E-Book, Deutsch, 576 Seiten
Reihe: MIRA Taschenbuch
Showalter Die Herren der Unterwelt 15: Schwarzer Fluch
1. Auflage 2021
ISBN: 978-3-7457-5200-7
Verlag: MIRA Taschenbuch
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, 576 Seiten
Reihe: MIRA Taschenbuch
ISBN: 978-3-7457-5200-7
Verlag: MIRA Taschenbuch
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Liebt der König der Finsternis, so muss er sterben
Auf William aus der Dunkelheit lastet ein Fluch: Sollte er sich je verlieben, wird die Frau seines Herzens ihn umbringen. Er hat jedoch eine Chance, seinem Schicksal zu entkommen. Wenn er jemanden findet, der den Code des magischen Buchs entschlüsselt, kann William den Fluch aufheben. Dabei soll ihm die verführerische Sunny Lane helfen. Noch weiß er nicht, dass sie eine der letzten ihrer Art ist und den Tod ihrer Familie rächen will. Und selbst wenn er es wüsste, könnte er Sunnys Magie nicht widerstehen. Viel zu schnell empfinden sie mehr füreinander, als sie wollen. Gelingt es ihnen, den Fluch zu brechen, oder wird Sunny ihren Geliebten töten?
»Eine der Besten, wenn es um paranormale Liebesromane geht. Gena Showalter liefert eine absolute fesselnde Geschichte ab!« SPIEGEL-Bestsellerautorin Kresley Cole
»Ich liebe diese Welt und diese Alpha-Männer, das ist Gena Showalter in Bestform!« Bestsellerautorin J. R. Ward über »Aus Dunkelheit und Eis. Das Erwachen«
»Die heißeste sexy paranormal Romance! Die Dunkelheit und Eis-Reihe ist meine neue Obsession.« SPIEGEL-Bestsellerautorin Christine Feehan über »Aus Dunkelheit und Eis. Das Erwachen«
Die SPIEGEL-Bestsellerautorin Gena Showalter gilt als Star am romantischen Bücherhimmel des Übersinnlichen. Ihre Romane erobern nach Erscheinen die Herzen von Kritikern und Lesern gleichermaßen im Sturm. Mit der beliebten Serie »Herren der Unterwelt« feierte sie ihren internationalen Durchbruch. Mit ihrer Familie und zahlreichen Hunden lebt Showalter in Oklahoma City.
Weitere Infos & Material
Prolog: Teil 1
Im Reich Lleh
Viele Jahrtausende vor unserer Zeit
Ein brutaler Schlag brach dem Jungen den Kieferknochen. Er taumelte über den steinigen, rußbedeckten Boden und spuckte Blut und Zähne aus. Sengender Schmerz presste ihm die Luft aus der Lunge, vor seinen Augen tanzten Sterne, Säure füllte seinen Magen. Zwar heilte er schneller als viele andere und seine Knochen wuchsen fast umgehend wieder zusammen, dennoch pulsierte der Schmerz weiter.
Claw, der für die Qualen des Jungen, den sie »Abschaum« nannten, verantwortlich war, trat ihm in die Rippen. »Wenn wir dir Essen geben, isst du es.« Ein weiterer Tritt, dann noch einer. Die riesige Bestie hatte Hörner und Stoßzähne und war über und über mit Muskelbergen bepackt. Wie alle anderen hier im Reich Lleh trug er nur einen fleckigen Lendenschurz, um schnell zur Sache kommen zu können, dazu Schienbeinschoner und Stiefel aus Stein. »Hast du verstanden?«
Obwohl seine Atmung nur noch rasselnd ging, feixte der Junge namens Abschaum: »Oh ja, und wie ich verstehe.«
Auch wenn ihm Blut aus Augen und Mund rann, behielt er seine Umgebung genau im Blick. Hügeliges Ödland ohne jegliche Vegetation, bevölkert von unsterblichen Kannibalen, Vergewaltigern und Mördern, die aus ihren Heimatwelten verbannt worden waren. Nacht hatte sich über das Land gesenkt, das Lager wurde von offenen Feuerstellen beleuchtet, über denen Gefangene am Spieß brieten. Ihr schmelzendes Fleisch tropfte in die zischenden Flammen.
