Showalter | Rückkehr ins Zombieland | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 448 Seiten

Reihe: Dragonfly

Showalter Rückkehr ins Zombieland


1. Auflage 2016
ISBN: 978-3-95967-619-9
Verlag: Dragonfly
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 448 Seiten

Reihe: Dragonfly

ISBN: 978-3-95967-619-9
Verlag: Dragonfly
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Sie sind schnell. Sie sind entschlossen. Und sie gieren nach der Quelle deines Lebens.
Eben ist dein Leben perfekt, doch im nächsten Moment kann alles vorbei sein. Diese Lektion muss Alice schon zum zweiten Mal lernen. Erst verliert sie ihre Eltern an eine Horde grausamer Zombies. Und als ihr Freund Cole urplötzlich mit ihr Schluss macht, erkennt sie sich bald selbst nicht mehr. Woher kommt diese Panik, von der sie ständig erfasst wird? Und da wäre noch dieser Hunger, den sie einfach nicht stillen kann ...
'Die Leser werden den nächsten Band kaum erwarten können.' Booklist



Die SPIEGEL-Bestsellerautorin Gena Showalter gilt als Star am romantischen Bücherhimmel des Übersinnlichen. Ihre Romane erobern nach Erscheinen die Herzen von Kritikern und Lesern gleichermaßen im Sturm. Mit der beliebten Serie »Herren der Unterwelt« feierte sie ihren internationalen Durchbruch. Mit ihrer Familie und zahlreichen Hunden lebt Showalter in Oklahoma City.

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1. KAPITEL


Am Anfang beginnen

Ein paar Monate zuvor

Immer öfter träumte ich von dem Autounfall, bei dem meine Eltern und meine jüngere Schwester ums Leben kamen. Ich erlebte ständig den Moment von Neuem, als unser Auto sich überschlug. Hörte das Knirschen von Metall auf dem Straßenpflaster. Die Stille, als alles vorbei war und ich die Einzige, die sich regte … vielleicht die Einzige, die noch lebte.

Ich versuchte verzweifelt, mich aus dem Sicherheitsgurt zu befreien, um der kleinen Emma zu helfen. Ihr Kopf lag in einem merkwürdigen Winkel verdreht. Die eine Gesichtshälfte meiner Mutter war aufgeschlitzt, mein Vater war aus dem Wagen geschleudert worden. Vor Panik stieß ich mir bei meinem Befreiungsversuch die Stirn an einem scharfen Metallteil. Danach tauchte ich vollkommen in die Dunkelheit ab.

In meinen Träumen beobachtete ich, wie meine Mutter die Augen öffnete. Zuerst war sie desorientiert, sie stöhnte vor Schmerzen und versuchte zu verstehen, was das Chaos um sie herum zu bedeuten hatte.

Anders als ich hatte sie keine Probleme mit ihrem Sicherheitsgurt. Sie machte sich los, drehte sich um und sah zu Emma nach hinten. Tränen strömten ihr über die Wangen.

Als ihr Blick auf mich fiel, keuchte sie auf, streckte eine Hand aus und legte sie mir auf die Knie. Wärme durchflutete mich bei dieser Berührung, schoss durch meinen Körper und gab mir Kraft.

„Alice!“, rief sie und schüttelte mich dabei. „Wach auf …“

Ich fuhr hoch.

Mein Atem ging stoßweise, ich war schweißgebadet. Vorsichtig blickte ich mich um. Ich sah elfenbeinweiße und goldene Wände, verziert mit verschnörkelten Mustern. Einen antiken Kleiderschrank. Auf dem Boden einen flauschigen weißen Teppich. Einen Nachttisch aus Mahagoni, darauf eine Tiffanylampe neben einem Foto von meinem Freund Cole.

Ich war in meinem neuen Zimmer, in Sicherheit.

Allein.

Das Herz hämmerte mir gegen die Rippen, als wollte es herausspringen. Ich versuchte die Bilder des Traums zu verdrängen und rutschte an den Bettrand, um aus dem großen Erkerfenster zu schauen und mich zu beruhigen. Trotz des normalerweise traumhaften Ausblicks – ein Garten in farbenfroher, üppiger Blumen-pracht, die irgendwie im kühlen Oktoberwetter gedieh – drehte sich mir der Magen um. Dunkelheit umfing das Haus, die Nacht war da … und mit ihr die Ungeheuer.

