Sichelstiel | Schattenseiten Band 1 - Licht | E-Book | www.sack.de
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E-Book, Deutsch, 576 Seiten

Sichelstiel Schattenseiten Band 1 - Licht


1. Auflage 2019
ISBN: 978-3-946309-16-1
Verlag: Yellow King Productions
Format: EPUB
Kopierschutz: Adobe DRM (»Systemvoraussetzungen)

E-Book, Deutsch, 576 Seiten

ISBN: 978-3-946309-16-1
Verlag: Yellow King Productions
Format: EPUB
Kopierschutz: Adobe DRM (»Systemvoraussetzungen)



Licht, Sand, Hitze. In diesem lebensfeindlichen Milieu ist ein Beduine seit jeher mit seiner kleinen Karawane auf einsamer Mission. Zur selben Zeit befinden sich ein Krieger, ein Junge und ein Wolf auf ihrem eigenen Weg. Jeder mit seinem Ziel - doch die Richtung ist ungewiss. Jeder für sich - und dennoch gemeinsam. Jeder auf der Suche - beginnen sie diese zuerst in sich. Und finden dort etwas, dass sie nicht erwartet hätten. In Licht, dem Auftakt zum Romanband Schattenseiten, kommen die Protagonisten zum ersten Mal mit einer erstarkenden Macht in Kontakt. Eine Macht - von der sie nichts wussten. Eine Macht - die auf sie aufmerksam wird. Eine Macht - mit der Kraft die Welt umzuwälzen - die alles verschlingt, was sich ihr in den Weg stellt. Licht ist der Beginn einer Reise ... 'In etwa so eine Geschichte wäre herausgekommen wenn Hermann Hesse Fantasy Romane geschrieben und J. R. R. Tolkien sich in anspruchsvoller Literatur versucht hätte.'

Der Oberpfälzer Autor Tobias Sichelstiel aus Amberg hat sich ganz der düsteren philosophischen Phantastik verschrieben. 'Licht' ist der erste Teil der Buchreihe 'Schattenseiten'. Inspiriert wurde er unter anderem von Hermann Hesse, J. R. R. Tolkien und Stephen Kings Dunkler-Turm-Zyklus.
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Der schwarz gemantelte Fremde


1


ellen von schreiendem Widerhall, der aus allen Richtungen zu kommen scheint, werden in zwei oval geschwungenen Muscheltrichtern gefangen und letztendlich durch die auf ihnen befindlichen Rutschen in zwei dunkle, gewundene Tunnel, die ins Schwarz reichen, gespült. Werden nicht mehr nur vergebens von grauer Felswand zu Felswand, von links nach rechts, vom Boden aus zum hinter ihm liegenden Felshang reflektiert. Oder wie andere, welche nach oben in den blauen Himmel oder nach vorne in die weite und gleißende Wüste geworfen werden, und dort als fehlgeleitete Wellen einen schnellen Tod sterben. Nein, dieses Schicksal droht dem Rufen nicht. Denn im Ohr dieses unfreiwilligen Zeugen angekommen, wird der Schall dieser Schreie, die einen unbändigen Überlebenswillen in sich bergen – gierig nach Leben lechzen und flehen – erstmalig wahrgenommen. Schreie, die, wie jetzt noch reichlich vorhandenes, bald verderbendes Saatgut, wild hinausgeschleudert werden und bisweilen nur tauben, trockenen Fels berührten, werden gehört und darüber hinaus sogar erhört, da sie im Zuhörer einen Drang auslösen. Ein Verlangen – dass der Mann nicht nur als stummer Zeuge walten, sondern diese schrillen und wimmernden Töne der Angst zu lindern versuchen will. So hat der aus der Not heraus willkürlich gesäte Samen, welcher verheißungsvolle Hilfe als Frucht tragen soll, binnen eines kurzen Augenschlags in dem Hörer den ideal bereiteten Nährboden für Hilfe gefunden. Ein Samen, der den Willen seines Wirts augenblicklich in Besitz genommen hat, als jener zum Spross gekeimt war und mit seinem tief gebohrten Wurzelwerk dessen Herz erreicht hatte. Hier hat das Geflecht einen geräumigen Ort vorgefunden um sich zu verankern. Eine Geräumigkeit deren Dimension der Wirt sicher verleugnet hätte, wenn ihm eine Wahl dazu geblieben wäre.

