Sheridan / Buchwald | All the Little Raindrops | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 400 Seiten

Sheridan / Buchwald All the Little Raindrops


1. Auflage 2025
ISBN: 978-3-98718-503-8
Verlag: VAJONA
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 400 Seiten

ISBN: 978-3-98718-503-8
Verlag: VAJONA
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Es ist Spring Break im letzten Schuljahr und Noelle Meyer und Evan Sinclair wurden entführt. Keiner von beiden weiß, warum sie ausgewählt wurden, nur, dass sie eine tragische Vergangenheit teilen: Evans Vater kam mit dem Mord an Noelles Mutter davon und ruinierte damit praktisch ihre Familie. Obwohl sie sich aufgrund dieser Verbindung eigentlich hassen müssten, verbünden sich die Teenager stattdessen, um sich ihrem anderen gemeinsamen Nenner zu stellen - ihren Entführern. Jahre später befasst sich Evan, der inzwischen als Privatdetektiv arbeitet, erneut mit dem Verbrechen. Er bittet Noelle um Hilfe und sie entdecken, dass die Antworten bei einem Mann liegen, der nur als der Collector bekannt ist ...

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Noelle hatte versucht, die Tage zu verfolgen, aber sie waren nicht von den Nächten zu unterscheiden. Beide waren in Stille und völlige Schwärze getaucht. Schließlich hatte sie es aufgegeben. Woher sollte sie wissen, wie schwer es war, eine Stunde zu messen, wenn diese Stunde in dunkler, stiller Angst verbracht wurde?

Ihr war bewusst geworden, dass es Orte gab, an denen die Zeit nicht existierte. Denn selbst in Abwesenheit einer Uhr basierte ihr Empfinden auf Sinneseindrücken: dem Sonnenauf- und Sonnenuntergang, dem Geräusch des Verkehrs, dem fernen Klang einer Kirchenglocke … oder auf hundert anderen Signalen aus der Welt um sie herum. Doch nicht in diesem Käfig, in dem sie sich gerade befand. So zählte sie nicht mehr, wie sie es immer getan hatte, nachdem sie sich orientiert und sich zur Ruhe gezwungen hatte. Stattdessen trieb sie einfach dahin. Sie versuchte, dass ihre Fantasie nicht die Kontrolle übernahm, versuchte, sich nicht vorzustellen, sie befände sich in einer luftdichten Box tief unter der Meeresoberfläche. Denn allein dieser Gedanke ließ ihren Blutdruck in die Höhe schnellen und ihren Atem stoßweise kommen, als würde ihr der Sauerstoff ausgehen.

Das Einzige, was Noelle einen Hinweis auf die verstreichenden Stunden gab, waren die Anzeichen ihres eigenen Körpers. Sie wurde hungrig und durstig. Aber Essen und Trinken kamen in unregelmäßigen Abständen aus einer Art kleinen Tür in der Wand, gleich hinter ihrem Gefängnis. Sie hörte, wie die Tür angehoben wurde, und dann erschien ein kleiner, milchiger Lichtstrahl, der sie zwang, den Kopf wegzudrehen; selbst der schwache Schein war zu viel für ihre an die Dunkelheit gewöhnten Augen. Wie eine Fledermaus in einer unterirdischen Höhle, die auf einen Schimmer gedämpften Sonnenlichts reagierte, der durch einen Spalt fiel. Aber selbst, wenn Noelle sich abwandte, konnte sie das Hefebrot riechen, und das veranlasste sie dazu, dorthin zu kriechen und blind nach dem Essen zu greifen. Dabei erreichten ihre Fingerspitzen gerade noch das einfache Stück Brot oder ein paar Cracker und einen Pappbecher mit Wasser. Beim ersten Mal hatte sie das Wasser versehentlich umgekippt, ohne sich dessen Anwesenheit bewusst zu sein, und später war sie so ausgedörrt gewesen, dass ihre Zunge angeschwollen war und ihre Lippen rissig geworden waren. Jetzt wusste sie, dass sie vorsichtiger sein musste, wenn sie nach beidem griff. Und dann, bevor Noelle ihre Augen ganz öffnen konnte, ging der Schlitz zu und hinterließ nur noch ein verschwommenes Bild der Öffnung.

