Shusterman | Scythe – Der Zorn der Gerechten | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 2, 544 Seiten

Reihe: Scythe

Shusterman Scythe – Der Zorn der Gerechten

Band 2
1. Auflage 2018
ISBN: 978-3-7336-5016-2
Verlag: Fischer Kinder- und Jugendbuch Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Band 2

E-Book, Deutsch, Band 2, 544 Seiten

Reihe: Scythe

ISBN: 978-3-7336-5016-2
Verlag: Fischer Kinder- und Jugendbuch Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Der zweite Band der großen »Scythe«-Trilogie von New-York-Times-Bestseller-Autor Neal Shusterman Citra hat es geschafft. Sie wurde auserwählt und als Scythe entscheidet sie jetzt, wer leben darf und wer sterben muss. Doch als wenn das nicht schon schwer genug wäre, übernehmen skrupellose Scythe die Macht und stellen neue Regeln auf. Die wichtigste Regel lautet, dass es ab jetzt keine Regeln mehr gibt. So beginnt Citras Kampf für Gerechtigkeit. Ein Kampf, den sie nur gemeinsam gewinnen kann mit ihrer großen Liebe Rowan.

 Neal Shusterman, geboren 1962 in Brooklyn, ist in den USA ein Superstar unter den Jugendbuchautoren. Er studierte in Kalifornien Psychologie und Theaterwissenschaften. Alle seine Romane sind internationale Bestseller und wurden vielfach ausgezeichnet, u.a. mit dem National Book Award.
Shusterman Scythe – Der Zorn der Gerechten jetzt bestellen!

Weitere Infos & Material


1 Wiegenlied


Apricotfarbener Samt mit einer bestickten babyblauen Borte. Der Ehrenwerte Scythe Brahms liebte seine Robe. Sicher, der Samt wurde in den heißen Sommermonaten unbequem, doch daran hatte er sich in seinen dreiundsechzig Jahren als Scythe mittlerweile gewöhnt.

Er war erst vor kurzem erneut über den Berg gekommen, hatte sein körperliches Alter auf muntere fünfundzwanzig resetten lassen – und stellte nun in seiner dritten Jugend fest, dass sein Appetit auf Nachlesen stärker war denn je.

Er ging immer nach demselben Muster vor, auch wenn die jeweilige Methode variierte. Er wählte ein Subjekt aus, fesselte es und spielte ihm dann ein Wiegenlied vor – Brahms’ Wiegenlied, um genau zu sein –, das berühmteste Musikstück, das sein Historischer Patron komponiert hatte. Wenn ein Scythe sich schon nach einer Persönlichkeit der Geschichte benennen musste, sollte die gewählte Figur auch irgendwie in sein Leben integriert werden. Er spielte das Wiegenlied auf dem Instrument, das gerade verfügbar war, oder er summte einfach die Melodie. Dann beendete er das Leben des Subjekts.

Politisch neigte er der Linie des verstorbenen Scythe Goddard zu, denn er genoss das Nachlesen über die Maßen und sah keinen Grund, warum das für irgendjemanden ein Problem darstellen sollte. »Haben wir in einer perfekten Welt nicht alle das Recht, das zu lieben, was wir tun?«, hatte Goddard geschrieben, eine Ansicht, die in den regionalen Scythetümern immer mehr Zuspruch fand.

An diesem Abend hatte Scythe Brahms gerade eine besonders unterhaltsame Nachlese in der City von Omaha erledigt und pfiff immer noch seine Erkennungsmelodie, als er die Straße entlangschlenderte und überlegte, wo er noch ein spätabendliches Essen bekommen würde. Aber dann stutzte er mitten in der Strophe, weil er das deutliche Gefühl hatte, beobachtet zu werden.

Natürlich gab es Kameras auf jedem Laternenmast in der Stadt. Der Thunderhead war allzeit wachsam – aber für einen Scythe waren dessen nie ruhenden, nicht einmal blinzelnden Augen kein Anlass zur Sorge. Der Thunderhead hatte keine Macht, das Kommen und Gehen der Scythe auch nur zu kommentieren, geschweige denn in das Geschehen einzugreifen. Der Thunderhead war der ultimative Voyeur des Todes.

Aber es musste mehr sein als das kontrollierende Wesen des Thunderhead, das Brahms’ Instinkt alarmiert hatte. Scythe lernten, ihre Wahrnehmung durch Training zu schärfen. Die Zukunft konnten sie nicht vorhersehen, doch fünf hochentwickelte Sinne wirken zusammen wie ein sechster. Oft reichte ein Geruch, ein Geräusch oder ein flüchtiger Schatten, zu unbedeutend, um ihn bewusst wahrzunehmen, dass sich einem gut ausgebildeten Scythe die Haare sträubten.

