Shelton | Bob Dylan - No Direction Home | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 1, 448 Seiten

Reihe: Buchreihe

Shelton Bob Dylan - No Direction Home

Sein Leben, seine Musik 1941-1978
1. Auflage 2011
ISBN: 978-3-8419-0098-2
Verlag: Edel Books - ein Verlag der Edel Verlagsgruppe
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

Sein Leben, seine Musik 1941-1978

E-Book, Deutsch, Band 1, 448 Seiten

Reihe: Buchreihe

ISBN: 978-3-8419-0098-2
Verlag: Edel Books - ein Verlag der Edel Verlagsgruppe
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Robert Shelton lernte Bob Dylan kennen, als dieser 1961 ins Greenwich Village nach New York kam. Im Laufe der Zeit wurde er sein Freund und Kritiker. Sheltons Biografie über Dylan, erstmals erschienen 1986, gilt heute als Klassiker des Genres. Und von den über 1.000 Büchern, die über das Genie geschrieben wurden, ist Sheltons Werk bis heute das einzige, das Dylan aktiv unterstützte. Die längst überfällige, vollständig überarbeitete Neuausgabe anlässlich Dylans 70sten Geburtstags enthält bisher unveröffentlichte Passagen des Originalmanuskripts, aktualisierte Fußnoten, zahlreiche Fotos der wichtigsten Lebensstationen und nicht zuletzt eine aktualisierte Diskografie.

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(S. 749-750)

Dylan, 1971

Ende 1969 war Dylan zurück ins Village geflohen und in ein Haus auf der MacDougal Street, unterhalb von Bleecker, gezogen. Eine Zeit lang genoss er die Anonymität, die ihm auf dem Lande verloren gegangen war. Doch schon bald war es ihm nicht mehr möglich, unerkannt durch die Straßen zu schlendern und die Ruhe hinter verschlossenen Türen zu genießen. Er durchstreifte alte Jagdgründe, um zu sehen, was von seiner alten Village-Gang übrig geblieben war. Die vergangenen zehn Jahre waren selbstverständlich nicht spurlos am Kettle, Folk City, Gaslight oder Bitter End vorübergegangen.

Im Frühjahr 1971 erreichten die Eingriffe in Dylans Privatleben in New York ihren Höhepunkt. »Das ist der Preis des Ruhmes, schätze ich«, sagte mir Dylan auf dem Höhepunkt der Kampagne des »Fledderers«[368] gegen ihn. Im Dezember 1971 schrieben Jerry Rubin, John Lennon, Yoko Ono und John Peel an The Village Voice: »Er (der Fledderer) ist für Dylan, was Manson für die Beatles ist - und er benutzt das, was er aus Dylans Musik herausinterpretiert, zu dem Versuch, Dylan umzubringen und seinen eigenen Ruhm aufzubauen.«

Der Fledderer war ein Möchtegern-Anarcho-Star, ein Hökerer und Dealer der ausgeflippten Neuen Linken, ein Müll-Groupie, ein sich selbst verkaufender, schnellsprechender Wühler namens Alan Jules Weberman. Er ernannte sich selbst zu »der Welt größter Autorität über Dylan«, zum »Vater der Dylanologie«. Er bezichtigte Dylan zahlloser Verbrechen, plagte und verleumdete ihn drei Jahre lang. Eine Zeit lang akzeptierten manche seine Bezichtigungen, dass Dylan »ein Schwein« sei, ein Junkie, ein Superkapitalist, der Napalm-Produzenten und Reaktionäre finanziert.

Von 1968 bis 1971, im Verlauf einer der grausamsten Attacken, die je auf das Privatleben eines Künstlers geführt wurden, lotste Weberman Delegationen zu Dylans Haus im Village, rief ihn zu den unmöglichsten Tageszeiten an, nahm Gespräche mit ihm auf Band auf, verteilte dann die Bänder und Abschriften davon weltweit. Ich habe mit dem Fledderer zweimal telefoniert. Seine Stimme klang gereizt und aufgeregt, seine Redeweise war beleidigend. Ich beschloss, ihn nicht zu interviewen.

Weberman publizierte anfangs in Broadside; man hielt ihn zunächst für einen Dylan-Fan, der nach versteckten Anspielungen forscht. Er fand in Dylan-Songs politische Inhalte, wo andere keine sahen. Gordon Friesen von Broadside sah »A. J.«, wie man ihn allgemein nannte, als ausgeflippten, aber wohlwollenden Interpreten von Dylans Werk an. Dann begann der Fledderer, sich selbst in Dylan-Songs hineinzulesen. Er hüllte sich in eine Yippie-Rhetorik, attackierte »das Schwein« Dylan ob seines Geldes.

Möglicherweise kehrte der Fledderer erst in dem Moment seine bösartige Seite heraus, als Dylan sich weigerte, seine Texte in einem von Weberman geschriebenen Buch zitieren zu lassen. Daraufhin zieh Weberman Dylan kommerzieller Ausbeuterei und übler persönlicher Gewohnheiten. In seinem Interview mit dem Rolling Stone 1969 ging Dylan den Fledderer hart an und schlug vor, er solle sich andere Autoren suchen, um sie falsch zu deuten. Das machte Weberman nur noch wilder. Er begann, Dylans Platten rückwärts zu spielen, um versteckte »Schlüssel« zu finden. Die Traktate des Fledderers wurden immer häufiger vom Underground Press Syndicate verteilt und unkritisch veröffentlicht.



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