leichte Spannung zwischen ihnen geherrscht, weil Flavia sich geweigert hatte, Antoine zu verraten, welches Kleid sie an diesem Abend in der Festival Hall tragen würde. Er hatte ziemlich ausgeprägte Vorstellungen, welches Image sie aufbauen sollte, und überhaupt zog er es vor, über alles, was sie betraf, die Kontrolle zu besitzen. Flavia war nicht sicher, ob ihm dieses schwarze, raffinierte Kleid gefallen würde, in das sie sich in Paris auf den ersten Blick verliebt und das sie – für verdammt viel Geld – als Überraschung für ihn gekauft hatte. Doch ihr war es wichtig, wenigstens in diesem Bereich Unabhängigkeit zu zeigen. Sie war hingerissen von Antoine, aber sie hatte nicht vor, seine Marionette oder die eines anderen zu werden.

»Nun, wirst du heute abend das rote oder das hellblaue tragen?« hatte er gefragt, als sie im Bett lag und ihn dabei beobachtete, wie er sein glattes schwarzes Haar, das an den Seiten wie Rabenflügel wirkte, sorgfältig hinter die Ohren kämmte.

»Ich verrat’s dir nicht – es ist ein Geheimnis.«

»Aber natürlich mußt du es mir verraten. Es ist wichtig, daß du dich mit mir berätst.«

»Wart’s einfach ab«, hatte sie ihn geneckt, doch Antoine mochte es nicht, wenn man ihn aufzog – er allein durfte andere necken. Er hatte sich über ihren Widerstand geärgert, hatte sie bedrängt, doch sie hatte nicht nachgegeben. Antoine, der früher zur Probe gehen mußte als Flavia, war mit einem Gesicht wie eine Gewitterwolke aus dem Raum gestürmt. Es war das erste Mal, daß sie sich ihm widersetzt hatte, und er war sicher, daß er ihr das Geheimnis schon noch entlockt hätte, wäre er nicht in solcher Eile gewesen – obwohl es sie auch irgendwie interessanter machte.

Doch nun war er viel zu erfreut über ihr Spiel, um das Thema noch einmal aufs Tapet zu bringen. Sie würde ihm Ehre machen und zeigen, daß die Vorschußlorbeeren, mit denen er sie in den Medien bedacht hatte, gerechtfertigt waren. Antoine du Fosset war stolz auf seine Fähigkeit, schon früh Talente erkennen zu können – nicht nur im musikalischen Bereich, wie die Lästermäuler behaupteten.

Bevor sie gingen, bat er sie, sich ganz hinten in den Saal zu stellen.

»Ich möchte dir etwas vorführen. Glaub mir, du wirst tatsächlich eine Stecknadel fallen hören können.« Flavia sprang die Stufen hinunter und lief den Gang entlang. Sie strahlte vor Glück über sein Lob und sah dem Auftritt am Abend mit neuem Selbstvertrauen entgegen.

»Fertig?« rief er.

Sie schaute lachend zu ihm hin. »Fertig!«

Antoine zog die Nadel aus der Nelke, die er stets im Knopfloch trug – in Gedenken an Malcolm Sargent, wie er selbst zu sagen pflegte –, um sich selbst hervorzuheben, wie andere Leute behaupteten. Antoine hielt die Nadel hoch und ließ sie dann fallen. Deutlich konnte Flavia hören, wie sie auf den Bühnenboden fiel.

»Was für eine Akustik!«

»Tu ferais bien de t’en souvenir – du tätest gut daran, es nicht zu vergessen!«

Flavia kehrte zu ihm zurück, doch bevor sie hinter die Bühne ging, drehte sie sich noch einmal um und warf einen Blick auf die vielen Stuhlreihen und die Logen oben an den Seiten, die ihr vorkamen wie Schubladen, die man herausgezogen hatte. Heute abend würde der Saal mit Menschen gefüllt sein, die alle kamen, um sie spielen zu hören.

»Laß uns jetzt gehen!« Antoine nahm sie an der Hand und führte sie in seine Garderobe, nahm sie in die Arme. Flavia war nicht viel kleiner als er. Doch er war so von Energie und Vitalität erfüllt, daß viele, die ihn beim Dirigieren erlebt hatten, hinterher erstaunt waren, daß er nicht größer war. Flavia schloß die Augen und gab sich seinem Kuß hin.

»Ich bin sehr stolz auf dich«, sagte er, während er sie hinter sich her zu dem Taxi zog, das er bestellt hatte.

Nach dem Mittagessen kehrte Flavia in die Wohnung zurück, die sie mit Tricia teilte – auch wenn sie sich in letzter Zeit nur selten hier hatte sehen lassen. Tricia war gerade dabei, sich die Haare zu waschen.