Der Zeuge dieses Überlebenskampfes des ihm unbekannten Menschen, der weiblicher Natur zu sein scheint, sucht fieberhaft mit seinen Augen das unwegsame Gelände ab. Dieses hat der Wind über die Zeit hinweg, mit feinem Sand, statt ehernem Meißel, in seine jetzige Form gebracht. Dieser diente dabei nicht sich selbst, indem er, wie ein Bildhauer, dem Stein eine Gestalt aufzwang. Nein, das tat er wirklich nicht. Er förderte nur dessen runde Formen, Nischen, Tunnel und Säulen – welche bereits seit Anbeginn der Zeit im Fels verborgen liegen – zu Tage, befreite sie aus ihrer beklemmenden Hülle.

Dieser Umstand macht es dem Menschen unmöglich, einen klaren Weg oder wenigstens einen Pfad in diesem verwundenen Irrgarten zu erkennen. Wirr läuft er umher. Späht hier, späht dort. Versucht trotz des Umstands, keine konkrete Strömung der Schallwellen ermitteln zu können, sich dem Ursprung des schrillen Plärrens zu nähern. Will die Fährte des Geräuschs aufnehmen, welche mäandernd dem Weg des geringsten Widerstands folgt und sich in strömenden, rauschenden, und sich gegenseitig überlagernden Geräuschrinnsalen ansammelt, bis sie sich immer weiter, bis zum Strom verbunden hat. In dieses Flussbett des Schalls, in welchem es sich dieser, in Form von ringsum geschliffenen Läufen, bequem gemacht hat, könnte er sich zwar stellen, könnte sich auch direkt gegen den Strom richten, um diesen noch intensiver zu spüren – aber eine eindeutigere Richtung würde er in diesem Gebilde, welches ihn mit seinen Windungen an ein menschliches Ohr erinnert, auch so nicht zu deuten vermögen. Denn schließlich kann man die Quelle eines Flusses nicht bestimmen, indem man sich lediglich in diesen stellt. Aber trotzdem hört sich die Stimme allmählich voller an. Kommt entweder näher, oder wird durch den Schall zunehmend in die Irre geführt. Der schwarz gemantelte Fremde beginnt zu laufen.

Nach wenigen Momenten hat er schließlich den laut sprudelnden Quell erreicht. Unter einer herausgespülten Felsnische sieht er zwei nackte Menschen. Einen dunkelhäutigen Mann, der wütend und hektisch, sichtlich überfordert versucht, eine weiße, unter ihm verzweifelt nach Luft röchelnde Frau, zum Schweigen zu bringen. Er würgt sie und schlägt ihren Kopf immer wieder gegen die scharfen Kanten eines ausgebrochenen Steins unter ihr, der bereits mit einer klebrigen Schicht aus Blut und Haaren überzogen ist. Während dieser Betrachtung, hört der Zeuge dieses leidvollen Schauspiels nicht damit auf, eilig näher, aber trotzdem zu spät zu kommen. Langsam verstummt das Gurgeln.

Sie kommen zusammen. Ihr Tod und sein Orgasmus. Für den Schwarzen legt sich ein samtenes Tuch der Ruhe über diesen Schauplatz. Befindet sich am Höhepunkt seiner Euphorie, welche ihn taumelnd vor Erregung macht. Ihm kommt es so vor, als hätte er sein ganzes Leben auf diesen Augenblick gewartet. Sein Keuchen und das aufgeregte Pochen seines Herzens in den Ohren, in dessen Rhythmus er eben die Frau grob penetriert hat, überdecken die näherkommenden Schritte.

Der laufende Mann zögert nicht, routiniert seinen Dolch zu ziehen und diesen ebenso gekonnt dem Schwarzen von hinten, geradewegs ins Herz zu rammen. Einen kurzen Augenblick stellt er sich vor, wie die Spitze seines Dolchs den Weg durch dessen Körper verspürt haben muss. Führt sich das einen Bruchteil einer Sekunde dauernde Bild vor Augen, wie die Klinge auf der Haut auftrifft, diese Hülle erst durchbricht, bevor die Epidermis, vorbei an Schichten, in denen Drüsen und verankerte Haarwurzeln sitzen, durchquert wird. Der Dolch sich seinen Pfad immer weiter und tiefer durch Arterien, Bindegewebe und Nervenbahnen hindurch schneidet, bis er jede einzelne Hautschicht durchdrungen hat und sich jetzt geschickt, mit der Kraft, die ihm sein Führer auf seine Scheiden gibt, sich einen Weg zwischen den Rippen hindurch bahnt. Die Klinge dringt immer tiefer ins Fleisch vor. Durch Fett und Muskelgewebe und vorbei an Mark und Gebein. Solange bis endlich die letzte Haltestelle, der Herzbeutel, in Sichtweite kommt. Die Scheidewand zwischen rechter und linker Herzkammer ist im gleichen Ruck schnell durchtrennt. Weshalb er sich endlich an seiner vollends todbringenden Endbestimmung einfinden kann. An seinem Ziel, genau inmitten des Redukts eines zurückgeführten, sterbenden und in diesem Zustand jetzt wieder geschlechtslos gewordenen Menschen, angekommen. So das Erreichen der letzten Station seines Mörderlebens, mit der tief bis zum Heft eingeführten Klinge, im Zentrum seiner beiden Kammern, einläutet.