Beißender Wind tobte, brannte in Abschaums Wunden und katapultierte ihn zurück in die Realität, zurück zu Claw. »Mit Essen meinst du wohl den Schenkel eines Mitgefangenen. Den Fraß kannst du dir in den …«
Ein Tritt. »Als du vor einigen Monaten vom Himmel gefallen bist, haben wir dich mit offenen Armen willkommen geheißen. Du hattest keinen Namen, also haben wir dir einen gegeben. Du hattest kein Zuhause, also haben wir dich aufgenommen. Dein Gedächtnis war leer wie eine unbeschriebene Tafel, also haben wir dir Erinnerungen geschenkt. Und so dankst du uns unsere Freundlichkeit?«
Freundlichkeit? Der Junge lachte bitter auf und spuckte im nächsten Moment wieder Blut, da sich – wie er annahm – ein Splitter einer gebrochenen Rippe durch seine Lunge gebohrt hatte. »Ihr habt mich ›Abschaum‹ getauft. Und mein sogenanntes Zuhause ist eine winzige Lehmhütte, überfüllt mit Gefangenen in Ketten.« Was seine Erinnerungen betraf, schauderte er nur schweigend. Denn was diese grauenhaften Kreaturen ihm und den anderen Gefangenen in den vergangenen Monaten angetan hatten … Ein Teil von ihm hätte alles dafür gegeben, sich niemals wieder daran erinnern zu müssen. Einem anderen Teil von ihm war das Grauen jedoch immer noch lieber als die nahezu vollkommene Leere, die zuvor in seinem Gedächtnis geherrscht hatte. Es war erbärmlich, aber … er wollte nun mal unbedingt die Wahrheit über sich selbst kennen.
Wer bin ich? Wie bin ich hierhergekommen? Habe ich eine Familie, die mich verzweifelt sucht?
Die Sehnsucht durchfuhr ihn so schmerzhaft und heftig, dass es ihn fast zerriss. Hier gibt es so viele Leute, und doch fühle ich mich allein, immer allein.
»Du wagst es, dich zu beschweren?« Claw trat ihm gegen den Hinterkopf.
Tränen brannten in Abschaums Augen, Panik setzte ein. Wenn du Schwäche zeigst, verrätst du deinem Gegner damit, wie er dich besiegen kann. Hastig blinzelte er die Tränen fort. Wenn auch nur einer hier witterte, dass er Gefühle hatte … Doch zu spät.
»Tränen?« Claw lachte auf, und die anwachsende Zuschauermenge johlte.
Beschämt senkte Abschaum den Kopf. In der Hoffnung, Claw damit abzulenken, sagte er: »Du irrst dich. Ich bin nicht ohne Erinnerungen gekommen.«
Wann immer er die Augen schloss, sah er eine einzelne Szene in Endlosschleife vor sich, das letzte Echo seines Lebens vor diesem hier.
»Du erinnerst dich an deine Mutter? Na los, erzähl mir mehr, damit ich sie zu dir bringen kann.« Noch ein brutaler Schlag, dieser gegen die Schläfe.
Schwindel, Höllenqualen, erneutes Gelächter.
Abschaum verschwamm die Sicht. Er streckte eine Hand aus, betete, dass ihm einer der Zuschauer helfen würde. Stattdessen trat ihm jemand aufs Handgelenk. Knochen splitterten. Dieser Schmerz! Schlimmer als alles, was irgendeine Kreatur in den Weiten des Universums ertragen konnte. Und doch nicht halb so schlimm wie Abschaums Gefühl, vollkommen allein auf der Welt zu sein.
Ein Schlag, dann noch einer. Abschaums Hirn prallte gegen die Schädeldecke, und seinem Körper wurde der Segen völliger Gefühllosigkeit zuteil. Weitere Schläge prasselten auf ihn ein. Seine Augen schwollen zu. Sein Bewusstsein um die Prügel verblasste, wich seiner einzigen Erinnerung, die alles sonst auslöschte.
Ich stehe neben einem Jungen, den ich nicht kenne. Ich bin nicht sicher, weshalb wir zusammen sind oder was wir hier oben in den Wolken zu suchen haben. Ich weiß nur, dass ich seine Nähe tröstlich finde.
Eine bildschöne Frau mit schwarzen Locken und makelloser schwarzer Haut steigt aus einer Nebelwolke herab. Sie trägt ein fließendes, elfenbeinfarbenes Kleid, und ihre weißgoldenen Schwingen gleiten langsam durch die Luft. Ich vergöttere sie. Ist sie ein Engel? Eine Himmelsgesandte? Eine Harpyie vielleicht oder eine Vogel-Gestaltwandlerin? Die Möglichkeiten sind endlos, denn jeder Mythos, jede Legende ist getränkt mit Wahrheit.
Ich fühle mich mit ihr verbunden. Was, wenn … sie meine Mutter ist?