Nebel, der sich vor Stunden am Horizont zusammengebraut hatte, schwebte nun dicht über dem Boden, zog näher und näher an das Fenster heran. Der Mond war rund und voll und loderte in Orange- und Rottönen, als wäre er verwundet und würde bluten.

Möglich war alles.

Die Zombies waren in dieser Nacht unterwegs.

Meine Freunde befanden sich ebenfalls da draußen, bekämpften diese Kreaturen ohne meine Unterstützung. Ich hasste mich dafür, dass ich in einer so kritischen Zeit eingeschlafen war. Was, wenn ein Zombiejäger meine Hilfe brauchte? Nach mir rief?

Wem wollte ich was vormachen? Niemand würde nach mir rufen, egal, wie sehr ich gebraucht wurde.

Ich stand auf und ging im Zimmer auf und ab, verfluchte meine Verletzung, die mich ins Haus verbannte. Vor ein paar Wochen war mir der Bauch aufgeschlitzt worden. Na und? Die Fäden waren bereits gezogen, und die Wunde verheilte.

Vielleicht sollte ich mich bewaffnen und hinausgehen. Lieber würde ich jemanden, den ich liebe, beschützen und eine weitere lebensgefährliche Verletzung in Kauf nehmen, als untätig herumzusitzen und mich im sicheren Nest zu verkriechen. Aber … Ich wusste nicht, wohin die Gruppe gegangen war. Noch wichtiger, selbst wenn ich die anderen fände, Cole würde ausrasten, denn er wäre dann abgelenkt.

Ablenkung konnte tödlich sein.

Verdammt. Ich würde tun, was man mir aufgetragen hatte, und warten.

Minuten wurden zu Stunden, während ich in meinem Zimmer umherlief. Mit jeder Sekunde, die verging, verstärkte sich meine Unruhe. Würden alle lebend zurückkommen? Allein in den vergangenen Monaten hatten wir zwei Zombiejäger verloren. Auf so einen Verlust war keiner von uns vorbereitet.

Die Zimmertür quietschte leise in den Angeln.

Cole schlüpfte herein und schloss hinter sich ab, um sicherzustellen, dass uns niemand überraschte. Endlich lockerte sich der Angstknoten in meinen Eingeweiden, ich war erleichtert und aufgeregt vor Freude.

Er war hier. Es ging ihm gut.

Er gehörte zu mir.

Er sah mich an, und ich erschauerte, wartete auf eine Vision … hoffte auf eine.

Seit wir uns zum ersten Mal begegnet waren, hatten wir jeden Tag bei unserem ersten Zusammentreffen eine Vision gehabt, einen flüchtigen Blick in die Zukunft. Wir hatten uns beim Herumknutschen gesehen, im gemeinsamen Kampf gegen Zombies und einmal einfach nur relaxend auf einer Schaukel. Heute, so wie fast jeden Tag, seit mir der Bauch aufgeschlitzt worden war, sah ich überhaupt nichts. Es war so frustrierend.

Wieso hatten die Visionen aufgehört?

Im tiefsten Innern befürchtete ich, dass einer von uns beiden eine emotionale Sperre aufgebaut hatte – und ich wusste, dass ich es nicht war.

Ich war viel zu hingerissen von ihm.

Cole verströmte eine Menge Testosteron, sodass jedes Mädchen in einem Radius von zehn Meilen auf ihn aufmerksam wurde. Er war zwar erst siebzehn, wirkte aber älter. Er hatte langjährige Erfahrung auf dem Schlachtfeld, hatte im Krieg zwischen Zombies und Menschen gekämpft, seit er laufen konnte. Mit Mädchen hatte er ebenfalls Erfahrung. Womöglich zu viel. Er wusste immer, was er sagen musste … wie er vorzugehen hatte … und ich schmolz dahin. Jemanden wie ihn hatte ich bisher nicht getroffen. Ich bezweifelte auch, dass es je wieder passieren würde.

Er trug Schwarz wie ein Phantom der Nacht. Sein tintenschwarzes Haar stand zu allen Seiten ab, gespickt mit Blättern und Zweigen, die sich in den Strähnen verfangen hatten. Er hatte sich nicht die Zeit genommen, um sein Gesicht zu waschen. Auf seinen Wangen befanden sich Streifen schwarzer Farbe, Schmutz und Blut.