Der rege Kreislauf des Blutes im Körper des nackten Mannes stagniert auf einem Male. Dessen Blut will nun vielmehr nach außen in die Freiheit dringen und sich sprudelnd auf den Fels ergießen. Der Muskel, der eben noch den mit Sauerstoff angereicherten Lebenssaft durch seine Aorta, Venen und Arterien gepumpt hat, hängt erschlafft in der Brust. Der nun selbst dem Tod geweihte Mörder verspürt hingegen nur einen kurzen, ihn am ganzen Körper betäubenden Stich in seinem Rücken, der ihn sogleich sämtlicher Kräfte beraubt, und einen letzten, besonders starken Herzschlag in seinem Inneren, der so stark ist, dass er glaubt, dieser Muskel wolle seine Brust durchbrechen. Dies war der Moment, als der Dolch an der Innenseite einer Rippe aufschlug. Den Blick seiner weit geöffneten, aber für die Außenwelt bereits blind gewordenen Augen, richtet er nach innen auf sein Leben, während dies zeitlos Revue passiert. Ein Vorgang, der ihm seine Taten wieder ins Gedächtnis rufen soll, bevor aufgrund dieser ein Urteil über ihn gesprochen wird. Er macht sich langsam auf, über die in sein Seelenheim eingebrochene Klinge, die sich in dem warmen Fluss aus Blut wohl fühlt, wie über eine Antenne zu entweichen.

Nun herrscht wirklich Ruhe über dem Schauplatz der menschlichen Abgründe. Aus dem blutüberströmten Gesicht der Frau, aus dem durch Gewalt schrecklich deformierten Schädel, blicken die offenen Augen, welche vom Schimmer des Lebens bereits verlassen sind, in die leer stehenden ihres nun ebenso toten Mörders. So hat keiner der Beiden ihren zu einer Person gebündelten Richter, Henker und Rächer gesehen.

Der Mann zieht seinen Dolch aus dem Körper des toten Mannes und hievt diesen von dem der Frau. Danach macht er einen Schritt zurück und betrachtet das Stillleben blutüberströmter Nackter. Mit analytischer Sorgfalt beginnt er mit seinem Blick den Tatort abzutasten. An den Kanten des abgebrochenen Steines, in dem deutlich scharfe Muscheln auszumachen sind, sieht er vereinzelt die blutverklebten schwarzen Haarbüschel und abgeschabte Hautfetzen der Frau kleben. Sieht, dass der Körper der Frau an vielen Stellen Striemen und Narben aufweist und unter ihren Fingernägeln sich Blut und Haar von der Brust des Mannes angesammelt hat. Um ihren Hals trägt sie einen unschicklichen Reif zur Zierde. Dieser in Form von vielen dunkelblauen Hämatomen, angeordnet zum deutlichen Würgemal der fest umschlossenen Männerhände, waren ihr Ende. Oberhalb ihrer Hand- und Fußgelenke kann man deutlich die Spuren von Fesseln ausmachen. Sie war ohne Zweifel eine Frau, die durch Krieg, Verfolgung und Verschleppung zur Sklavin geworden ist. Ihr hübsches Äußeres – Dank ihres stark vernarbten Genitalbereich unschwer zu erkennen – ihr Verhängnis. Das war der Tribut, den sie für ihre sicher schon oft verwunschene Schönheit zahlen musste. Ein derber Blutzoll, aufgewogen mit einer Vielzahl gröbster Vergewaltigungen.

In dem Körper des blutenden Mannes, der eben – oder vielleicht auch schon vor langer Zeit – zum Mörder geworden war, ist der Fluss des Blutes nun endgültig zum Stillstand gekommen. Die anfangs noch ihm entgegen gereckte Erektion ist nur noch ein schlaffes Etwas eines alten Mannes. Der Gerichtete mit faltigem Gesicht und grauem Bart hat schon viele...



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