»Hi, Trish, wie schön, daß du hier bist! Aber was machst du hier um diese Zeit?«

»Na ja, ich wußte, daß du heute nachmittag kommen würdest, und ich hatte die Nase voll von der Galerie.« Tricia verzog das Gesicht und schlang sich ein Handtuch um die Haare. »Die Arbeit ist langweilig, langweilig, langweilig! Und wie bekommt dir unser großer französischer Liebhaber? O Himmel, du strahlst wie ein Weihnachtsbaum! Ich bin schon ganz grün vor Neid. Ich wünschte, Roddy hätte auch mal diese Wirkung auf mich! Ich denke, ich sollte dem Jungen mal ein bißchen Feuer machen!« Tricia nahm sich ständig vor, Roddy Feuer zu geben. »Aber du hast von deinem Dirigenten mehr gelernt, als zu musizieren.«

»Hm.« Flavia streckte sich auf ihrem Bett aus. »O Trish, du ahnst gar nicht, wie glücklich ich bin. Ich hatte doch überhaupt keine Ahnung, wie herrlich das Leben sein kann! Es ist nicht nur der Sex – obwohl auch der einfach toll ist! –, Antoine und ich, wir atmen einfach die gleiche Musik. Er ist der wunderbarste Mann, dem ich je begegnet bin, und er hat mich zu einem ganz anderen Menschen gemacht. Ich würde sterben, wenn ihm irgend etwas passierte!«

Tricia dachte nur, daß ihm bei seinem bekannten Frauenverschleiß unausweichlich etwas passieren würde – mit größter Wahrscheinlichkeit eine andere Frau. Aber es wäre zwecklos, Flavia in ihrem gegenwärtigen Zustand darauf hinzuweisen. Ihr Glück umgab sie wie ein bewehrter Zaun, der alles andere abhielt.

»Und welche Neuigkeiten gibt es von Roddy?« Schuldbewußt stellte Flavia fest, daß sie in letzter Zeit den Kontakt zu ihren Freunden sträflich vernachlässigt hatte – nicht, weil sie sie nicht mehr interessierten, sondern weil sie so erfüllt von Antoine und ihrer Musik gewesen war, daß nichts anderes mehr Raum gefunden hatte. Vor ein paar Monaten wäre sie stets auf dem laufenden gewesen, was Tricias erfülltes Liebesleben betraf; sie hätten endlos darüber diskutiert, ob es fair wäre, den getreuen Roddy hinzuhalten, bis vielleicht ein aufregenderes Exemplar der Gattung Mann auftauchte. Sie hatten damals auch über Guy gesprochen, Flavias Freund, ein schüchterner, ernsthafter Kommilitone, dem sie ihre Jungfräulichkeit geopfert hatte – und der gar nicht so wild darauf gewesen war, dieses Opfer entgegenzunehmen. Er fühlte sich bei seinem Cembalo wesentlich sicherer als in den Armen einer Frau. Tricia hatte ihn den »trübsinnigen Ritter vom schlechten Gewissen« getauft und Flavia damit aufgezogen, daß sie so wenig Abenteuergeist gezeigt hatte. Doch jetzt stellte Flavia fest, daß sie nicht die geringste Neigung verspürte, über Antoine mit ihrer Freundin zu diskutieren. Er war zu kostbar, zu privat; es kam ihr vor, als würde sie damit das Schicksal herausfordern.

Und dennoch erfreute sie sich an Tricias erfrischender Gesellschaft, sie war gerührt, als Tricia ihr sagte, daß auch sie am Abend zu ihrem Konzert kommen würde, obwohl sie nicht viel für klassische Musik übrig hatte.

»Deine Mutter hat mir eine Karte besorgt, so daß ich neben deinen Eltern, Matt und Di sitzen kann. Sie bringen wahrscheinlich tausend Leute mit. Ich habe Matt eine Ewigkeit nicht mehr gesehen.«

Matt war Flavias älterer Bruder. Er und seine Freundin Di arbeiteten als Assistenzärzte im St.-Thomas-Krankenhaus.

Tricia war begeistert von dem engen schwarzen Kleid, und ihr Geplauder wirkte beruhigend auf Flavias Nerven; sie hörte auf, ständig auf die Uhr zu schauen. Flavia war insgeheim erleichtert, daß ihre Eltern keine Zeit haben würden, vor dem Konzert noch schnell bei ihr vorbeizuschauen. Ihre ehrgeizige Mutter zeigte gemischte Gefühle, was Antoine betraf. Einerseits betrachtete sie ihn als wichtigen Meilenstein auf Flavias Weg zu einer großartigen Karriere, andererseits war sie extrem eifersüchtig darauf, welchen Einfluß er auf ihre Tochter hatte. Und da sie, wie ihre Kinder es nannten, in bezug auf Sex und Moral viktorianische Ansichten vertrat, hätte sie über diese Liaison zutiefst empört sein müssen, wenn sie sich selbst erlaubt hätte, einzugestehen, daß diese bestand. Aber wie die Menschen damals im viktorianischen Zeitalter zeigte auch sie doppelte Maßstäbe, und da Antoines Nützlichkeit ihr wichtiger erschien, hatte sie beschlossen, vor seinem Ruf die Augen zu verschließen....



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