Manchmal kamen Essen und Trinken, wenn sie so ausgehungert und dehydriert war, dass sie zitterte, als sie nach der Nahrung griff, und manchmal kamen sie, wenn sie sich noch weitgehend satt fühlte. Das musste Absicht gewesen sein. Um sie zu verwirren. Um sie zu quälen. Zuerst hatte sie geschrien und gebettelt, wenn die Essenslieferungen kamen, schließlich musste jemand in der Nähe sein, aber niemand hatte jemals geantwortet. Noelle dachte, sie hätte irgendwo weit oben Schritte gehört. Aber sonst? Nichts.

Wenn sie raten müsste, würde sie sagen, dass ihr Käfig etwa einen Meter achtzig auf einen Meter zwanzig groß war und dass in der Ecke eine Toilette stand. Sie hatte sie gefunden, als sie endlich den Mut gehabt hatte, ihre Umgebung abzutasten, nachdem sie dort aufgewacht war, orientierungslos, gelähmt und allein. Sie hatte die Form ertastet und festgestellt, dass sie aus Metall war, wie eine dieser Gefängnistoiletten. Passend. Immerhin war Noelle eine Gefangene. Von wem, das wusste sie nicht. Sie konnte es auch nicht erraten. Die Toilette spülte genauso wie eine Flugzeugtoilette, mit einem lauten, saugenden Geräusch, gefolgt vom leisen Schließen einer Klappe. Wenigstens bot sie ein wenig Würde. Aber es würde sie nicht davor bewahren, zu verdursten.

Als sie sich ihrer misslichen Lage klar geworden war, dass sie entführt worden war, hatte Noelle geweint, sich hin und her gewiegt und sich vorgestellt, wie entsetzt ihr Vater sein musste. Er hätte die Polizei verrückt gemacht, um sie zu finden. In letzter Zeit hatten sie sich nur noch gelegentlich oder gar nicht mehr gesehen, aber er hätte sie angerufen oder sich Sorgen gemacht, wenn sie ihn nicht zurückgerufen hätte. Er arbeitete gerade in einem Nachtjob, und da momentan Spring Break war und sie keine Schule hatte, arbeitete Noelle tagsüber in ihrem Kellnerinnenjob. Aber sie telefonierten mindestens jeden zweiten Tag miteinander oder schickten sich kurze SMS. Und das war mindestens eine Woche her. ? Aber vielleicht hatte sie sich geirrt. Vielleicht waren erst nur ein paar Tage vergangen. Vielleicht hatte ihr Chef noch nicht einmal angerufen, um herauszufinden, warum sie nicht da war. Irgendwann musste sie aufhören, an ihren Vater zu denken, denn dadurch wurde ihre Panik nur noch größer und sie wollte nach ihm rufen. Sie fühlte sich wie damals, als sie als kleines Mädchen aus einem Albtraum aufgewacht war und nach ihrem Retter geschrien hatte. Ihr Vater war damals immer aufgetaucht und hatte sie in seine Arme genommen. »Psst«, hatte er gesagt. »Daddy ist hier. Du bist in Sicherheit.«

Die tiefe Sehnsucht danach brachte Noelle jetzt fast zum Hyperventilieren. Und sie fragte sich, wie lange es noch dauern würde, bis sie ihren Verstand verlor. Ein Teil von ihr sehnte sich nach der Gnadenfrist eines gebrochenen Geistes; einer, der nicht denken konnte, der keine Angst hatte. Oder sich Dinge vorzustellen, die in der umgebenden Dunkelheit auf der Lauer lagen. Aber der stärkere Teil von ihr lehnte es ab, eines der wenigen Dinge aufzugeben, die sie derzeit besaß: ihren Lebenswillen.

Noelle rollte sich vor dem plötzlichen Lichteinfall weg, kniff die Augen noch fester zu und stieß ein schmerzhaftes Keuchen aus. Sie setzte sich auf und hielt ihre Hand abwehrend vor sich, während sie sich so weit wie möglich zurückzog und mit der Wirbelsäule gegen die Gitterstäbe ihres Geheges stieß. Mit zusammengekniffenen Augen sah sie außerirdisch-ähnliche Gestalten, die sich bewegten. Sie hörte ein Grunzen und dann ein Klirren. Jemand oder mehrere waren in dem Raum mit ihr.