Scythe Brahms drehte sich um, schnupperte, lauschte. Er nahm seine Umgebung in sich auf. Er war in einer leeren Seitenstraße. Von weitem hörte er die Geräusche der Cafés, das stetig pulsierende Nachtleben der Stadt, aber in der Straße, in der er sich befand, waren zu dieser Tageszeit alle Läden verrammelt – Reinigungen und Kleiderhändler, eine Eisenwarenhandlung und eine Kindertagesstätte. Er war mit seinem unsichtbaren Verfolger allein.

»Komm raus«, sagte er. »Ich weiß, dass du da bist.«

Vielleicht war es ein Kind oder ein Widerling, der um Immunität feilschen wollte – als ob ein Widerling irgendetwas besäße, womit er handeln konnte. Womöglich war es auch ein Tonist. Die Tonkulte verachteten Scythe, und obwohl Brahms noch nie davon gehört hatte, dass ein Tonist einen Scythe tatsächlich angegriffen hätte, waren sie bekanntlich manchmal eine Plage.

»Ich tu dir nichts«, sagte Brahms. »Ich habe gerade eine Nachlese erledigt und kein Verlangen, meine Rate heute noch weiter zu erhöhen.« Obwohl er seine Meinung, ehrlich gesagt, ändern könnte, wenn der Störenfried entweder zu unverschämt oder zu unterwürfig war.

Aber nach wie vor trat niemand aus dem Schatten.

»Gut«, sagte er. »Dann hau ab, ich habe weder die Zeit noch die Geduld zum Versteckspielen.«

Vielleicht hatte er sich das Ganze doch nur eingebildet. Seine verjüngten Sinne waren jetzt womöglich so scharf, dass sie auf Reize reagierten, die viel weiter entfernt waren, als er vermutete.

In diesem Moment sprang wie auf Federn eine versteckte Gestalt hinter einem geparkten Wagen hervor und stürzte sich auf Brahms, der aus dem Gleichgewicht geriet und zu Boden gegangen wäre, wenn er noch die langsamen Reflexe eines älteren Mannes und nicht die frischen eines Fünfundzwanzigjährigen gehabt hätte. Er stieß seinen Angreifer gegen eine Mauer und überlegte, seine Klinge zu zücken und den Schurken nachzulesen, aber Scythe Brahms war noch nie ein mutiger Mann gewesen. Also rannte er los.

Er huschte aus dem Lichtkegel der Laternen, die Kameras auf ihren Masten schwenkten, um ihn zu verfolgen.

Als er sich umdrehte, war die Gestalt gut zwanzig Meter hinter ihm, und Brahms erkannte, dass sie eine schwarze Robe trug. War das eine Scythe-Robe? Nein, das konnte nicht sein. Kein Scythe trug Schwarz – es war nicht erlaubt.

Aber es gab Gerüchte …

Der Gedanke ließ ihn schneller laufen. Er spürte, wie das Adrenalin in seinen Fingerspitzen kribbelte und sein Herz noch heftiger pochen ließ.

Ein Scythe in Schwarz.

Nein, es musste eine andere Erklärung geben. Trotzdem würde er es auf jeden Fall dem Komitee für Unregelmäßigkeiten melden. Vielleicht würde man ihn auslachen und sagen, er habe sich von einem maskierten Widerling erschrecken lassen, aber diese Vorfälle mussten gemeldet werden, selbst wenn sie peinlich waren. Es war seine Bürgerpflicht.

Nach einer weiteren Querstraße hatte sein Angreifer die Jagd offenbar aufgegeben. Scythe Brahms verlangsamte seine Schritte. Er näherte sich einem belebteren Teil der Stadt. Tanzmusik und Stimmengewirr wehten ihm entgegen und gaben ihm ein Gefühl von Sicherheit. Er entspannte sich ein wenig. Doch das war ein Fehler.

Die dunkle Gestalt stürzte aus einer engen Gasse, rammte ihn von der Seite und schlug mit der Faust gegen seinen Hals. Während Brahms noch nach Luft schnappte, trat sein Angreifer ihm die Beine weg – mit einem Bokator-Kick, der brutalen Kampfkunst, in der Scythe ausgebildet wurden. Brahms landete auf einer Kiste mit verfaulendem Kohl, die am Rand des Marktes stehen gelassen worden war. Sie zerbarst und verströmte einen intensiven Methangestank. Er konnte nur in kurzen Stößen atmen und spürte die Wärme, die sich in seinem Körper ausbreitete, als seine Schmerznaniten Opiate freisetzten.

Aber Schmerznaniten waren schlicht Boten der Linderung, die nur den Schrei seiner wütenden Nervenenden vernahmen. Sie ignorierten seine Wünsche und betäubten seinen Schmerz.

Brahms wollte aufstehen, rutschte jedoch aus, als das stinkende Grünzeug unter seinem Gewicht zu einem ekligen glitschigen Matsch zerdrückt wurde. Die Gestalt in Schwarz war jetzt über ihm und nagelte ihn am Boden fest. Er versuchte vergeblich, nach den Waffen in seiner Robe zu greifen. Also streckte er stattdessen den Arm aus, schlug die schwarze Kapuze seines Angreifers zurück und enthüllte das Gesicht eines jungen Mannes – fast noch eines Jungen. Sein Blick war stechend und – um ein Wort aus der Sterblichkeitsära zu verwenden – mordlustig.