So. Verdammt. Sexy.

Violette Augen, unergründlich und beinah außerirdisch wirkend in ihrer Reinheit und Undurchdringlichkeit, seine Lippen zu einer harten Linie zusammengepresst. Ich kannte ihn und wusste, das war sein Wir-brennen-die-Welt-nieder-und-das-ist-gut-so-Gesicht.

„Warum liegst du nicht im Bett, Ali?“

Ich ignorierte die Frage ebenso wie die Strenge seines Tonfalls. Mir war klar, dass beides aus seiner Sorge um mich resultierte. „Was ist passiert?“, erkundigte ich mich. „Was war da draußen los?“

Schweigend legte er seine Waffen ab, ließ die Dolche fallen, die Pistolen, Magazine mit Munition und die Armbrust, seine Lieblingsschusswaffe. Er war auf direktem Weg zu mir gekommen, stellte ich fest, hatte nicht vorher bei sich zu Hause haltgemacht.

„Wurdest du gebissen?“, wollte ich wissen. Hatte er Schmerzen? Zombiebisse hinterließen ein brennendes Gift im Körper. Ja, wir besaßen ein Antiserum, aber der menschliche Organismus vertrug nur eine gewisse Menge davon und brach irgendwann zusammen.

„Ich habe Haun gesehen“, sagte er schließlich.

Oh nein! „Das ist schrecklich.“ Haun war vor einiger Zeit von Zombies getötet worden. Die Tatsache, dass er Cole begegnet war, konnte nur eins bedeuten: Haun war als unser Feind wieder aus dem Grab gestiegen.

„Ich hatte es zwar befürchtet, aber wirklich darauf vorbereitet war ich nicht.“

Als Nächstes fiel Coles Hemd zu Boden.

Der Anblick seines scharf umrissenen muskulösen Körpers raubte mir wie üblich den Atem, jetzt war es nicht anders, trotz unseres schrecklichen Gesprächsthemas. Ich saugte alles förmlich in mich auf – dieses herrlich verruchte Nippelpiercing, die breite, kräftige Brust und den mit Tattoos bedeckten Waschbrettbauch. Jedes Bild, jeder Schriftzug hatte eine besondere Bedeutung für Cole – von den Namen seiner Freunde, die er im Kampf gegen die Zombies verloren hatte, bis zur Darstellung des Symbols eines Angst einflößenden Sensenmanns. So war er eben. Er war ein Zombiejäger.

Cole war ein böser Junge – der gefährliche Typ, den Monster in ihrem Kleiderschrank vorzufinden fürchteten.

Er kam auf mich zu. Ich vibrierte vor Vorfreude, erwartete, dass er mich in die Arme nahm. Stattdessen schritt er an mir vorbei, ließ sich auf das Bett fallen und schlug die Hände vors Gesicht.

„Ich habe ihn heute Nacht eingeäschert. Hab ihn für immer erledigt.“

„Es tut mir leid.“ Ich setzte mich zu ihm und strich über seinen Oberschenkel neben mir, versuchte, ihn so gut es ging zu trösten. Ich wusste, ihm war klar, dass es nicht Haun gewesen war, den er zu Asche verbrannt hatte, auch nicht dessen Geist. Die Kreatur, die er bekämpft hatte, verfügte nicht über Hauns Erinnerungen oder seine Persönlichkeit. Sie sah so aus wie er, weiter nichts. Sein Körper war einfach nur eine Hülle, die das Böse und unstillbaren Hunger in sich trug.

„Du musstest es tun“, sagte ich. „Wenn du ihn verschont hättest, wäre er wiedergekommen, um dich oder unsere Freunde zu töten. Er hätte alles getan, um uns zu zerstören.“

„Ich weiß, aber das macht es nicht leichter.“ Er seufzte und holte zittrig Luft.

Ich betrachtete ihn genauer. An seinen Armen, an Brust und Bauch entdeckte ich entzündete Schnitte. Zombies waren Geister, der Ursprung des Lebens – oder Nachlebens in ihrem Fall –, und konnten nur von Geistwesen bekämpft werden. Deshalb mussten wir vor dem Kampf aus unserem Körper treten, so wie man die Hand aus einem Handschuh zieht. Obwohl wir unsere äußere Hülle wie eingefroren zurückließen, blieben wir weiterhin mit ihr...



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