Sheepshanks | Ein Sommer in Duntan Hall | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 325 Seiten

Sheepshanks Ein Sommer in Duntan Hall

Roman | Erleben Sie starke Frauen und den ganz besonderen Zauber des englischen Landlebens!
1. Auflage 2022
ISBN: 978-3-98690-233-9
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

Roman | Erleben Sie starke Frauen und den ganz besonderen Zauber des englischen Landlebens!

E-Book, Deutsch, 325 Seiten

ISBN: 978-3-98690-233-9
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Die Geheimnisse und Sehnsüchte einer Adelsfamilie: Der Englandroman »Ein Sommer in Duntan Hall« von Mary Sheepshanks als eBook bei dotbooks. Eine englische Kleinstadt, in der alles auf wundersame Weise verbunden ist ... Schon lange hat Sonia, die junge Lady von Duntan Hall, das Gefühl, sich selbst verloren zu haben. Ihr Ehemann Archie ist ihr fremd geworden und seit der Geburt ihres vierten Kindes hat sie kaum mehr eine Minute für sich. Umso hartnäckiger hält sie dafür an dem alten Familienanwesen fest, das mit seiner langsam bröckelnden Fassade allerdings nicht mehr den schönen Schein aufrechterhalten kann, der Archie so wichtig ist. Also schmiedet Sonia einen verwegenen Plan, um Duntan Hall zu neuem Glanz zu verhelfen - doch weder hat sie mit ihrer gewitzten Schwiegermutter und deren ungewöhnlichen Freunden gerechnet noch mit Simon Hadleight, dem viel zu charmanten Gutachter für Denkmalschutz ... »Zugleich bezaubernd weise und wunderbar humorvoll.« The Times Jetzt als eBook kaufen und genießen: Der bewegende Familienroman »Ein Sommer in Duntan Hall« von Mary Sheepshanks. Wer liest, hat mehr vom Leben: dotbooks - der eBook-Verlag.

Mary Sheepshanks wurde 1931 geboren und wuchs am Eton College auf, wo ihr Vater arbeitete. Ihre Ferien verbrachte sie jedoch oft im Haus ihrer Großeltern in Wales, wo sie ihre Liebe für das ruhige Landleben und ungezähmte Landstriche entdeckte, die später in ihre Romane einfloss. Ebenfalls Einfluss fanden ihre Jahre in Eton sowie Unterrichtsstunden in Windsor Castle. Mary Sheepshanks lebt und schreibt heute in Schottland. Ihre zahlreichen Enkelkinder nennen sie gern »wild writing granny« - unter diesem Titel erschienen daher ihre Memoiren. Bei dotbooks veröffentlichte Mary Sheepshanks ihre Romane »Der Himmel über Glendrochatt«, »Die Sterne über Boynton Park«, »Die Frauen von Longthorpe« und »Ein Sommer in Duntan Hall«.
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Kapitel 1


Besucher, die zum erstenmal nach Duntan kamen und nicht wußten, daß die kleine Straße durch das Dorf zur Kirche und von dort zur hinteren Einfahrt führte, bogen von der oberen Straße in die Haupteinfahrt ein. Tore gab es längst nicht mehr, man hatte sie während des Krieges eingeschmolzen, und nach dem Krieg war die Erhaltung von Haus und Grund mit so vielen Schwierigkeiten verbunden gewesen, daß niemand auch nur auf den Gedanken kam, sie zu ersetzen. Nur die steinernen Greifen thronten noch auf den Pfeilern, in denen einst die Tore verankert waren. Sie erinnerten an Kampfhähne, die sich zwischen zwei Runden ausruhten. Der eine hatte eine Klaue verloren, der andere schwere Verletzungen am Schnabel davongetragen, aber trotzdem machten sie nicht den Eindruck, als hätten sie das Kriegsbeil begraben.

»Haben sie heute morgen gekämpft?« fragte Birdie, die auf den Namen Henrietta getauft war, aber nur selten so gerufen wurde, mit aufgeregter Stimme vom Rücksitz des Wagens. Immer stellte sie diese Frage und immer an dieser Stelle.

»Ich glaube nicht, nein, heute nicht.«

»Woher weißt du das?«

Sonia verlangsamte das Tempo und schaltete in einen niedrigeren Gang, bevor das Auto über den Viehrost rumpelte.

»Heute sind sie gar nicht außer Atem, und außerdem hatten sie ja erst letzte Woche einen großen Kampf. Wahrscheinlich erholen sie sich noch davon.« Sonia war nicht in der Stimmung, Geschichten zu erzählen. Tom versuchte, gelangweilt und desinteressiert dreinzuschauen. Er wäre lieber gestorben, als zuzugeben, daß ihm die Sage von den Greifenkämpfen ganz und gar nicht behagte; daß vor allem nachts, wenn der Wind ums Haus heulte, die Vorstellung keineswegs beruhigend war, das unheimliche Klirren und Schlagen könnte von den gewaltigen Schwingen dieser riesigen Wesen mit Löwenleib und Adlerkopf stammen, die in den Lüften miteinander kämpften. Das war seltsam, denn eigentlich war Birdie für schwache Nerven zuständig in der Familie.