»Scythe Brahms, Sie sind angeklagt, Ihre Position missbraucht zu haben, um zahlreiche Verbrechen gegen die Menschlichkeit zu begehen.«

»Wie kannst du es wagen!«, keuchte Brahms. »Wer bist du, mich anzuklagen?« Er mühte sich, all seine Kräfte zusammenzunehmen, doch es war zwecklos. Die Schmerzmittel in seinem Kreislauf verlangsamten seine Reaktion. Seine Muskeln waren schlaff und nutzlos.

»Ich denke, Sie wissen wer ich bin«, sagte der junge Mann. »Ich möchte es aus Ihrem Mund hören.«

»Niemals!« Brahms war entschlossen, ihm diese Befriedigung nicht zu gönnen. Aber der Junge in Schwarz presste sein Knie so kraftvoll gegen Brahms’ Brust, dass der Scythe glaubte, sein Herz würde stehenbleiben. Weitere Schmerznaniten. In Brahms’ Kopf verschwamm alles. Er musste wohl oder übel gehorchen.

»Luzifer«, keuchte er. »Scythe Luzifer.«

Brahms spürte, wie sein Mut bröckelte – als hätte er dem Gerücht durch das laute Aussprechen des Namens einen Widerhall gegeben.

Zufrieden lockerte der junge, selbsternannte Scythe den Druck.

»Du bist kein Scythe«, wagte Brahms zu sagen. »Du bist nur ein gescheiterter Lehrling, und damit wirst du nicht davonkommen.«

Darauf hatte der junge Mann keine Antwort. Stattdessen sagte er: »Sie haben heute Abend eine junge Frau mit der Klinge nachgelesen.«

»Das ist meine Sache, nicht deine!«

»Sie haben sie aus Gefallen für einen Freund nachgelesen, der die Beziehung mit ihr beenden wollte.«

»Das ist ungeheuerlich! Dafür hast du keinen Beweis!«

»Ich habe Sie beobachtet, Johannes«,...


Kurbasik, Pauline
Pauline Kurbasik, geboren 1982 in Landau, studierte Romanistik, Anglistik und Linguistik sowie Literaturübersetzen. Sie übersetzt Bücher aus dem Englischen und Französischen und lebt in Köln.

Shusterman, Neal
Neal Shusterman, geboren 1962 in Brooklyn, USA, ist in den USA ein Superstar unter den Jugendbuchautoren. Er studierte in Kalifornien Psychologie und Theaterwissenschaften. Alle seine Romane sind internationale Bestseller und wurden vielfach ausgezeichnet, u.a. mit dem National Book Award.

Neal Shusterman
Neal Shusterman, geboren 1962 in Brooklyn, USA, ist in den USA ein Superstar unter den Jugendbuchautoren. Er studierte in Kalifornien Psychologie und Theaterwissenschaften. Alle seine Romane sind internationale Bestseller und wurden vielfach ausgezeichnet, u.a. mit dem National Book Award.
Pauline Kurbasik
Pauline Kurbasik, geboren 1982 in Landau, studierte Romanistik, Anglistik und Linguistik sowie Literaturübersetzen. Sie übersetzt Bücher aus dem Englischen und Französischen und lebt in Köln.

Neal Shusterman, geboren 1962 in Brooklyn, ist in den USA ein Superstar unter den Jugendbuchautoren. Er studierte in Kalifornien Psychologie und Theaterwissenschaften. Alle seine Romane sind internationale Bestseller und wurden vielfach ausgezeichnet, u.a. mit dem National Book Award.
Pauline Kurbasik, geboren 1982 in Landau, studierte Romanistik, Anglistik und Linguistik sowie Literaturübersetzen. Sie übersetzt Bücher aus dem Englischen und Französischen und lebt in Köln.
Kristian Lutze studierte Anglistik/Amerikanistik und Germanistik in Düsseldorf, Buffalo, N.Y., und Hamburg. Er lebt in Köln und übersetzt neben Neal und Jarrod Shusterman u. a. Martin Cruz Smith, Walter Mosley, Michael Robotham und Robert Wilson aus dem Englischen.



Ihre Fragen, Wünsche oder Anmerkungen
Vorname*
Nachname*
Ihre E-Mail-Adresse*
Kundennr.
Ihre Nachricht*
Lediglich mit * gekennzeichnete Felder sind Pflichtfelder.
Wenn Sie die im Kontaktformular eingegebenen Daten durch Klick auf den nachfolgenden Button übersenden, erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Ihr Angaben für die Beantwortung Ihrer Anfrage verwenden. Selbstverständlich werden Ihre Daten vertraulich behandelt und nicht an Dritte weitergegeben. Sie können der Verwendung Ihrer Daten jederzeit widersprechen. Das Datenhandling bei Sack Fachmedien erklären wir Ihnen in unserer Datenschutzerklärung.