Bei dem Gedanken macht mein Herz einen Satz, ob aus Freude oder Furcht, weiß ich nicht. Sie landet, in ihren hellblauen Augen schimmern Tränen. Eine Harpyie ist sie also eindeutig nicht und auch keine Gestaltwandlerin. Aus irgendeinem Grund ist mir bekannt, dass diese Spezies demselben Glauben anhängen wie ich: Tränen sind gleichbedeutend mit Schwäche, und man darf Schwäche niemals, unter keinen Umständen, zulassen.
Leise schniefend kauert sie sich vor uns. Der andere Junge hat bronzefarbene Haut, schwarzes Haar und dieselben hellblauen Augen wie sie. Und auch er hat weißgoldene Schwingen. Ob die zwei verwandt sind? Sind wir alle miteinander verwandt? Wie mag ich selbst wohl aussehen?
»Ich liebe euch beide so sehr«, sagt sie. »Nichts von alldem hier war geplant. Ihr solltet uns retten, nicht …« Ihr entweicht ein Schluchzer. »Wenn es irgendeine andere Möglichkeit gäbe … wenn wir einfach … Wir hätten euch niemals in die Welt setzen dürfen. Er hat es herausgefunden, und nun will er euren Tod.«
Mir dreht sich der Magen um. Wie kann sie uns lieben und gleichzeitig wünschen, wir wären nie geboren worden? Wer ist »er«, und warum will er unseren Tod?
Zitternd legt sie eine Hand auf mich, die andere auf den geflügelten Jungen. »Ich werde mein Bestes geben, euch zu beschützen, aber …«
Auf einmal erscheint hinter ihr ein in Schatten gehüllter Mann. Er ist groß – ein Riese – und hat die gewaltigsten Muskeln, die ich je gesehen habe. Die geflügelte Frau gibt gequält ein Keuchen von sich, als der Mann die Onyxspitze seines Speers in ihren Rücken senkt, so tief, dass sie durch die Brust wieder austritt. Der Frau weicht alle Farbe aus den Wangen, Blut strömt aus der Wunde, durchtränkt ihre Robe. Aus ihren Mundwinkeln tröpfeln purpurrote Rinnsale.
Ich weiß, ich sollte Angst haben oder wütend sein, vielleicht auch beides, aber ich empfinde rein gar nichts. Wieder blicke ich an der Frau vorbei zu dem Mann, der sie erstochen hat. Er weckt meine Neugierde. Schatten verzerren seine Gesichtszüge, verbergen seine Identität.
Der andere Junge packt meine Hand, zieht mich rückwärts zu einer Mauer voller Portale – Durchgänge in andere Welten, Reiche und Dimensionen. Sein Gesicht ist angstverzerrt. Er öffnet den Mund, will etwas sagen, und …
Die Erinnerung endete wie stets: abrupt, offen.
In Abschaums Hals bildete sich ein Kloß, erstickte seinen Protestschrei. Warum hatte er keine weiteren Erinnerungen an den anderen Jungen, die Frau oder ihren Mörder? Ich muss mehr herausfinden!
Etwas in seiner Brust verkrampfte sich. Wieso hatte sie gesagt, es wäre besser gewesen, er wäre nie geboren worden?
Bei Claws nächstem Schlag überlagerte die Realität die Erinnerungen wieder, und das glorreiche Taubheitsgefühl verschwand. Noch ein Schlag, und alle Luft wich aus Abschaums Lunge. Ein weiterer, und seine Nervenbahnen heulten auf. Ein Tritt, und er erbrach unter dem Jubel der Menge Blut und Galle.
Bloß nicht schreien. Achte einfach nicht auf den Schmerz!
Claw trat ihm in die Oberschenkelrückseiten und grölte: »Fleisch schmeckt doch besser, wenn man es vorher weichklopft, oder?«
Abschaum kämpfte um jeden Atemzug, während die Zuschauermenge vor Lachen wieherte und zustimmende Rufe erklangen. Atmen, ich brauche Luft, das ist das Einzige, was zählt. Nein. Nein! Ich muss aufstehen! Muss sie alle töten!
Der Drang brandete durch seinen Körper wie eine Sturmflut – ein Gefühl, als wäre er dazu geboren, seine Peiniger zu ermorden. Als lebte er nur für diesen einen Zweck. Erst hacke ich Claw Hände und Füße ab, damit er mir wehrlos ausgeliefert ist. Dann reiße ich ihm die Zähne einen nach dem anderen heraus, schneide ihm seinen winzigen Schwanz ab und stopfe ihn ihm in den Hals. Und dann...