Auf der Hauptstraße deutete nichts darauf hin, daß das Gelände so steil abfiel. Erst nach der ersten Kurve sah man, daß sich der Park zu beiden Seiten des Weges senkte. Die gewaltigen Buchen, die so kerzengerade in die Höhe ragten, daß man den Eindruck gewinnen konnte, der Himmel habe sie als Senkschnur vorgesehen, betonten das steile Gelände noch mehr. Auf halbem Weg hinunter stand, auf einer Art Plateau über dem Fluß, das Haus; dahinter fiel das Gelände weiter ab, und noch weiter hinten erstreckten sich unendlich erscheinende Wiesen und Weiden, die in weiter Feme mit dem Blau des Himmels verschmolzen.

Das Haus sah wunderschön aus, aber im Innern kränkelte es, auch wenn die perfekte Symmetrie und der poröse Stein keine Anzeichen der lebensbedrohenden Krankheit erkennen ließen. Die Farbe des Steins veränderte sich im wechselnden Licht – an trüben Tagen schien er grau wie der düstere Himmel, an sonnigen Tagen dagegen verfärbte er sich gelb und schien von innen heraus zu leuchten.

Jedesmal, wenn Sonias Blick auf Duntan fiel, war sie erneut von seiner Schönheit hingerissen. Sie dachte, daß sie sich niemals satt sehen konnte, daß sie das Haus jedesmal so sehen würde wie damals bei ihrem allerersten Besuch.

Die Auffahrt wand sich hinunter zum vorderen Eingang, aber Sonia fuhr durch den Torweg linker Hand und gelangte so in den dahinterliegenden Stallhof. Sie entschied sich für diesen Weg, zum einen, weil es der kürzeste zur Küche war, und zum anderen, weil sie wußte, daß sie, würde sie den anderen Eingang benutzen, unweigerlich auf die Briefe stieße, die mit der Morgenpost gekommen waren. Die lagen noch immer auf dem kleinen runden Tischchen, wo sie sie heute morgen ungeöffnet hatte liegenlassen, weil sie sich nicht stark genug fühlte, sie zu öffnen. Sie wußte, daß der eine ihren Kontoauszug enthielt, und obwohl sie sich ungefähr ausrechnen konnte, wie es um ihre Finanzen stand, verspürte sie kein Verlangen nach Bestätigung. Der zweite Brief, ebenso unerwünscht wie der erste, dabei jedoch ungleich schwerer einzuschätzen, trug die ausladende Handschrift ihrer Schwiegermutter. Sonia hatte verzagt festgestellt, daß der Brief in London abgestempelt war, obwohl sie ihre Schwiegermutter in sicherer Entfernung in New York vermutet hatte; dieser Brief beschwor die drohende Möglichkeit eines bevorstehenden Besuches herauf. Nachdem jedes Lebenszeichen aus dieser Ecke Unheil bedeutete, beschloß sie, daß sie auch jetzt noch nicht in der Lage war, ihn zu lesen. Die Notwendigkeit, die eingekauften Lebensmittel aus dem Auto in die Küche zu schaffen, schien mit einem Mal äußerst verlockend.

An diesem Vormittag wankte Sonia, beladen bis unters Kinn, über den Hof. Birdie lief ihr nach und las die Orangen auf, die aus der Tüte gefallen waren und nun über das unebene Pflaster purzelten, Tom dagegen war spurlos verschwunden, wie so oft, wenn er hätte zur Hand gehen sollen.

»Tut mir leid, daß es so lange gedauert hat«, entschuldigte sich Sonia, während sie die erste Ladung auf den blanken Holztisch inmitten der Küche plumpsen ließ, »aber im Supermarkt war heute die Hölle los; alle Einkaufswagen schienen sich verschworen zu haben, ständig nur im Kreis zu fahren, nichts war mehr am gewohnten Platz, so daß natürlich kein Mensch etwas finden konnte.«

Minnie, die Arme bis zu den Ellbogen mit Mehl bestäubt, rümpfte verächtlich die Nase. »Ich konnte diese Läden noch nie ausstehen. Früher hat Mr. Moss in seinem weißen Kittel regelmäßig die Bestellungen bei Ihrer Großmutter abgeholt und das Bestellte dann am darauffolgenden Mittwoch geliefert. Er kam jedesmal in die Küche, wo ihm Mrs. Barrett eine gute Tasse Tee hinstellte und ihm hinterher aus den Teeblättern noch die Zukunft las. Es war natürlich noch richtiger Tee und nicht dieses Sägemehl in den lächerlichen kleinen Beuteln.« Und dabei bedachte sie die riesige Sparpackung, die Sonia eben ausgepackt hatte, mit geringschätzigem Blick.