»Hallo?«

Ihr Herz raste, der Atem kam schwer über ihre Lippen, als sie verzweifelt versuchte, ihre Augen ganz zu öffnen. Aber Noelle war schon so lange in der Dunkelheit, dass ihre Augen noch nicht gehorchen wollten.

»Bitte! Hallo? Lasst mich raus. Bitte«, flehte sie, und die Hoffnung gab ihr den Mut, sich auf die Knie zu ziehen und zur Vorderseite ihres Käfigs zu krabbeln. Wieder ein metallisches Klirren, irgendeine Tür schloss sich zu ihrer Rechten, und dann ertönten Schritte – jemand im Raum bewegte sich auf eine offene Tür in der Wand zu ihrer Linken zu. »Bitte, nein!«, schrie sie. »Geht nicht! Bitte! Lasst mich raus!«

Die Tür glitt zu, und der Raum wurde wieder dunkel. Die Lücken, in denen sich die Tür befand, spendeten nicht einmal ein kleines Rinnsal an Licht. Das leise Geräusch von Schritten entfernte sich und Noelle fiel nach hinten, wobei ihr die Tränen über die Wangen liefen, als sie sich der Hoffnungslosigkeit hingab.

Es waren zwei Personen im Raum gewesen, und sie hatten ihre Bitten ignoriert. Ihre Schultern bebten von ihren Schluchzern, die sie sich nicht leisten konnte, da sie ihrem Körper die Flüssigkeit entzogen. Und wer wusste schon, wann Noelle das nächste Mal etwas zu trinken bekommen würde. Vielleicht würde sie gar nichts mehr bekommen.

Sie hatte gedacht, sie wäre es. Zumindest hatte sie gehofft, dass sie es sein . Aber wie bereitete man sich darauf vor, ohne erkennbaren Grund gefangen und in der Dunkelheit eingesperrt zu werden? Und die wichtigste Frage, über die sie sich den Kopf zerbrochen hatte: Warum? Warum war sie entführt worden?

Noelle erschrak und gab ein Quietschen von sich, als sie ein leises Stöhnen von rechts hörte. Sie erstarrte und spitzte die Ohren, als ein weiteres Stöhnen ertönte. Eine Bewegung. Panik schoss ihr die Wirbelsäule hinunter wie ein Stromschlag. Irgendetwas war mit ihr in diesem Raum. Eine irrationale Vision bildete sich in ihrem Kopf: ein schuppiges, echsenartiges Wesen mit gezackten Zähnen, das sie zerfetzen würde. Noelle bewegte sich nicht und war plötzlich dankbar für den Schutz der Gitterstäbe, die sie umgaben und über die sie mit ihren Fingerspitzen jeden Zentimeter gestrichen hatte.

»Hilfe.« Das Wort wurde kaum geflüstert, es klang eher wie ein Ausatmen als eine richtige Aussprache. Noelle blieb regungslos, jede Zelle ihres Körpers, jedes Härchen auf ihrer Haut konzentrierte sich auf die Richtung der Geräusche, die von rechts kamen. Ein Rutschen, ein weiteres Stöhnen, ein Geräusch, das wie das Aufeinanderschlagen von Haut auf Metall klang. »Hilfe.« Dieses Mal war es ein Wort, fester, klarer und mit der Stimme eines Mannes. Also kein Außerirdischer.

.

Noelle blieb ruhig.

Eine weitere Bewegung, ein lauteres Grunzen, als würde der … Mann sich aus dem Liegen aufrichten.

»Ist hier jemand? Hilfe!«

Noelles Schultern sanken kaum merklich herab, ihre Hand löste sich langsam aus dem todesähnlichen Griff, mit dem sie sich an der Stange ihres Käfigs festgeklammert hatte, während sie völlig erstarrt dagesessen hatte. »J-ja. Ich bin hier«, flüsterte sie.

Es herrschte einen Moment lang Schweigen, und dann: »Wer bist du? Wo sind wir?« Er klang immer noch schmerzerfüllt, aber es lag auch Panik in seiner Stimme. Furcht.

»Ich heiße Noelle. Ich weiß...



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