»Aber, Min, sie konnte ihm doch unmöglich jeden Mittwoch die Zukunft lesen. So oft konnte die sich doch gar nicht ändern.« Birdie liebte Geschichten aus der guten alten Zeit, wo Minnie in die Dienste der Familie getreten war.

»Jeden Mittwoch«, versicherte Minnie noch einmal. »In einer Woche kann viel passieren. Und tatsächlich hat sie eines Tages große Veränderungen in Mr. Moss’ Teetasse gesehen, und am darauffolgenden Freitag fand Mr. Moss Mrs. Moss mausetot auf dem Teppich vor dem Kamin. Aus einem Teebeutel hätte sich das nie herauslesen lassen.«

»Vielleicht auch gut so.« Sonia schwankte mit der letzten Schachtel voller Lebensmittel herein. »Wenn Sie den Wasserkessel schon aufgesetzt haben, liebe Minnie, dann hätte ich jetzt gern eine hübsche, harmlose Tasse Nescafé, und unterstehen Sie sich, in meiner Tasse nach zukünftigem Unglück Ausschau zu halten. In der Halle liegt ein Brief von Lady Rosamund, das reicht mir für heute vollkommen.«

»Diese Frau«, meinte Minnie düster, »bringt Unheil so sicher wie der Ostwind Gänsehaut. Sie sollten versuchen, sie abzuwimmeln, Sonia, sonst haben wir hier alle keine ruhige Minute mehr.«

»Magst du Großmama nicht?« wollte Birdie wissen und schob sich dabei einen Klumpen Kuchenteig in den Mund.

»Ich würde mir nie anmaßen, meine persönliche Meinung zu äußern«, antwortete Minnie mit geheuchelter Zurückhaltung. »Und bitte, nimm die Finger aus der Schüssel, Birdie, sonst klebt dein Bäuchlein bald zusammen, und dann tut es schrecklich weh. Soll ich die Sachen wegräumen, Sonia, oder machen Sie das? Ich habe gedacht, Sie wollten heute morgen malen.«

»Nein, nein, mach’ ich schon. Ich will nur vorher schnell die Post lesen. Malen kann ich später, wenn ich hier aufgeräumt habe.«

Noch während sie sprach, fragte sie sich, warum Arbeiten, die sie überhaupt nicht mochte, sie so oft von der Arbeit abhielten, die sie eigentlich gerne tat. Höchstwahrscheinlich hätte Minnie die Sachen mit Freuden weggeräumt, während es für sie nichts als eine lästige und ungeliebte Pflicht war. Im tiefsten Innern wußte sie, daß es hauptsächlich Angst vor Versagen war, die sie zurückhielt. »Sonia ist wirklich begabt, müssen Sie wissen. Sie war eine vielversprechende Künstlerin, bevor sie Archie geheiratet hat.« Solche Bemerkungen lösten stets ein angenehmes Gefühl aus, und daraufhin ließ es sich noch leichter und ohne weitere Anstrengung auf diesen halbverdienten Lorbeeren ausruhen. »Ist sie nicht bewundernswert? So begabt, und gleichzeitig wird sie den Kindern und diesem riesigen alten Haus und natürlich Archies Ansprüchen gerecht, aber es ist ja auch eine wunderbare Ehe.« Sonia fragte sich, wann die Risse, die sich langsam aber sicher in ihrer Ehe bemerkbar machten, so sichtbar würden wie die Risse im Haus.

Eigentlich lagen ja drei Briefe auf dem Tischchen in der Halle. Sonia beschloß, den Kontoauszug einfach zu ignorieren und erst dann einen Blick darauf zu werfen, wenn sie sich etwas gestärkt fühlte. Der Brief von ihrer Schwiegermutter erforderte womöglich eine Entscheidung und konnte deshalb nicht ungeöffnet bleiben. Sie riß ihn mit einem Finger auf. Archie öffnete seine Briefe stets säuberlich an der oberen Kante mit einem Papiermesser aus Elfenbein. An Weihnachten brachte er die Kinder damit zur Verzweiflung, daß er an jedem Päckchen jeden einzelnen Knoten mühsam aufknotete, anstatt Bänder und Papier einfach aufzureißen und sich auf das Geschenk zu stürzen. Deshalb gab es nie einen Zweifel, ob er oder Sonia einen Brief geöffnet hatte. Sonia starrte auf das Papier und las mit wachsender Verzweiflung:

Meine liebe Sonia,

ich denke oft daran, wie schwierig es für Dich und Archie sein muß, richtige...



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